Herbert Forster | Landesamtsdirektor
„ins Land einihören“ | Folge 11
Transkript
Hinweis: Gesprächsbeiträge im Tiroler Dialekt werden inhaltlich in Hochdeutsch übersetzt.
Einleitung
Dénes Széchényi (Moderator):
„ins Land einihören", das ist der Podcast des Landes Tirol. Heute moderiert von Dénes Széchényi. Das Land Tirol ist einer der größten Arbeitgeber. Rund 4.500 Menschen arbeiten im Land für das Land in den unterschiedlichsten Berufsgruppen von HandwerkerInnen, FörsterInnen, GeologInnen, VerwaltungsbeamtInnen, JuristInnen bis zu Verkehrs- und GesundheitsexpertInnen. Darüber hinaus bildet das Land Lehrlinge in 19 Lehrberufen aus und bietet Praktika an. Die Arbeitsplätze sind im ganzen Land verteilt und auch die Bezirkshauptmannschaften sind Teil davon. Wie auch alle anderen Unternehmen und in der gesamten Wirtschaft, steht die Arbeitswelt vor massiven Veränderungen, die auch das Land betreffen und beschäftigen. Herzlich Willkommen, Herbert Forster. Sie sind Landesamtsdirektor, also der höchste Beamte im Land und Chef von rund 4.500 MitarbeiterInnen. Offiziell sind Sie Leiter des inneren Dienstes. Zu den Kernaufgaben gehört auch das Vollziehen und Umsetzen der Aufgaben der Landesregierung und der Vorsitz des Landeshauptmanns, wenn man es jetzt ganz offiziell sagt. Sie sind gebürtiger Innsbrucker, verheiratet und ausgebildeter Jurist. Seit 2000 sind sie im Landesdienst und eben seit 1. Jänner 2019 Landesamtsdirektor. War das bei Ihrem Jus-Studium Ihr berufliches Ziel oder haben Sie ganz was anderes im Kopf gehabt?
Herbert Forster:
Ja, zunächst einmal vielen Dank für die Einladung. Das ist sehr schön, dass man vielleicht einmal über das alltägliche Geschäft hinaus auch ein paar Einblicke geben kann, bin ich sehr froh darüber. Ja, es ist tatsächlich so, dass sogar der Landesdienst nicht in erster Linie mein Wunsch war. Also, der ganz private Wunsch war eigentlich immer Hubschrauberpilot zu werden. Das hat sich relativ schnell gehabt, weil ich mit den Augen nicht flugtauglich bin. Und wie das halt in vielen Familien ist, entweder macht man das, was der Papa gemacht hat oder man macht ganz etwas anderes. Ich habe ganz etwas anderes gemacht. Ich war zunächst in der Rechtsanwaltskanzlei, habe den Rechtsanwaltsberuf gelernt und bin dann eigentlich über Umwege wieder in den Landesdienst gekommen. Ich habe schon einmal ein Praktikum gemacht, das mir sehr gut gefallen hat und bin dann, Gott sei Dank und bin heute noch froh, nie mehr weggekommen zu sein. Hab es auch nie bereut.
Herbert Forster privat: Seine Leidenschaft fürs Rennradfahren
Széchényi:
Sie wirken sehr fit. Das kommt hauptsächlich von Ihrem Hobby. Sie sind nämlich begeisterter, passionierter, leidenschaftlicher Radrennfahrer. Sie sind so leidenschaftlich, dass sie sogar Trikots von Teilnehmern der Tour de France in Ihrem Büro hängen haben. Was gibt Ihnen das Radrennen?
Forster:
Also, es hat eine ganz persönliche Note, das ist, dass ich vom Sport komme. Ich habe früher also Schwimmen und Triathlon professionell betrieben, …
Széchényi:
…professionell?
