Portrait eines Kinderanwaltes: Lukas Trentini
„ins Land einihören“ | Staffel 1, Folge 5
Transkript
Hinweis: Gesprächsbeiträge im Tiroler Dialekt werden inhaltlich in Hochdeutsch übersetzt.
Einleitung
Dénes Széchényi (Moderator):
"ins Land einihören": Das ist der Podcast des Landes Tirol. Heute moderiert von Dénes Széchényi.
Die Kinder- und Jugendanwaltschaft Tirol ist eine weisungsfreie Einrichtung des Landes. Sie ist Anlaufstelle für Anliegen, Fragen und Probleme der bis zu 21-jährigen Tiroler Kinder und Jugendlichen – immerhin 150.000 Menschen in Tirol. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft bietet Beratung, Workshops und Vorträge an. Die Unterstützung der Jugendlichen und Kinder ist vertraulich, kostenlos und anonym. Seit Juni 2024 ist Lukas Trentini Tiroler Kinder- und Jugendanwalt. Er war unter anderem Vorstand des bundesweiten Netzwerkes „Offene Jugendarbeit“ und Geschäftsführer der Plattform „Offene Jugendarbeit Tirol“.
Mein heutiger Gast ist der neue Kinder- und Jugendanwalt Lukas Trentini. Trentini ist verheiratet und Vater von drei jugendlichen Söhnen. Herzlich willkommen.
Lukas Trentini:
Vielen Dank für Ihre Einladung.
Kindheit und Jugend
Széchényi:
Herr Trentini, eine persönliche Frage: Wie war denn Ihre Kindheit und Ihre Jugend?
Trentini:
Ja, meine Kindheit und Jugend… Also, die Kindheit war sicher einerseits geprägt durch einen Ortswechsel. Ich habe die ersten Jahre, noch vor der Volksschule, in Wien verbracht und bin dann nach Tirol gezogen, in die Nähe von Innsbruck, und das war auch schon sehr herausfordernd, als Volkschulkind in der Dorfgemeinschaft unter den Nachbarskindern.
Széchényi:
Also, in der Nähe von Innsbruck heißt: am Land?
Trentini:
Ja genau. Es war am Land eindeutig und damit gar nicht so leicht, sozusagen da zugehörig zu werden. Es ist gut gelungen. Ich habe mich dann schon sehr wohlgefühlt, aber die erste Zeit war schon herausfordernd, als junges Kind aus Wien in einem Tiroler Dorf gut anzukommen. War aber von der Erfahrung her total wichtig für mich, zu sehen, wie wichtig es eigentlich ist, jetzt im Rückblick, dazuzugehören – diese Erfahrung. Und in weiterer Folge war die Schulzeit in Innsbruck geprägt durch sehr viel Aktivität und schon sehr früh durch gute Freundschaften.
Es war großes Glück, dass ich in der Schule in Innsbruck, im Gymnasium, Freunde gefunden habe, mit denen ich heute noch befreundet bin. Ein ganz kleiner Kreis, der mich eigentlich auch durch die Schulzeit super begleitet hat – oder wir uns gegenseitig. Und sehr viel Aktivität dann wirklich auch schon im weitesten Sinne in der Jugendarbeit. Also Sportverein, Pfadfinder, Jugendzentrum, evangelische Jugend, katholische Jugend. Also wirklich eine bunte Mischung an Bereichen, wo ich mich sehr wohlgefühlt habe und wo ich aktiv war.
Erziehung und elterliche Verantwortung
Széchényi:
Was haben denn Ihre Eltern Ihnen mitgegeben?
Trentini:
Ja, was haben meine Eltern mir mitgegeben? Also heute, so ein Stück weit im Rückblick, ist es auf jeden Fall so, dass sie mir ganz viel Solidarität mitgegeben haben. Diese Solidarität für andere, mit anderen, mit Menschen, denen es weniger gut geht. War vielleicht auch mit ein Grund, dass ich nach der Schule eineinhalb Jahre in Rumänien war und dort meinen Auslandszivildienst in einem Sozialprojekt mit Straßenkindern gemacht habe.
Und andererseits aber auch wirklich dieses Vertrauen in mein Gegenüber und auch in die Welt.
Széchényi:
Also Empathie?
Trentini:
Empathie, ja, und so eine Art Urvertrauen ist genährt worden, und das ist für mich heute noch wirklich ein wichtiger Bestandteil meiner Persönlichkeit.
Széchényi:
Was sollen den Eltern ihren Kindern mitgeben?
