Personal an Pflichtschulen: Tirol sichert regionale Schulstandorte

Bund kommt Forderungen aus Tirol schrittweise nach und entlastet Schulen

  • Landesmittel für regionale Besonderheiten und zusätzliches Personal im Schuljahr 2026/27 gesichert
  • Tiroler Anliegen: Erhalt der Klein- und Kleinstschulen nach dem Prinzip „Schule im Ort“
  • Forderung nach bundesweitem Berufsbild „pädagogischer Assistenz“ bleibt aufrecht, Bund soll „Anerkannte Europäische Schule“ in Bundes-Regelstellenplan übernehmen

Laut Verfassung ist in Österreich der Bund für das Pflichtschulpersonal verantwortlich, weshalb die Republik Österreich für die Gehälter der PädagogInnen aufkommt. In der Vergangenheit hat das Land Tirol zusätzlich zum Stellenplan des Bundes weitere Landesmittel für Personalkosten an Tirols Pflichtschulen zur Verfügung gestellt und damit Aufgaben übernommen, die Großteils der Bund erfüllen müsste. Zuletzt hat das Tauziehen zwischen Bund und Land zu Verunsicherung bei der Lehrergewerkschaft geführt. Nun kommt der Bund den Forderungen des Landes schrittweise nach und die Tiroler Landesregierung gibt die Mittel für die weitere Mitfinanzierung zusätzlicher Personalressourcen frei. 

„Bildung und Ausbildung bedeuten Chancen für unsere Kinder und Jugendlichen. Deshalb leistet das Land Tirol im Bildungsbereich mehr als es laut Verfassung müsste. Gerade regionale Besonderheiten – wie die für Tirol so wichtige Klein- und Kleinstschulstruktur – werden in den zur Verfügung gestellten Bundesmitteln nicht ausreichend berücksichtigt. Deshalb stellt das Land Tirol auch im nächsten Schuljahr zusätzliche Landesmittel bereit, um mehr Personal zur Verfügung zu stellen, als uns der Bund zugestehen würde. Wir können und werden den Bund auch weiterhin an seine Verantwortung für den Bildungsbereich erinnern, sehen uns aber auch darin bestätigt, dass ein zentralisiertes Bildungssystem den regionalen Unterschiedlichkeiten zu wenig gerecht wird“, verweist LH Anton Mattle auf die laufende Reformpartnerschaft zwischen Bund, Länder und Gemeinden. 

Positiv streicht der Landeshauptmann aktuelle bildungspolitische Maßnahmen der Bundesregierung hervor: So behandelt der Österreichische Nationalrat diese Woche eine Dienstrechtsnovelle, mit der Entlastungsstunden für „mittleres schulisches Management“ an Pflichtschulen eingeführt und vom Bund finanziert werden sollen. In der Praxis zeigt sich seit Jahren, dass die vom Bund über den Stellenplan zur Verfügung gestellten Mittel nur für die Bereitstellung eines Mindestangebotes ausreichen. Deshalb wurde heute, Dienstag, auf Antrag von Bildungslandesrätin Cornelia Hagele die Mitfinanzierung des Landes Tirol an den Personalkosten im Schuljahr 2026/27 für allgemein bildende Pflichtschulen beschlossen.

„Die gezielten Investitionen des Landes zeigen klar, dass Tirol bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und unseren Bildungsstandort aktiv zu fördern. Wir setzen damit ein starkes Signal für stabile Schulstandorte und die besten Bildungschancen für unsere Kinder und Jugendlichen“, so LHStv Philip Wohlgemuth.

