Portrait der Bezirkshauptfrau von Lienz: Bettina Heinricher
„ins Land einihören“ | Folge 4
Transkript
Hinweis: Gesprächsbeiträge im Tiroler Dialekt werden inhaltlich in Hochdeutsch übersetzt.
Einleitung
Dénes Szechenyi (Moderator):
„ins Land einihören“ – Der Podcast des Landes Tirol. Heute moderiert von Dénes Széchényi. Bezirkshauptmannschaft. Klingt alt. Ist es auch. Zumindest was das Bestehen dieser Verwaltungseinheit angeht. Gegründet für die Untertanen der Donaumonarchie von Kaiserin Maria Theresia vor mehr als 150 Jahren. Untertanen und Monarchie sind Geschichte, Bürger und Demokratie sind heute. Die Bezirkshauptmannschaften sind die Service- und Schlüsselstelle zwischen Bürger und Staat. Sie sind erste Anlaufstelle, wenn es um Recht, Gesetze und Behördenwege geht. In Tirol gibt es neun Bezirksverwaltungsbehörden, in jedem Bezirk eine. Vier werden von Bezirkshauptfrauen geleitet. Herzlich willkommen, Bettina Heinricher. Sie sind Bezirkshauptfrau von Lienz.
Bettina Heinricher:
Einen schönen Vormittag, danke für die Einladung.
Die Person Bettina Heinricher: Von Lienz nach Innsbruck und wieder „hoam hintern Felba“
Szechenyi:
Sie sind geboren in St. Johann im Walde – eine gebürtige Osttirolerin. Sie sind auch dort in die Schule gegangen. Vom Land/Dorf, wo jeder jeden kennt bis in die Spitze der Bezirkshauptmannschaft. Sie sind also quasi im Land geblieben und nicht vom Land geflüchtet. Bewusst?
Heinricher:
Sagen wir mal, vorübergehend. Nach der Matura bin ich natürlich einmal abgehauen, denn in Osttirol kann man nicht studieren. Mittlerweile haben wir ein bisschen was, aber zu meiner Zeit gab es noch kein Angebot. Damals hat "hinaus in die große Welt" Innsbruck geheißen. Hat mir super gefallen, war toll, habe viel gesehen und viel Selbständigkeit gewonnen. Ich könnte das auch jedem empfehlen. Aber ich wollte zurück, weil wir eine schöne Natur haben und tolle Angebote. Meine Family ist daheim, meine Freunde sind daheim. Also ja, eine kurze Auszeit in Nordtirol aber dann "hoam hintern Felba". Das stimmt.
Frauenbilder/Gleichbehandlung im Studium und der Arbeitswelt
Szechenyi:
Sie haben in Innsbruck Jus studiert und sind in den 90er-jarhen immer wieder hin und hergependelt zwischen Lienz und Innsbruck. Und mit ihrer Studienwahl sind Sie auch in den 90er-Jahren noch eine der wenigen Frauen gewesen, die Jus studiert haben. Und Sie mussten sich auch anhören: Eine Frau promoviert am Standesamt und nicht an der Uni. Warum haben Sie sich damals für Jus entschieden? Eine trockene Materie, eigentlich.
Heinricher:
Überhaupt nicht. Ich weiß nicht, warum dieses Studium so einen Ruf hat. Jus ist supercool, vielfältig, man schnuppert in viele Bereiche. Man macht ein bisschen Wirtschaft mit VWL und BWL, man hat die klassischen rechtlichen Geschichten, Zivil- und Strafrecht sowie öffentliches Recht, was jetzt natürlich mein Schwerpunkt ist. Und es ist sehr interessant, unterschiedliche Menschen. Aber ja, die Professoren waren 90 Prozent oder mehr männlich. Und dementsprechend war es nicht so gerne gesehen, wenn die Damen auch gemeint haben, sie bringen etwas weiter, bringen etwas auf die Reihe. Es stimmt. Es ist eine Zeit her und ich hoffe für die jungen Nachfolgerinnen, dass sich etwas geändert hat. Also Jus ist sehr männerlastig, ja. Aber das Studium kann ich jedenfalls empfehlen. Es ist nicht trocken, sondern supercool. Probiert es aus!