Trentini:
Ja, was sollen sie… was ich mir wünsche oder was mir da wichtig ist? Als Kinder- und Jugendanwalt ist es mit Sicherheit so, dass Kinder und auch Jugendliche ein wohlwollendes und zugewandtes Gegenüber brauchen. Und eine Person – oder ein Elternteil oder Elternteile idealerweise – und vielleicht gibt es dann noch ein paar Erwachsene im Umfeld, die den jungen Menschen einfach etwas zutrauen, sie damit stärken und in ihrer Entwicklung, in ihrem Selbstwert unterstützen, damit sie sich gut entfalten können. So auch ein Stück weit wie ein Rückzugsort, wo sich ein Kind oder ein Jugendlicher wohlfühlen kann. Ist nicht immer so einfach, aber ganz grundsätzlich ist es sehr wichtig.
Was bedeutet eigentlich Kinder- und Jugend-„Anwalt“?
Széchényi:
Die Frage ist deshalb, weil Sie ja auch als Kinder- und Jugendanwalt nicht nur mit den Kindern zu tun haben, sondern natürlich auch mit den Eltern. Das ist ja eine große Wechselwirkung.
Kinder- und Jugendanwalt – das klingt jetzt so nach Gericht, nach Urteil. Was ist Ihr Verständnis von diesem Amt? Wie gehen Sie darauf zu? Und worum geht es Ihnen denn eigentlich?
Trentini:
Also die Kinder- und Jugendanwaltschaft ist jetzt bald 30 Jahre alt und wurde auf der UN-Kinderrechtskonvention aufgebaut, die 1989 beschlossen worden ist. Und in Österreich gibt es in jedem Bundesland eine Kinder- und Jugendanwaltschaft, die für Kinderrechte eintritt, diese fördert und schützt – und da steckt jetzt das Anwaltschaftliche drinnen.
Es geht also darum, Kinderrechte und damit die Rechte von Kindern und Jugendlichen zu schützen, zu fördern und zu vertreten. Und das ist das: Ich bin Anwalt, ich bin Verfechter, Vertreter, Fürsprecher für Kinder und Jugendliche und deren Rechte und auch deren Interessen. Und es gibt ganz oft diese schnelle Zuordnung des Anwalts zu einem Rechtsanwalt, und das ist hier nicht gemeint, sondern wirklich der Anwalt für Kinder und Jugendliche.
Selbstverständlich tauchen in meiner Arbeit auch ganz viele Rechtsmaterien und Fragen rund um rechtliche Rahmenbedingungen und Herausforderungen auf. Eben die UN-Kinderrechtskonvention, die Grundlage meiner Arbeit ist.
Mobbing, Trennung und weitere Themen der KiJA
Széchényi:
Sie sind verantwortlich oder vertreten in dem Sinne die Rechte der bis zu 21-jährigen Tirolerinnen und Tiroler. Was sind denn die Anliegen? Mit welchen Anliegen kommen die Kinder und Jugendlichen direkt zu Ihnen?
Ich meine, es muss ja schon ein großer Schritt sein für Jugendliche, zu sagen: Ich wende mich jetzt an die Kinder- und Jugendanwaltschaft. Mit welchen Themen kommen sie denn zu Ihnen und zu Ihrem Team?
Trentini:
Also es ist so, dass das tatsächlich oftmals eine hohe Schwelle darstellt, den Kontakt zur Kinder- und Jugendanwaltschaft aufzunehmen. Das ist ein großes Ziel von mir, diese Schwelle auch zu senken und den Zugang einfacher zu machen, um unsere Angebote – vor allem der Beratung oder der Auskunft – leichter zugänglich zu machen.
In erster Linie nehme ich einmal an, sie suchen Hilfe. Genau, also es ist wirklich so, dass sich bei uns dezidiert Kinder, und dann auch Jugendliche ab 14 Jahren, melden mit Problemen, mit denen sie konfrontiert sind.
Das kann jetzt – ich nenne einfach einmal ein paar wichtige Themen, die immer wieder vorkommen – zum Beispiel Mobbing oder etwas Ähnliches sein. Diese Definition von Mobbing würde jetzt ein bisschen zu weit führen, aber es geht hier um Erfahrungen der Ablehnung, der Ausgrenzung, der Beschämung, oftmals in der Schule, aber auch in anderen Lebensbereichen.
Széchényi:
Also nicht nur in der Schule?
