- Gedenkabend zu 85 Jahren NS-„Euthanasie“ im Kurhaus Hall am 19. März
- Ausblick: Literarische Spurensuche im Brenner-Archiv am 26. März
- Programm und Veranstaltungskalender zu „Tirol erinnert“ unter tirol.gv.at/erinnern
- Bislang 5.400 BesucherInnen bei Leokadia Justman und Begleitprogramm
Mit einer Mischung aus künstlerischen Beiträgen und wissenschaftlichen Vorträgen wartet das Begleitprogramm der Ausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus!“ im März 2026 auf. Für Kulturreferenten LH Anton Mattle schließt sich damit ein Kreis rund um das Schicksal von Leokadia Justman: „Wissenschaft und Kunst reichen sich die Hand, wenn es um Erinnerungskultur geht. Es freut mich besonders, dass Leokadias Geschichte nun auch in künstlerischen Kreisen neue Impulse gibt – und das Publikum einlädt, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.“ Seit dem Start vor knapp einem Jahr haben insgesamt 5.400 Interessierte die Ausstellung zu Leokadia Justman im Landhaus besucht.
„Brechen wir aus!“ – Geschichte trifft auf Bühne und Musik
Am Donnerstag, 12. März 2026 (15 Uhr), wird der Große Saal im Landhaus zur Bühne: Das Osterfestival Tirol widmet sich beim Format „40 Orte“ dem Leben von Leokadia Justman. In Kooperation mit dem Tiroler Landestheater wird eine szenisch-musikalische Lesung zur Aufführung gebracht, die mit Mitteln des Theaters und jiddischer Musik Leokadias beschwerliche Flucht nachzeichnet. Mitglieder des Schauspiel-Ensembles des Tiroler Landestheaters sowie MusikerInnen rund um die österreichische Sängerin Timna Brauer hauchen Leokadias Geschichte zwischen Verfolgung, Mut und Hoffnung neuen Atem ein.
LH Mattle unterstreicht die klare Botschaft dieses Kooperationsprojektes: „Leokadia Justman steht nicht nur für Mut und Überlebenswille, sondern auch für Zivilcourage und Menschlichkeit. Ihre Geschichte fordert uns gerade heute heraus – im Einsatz für Demokratie und Menschenrechte.“ Für die szenische Lesung ist eine Anmeldung bis 11. März unter office@osterfestival.at oder +43 5223 53808 erforderlich, der Eintritt ist frei.
Gedenkabend in Hall: Verantwortung für die Gegenwart
Mit dem Abtransport aus der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Hall in Tirol begann vor 85 Jahren die systematische Mordaktion an geistig und psychisch beeinträchtigten Menschen aus dem Gau Tirol-Vorarlberg. Allein aus Hall fielen 360 Frauen, Männer und Kinder dem Krankenmord zum Opfer. In jüngerer Vergangenheit hat sich das heutige Landeskrankenhaus intensiv mit der Vergangenheit auseinandergesetzt und Hall als Drehscheibe für die NS-„Euthanasie“ beleuchtet. Am 19. März 2026 findet dazu um 18 Uhr im Haller Kurhaus ein Gedenkabend für die Opfer aus der damaligen Heil- und Pflegeanstalt statt. Die mehrfach ausgezeichnete Theatergruppe „Blickwechsel“ aus Haar bei München bringt mit ihrer Performance „Stimmen“ die Schicksale der Opfer auf die Bühne. Ein Vortrag von Michael Wunder, Psychologe und Psychotherapeut, ergründet die Bedeutung von Gedenken und Verantwortung heute. Den Abschluss bildet ein gemeinsamer Besuch der Gedenkorte am Areal des Landeskrankenhauses Hall in Tirol. Anmeldungen sind bis 2. März 2026 unter veranstaltungen.tirol-kliniken.at möglich.
Ausblick: „Im Netz“ – Literatur als Zeitzeugnis
Während ihrer Haft im Innsbrucker Polizeigefängnis teilte sich Leokadia Justman eine Zelle mit Helga Erdtmann – diese wurde später unter dem Namen Anja Lundholm als Schriftstellerin über die Grenzen Deutschlands bekannt. Am 26. März 2026 rückt das Brenner-Archiv in Innsbruck ihre literarische Verarbeitung von Haft und Verfolgung in den Mittelpunkt. Ein Gespräch mit dem Forscher Markus Ender und dem Filmemacher Nico Beyer, dem Enkel der Autorin, zeichnet die dramatische Lebensgeschichte Lundholms und ihr Schreiben zwischen historischer Realität und literarischer Fiktion nach.
Sonderausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus!“
Die Ausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus! Als polnische Jüdin auf der Flucht in Tirol“ ergänzt als Sonderpräsentation die Rahmenausstellung „Vom Gauhaus zum Landhaus. Ein Tiroler NS-Bau und seine Geschichte“ und ist von Montag bis Freitag (9 bis 17 Uhr) im Landhaus 1 zu sehen. Die selbstverfassten Gedichte von Leokadia Justman können jeweils freitags (12 bis 17 Uhr) ebenfalls im Landhaus 1 (Festsaal) besichtigt werden (Ausnahmen: 20. Februar, 6. März, 10. April, 19. Juni, 26. Juni, 18. September, 13. November, 20. November 2026). Das Projekt ist eine Kooperation des Landes Tirol mit der Universität Innsbruck und dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, der Pädagogischen Hochschule Tirol, dem Archiv für Bau.Kunst.Geschichte, dem Programm ERINNERN:AT des OeAD (Österreichs Agentur für Bildung und Internationalisierung) zum Lehren und Lernen über Nationalsozialismus und Holocaust sowie dem Verein Wissenschaft und Verantwortlichkeit. Alle Veranstaltungen zum Thema „Tirol erinnert“ sind unter tirol.gv.at/erinnern zu finden – dort steht auch der virtuelle 360°-Rundgang der Ausstellung „Vom Gauhaus zum Landhaus“ zur Verfügung.