Szechenyi:
Also wenn wir den Spruch nochmal nehmen: Eine Frau promoviert am Standesamt und nicht auf der Uni. Das war in den 90ern.Wie ist es heute? Muss frau in Spitzenpositionen immer noch mehr beweisen?
Heinricher:
Ich hätte jetzt ganz frech ja gesagt. Wenn ich eine Anekdote aus der nahen Vergangenheit machen darf, kurz bevor ich Bezirkshauptfrau geworden bin. Da war ich für Tierschutz zuständig. Ich bin mit dem Amtstierarzt die Runde gefahren, weil wir eine Überprüfung gehabt haben. In diesem Fall ging es um Hunde. Passen die Papiere und der Chip? Dann bin ich mit meinem Kollegen in das Haus gegangen und habe das Chip-Lesegerät getragen und dann war die Meldung: "Hast du heute die Sekretärin dabei?". Na ja, das ist nicht so lange her. Es ist nach wie vor ein Thema. Die jungen Kolleginnen wissen es, wenn man startet gerade in einem Anlagenbereich wo es um Verhandlungen geht, da wird einmal geschaut. Techniker, das Team, sind in der Regel männlich, gerade im Wasserbau, Elektrotechnik. Und damit bist du vielfach die einzige weibliche Person am Podium und da wird schon oft vom Publikum, den Parteien, den Menschen vor Ort geschaut, rede ich jetzt mit einer Dame oder schnappe ich mir doch einen Herren, weil ich mich da wohler fühle. Deshalb auch ganz großen Respekt auch an meine junge Damen, die eine super Leistung bringen. Ich bin stolz auf sie.
Die ersten Tage als Bezirkshauptfrau – Aufbauen von Vertrauen
Szechenyi:
Seit sie Mitte des letzten Jahres die Bezirkshauptmannschaft übernommen haben, in der Sie bereits 20 Jahre gearbeitet haben. Sie kennen also die Probleme und die Stärken des Bezirks Lienz sehr gut. Sie haben die Stelle in turbulenten Zeiten übernommen. Ihre Vorgängerin wurde abgesetzt. Der Wechsel war also sehr ungewöhnlich. Wie war den rückblickend der erste Tag im Büro der Bezirkshauptfrau.
Heinricher:
Ja, ich war ja Stellvertretung, also habe ich schon ein bisschen reinschnuppern dürfen und habe schon ein bisschen etwas mitbekommen. Aber es ist anders. Es ist ein Unterschied, ob man Stellvertretung oder Chef ist. Man sitzt da und denkt, ja cool, wie läuft das jetzt. Im Referat hat man zehn Leute und auf einmal 120. Bist nicht mehr nur für einen Bereich, wie bei mir Umwelt, zuständig, sondern für alles. Ja, es ist anders, natürlich cool und auch ein bisschen mulmig. Wenn man die Tür aufmacht, denkt man, okay, das ist jetzt echt mein Büro, mein Sessel. Passt das? Also irgendwie kribbelt es.
Szechenyi:
Nach dieser turbulenten Zeit, wie war das persönliche Gefühl?
Heinricher:
Ich habe gute Leute. Alleine könnte ich da drinnen einen Kopfstand machen oder "Templ hupfen", das ist kein Thema. Ich habe ein super Team, meine Führungskräfte sind spitze. Die haben mich unterstützt und das schätze ich sehr. Wir haben circa zehn Führungskräfte mit ihren jeweiligen Teams und da hat man natürlich geschaut, dass das Vertrauen zurückgewonnen wird, das Ruhe reinkommt. Die Leute wissen wie ich ticke, ich habe das Rad nicht neu erfunden. Die kennen mich, ich bin ein klassischer Arbeiter. Ich bin jemand, der Leistung sehen will und der die Menschen auch arbeiten lasst. Und ich glaube, dass das wichtig ist. Dass jeder weiß, das ist mein Bereich, dafür bin ich verantwortlich, dafür bin ich zuständig. Aber die Chefin steht nicht jeden Tag auf meiner Matte. Und das probieren wir.
Szechenyi:
Es hat damals vor allem in der Belegschaft sehr große Unruhe gegeben und wie geht es den MitarbeiterInnen heute und wie haben Sie dieses Vertrauen wieder zurückgewonnen. Es war ja weg.