Trentini:
Genau, nicht nur in der Schule. Weil das Erste, das mir einfällt, ist die Schule. In der Schule ist es natürlich noch einmal verstärkt, weil Kinder und Jugendliche dort – überspitzt formuliert – in einem Zwangskontext sind und mit bestimmten Kindern und Jugendlichen eine Klasse bilden. Ja, das kann ich mir nicht aussuchen, und da kann ich auch nicht so leicht ausweichen oder herausgehen. Deswegen haben wir das Thema Mobbing natürlich auch recht oft in der Schule, immer wieder. Da melden sich Kinder und Jugendliche bei uns.
Sie melden sich aber auch zu Themen rund um eine Trennung der Eltern, wenn es um die Obsorge geht oder um den Unterhalt – gerade auch ältere Jugendliche, wenn es darum geht, dass sie ihre Unterhaltszahlungen nicht erhalten oder zu wenig erhalten. Da wollen Kinder und Jugendliche oft eine Auskunft bei uns und ein Stück weit Unterstützung oder das Aufzeigen: Wo kann ich mich denn hinwenden? Wo kann ich da wirklich Unterstützung bekommen? Damit sind wir schon, wie vorher angesprochen, bei rechtlichen Belangen. Und es gibt eine, beziehungsweise zwei Juristinnen in meinem Team, die genau zu diesen Fragen sehr detailliert und fachlich gute Rückmeldungen geben.
Aber wir haben auch ganz andere Themen, wie zum Beispiel schulische Herausforderungen im Sinne von Schwierigkeiten, mitzukommen, oder vielleicht auch Probleme mit einer Lehrperson oder mit einer Trainerin in einem Verein. Dass man das Gefühl hat, ein Jugendlicher wird benachteiligt oder vielleicht auch diskriminiert. Und da sind wir zunächst einmal da, um einen guten Raum zu bieten, zuzuhören und dieser Wahrnehmung wirklich Gehör und auch Glauben zu schenken.
Einfach Kontakt aufnehmen
Széchényi:
Wenn wir es jetzt einmal durchspielen: Ich bin ein Jugendlicher und habe ein Problem in der Schule, glaube, ich werde gemobbt oder sonst irgendwas, und komme zu Ihnen. Wie mache ich das, und was passiert dann?
Trentini:
Also es ist so, dass wir gerade neu versuchen, den Kontakt zur Kinder- und Jugendanwaltschaft an ganz vielen Orten, an denen Kinder und Jugendliche sind, wirklich gut anzubringen. Ich sage jetzt einmal natürlich auch in Schulen.
Da gibt es die Möglichkeit, bei uns anzurufen, eine E-Mail zu schreiben oder auch vorbeizukommen – auch spontan, zumindest zu unseren Öffnungszeiten. Und dann wird es, oder soll es bald, die Möglichkeit geben, auch über Social Media mit uns in Kontakt zu treten. Da sind wir gerade dabei, das zu planen und zu entwickeln. Das wird im Laufe dieses Schuljahres mit Sicherheit kommen, weil wir unser Angebot und unsere Kontaktmöglichkeiten auch in die Lebenswelt von Jugendlichen bringen wollen.
Széchényi:
Das wäre gerade eben mein nächster Anhaltspunkt gewesen. Die meisten Kinder und Jugendlichen sind ja in der digitalen Welt unterwegs, vor allem in den sozialen Medien. Erreichen Sie sie dort, und wie erreichen Sie sie?
Trentini:
Vielleicht kann ich davor noch etwas ansetzen. Und zwar ist es uns möglich, Workshop- und Weiterbildungsangebote an Schulen mit Kindern und Jugendlichen zu machen. Vor allem in der Volksschule, in der Mittelschule und in höheren Schulen. Da gibt es einen persönlichen Kontakt durch unser Team und weitere Trainerinnen. Das ist oft eine sehr gute Brücke für Jugendliche, wenn sie ein Thema oder eine Schwierigkeit haben, bei der sie nicht weiterwissen und wo ihnen in ihrem unmittelbaren Umfeld niemand helfen kann. Es kontaktieren uns oft Kids, die zuvor in einem Workshop bei uns waren. Das ist eine wirklich sehr wichtige Möglichkeit des Zugangs für Kinder und Jugendliche.
Was Social Media und digitale Medien betrifft, haben wir natürlich einerseits das Alter des Einstiegs in soziale Medien beziehungsweise in die Welt des Internets. Das geht zunehmend nach unten. Wir haben also schon im zweiten Teil der Volksschule teilweise Klassen, in denen sehr viele Kinder Handys haben.