Forster:
Ja, also Weltcup und internationale Meisterschaften und bin dem Sport einfach sehr verbunden und brauche das auch ein bisschen, um wieder bisschen herunterzukommen nach der Arbeit. Das ist für mich einfach, manch anderer liest ein Buch oder ist in der Kultur oder in der Musik oder sonst tätig. Für mich ist es einfach der Sport. Das brauche ich, dass ich einfach wieder bisschen „gepegelt" bin und meine Frau sagt immer wieder, erträglich bin. Ja, das ist also der eine Teil. Der andere Teil ist natürlich, dass ich mit dem Sport und manch Tugenden, glaube ich auch, für den Beruf sehr viel verbinden lässt. Das ist für mich eine wertvolle Beziehung und die Trikots, an denen sollen sich mehrere erfreuen. Und das ist auch tatsächlich so, wir haben erst gestern einen Sektionschef zu Besuch gehabt. Nach zwei Minuten war klar, er ist auch ein Radfahrer, weil er die Trikots erkannt hat und das natürlich dann schon gleich einmal ein netter Gesprächsbeginn war. Und es ist natürlich insgesamt schon auch, glaube ich, eine ordentliche Symbolik. Also was steht dahinter im Sport? Man braucht eine gewisse Ausdauer, eine gewisse Härte zu sich selber. Man braucht einen Teamgeist, ganz besonders im Radsport. Also, es fallen mir da eine ganze Reihe an, glaube ich, Eigenschaften, guten Eigenschaften ein, die sich im Beruf ganz gut dann umsetzen lassen. Auch zum Beispiel, dass man im Sport nicht immer nur gewinnen kann. Es wächst nicht alles nur in den Himmel. Man lernt auch einmal mit Misserfolg umzugehen. Auch das ist etwas, was man in der beruflichen Laufbahn immer ganz gut verwenden kann. Und sie ist natürlich insgesamt eine schöne Symbolik, wenn zwei Dreifach-Weltmeister auf der Wand hängen, die über Jahre ihr Metier beherrscht haben, ist das etwas, wo wir auch hinstreben. Wir wollen ja auch in der Landesverwaltung in Wahrheit die Besten sein, streben nach oben und das zeigt sich eigentlich ganz gut mit dieser Symbolik.
Széchényi:
Kommen Sie zum Radrennfahren rechtzeitig oder auch regelmäßig?
Forster:
Regelmäßig schon, aber natürlich nicht mehr so häufig wie früher. Aber es ist schon etwas, wo ich mir dann ganz persönlich die Zeit nehme und einfach einmal abschalten kann und ja, ein gewisses Level möchte man ja halten.
Széchényi:
Ein Parameter für dieses Level sind die gefahrenen Jahreskilometer. Wie viel machen Sie im Jahr?
Forster:
Naja, ich fahre mittlerweile sehr viel auf der Rolle, also auf dem Hometrainer und da ist es nicht so wenig, also ich habe vor einer Woche, habe ich in den letzten fünf Jahren 40.000 Kilometer zusammengebracht.
Széchényi:
Fast einmal rund um die Welt. (lacht)
Forster:
Ja, also es ist dann doch nicht so wenig, aber auf dem Ergometer kann ich natürlich zu jeder Tageszeit und jedem Wetter auch trainieren. Das mache ich schon sehr konsequent.
Das Land Tirol als Arbeitgeber
Széchényi:
Herr Forster, wir müssen über Arbeit reden.
Forster:
Jawohl!
Széchényi:
Sie sind der Chef von 4.500 Menschen. Die Arbeitswelt ist im Umbruch. Die Boomer-Generation, also da gehöre ich dazu, geht langsam in Pension. Die neuen Generationen haben einerseits nicht so viele Menschen jetzt in dem Sinne, die nachkommen und vor allem, sie wünschen sich andere Arbeitsmodelle, die Jungen. Arbeitslosigkeit steigt, händeringend suchen Unternehmen nach Fachkräften, Sparpaket, alle müssen sparen, neue Technologien, KI und so weiter, alles Dinge, die nicht nur die Gesamtwirtschaft betreffen, sondern auch natürlich das Land als Arbeitgeber massiv beschäftigen. Wie sieht da die Situation jetzt beim Land aus?
