- Zugewanderten soll möglichst rasch Zugang zu Arbeit und Ausbildung ermöglicht werden
- Gutes Zeugnis für Tiroler Soziale Dienste GmbH (TSD)
- „Value Shifters“ – ambivalente Haltungen gegenüber Integration und Zuwanderung
Wie steht die Tiroler Bevölkerung zu Migration und Integration? Antworten darauf liefert der Integrationsmonitor Tirol 2025, der heute, Freitag, von Integrationsreferent LHStv Philip Wohlgemuth und Christoph Hofinger, Geschäftsführer vom Forschungsinstitut FORESIGHT, vorgestellt wurde. Die repräsentative Umfrage wurde im Auftrag des Landes Tirol durchgeführt und beleuchtet Einstellungen, Sorgen und Erfahrungen der TirolerInnen rund um Zuwanderung, Integration und Zusammenleben. Bereits zum fünften Mal seit 2017 wurden dafür 700 Personen ab 16 Jahren telefonisch und online befragt. Die Ergebnisse ermöglichen nicht nur eine aktuelle Momentaufnahme, sondern auch einen Vergleich der Entwicklungen über die vergangenen Jahre.
Der aktuelle Integrationsmonitor 2025 zeigt unter anderem, dass die Tiroler Bevölkerung weder pauschal ablehnend noch pauschal unkritisch ist, dass ein möglichst rascher Zugang zu Arbeit und Ausbildung Zuspruch findet und ermöglicht werden soll und, dass das Zusammenleben mit Zugewanderten vor allem in der eigenen Gemeinde positiv bewertet wird.
„Integration ist kein abstraktes Konzept, sondern findet im Alltag statt – in den Gemeinden, am Arbeitsplatz, in der Freizeit und im direkten Zusammenleben der Menschen“, so Integrationsreferent LHStv Wohlgemuth zu den Ergebnissen des aktuellen Integrationsmonitors und führt weiter aus: „Gerade dort, wo persönliche Begegnung er- und gelebt wird, wird das Miteinander mit Zugewanderten deutlich positiver bewertet. Das ist ein wichtiges Signal für unsere Gemeinden und für die Integrationsarbeit insgesamt.“
Unterschied Wohngemeinde vs. Landesebene
Besonders auffallend ist, dass das Zusammenleben mit Zugewanderten und geflüchteten Menschen in der eigenen Wohngemeinde wesentlich besser beurteilt wird als auf Landesebene. Die Mehrheit der Befragten ist der Ansicht, dass das Zusammenleben vor Ort gut funktioniert – insbesondere in ländlichen Regionen. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass Integration mit klaren Erwartungen verbunden ist: Zugewanderte sollen Werte, Regeln und Gepflogenheiten respektieren und sich aktiv einbringen. „Sechs von zehn Tirolerinnen und Tirolern sind der Meinung, dass das Zusammenleben mit Zugewanderten in der eigenen Wohngemeinde sehr oder ziemlich gut funktioniert. Beim Zusammenleben mit Geflüchteten ist rund die Hälfte, also 52 Prozent, dieser Ansicht“, so Hofinger. Für Tirol insgesamt finden 45 Prozent, dass das Zusammenleben mit Zugewanderten sehr oder ziemlich gut funktioniert, beim Zusammenleben mit Geflüchteten sind 37 Prozent dieser Ansicht.
Rascher Zugang zu Arbeitsmarkt wichtig, TSD mit gutem Zeugnis
Ein zentrales Ergebnis betrifft den Arbeitsmarkt. Die Tiroler Bevölkerung spricht sich weiterhin mit großer Mehrheit dafür aus, Zugewanderten und Geflüchteten möglichst rasch Zugang zu Arbeit und Ausbildung zu ermöglichen. „Der Arbeitsmarkt ist ein Schlüssel für gelingende Integration – für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ebenso wie für die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes“, so LHStv Wohlgemuth, der betont: „Entscheidend ist, was jemand beiträgt, nicht woher er oder sie kommt.“
Seitens des Landes Tirol werden integrationsbezogene Maßnahmen, beispielsweise Bildungs- und Beratungsmaßnahmen, gefördert. Im vergangenen Jahr waren dies rund 2,2 Millionen Euro. Zudem setzt auch die TSD gezielt darauf, geflüchteten Menschen zu helfen, in der Tiroler Berufs- und Bildungslandschaft Fuß zu fassen – unter anderem mit dem Projekt „Tiroler Integrations-Kompass“, das jährlich rund 1.000 geflüchtete Menschen unterstützt.
„Besonders freut mich, dass der TSD im Zuge der Befragung insgesamt ein gutes Zeugnis ausgestellt wurde“, so LHStv Wohlgemuth, der darin eine Bestätigung für die konsequente Arbeit der TSD sieht. Die Hälfte der TirolerInnen (50 Prozent), die die TSD kennen, finden, dass diese sehr oder ziemlich gute Arbeit beim Zusammenleben und bei der Integration von Zugewanderten leistet.
„Value Shifters“ – Integration wird ambivalent betrachtet
Auch aus wissenschaftlicher Sicht zeigt der Integrationsmonitor ein differenziertes Bild. „Die Tiroler Bevölkerung ist weder pauschal ablehnend noch uneingeschränkt weltoffen. Vielmehr sehen wir pragmatische und oft ambivalente Haltungen, die Empathie und Sorge zugleich beinhalten. Diese sogenannten ‚Value Shifters‘ prägen das Meinungsbild stärker als eindeutige Pro- oder Contra-Positionen“, erklärt Hofinger.
Der Integrationsmonitor 2025 macht zudem deutlich, dass die Menschen in Tirol viele gesellschaftliche Themen mit Sorge betrachten – so auch das Thema der Integration. Dies ist wohl in eine allgemeine Verunsicherung über wirtschaftliche, soziale und globale Entwicklungen eingebettet. Gleichzeitig bleibt die Zustimmung zu arbeitsmarktbezogener Integration seit Jahren konstant hoch. „Gerade deshalb brauchen wir eine faktenbasierte, verantwortungsvolle Integrationspolitik. Integration gelingt dort am besten, wo Menschen Perspektiven haben und Teil des gesellschaftlichen Alltags sind, wo sie gebraucht werden. Der Integrationsmonitor liefert uns dafür eine unverzichtbare Grundlage“, unterstreicht LHStv Wohlgemuth abschließend.