Széchényi:
Also Achtjährige, Neunjährige…
Trentini:
Achtjährige, Neunjährige (bestätigend). Und dann ist es so, dass wir hier noch ein Stück weit Entwicklungsbedarf haben, um die Angebote der Kinder- und Jugendanwaltschaft gut zu platzieren. Es geht in erster Linie um Information – auch über soziale Medien. Kinder und Jugendliche, aber auch ihr Umfeld, können sich bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft melden. Wir werden uns nach den derzeitigen Möglichkeiten darauf fokussieren und die wichtigsten Plattformen bespielen.
Handykonsum und Medienkompetenz
Széchényi:
Wird Medienkompetenz – wenn wir jetzt schon von Achtjährigen und Neunjährigen reden – genügend vermittelt? Wird sie Ihrer Meinung nach auch in den Schulen vermittelt?
Trentini:
Also meiner Meinung nach ist das ein Bereich, in dem wir ganz grundsätzlich als Gesellschaft einen hohen Bedarf haben, die Spielregeln, die Gefahren, die Risiken, aber auch die großen Chancen zu vermitteln, die in unseren mobilen Endgeräten – dem Handy – liegen und in den damit verbundenen Apps und Möglichkeiten bis hin zu den Social-Media-Plattformen. Aus meiner Sicht ist es hier ganz wichtig, dass man in der Schule diese Anstrengungen intensiviert.
Hier passiert schon einiges, aber ich sehe gleichzeitig neben der Schule auch die Sensibilisierung und Stärkung von Eltern sowie anderer Bezugspersonen, wie Jugendarbeiterinnen oder Trainer und Trainerinnen in Sportvereinen oder andere Betreuerinnen in Freizeitbereichen. Es ist ganz notwendig, dass wir hier weiterhin investieren und sensibilisieren, damit wir als erwachsene Bezugspersonen gut im Gespräch mit Kindern und Jugendlichen bleiben können. Sehr oft passiert es nämlich, dass wir resignieren. Da muss ich mich selbst ein Stück weit bei der Nase nehmen. Es ist herausfordernd, mit jugendlichen Kindern Einschränkungen im Handykonsum vorzunehmen. Das führt einfach zu Konflikten, und es ist oft sehr angenehm, einfach zu sagen: Passt, dann bist du jetzt am Handy.
Und wir wissen, dass der Handykonsum in der Intensität – je nach Alter – ganz oft zu hoch ist, was uns zumindest die Wissenschaft sagt. Und ich möchte einfach ganz klar an alle Erwachsenen appellieren, mit Jugendlichen ins Gespräch zu gehen über das, was sie sich anschauen und was sie am Handy machen, und Interesse zu zeigen. Und da können wir dann vielleicht auch besser sensibilisieren und klar kriegen, was geht und was nicht. Denn das ist kein rechtsfreier Raum – ganz wichtig.
Széchényi:
Also es sind vor allem die Eltern in der Verantwortung?
Trentini:
Da sind auf jeden Fall zuerst die Eltern in der Verantwortung. Und ich denke, im Rahmen des Erziehungs- oder – um das richtig zu sagen – des Bildungsauftrags der Schule ist es sehr wichtig, die Vermittlung von Medienkompetenz zu intensivieren.
Gemeinsam gegen Gewalt vorgehen
Széchényi:
Es war die Rede davon, dass Mobbing ein großes Thema ist, wenn Kinder und Jugendliche zu Ihnen kommen. Aus dem Jahresbericht des letzten Jahres geht auch hervor, dass Gewalt unter Jugendlichen ein Thema ist. Ein zentrales Thema – nicht nur in der Schule, sondern auch im Elternhaus und in den Beziehungen der Jugendlichen untereinander. Wenn man jetzt die Zeitungen überfliegt, hat man das Gefühl, die Gewalt unter Jugendlichen hat zugenommen. Stimmt das?
Trentini:
Nein, da mag ich das anders formulieren. Also ich denke, dass sich einerseits unsere Sensibilität über die Zeit verändert hat – und das zum Glück, auch zum Glück für unsere Gesellschaft –, dass wir sensibler geworden sind.
Széchényi:
Wir sind hellhöriger geworden.
Trentini:
Wir sind hellhöriger geworden, genau. Und gleichzeitig beobachten wir – und auch die Fachleute –, dass Gewaltvorfälle manchmal heftiger und brutaler sind. Teilweise sind es in großen Ausnahmefällen sehr junge Kinder, die hier dann aktiv werden. Und gleichzeitig ist es so, dass wir medial aus meiner Sicht immer wieder eine massive Fokussierung auf dieses Thema haben, die unterschiedliche Motivationen haben kann. Das heißt, teilweise auch politisch, hier aufzuzeigen, wie vielleicht skandalös oder schrecklich sich unsere Gesellschaft entwickelt.