Forster:
Also, ich sehe die Situation überhaupt nicht dramatisch, aber wir können uns natürlich von Entwicklungen insgesamt nicht abkoppeln. Wir haben auch ein paar Unterschiede zur Privatwirtschaft, das muss man auch ganz klar sagen. Wir sind in vielen Teilen nicht so flexibel. Ja, wir sind aber dafür sehr breit aufgestellt. Also, es gibt natürlich kein Unternehmen, es gibt größere, als wir es sind, aber von der Branche her, von der Breite her, sind wir, glaube ich, schon wirklich toll aufgestellt und wir haben auch einen guten Mix an Berufen, an Jung und Alt. Wir sind disloziert. Also wir bieten, glaube ich schon, unseren Kolleginnen und Kollegen eine gute Arbeit, natürlich auch eine sichere Arbeit, Sie haben es angesprochen, mit Entlassungen etc. Das sind bei uns Maßnahmen, die eigentlich nicht vorkommen, aber wir werden uns nicht abschaffen, aber werden uns ein Stück weit auch ändern müssen, neu erfinden müssen und das ist, glaube ich, auch ein guter Prozess. Der hat auch schon stattgefunden. Also, wir werden zum Tirol-Konvent noch später kommen, aber wenn man es einmal jetzt allgemein sieht, auch von den MitarbeiterInnen vom Management her, wir haben also in der Amtszeit meiner Stellvertreterin und mir, uns, glaube ich, sehr geöffnet für neue Modelle. Modelle, die in der Privatwirtschaft üblich sind, also Homeoffice, Teilzeitmodelle. Auf was ich besonders stolz bin, ist das Führen in Teilzeit. Das hätte uns, glaube ich, niemand zugetraut und ist schon ein ganz ein wesentlicher Schritt, um auch die Balance zwischen Damen und Herren im Landhaus in Führungspositionen im Landhaus und darüber hinaus natürlich, in allen Dienststellen, zu ermöglichen.
Széchényi:
Also führen in Teilzeit heißt, Entschuldigung, aber Führen in Teilzeit heißt, dass Führungskräfte auch in Teilzeit gehen können?
Forster:
Jawohl. Jawohl. Das hätte es früher nicht gegeben, weil man der Meinung war, ein Chef, eine Chefin sollte eigentlich immer da sein. Und hat sich … Und da hat man auch lernen müssen. Man hat gesehen, da gibt's Modelle. Es ist Führen auch breiter geworden. Das kann also auch in einer Dienststelle nicht auf einer einzelnen Person aufgehängt sein. Soll nicht so sein. Auch das ist Teamwork. Und da, glaube ich, sind wir schon neue Wege gegangen für uns und haben uns da ein Stück weit geöffnet, ein Stück weit auch ausprobiert. Was funktioniert, wo muss man noch nachschärfen. Für mich ist das unterm Strich auch ein Erfolgsmodell und das hängt viel natürlich auch damit zusammen, dass wir attraktiv sind, attraktiv bleiben, attraktiv werden. Wir waren auch bei der Teilzeit früher eigentlich sehr unflexibel, nur bestimmte Stundenmodelle, die also speziell für Wiedereinsteigerinnen aus meiner Sicht nicht attraktiv waren oder eigentlich nicht möglich waren. Und auch da haben wir ganz tolle Erfahrungswerte. Die jungen KollegInnen sind super organisiert, super motiviert und das brauchen wir. Wir brauchen, einfach gesagt, einen bunten Haufen, eine bunte Mischung aus allen Fähigkeiten, aus allen Möglichkeiten. Das wird uns letztlich im Landesdienst die Chance geben, dass wir uns verändern und dass wir aber auch weiterhin attraktive Arbeitsplätze haben.