Heinricher:
Ja, das war schwierig. Wir haben etwas für die Gemeinschaft gemacht. Einen Umtrunk gemacht, uns getroffen und geredet. Jeder hat mit jedem geredet. Die Referate quer durch, Alte mit jungen, kleine mit großen. Es war nicht mehr so, dass geschaut worden ist, wer redet mit wem, wo wird spioniert. Es war ganz entspannt. Die Jungen haben gesehen, dass es auch anders sein kann, dass es Vertrauen gibt, dass wir da sind, um uns gegenseitig zu unterstützen und nicht zu hindern oder zu blockieren. Und ganz cool war die Weihnachtsfeier, als ganz großes Lob an diejenigen, die das organisiert haben. Das war eine super Geschichte. 120 Leute, alle waren da, es hat Spaß gemacht. Und so geht das, dass man miteinander redet, dass man schaut und die Leute auch arbeiten lässt. Das ist mir absolut wichtig.
Neuer Führungsstil – Schwerpunkt Bürgerservice
Szechenyi:
Das wollte ich jetzt fragen. Es war ja ein anderer Arbeitsstil oder es kommt mit Ihnen ein komplett neuer Arbeitsstil und Führungsstil in die Bezirkshauptmannschaft Lienz. Wie würden Sie den beschreiben. Was ist Ihnen wichtig?
Heinricher:
Also mein Team ist super. Großen Respekt und danke, dass sie den Weg mitgehen. Die Leute wollen für das Haus arbeiten, sie wollen für den Bezirk arbeiten und etwas weiterbringen. Wir sind in erster Linie Servicedienstleister. Klar, wir müssen Leute strafen, manchmal einen Führerschein abnehmen. Immer nett geht leider nicht. Aber der Schwerpunkt ist natürlich Bürgerservice und das ist in den Köpfen der Leute drinnen. Es ist selbstverständlich, zu helfen, auch wenn wir vielleicht nicht die richtige Stelle sind. Das ist mir wichtig, dass die Menschen den Service wahrnehmen. Es geht in die Richtung. Wenn es einmal nicht rund läuft, was passieren kann, dass ich natürlich zur Stelle bin. Beschwerdemanagement ist klassisch meine Baustelle. Die Menschen kommen und klar, wenn man eine Strafe bekommt, dann freut man sich nicht. Das muss dann einfach sachlich abgehandelt werden. Es geht nicht darum, ob jemand schlecht geschlafen hat oder wie auch immer, sondern ich mache mir das sachlich aus. Es soll um die Sache gehen und nicht darum, wer da sitzt. Mann, Frau, alt, jung, groß, klein. Es muss um die Sache gehen und natürlich stehe ich hinter den Leuten und versuche mich möglichst wenig einzumischen. Die machen das, sie können das, ich vertraue ihnen. Sie unterschreiben für mich und das läuft.
Aufgaben der Bezirkshauptmannschaft
Szechenyi:
Bezirkshauptmannschaften haben so an die 600 Aufgaben zu erfüllen. Das ist verdammt viel. Aber womit beschäftigen Sie sich am meisten? Es werden hoffentlich nicht die Strafen sein?
Heinricher:
Jein. Also die meisten Leute kennen es natürlich, wenn ich einen Führerschein brauche, einen Pass, ID Austria. Das ist wichtig. Aber ein großer Bereich ist Soziales. Jugendwohlfahrt, Sozialbereich, das wir leider immer mehr. Es gibt kaum einen Tag wo nicht eine Gefährdungsmeldung eingeht, dass mit der Familie etwas nicht passt, mit den Kindern. Also das ist ein großer Bereich. Ist der Bereich in dem die meisten Leute arbeiten. Sonst, wir waren ja vorher schon beim Thema Veterinär. Seuchen sind ein Thema, Lebensmittelhygiene. Viele kennen auch die Amtsärztin, die durch die Schulen fahrt, impfen kommt. Das sind die bekannten Sachen. Aber sonst haben wir wirklich viel andere Sachen: Unternehmen, Hotels, Aufenthaltsrecht, Waffenrecht. Es geht quer durch. Natürlich sind die Gemeinden auch noch da. Sie sind in vielen Bereichen Ansprechpartner oder in der Regel geht der Bürger als erste auf die Gemeinde. Aber wenn sie dort nicht weiterhelfen können, dann kommen die Menschen zu uns. Und wir versuchen zu helfen. Und ja, subsidiäre Allzuständigkeit, wie das so wunderbar heißt. Wenn man also keinen anderen findet, kommt man zu uns.