Investitionen in Schulstandorte und Prävention

Die Landesmittel werden auch im Schuljahr 2026/27 eingesetzt, um den Bildungsbereich in Tirol mit seinen Besonderheiten gezielt zu stärken. Im Fokus steht dabei insbesondere der Erhalt der Klein- und Kleinstschulen nach dem Prinzip „Schule im Ort“. Sie sichern nicht nur wohnortnahe Bildung, sondern stärken auch die regionalen Strukturen und Ortskerne nachhaltig. Gleichzeitig wird verstärkt in sogenannte Brennpunktschulen investiert, um Bildungsarmut frühzeitig entgegenzuwirken und langfristige soziale Folgekosten zu vermeiden. Eine wichtige präventive Arbeit leisten hier zudem Interventionslehrpersonen, um Probleme frühzeitig aufzufangen und beispielsweise Bildungsabbrüche entgegenzuwirken, bevor aufwendige Maßnahmen notwendig werden. 

„Mit den gezielten Investitionen des Landes übernehmen wir Verantwortung und stärken Prävention, Chancengerechtigkeit und leistungsstarke Bildungsstandorte in allen Regionen Tirols. Jeder Euro, den wir heute in Bildung investieren, ist eine Investition in die Zukunft unserer Kinder und unseres Landes“, erklärt Bildungslandesrätin Hagele.

Bund soll Personal für Anerkannte Europäische Schule künftig übernehmen

Ein weiterer Schwerpunkt liegt zudem auf der Weiterentwicklung der in Tirol etablierten Anerkannten Europäischen Schule (AES) Tirol, die seit 2023 als österreichweites Vorzeigemodell gilt. Bereits rund 550 SchülerInnen profitieren aktuell von diesem innovativen Bildungsangebot, für das Schuljahr 2026/27 werden rund 800 Kinder an den drei Standorten in Innsbruck erwartet. 

„Unser Ziel ist es, das erfolgreiche Vorzeigemodell AES mit den zusätzlichen Landesmitteln konsequent weiterzuentwickeln und die derzeit dislozierten Standorte schrittweise zusammenzuführen. Nichtdestotrotz ist es an der Zeit, dass der Bund das Personal für die Anerkannte Europäische Schule regulär übernimmt und künftig auch finanziert“, wünscht sich LRin Hagele. „Der mehrsprachige und multikulturelle Unterricht an der AES Tirol – mit Deutsch, Englisch oder Italienisch als Arbeitssprachen sowie bilingual geführten Fächern – eröffnet den Schülerinnen und Schülern frühzeitig vielfältige Bildungs- und Berufsperspektiven und stärkt ihre Chancen in einer zunehmend internationalen Welt. Das sollte auch der Bund als großen Mehrwert erkennen.“

Berufsbild „pädagogische Assistenz“ gefordert

Auch eine altbekannte Forderung bleibt aufrecht: Bislang werden SchulassistentInnen vom Schulerhalter finanziert, vor allem von den Gemeinden angestellt und durch das Land Tirol bezuschusst. Die Landesregierung hat mit der neuen Richtlinie – unter großem Zuspruch von ARGE Sodit, dem Verein RollOn Austria und der Kinder- und Jugendanwaltschaft Tirol – modernisiert. Dennoch liege die Aufgabe der Finanzierung beim Bund, um Gemeinden und Land dauerhaft zu entlasten. Die Thematik ist schon länger bekannt, die Bundesregierung hat diesbezüglich in ihrem Regierungsprogramm die Schaffung des Berufsbildes „pädagogische Assistenz“ vereinbart. Zudem wurde bereits im Finanzausgleich diese Systemumstellung vereinbart. 

Konkret bräuchte es aus Tirols Sicht eine Änderung im Bildungsinvestitionsgesetz sowie im Dienstrecht mit dem Ziel, FreizeitpädagogInnen, Schulassistenzen und Stützkräfte in das neue Berufsbild zu überführen, bei der Bildungsdirektion anzustellen und die Finanzierung durch den Bund zu sichern. Tirol fordert daher wiederholt eine rasche Umsetzung der „pädagogischen Assistenz“ ein: „Für die Finanzierung der pädagogischen Berufe ist grundsätzlich der Bund zuständig. Bei der Schulassistenz lässt der Bund die Gemeinden und das Land bislang im Regen stehen. Wir bleiben bei unserer Forderung, dass das Berufsbild der pädagogischen Assistenz rasch umgesetzt wird. Damit könnten Gemeinden und Städte nachhaltig entlastet, eine Kompetenzbereinigung im Bildungsbereich umgesetzt und der Verwaltungsaufwand deutlich reduziert werden“, so LRin Hagele abschließend.