Széchényi:
Das Problem allerdings ist nach wie vor da, ein Drittel der Mitarbeiter des Landes gehen in den nächsten Jahren in Pension. Ein Schritt dagegen war zum Beispiel, dass das Land jetzt auch Lehrlinge aufnimmt. Mittlerweile sind es glaube ich 19 Lehrberufe, die das Land anbietet. Das sind also die einzelnen Maßnahmen, die das Land setzt, weil es sitzt ja auch im ganzen Wirtschaftspool drinnen. Es geht Ihnen ja nicht anders, wie einen großen Industriebetrieb, der auch neue Modelle eben entwickeln muss.
Forster:
Sie sprechen da einen ganz zentralen Punkt an. Ich bin sehr froh, dass ich immer für Landeshauptleute gearbeitet habe, die also für die Lehre, für Fachkräfte ein besonderes Augenmerk gehabt haben und da eigentlich immer bereit waren, neue Wege zu gehen, Ausbau zu machen. Und ich glaube gerade bei der Lehre sind wir wirklich einen neuen Weg gegangen. Es war auch bei uns so, dass die Lehre eher eingeschränkt war von der Anzahl und auch natürlich von den einzelnen Lehrberufen. Mittlerweile sind wir das breiteste Unternehmen mit mittlerweile glaube ich sogar 20 Lehrberufen, wo man wirklich eine solide Ausbildung bekommt. Ich muss sagen, das hängt auch damit zusammen, dass wir tolle Ausbilderinnen und Ausbilder haben. Es ist ja immer eigentlich ein Pärchen, dass da gut arbeiten muss und das ist ein Bereich auch mit den Lehrlingsmessen, überhaupt mit den BewerberInnen-Tagen, wo wir in den letzten Jahren, glaube ich, tolle Effekte gesetzt haben und wo wir auch sehr viel Interesse bekommen.
Széchényi:
Viele Unternehmen in der Privatwirtschaft buhlen förmlich um neue Mitarbeiter, um Fachkräfte, um auch Lehrlinge mit besonderen Gadgets und so weiter. Hat das Land da auch, wie machen Sie den jungen Leuten das Arbeiten im Land attraktiv?
Forster:
Ja, ich glaube, wir können uns nicht so leicht bewegen, wie die Privatwirtschaft, habe ich schon ganz kurz erwähnt, aber ich glaube, wir sind mittlerweile auch mit vielen Bereichen nachgezogen, etwa auch was Fortbildung betrifft. Also, wir haben hier wirklich mit dem Grillhof ein eigenes Institut, ein Bildungsinstitut, einen super Partner, um den uns viele beneiden, mit tollen Möglichkeiten. Die jungen Leute werden bei uns gut abgeholt. Sie sind in einem Team gut eingebunden. Wir sind, und das muss man glaube ich auch einmal sagen, immer sinnstiftend am Weg. Wir arbeiten nicht irgendwo ins Leere, immer für die Menschen, für die Tirolerinnen und Tiroler und ich achte das schon auch als ein wichtiges Thema und ich merke das auch bei den jungen Leuten, die hinterfragen auch ein bisschen, was ist die Unternehmensphilosophie? Für was stehen wir eigentlich? Was wollen wir? Wir haben auch das Leitbild, glaube ich, gut ausgerichtet, dass unsere MitarbeiterInnen auch wissen, wofür wir stehen, wohin wir wollen. Ja, es ist das Wohl der BürgerInnen, es ist sinnstiftend und diese ganze Mischung und auch eben der bunte Haufen, ich sage bewusst bunter Haufen, es ist gut, wenn sich heute Ärzte, Ärztinnen auch einmal mit technischen Kolleginnen, Kollegen beschäftigen und zum Beispiel Themenstellungen bearbeiten. Ich habe jetzt über 25 Jahre die Erfahrung gemacht, ich habe noch auf keine Frage in unserem Haus zumindest keine Basisantwort bekommen, beziehungsweise dann gesagt bekommen, wo man vertieft weiterforschen könnte. Also wir decken hier schon sehr viel ab und sind ein starkes Team.