Szechenyi:
Die Herausforderungen, sie haben es schon gesagt, werden größer. Das Sozialgefüge hat sich auch am Land geändert. Sie haben das ja auch schon in den letzten 20 Jahren mitbekommen. Das zuhause ist im Umbruch. Wie haben Sie das erlebt?
Heinricher:
Ein großer Schnitt war Corona. Das hat es natürlich schon vorher gegeben, aber mit Corona, mit Homeschooling, Betreuung, die Eltern zuhause. Das waren Sachen, wo es gekriselt hat, wo Dinge zum Vorschein gekommen sind und jetzt sind es noch die Nachwirkungen. Leider gehen die Zahlen weiter nach oben, es wird mehr, es beruhigt sich nicht. Und quer durch alle Schichten, alle Bereiche. Ich befürchte, dass das so bleibt. Meine Damen und Herren in dem Bereich sind wirklich sehr gefordert. Sie sind erfahren und machen einen tollen Job, aber man muss reagieren. Das ist nicht wie ein klassisches Aktenverfahren, wo man schaut, was rauskommt. Sondern, man muss innerhalb von einer Minute los, es geht um Gewalt, Missbrauch, Drogen. Da muss man ausrücken. Kurz überlegen, ob man die Polizei mitnimmt, ist es gefährlich. Und dann heißt es, rein in die Familie, schauen was los ist und im schlechtesten Fall werden die Kinder mitgenommen. Und das ist zach. Absolut.
Szechenyi:
Was hat Corona bewirkt? In der Gesellschaft?
Heinricher:
Dass sich die Situation insofern geändert hat, früher war alles strukturiert. Die Eltern bei der Arbeit oder Zuhause, die Kinder in der Schule oder der Betreuung. Und dann waren alle zusammen, teilweise in kleinen Wohnungen, teilweise 4 bis 5 Leute, die sich einen Computer geteilt haben, die am selben Tisch arbeiten, Schule etc sollten. Und dass es da Reibungen gibt, ist normal. Es hat nicht jeder das Glück ein großes Haus mit Garten zu haben. Da kann man vielleicht ausweichen. Aber der Standard ist einfach ein normales Zimmer, wo man teilen muss und sich die Zeit einteilen muss, wer was wann und wo macht. Und da gibt es Reibung. Das ganz sicher.
Am Weg zwischen Lienz und Innsbruck
Szechenyi:
Lienz ist ja doch fast schon näher zu Kärnten als zu Nordtirol. Aber der Bezirk gehört natürlich zu Tirol. Wie oft sind Sie zwischen Innsbruck und Lienz unterwegs?
Heinricher:
Natürlich gibt es viele Termine. Aktuell bin ich einmal pro Woche in Innsbruck. In letzter Zeit eigentlich immer wieder. Fortbildungen, Termine oder dieser Podcast heute. Es ist viel, es gibt viele Fachfortbildungen. Man muss sich updaten und vernetzen, etwa im Katastrophenbereich. Und natürlich gibt es auch Termine mit anderen BHs, wir sind super vernetzt. Man sieht sich immer wieder. Es ist also viel zu machen, aber das gehört dazu. Ja, drei Stunde hin und her, so ist es einfach. Mittlerweile geht es Gott sei Dank auch mehr in Richtung Videokonferenz. Wir schauen da natürlich auch. Die Kollegin in Reutte und ich - liebe Grüße - wir sind die zwei, die schauen, ob es eine Videokonferenz gibt, damit wir nicht fahren müssen. Aber es gehört zum Job. Ist immer so gewesen. Früher bin ich auch schon für Fachfortbildungen herausgefahren, jetzt ist es natürlich mehr. Aber es hat den Vorteil, dass man sich mit den anderen BHs trifft, sind ja viele "alte Füchse", wo man was lernen kann, wo man Fragen stellen kann. Sie sind super und unterstützen die Jungen. Das hat auch Vorteile. Auch wenn man 6 Stunden im Auto sitzt.