Kurzmeldungen aus der Regierungssitzung:

Regionalwirtschaftliches Programm Osttirol: Das Land Tirol begegnet den regionalwirtschaftlichen Herausforderungen in Osttirol mit einem starken regionalwirtschaftlichen Programm und wirkt damit auch der Abwanderung entgegen. Auf Antrag von LH Anton Mattle beschloss die Tiroler Landesregierung heute, Dienstag, 20 Millionen Euro für konkrete Projekte in den kommenden zehn Jahre bereitzustellen. Jährlich werden damit zwei Millionen Euro in die Weiterentwicklung des Standortes investiert. „Mit diesem Programm sorgen wir in Osttirol für mehr Investitionen, einen starken Arbeitsmarkt, wettbewerbsfähige Betriebe und mehr Zusammenarbeit. Die Osttirolerinnen und Osttiroler können sich auf das Land Tirol als starken Partner verlassen“, betont LH Mattle. Mehr Informationen dazu finden sich in der Pressemitteilung „LH Mattle: 20 Millionen Euro für die Zukunft Osttirols und gegen Abwanderung“ vom 27. Februar 2026

Online-Formulare ermöglichen Beantragung von zu Hause aus – wöchentliches Update „Vereinfachung & Entbürokratisierung“: Weniger Papier, keine Amtswege, mehr Service: Mit den Online-Formularen des Landes können die TirolerInnen ihre Anträge zunehmend flexibel von zu Hause aus stellen und sich damit analoge Behördengänge sparen. Bisher wurden bereits rund 300 Online-Formulare entwickelt: Rund 200 davon sind derzeit verfügbar und decken Förderungen bzw. Services in unterschiedlichen Bereichen ab – von der Schulkostenbeihilfe über den Kinderbetreuungszuschuss oder die Wohnbeihilfe bis hin zur Beantragung des Tiroler Familienpasses oder der Tiroler Jugendkarte. Weitere Online-Formulare werden – jeweils in klar definierten Antragszeiträumen – freigeschaltet und stehen in diesen Zeitfenstern digital zur Verfügung. Im Zuge der Umsetzung des Tirol Konvents kommen laufend weitere Anwendungsfälle hinzu. Kürzlich ergänzt wurden beispielsweise Online-Formulare für die allgemeine Datenübermittlung, die Förderung von Exkursionen im Rahmen der Erinnerungskultur, die Gewährung einer Unterstützung für Kriegsopfer und Menschen mit Behinderung, eine Leistung nach § 14a Tiroler Mindestsicherungsgesetz (TMSG) sowie einen einmaligen Zuschuss bei außergewöhnlichen Notlagen. „Unser Ziel ist es, den Alltag der Tirolerinnen und Tiroler spürbar zu erleichtern. Die Online-Formulare sparen Zeit, Wege und Aufwand und machen die Verwaltung noch moderner und bürgernäher. Gleichzeitig bringen sie nicht nur den Antragstellerinnen und Antragstellern Vorteile, sondern senken auch den Verwaltungsaufwand bei der Datenerfassung und helfen damit, die Verwaltung insgesamt schlank zu halten. Unter gewissen Voraussetzungen bleibt es natürlich auch weiterhin möglich, Anträge in analoger Form einzubringen“, betont LH Anton Mattle. Digitalisierungslandesrat Mario Gerber ergänzt: „Die Digitalisierung eröffnet uns große Chancen, Prozesse effizienter und transparenter zu gestalten. Wir bauen unser Angebot Schritt für Schritt aus und setzen auf Servicequalität und Nutzerfreundlichkeit. Gleichzeitig schaffen wir mit den Online-Formularen den zusätzlichen Vorteil, dass die Antragstellung zeitlich flexibel und nicht an Amtszeiten gebunden ist.“