Széchényi:
Und eben ein wichtiges Argument, das nach wie vor gilt, ist die Sicherheit des Arbeitsplatzes. Ich glaube, das ist in Zeiten wie diesen – es mag gelegentlich so ein bisschen als Formalargument gelten – aber ich glaube, in Zeiten wie diesen hat es schon durchaus einen hohen Stellenwert und ich möchte sagen, wir sind ja auch durchlässig in beide Richtungen. Also es ist natürlich ab und zu so, dass ein Kollege, eine Kollegin einmal in die Privatwirtschaft wechselt, aber man erkennt auch durchaus den Trend, dass Kollegen, Kolleginnen von außen, die schon Erfahrung im Berufsleben haben, dann zum Land wechseln, weil sie halt doch die Werte, die wir vertreten, auch mitvertreten wollen. Gibt also in beide Richtungen die Möglichkeit.
Der Tiroler-Konvent zur Vereinfachung und Verbesserung der Verwaltung
Széchényi:
Sie haben ihn bereits angesprochen, den Tirol-Konvent, den haben Sie ins Leben gerufen und da hat auch die Bevölkerung die Möglichkeit gehabt, Vorschläge und Verbesserungen zur Vereinfachung der Verwaltung, sagen wir es jetzt ganz kurz, prägnant gemacht, einzubringen. Beispiel: Gibt's da … welche Vorschläge sind denn da gekommen und können die auch umgesetzt werden?
Forster:
Ja, vielleicht eingangs noch zur Ehrenrettung. Der Herr Landeshauptmann hat das natürlich ins Leben gerufen. Ich darf es operativ federführend umsetzen, aber es war ein politischer Auftrag, ein gewollter Auftrag und ich sage das auch deswegen, weil es wichtig ist, der Prozess wird tatsächlich so mitgetragen. Es steht eine gesamte Landesregierung dahinter. Wir sind da sehr kreativ am Weg. Also, ich bin da auch ein Stück weit vom Saulus zum Paulus geworden. Ich habe auch schon mehrere Reformbestrebungen erlebt und war vielleicht zum Anfang auch etwas skeptisch, ob wir diesmal die großen Würfe schaffen, ob wir diesmal vielleicht weitergehen können. Und es war auch für mich ein besonderes Neuland, einen BürgerInnenrat, also wirklich hier eine Partizipation, einzuführen. Ich war da auch zugegen zwei Tage lang, nur zuhörend. Das war für sich schon einmal eine schwere Nummer …
Széchényi:
(lacht)
Forster:
… aber es hat sich wirklich gezeigt nach diesen zwei Tagen, was da für Kraft drin ist. Es war natürlich ein gewisses Informationsbedürfnis, dass man gesagt hat, viele Dinge weiß man draußen halt nicht, die wir haben, die wir machen, für die wir stehen. Es war aber auch interessant und wirklich interessant, da mal zu hören, was den Bürgerinnen und Bürgern wichtig ist. Man hat da vielleicht oft auch eine falsche Einschätzung. Ja, man meint, denen wäre vielleicht am liebsten, man hätte 24 Stunden offen. Das sind oft dann gar nicht die Themen. Die Leute haben nur das Gefühl und wenn wir dann da sind, dann wollen wir aber abgeholt werden. Also, es haben sich da viele, in meiner Welt zumindest, auch Ansätze verschoben, wo man einfach gemerkt hat, was ist den Leuten wichtig? Auf was legen sie Wert? Wo kennen sie uns? …
Széchényi:
Auf was legen sie denn Wert?