Schwerpunkt Digitalisierung
Szechenyi:
A pro pos Videokonferenz. Bei Ihrer Antrittsansprache haben Sie vor allem die Digitalisierung Osttirols als wichtiges Ziel angegeben. Was ist da geplant. Was ist Ihre Vorstellung?
Heinricher:
Also bei mir im Haus ist es so, dass alles was geht "in die Kiste" kommt. Möglichst wenig Papier. Das war ja bisher ganz klassisch alles mit Papier. Wir sind hier wirklich beim Digitalisieren. Denn irgendwann sollte der Umbau kommen, da freue ich mich schon drauf. Und jeder Zettel der dann im Haus ist, muss gesiedelt werden. Wir sind also dabei, die Akten zu digitalisieren. Also scannen, in den ELAK, unser Arbeitsprogramm, einzufügen. Und da sind wir fest dabei. Das ist auch ein Steckenpferd von mir ist. Dazu gehört auch das Skartieren. Also durchschauen, was braucht man doch, was kann weg. Und im Bezirk selbst sind die Gemeinden dabei, Kabeln zu legen und schnelles Internet zu installieren. Dass da etwas weitergeht. Die Gemeindeverbände schauen, dass es eigene Rechenzentren gibt, dass einfach die Infrastruktur zur Verfügung steht. Auch für die Wirtschaft. Hier ist einfach Thema, wie schnell ist das Internet, wie schnell bin ich am Markt, was kann ich machen. Wir haben ein paar Gemeinden, die da wirklich top sind, einige Bürgermeister, die aus der Branche kommen und viele Gedanken machen, was man tun kann, damit man wirklich "bis zum letzten Bauernhof" kommt, damit die genauso online gehen können wie in der Stadt. Hier schauen wir einfach, dass wir einen Wettbewerbsvorteil bekommen. Für mich selbst ist es bei der Arbeit natürlich auch super. Was ich digital habe, kann ich sofort mailen, ich kann es anschauen, kann rauskopieren. Sonst müsste man ins Archiv gehen, suchen, wenn man Pech hat noch abstauben. Und in der Kiste drückst du auf den Knopf und alles ist erledigt. Hat also absolut Vorteile.
Szechenyi:
Also auch die Behördengänge sollten eigentlich auch digitalisiert werden?
Heinricher:
Natürlich. Wenn jemand anruft und man hat das im Programm, dann kann man gleich nachschauen. Früher war das so: Ja, ich schreibe die Telefonnummer auf. Und dann ging man ins Archiv und holte den Akt. Heute wenn es am PC ist, kann man das alles sofort erledigen. Die Person hat sofort ihre Antwort. Optimierung ja, geht schneller, ist angenehmer für beide Seiten.
Szechenyi:
Habe ich das richtig verstanden, dass Osttirol ein eigenes Rechenzentrum hat, um die Daten vor Ort zu halten.
Heinricher:
Ja, da sind sie fest dabei in den Gemeinden. Wir selbst sind mit Nordtirol verkabelt soweit ich das weiß. Die BH selbst pfeift aus dem letzten Loch. Die IT-ler sagen, kein Kabel mehr, es sprengt alles. Es ist Zeit, dass sich da etwas tut.
Vom Kammerchor bis nach London: BH Heinricher in der Freizeit
Szechenyi:
Digitalisierung. Sie schalten in Ihrer Freizeit, die wahrscheinlich sehr spärlich ist, ganz bewusst auch Ihr Handy komplett aus. Nicht nur, um auch ungestört im Kammerchor singen zu können.
Heinricher:
Genau. Also im Normalfall im Büro ist Vollgas. Es sind Leute, es ist Telefon, es geht durch. Am Wochenende, wenn es geht und ich keine Termine habe, genieße ich es, auf der Couch zu sitzen, Stöpsel in den Ohren, Musik oder ein Buch. Ja und bei der Chorprobe da möchte ich nicht, dass das Handy läutet. Da werde ich rausgeschmissen, das geht nicht so gut. Ich genieße es also auch mal nicht online zu sein. Ich habe eine Wohnung mit einem kleinen Garten und es ist dann sehr angenehm, wenn man einfach draußen sitzt, die Sonne auf den Bauch scheint und das ohne Ablenkung.