Forster:
Logischerweise auf das, was man eigentlich überall erwarten darf, auf eine Höflichkeit, auf eine Serviceorientierung, auf eine Freundlichkeit, auf das Persönliche und das ist, glaube ich, ganz wichtig auch in Richtung KI bei allen Chancen. Sie legen auch Wert auf ein persönliches Zusammentreffen. Das ist ihnen wichtig, eine Interaktion, eine Kommunikation und das sind oft ganz kleine Dinge. Also man würde meinen, dass das für einen Unternehmer vielleicht nicht wesentlich ist, dass er von der Behörde als Zwischenerledigung einfach nur eine Information kriegt: Unterlage eingelangt, wir schauen uns das an. Es ist vollständig, in so und so einer Zeitspanne werden Sie von uns eine Erledigung bekommen. Da kriegt man Rückmeldungen, da staunt man. Da staunt man, wie viele sich über so etwas freuen und sagen, na, das ist jetzt aber eine tolle Kommunikation. Da weiß man, man hat was hingeschickt. Man kennt es ja im Privaten, man schickt irgendwo etwas hin und es kommt keine Rückmeldung. Ja. Und da zeigt sich oft an einfachen Dingen, wo der Bürger wirklich Verwaltung dann auch sehr positiv wahrnimmt und das ist glaube ich auch ein großer Teil des Tirol-Konvents, da einen guten Image-Transfer zu schaffen. Und vielleicht darf ich das auch noch erzählen: Es kommt jetzt nicht so oft vor, aber dass wir, also meine Stellvertreterin und ich, nach dem BürgerInnenrat am Ende, wo so eine Reflexionsrunde stattgefunden hat, dann noch beklatscht worden sind. Ja, das spricht dann schon irgendwo für sich und zeigt, dass man hier einen gemeinsamen Weg geht. Und es sind ja nicht nur die Bürgerinnen und Bürger, sondern der Prozess ist ja so breit aufgebaut, dass wir auch Institutionen, Sozialpartner mitnehmen, Sozialvereine, Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. Das ist also schon sehr breit aufgestellt und ist mittlerweile, glaube ich, ein Produkt, das sich auch wechselweise befruchtet. Also, wir haben zuletzt über Digitalisierung gesprochen zu konkreten Projekten und haben also festgestellt, das was die Wirtschaft an Industrie braucht, im Rahmen von Betriebsanlagenverfahren, sind auch durchaus die gleichen digitalen Prozesse, die die Bevölkerung für Anträge braucht im großen Bereich oder im großen Bereich des Sozialen. Also, da haben sich dann durchaus Verschränkungen ergeben, wo man gesehen hat, mit einer technischen Lösung wird man sozusagen sowohl den Bereich der Gewerbeindustrie, als auch den großen Bereich des Sozialen bedienen können. Und das stärkt natürlich auch die Zusammenarbeit, den guten Austausch, die gute Kommunikation. Also, ich halte den Prozess schon für maßgeblich.
Széchényi:
Also, Sie sind von dem Prozess mittlerweile überzeugt. Und jetzt wird der große Wurf, natürlich kann man in der kurzen Zeit nicht von großen Würfen erzählen, aber was ich jetzt mitgekriegt habe, ein ganz wichtiger Faktor ist: Man muss mit den Leuten reden, das was herausgekommen ist.
Forster:
Ja, das ist ganz entscheidend. Also natürlich gehen viele Prozesse in Richtung Digitalisierung und ich möchte es vielleicht auch ganz klar sagen: Natürlich in der Kommunikation konzentriert man sich natürlich sehr viel darauf, was bringt das dem Bürger, der Bürgerin? Ja, für uns natürlich im Innenverhältnis muss es auch ganz entscheidend sein, was bewirkt das für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Die Medaille muss zwei Seiten haben. Wenn es für den Bürger besser wird, schneller wird, einfacher wird, günstiger wird, gehe ich davon aus, dass wir den Akt auch nicht fünfmal angreifen, sondern eben digital abarbeiten können und dass unsere KollegInnen dann, vielleicht für wertvolle Arbeit eben am Kunden, im Verfahren, auch wieder mehr Zeit haben.
Széchényi:
Also, der Konvent geht natürlich weiter und wird Schritt für Schritt auch dann quasi umgesetzt, was immer dann entschieden wird.
Forster: Das ist also ein Permanentprozess. Wir haben ihn gestartet. Es wird oder es gibt Zwischenergebnisse. Es wird auch entsprechende Jahresergebnisse, Umsetzungsschritte geben, aber es ist ein permanenter Prozess. Wir haben da auch entsprechende Gremien eingerichtet, wo man sich gut schnell austauscht. Wir haben eine gute Struktur aufgebaut, wo die Themen gut abgearbeitet sind. Und ich bin wirklich – möchte es auch in dem Rahmen sagen – ich bin voll des Lobes und der Freude, weil unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter da wirklich jetzt ein Feld entdeckt haben und da ganz aktiv mitmachen. Also es gibt tolle Einmeldungen, da könnte man noch einmal nachschauen, da hätte man noch eine Vereinfachung, da könnte man etwas schneller machen. Das ist mittlerweile eine Welle, wo alle mitreiten und das gefällt mir sehr gut und tut uns auch sehr gut. Es ist das größte Kompliment, das wir da in dem Bereich haben können, ist, wenn es uns die Leute zutrauen. Und es scheint so.
Die Aufarbeitung der NS-Geschichte des Landhauses
Széchényi:
Schön. Als Landesamtsdirektor haben Sie natürlich auch andere Themen zu bearbeiten. Und eines, das Sie in den letzten Jahren sehr beschäftigt hat, wo Sie sich auch persönlich da engagiert haben, ist das Aufarbeiten der nationalsozialistischen Geschichte unter dem Titel „Vom Gauhaus zum Landhaus". Die Geschichte also jenes Gebäudes, in dem unter anderen wir beide auch arbeiten. Warum ist denn es so wichtig?
Forster:
Sie haben es gerade angesprochen, wir beide und viele andere arbeiten in diesem Haus und ich glaube, das macht die Aufgabe so vom Start weg noch einmal schwerer. Es war eine schwierigste Zeit. Es war eine schreckliche Zeit. Es war eine Zeit, die aufgearbeitet werden muss, die für uns jetzt und unsere Kollegenschaft natürlich aber auch bedeutet, dass man täglich mit dem Haus in gewisser Weise erinnert wird, in Berührung kommt und darauf angesprochen wird. Und darum glaube ich, war es wichtig, einen guten Prozess zu starten, der all das ermöglicht. Ich war zunächst auch sehr skeptisch, ob es möglich sein kann, in einem Amtsgebäude mit täglichem Betrieb, eine Art Ausstellung, vielleicht einen Art Museumsbetrieb, was immer, zu inszenieren, beziehungsweise zu betreiben, wie das möglich sein kann. Und der Herr Landeshauptmann war da sehr klar und hat gesagt, er möchte das, er glaubt, dass das möglich ist und wir sollen uns da wirklich fest bemühen. Das haben wir auch. Wir haben da auch wieder alle Kräfte gebündelt und haben es, glaube ich schon geschafft, auf Basis der Forschung…
Széchényi:
Viele haben da auch vom Haus mitgemacht.
Forster:
Ja, ein ganz ein wesentlicher Teil, ist glaube ich, dass wir uns nicht eine Ausstellung von außen oder ein Produkt sozusagen ins Haus setzen – in Klammer lassen –, sondern dass es etwas wird, wo wir in Teilbereichen mitgestaltet haben. Jetzt der wissenschaftliche Teil ist Sache der Forschung. Das ist gegeben. Aber wie es umgesetzt ist, handwerklich, grafisch und alle anderen Arbeiten, da hat das Haus wieder Großartiges geleistet. Da sind wir alle ein Stück aufeinander zugegangen, haben auch wieder sehr viel Neuland beschritten, muss ich sagen. Es ist ja auch ein Thema, wie bespielt man das mit BesucherInnen? Stichwort Sicherheit, Stichwort Amtsbetrieb. All das ist gelungen …
Széchényi:
Also auch wunderbar funktioniert. Die Ausstellung war ein großer Erfolg.