Szechenyi:
Und das einfach weg? Handy kommt weg?
Heinricher:
Genau.
Szechenyi:
Was singen Sie denn?
Heinricher:
Ich bin klassischer Sopran. Von der Literatur ist es je nachdem, was unserem Chorleiter einfällt…
Szechenyi:
Kammerchor klingt klassisch?
Heinricher:
Auch. Schwerpunkt ist Klassik. Aber wir singen auch Jazz und Volksmusik. Wir haben jetzt Kärntner-Lieder in Arbeit. Also das geht quer durch. Cooles Programm haben wir heuer. Also wer Lust hat, kommts vorbei. Wir machen heuer Geschichten mit befreundeten Einheiten, Schulen, Organisationen in den Gemeinden. Aber Schwerpunkt ist natürlich die Klassik.
Szechenyi:
Sie sind nicht mehr in St. Johann im Walde, sondern in Lienz. Aber Sie haben vermutlich noch sehr engen Kontakt zum Dorf?
Heinricher:
Ja. Also mein Elternhaus ist in Oberleibnig, also wenn man von Matrei nach Lienz kommt am Berg oben. Da komme ich her – das ist mein Elternhaus. Da wohnt meine Tante und meine Mama und da pendeln wir hin und her. Hin und wieder bin ich daheim. Man kennt sich, macht Smalltalk. Das wird auch bleiben.
Szechenyi:
Sie reisen sehr gerne. Und auch weit. Sie bereisen die Welt. Welche Region hat Sie denn bleibend beeindruckt?
Heinricher:
Schwierig. Es gibt so viele coole Ecken. Meine Lieblingsstadt ist London. Da schaue ich, dass ich ein bis zweimal im Jahr hinkommen. Ansonsten empfehle ich Galapagos. Ein Wahnsinn! Super coole Natur. Endemische Arten, also Tiere, die es nur dort gibt. Die Bluefeet-Puppies kennt man vielleicht. Die Tiere mit den blauen Beinen. Ayers Rock war auch ein Erlebnis. Es war noch möglich, dass wir hinauf sind. Australien. Uluru für die Aborigines. Ganz, ganz toll, wenn man den besteigt und runterschaut. Es gibt so vieles. Wer nicht so weit weg will: Vielleicht Island. Auch schön. Es gibt so viel. Ich kann es nur empfehlen, schaut es euch an. Egal wie weit weg oder wo. Und natürlich Osttirol auch. Muss ich auch ein bisschen Werbung machen, wenn ich da bin. Bei uns ist natürlich Wandern und Natur angesagt. Wir haben einen super Nationalpark, wo man was machen kann. Natura 2000, die Isel, viele kennen sie wahrscheinlich. Da hat sich viel getan. Also bei uns auch. Aber ja, ich muss immer wieder mal weg und andere Luft schnuppern.
Verabschiedung
Szechenyi:
Bettina Heinricher, vielen Dank fürs Gespräch. Vielen Dank für Ihren Besuch im Studio.
Heinricher:
Gerne, Dankeschön.
Szechenyi:
Das war ein Podcast des Landes Tirol mit der Bezirkshauptfrau von Lienz, Bettina Heinricher. Die gebürtige Osttirolerin arbeitet seit 20 Jahren in der Bezirkshauptmannschaft, seit Mitte 2024 leitet sie die Behörde. Nach turbulenten Zeiten hat sie wieder Ruhe ins Haus gebracht. Seit Corona hat sich Ihrer Ansicht nach die Gesellschaft verändert. Der Schwerpunkt der Arbeit der Behörde hat sich in Richtung Soziales verschoben. Das Zuhause ist im Umbruch. In ihrer Freizeit verzichtet sie bewusst auf das Handy, sie reist viel und London ist die Stadt, die sie immer wieder gerne besucht. „Ins Land einihören“, den Podcast des Landes Tirol findet ihr auf www.tirol.gv.at/podcast, auf allen gängigen Podcast-Plattformen und auf YouTube. Danke fürs Zuhören und Zusehen. Bis zum nächsten Mal sagt Dénes Szechenyi.