Foster:
Sie war ein großer Erfolg, die Basisausstellung mit 12.500 BesucherInnen, jetzt die laufende Ausstellung „Leokadia Justman" mit rund 4.000 BesucherInnen. Wenn man das große Ziel des Landeshauptmanns, hier einen Lernort zu etablieren, dauerhaft, wenn man das sozusagen als Fokus nimmt, dann ist uns da sehr viel gelungen. Es sind fast täglich Schulklassen da, viele Führungen. Es kommen im Sommer TouristInnen, die sich das anschauen. Und wenn man das alles dann zusammensetzt und sagt, was ist die Aufgabe? Es ist das Aufarbeiten. Es ist bei den Menschen das Wissen darüber. Es ist das Auseinandersetzen. Es ist aber auch ein Stück weit das Erinnern, dann haben wir eigentlich alle diese Einzelbereiche ganz gut besetzt. Und ich hätte auch das Gefühl, dass die Bevölkerung und insbesondere der wissenschaftliche Teil, die sich mit NS-Forschung beschäftigen, das schon mittlerweile sehr gut goutieren. Wir haben zahlreiche Veranstaltungen im Haus gehabt. Wir sind mittlerweile, glaube ich, schon in diesem Bereich der NS-Forschung eine Art Drehscheibe. Natürlich Auftraggeber auch in großer Weise natürlich, aber wir sind jetzt, glaube ich, auch eine fixe Nummer eben auch indem, dass man sagt, wir haben das Haus ein Stück weit geöffnet. Auch das, ein klares Signal: Kommt’s einmal in das Landhaus, schaut euch die Ausstellung an, aber nehmt auch das Haus wahr. Das Haus ist ja nie schlecht gewesen. Es waren die damals tätigen Menschen, zu einem großen Teil. Ja, aber das Haus an sich kann nicht schlecht sein. Und diese Botschaft ist, glaube ich, gelungen.
Széchényi:
Ja, eben eine wesentlich intensivere Aufarbeitung der Geschichte, als jetzt nur einfach ein Denkmal vors Haus zu stellen oder sonst irgendetwas, weil es geht ja weiter. Die Ausstellung geht weiter und auch die Einladungen an Schulklassen und so weiter und so fort.
Forster:
Ja, das soll also eine Regelmäßigkeit haben. Der Landeshauptmann hat hier klar vorgegeben, das ist ein Lernort. Da haben wir einen dauerhaften Auftrag und das ist auch nicht weit hergeholt. Wer sich heute so Entwicklungen rund um Österreich oder rund um Europa oder eigentlich auch in Europa anschaut, also Gazastreifen, Ukrainekrieg, man muss ja nicht lang eigentlich in den Medien großartig schauen, findet man genug Themen wie Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, die letztlich ja auch da bestens diskutiert werden können und erkannt werden können, was die Werte darin sind. Das kann man ja da bestens eigentlich vermitteln und ich glaube, das sind die ganz zentralen Themen, die man sich auch der Zukunft stellen wird. Da haben wir eigentlich auch von der Zeitgeschichte her einen sehr guten Zeitpunkt erwischt, weil diese Themen aktueller sind denn je.
Verabschiedung
Széchényi:
Herr Landesamtsdirektor, herzlichen Dank für den Besuch im Studio. Vielen Dank fürs Gespräch.
Forster:
Von meiner Seite auch vielen Dank fürs Gespräch.
Széchényi:
Danke. Das war ein Podcast des Landes Tirol mit dem obersten Beamten des Landes, Landesamtsdirektor Herbert Forster. Ursprünglich wollte er Hubschrauberpilot werden, dann aber hat er sich für den Beruf des Anwalts entschieden. Als Chef eines der größten Unternehmen des Landes, schätzt er die Buntheit der MitarbeiterInnen. Positiv nimmt er die Beteiligung der Bevölkerung am Tirol-Konvent wahr und das Landhaus als Gebäude wird langfristig die Geschichte des Hauses offen für jedermann erzählen. „Ins Land einihören", den Podcast des Landes Tirol findet ihr auf tirol.gv.at/podcast, auf allen gängigen Podcast-Plattformen und auf YouTube.
Danke fürs Zuhören und fürs Zusehen. Bis zum nächsten Mal sagt Dénes Széchényi.