Da mag ich einfach auch einmal für das gesamte Bild dagegenhalten, dass wir ganz, ganz viele Kinder und Jugendliche in unserem Land – jetzt in Tirol – haben, die eine wirklich tolle Entwicklung hinlegen, die engagiert sind, die sich ehrenamtlich engagieren, die sich in unterschiedlichen Bereichen neben der Schule betätigen und auch viel Solidarität zeigen. Und ich denke mir, das ist ein wirklich wichtiges Kriterium für den Zusammenhalt und die Qualität unserer Gesellschaft. Gleichzeitig will ich das überhaupt nicht beschönigen, dass wir immer wieder große Schwierigkeiten mit einzelnen Jugendlichen oder mit Cliquen haben, die sehr gewaltbereit sind – und das auch in einem sehr jungen Alter. Das poppt auf oder spielt natürlich sehr oft auch in den Schulalltag hinein. Und da ist wirklich eine gemeinsame Anstrengung aller Player gefragt – also der Bildungsdirektion einerseits, aber auch der Unterstützungssysteme, die es in Tirol zum Glück gibt, und auch der Kinder- und Jugendanwaltschaft –, immer wieder aufzuzeigen, was es vielleicht noch braucht.
Dieses Thema Gewalt werden wir nicht lösen, sondern wir müssen gut damit arbeiten und Lernerfahrungen ziehen – für die Betroffenen, aber auch für uns als Gesellschaft.
Jugendbeteiligung als Schwerpunkt
Széchényi:
In Ihrer Antrittsrede haben Sie die Wichtigkeit der Beteiligung von Jugendlichen an sozialen und politischen Prozessen sehr betont. Mit dem SchülerInnenparlament ist das ja eigentlich ganz gut gelöst, sagen wir jetzt einmal. Aber wie schaut es am Land, in den Bezirken, mit den Mitsprachemöglichkeiten für Jugendliche aus?
Trentini:
Jugendbeteiligung ist grundsätzlich ein sehr, sehr umfassendes Thema. Ich möchte ein paar Dinge herausstreichen.
Einerseits ist es so, dass wir aus der Jugendarbeit heraus – also zum Beispiel in Jugendzentren, aber auch in Sportvereinen, Traditionsvereinen oder Blaulichtorganisationen – zum Glück in Tirol sehr viele Kinder und Jugendliche haben, die sich engagieren. Und wir haben ein sehr kleingliedriges Gemeindensystem. Wir haben ja über 270 Gemeinden in Tirol, und das sind die Lebensräume von Kindern und Jugendlichen. Ich denke, und das zeigt auch die Erfahrung, dass es hier sehr zielführend ist, als Gemeinde oder als Dorf Möglichkeiten der Beteiligung und der Mitsprache von Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen. Nicht nur auf eine einzelne Einheit beschränkt, wie zum Beispiel eine freiwillige Feuerwehr, sondern für alle Kinder und Jugendlichen, die in einer Gemeinde leben. Und es gibt wirklich viele Themen, die speziell Kinder und Jugendliche betreffen. Das ist zum Beispiel Mobilität oder Plätze, an denen sich Kinder und Jugendliche aufhalten können, wo sie ihre Freizeit verbringen. Und wenn es gelingt, hier über altersgerechte Methoden und Formate Jugendliche einzuladen, mitzudenken und mitzureden, dann kann ganz viel Energie freigesetzt werden, und es wird sehr lebendig.
Gleichzeitig glaube ich – und das zeigt auch die Erfahrung –, dass diese jungen Menschen dadurch mit einer positiven Erfahrung ausgestattet sind: dass ich als junger Mensch hier schon eine Rolle spielen kann und dass es nicht egal ist, ob ich mitmache oder nicht.
Das ist eigentlich mein großes Anliegen: offene Beteiligungsformate in unseren Gemeinden weiterzubringen und Gemeinden dazu einzuladen und zu ermutigen. Und mein Eindruck ist, da gibt es ganz viel Interesse und Bereitschaft.
Verabschiedung
Széchényi:
Sie sind für fünf Jahre bestellt. Das ist einer der großen, wichtigen Punkte, die Sie in den nächsten fünf Jahren umsetzen wollen – einer von vielen: die Kinder- und Jugendanwaltschaft auch in die Gemeinden und in die Bezirke zu bringen.
Herr Trentini, vielen herzlichen Dank für das Gespräch. Danke für Ihren Besuch.
Trentini:
Vielen Dank.
Széchényi:
Das war ein Podcast des Landes Tirol mit dem Kinder- und Jugendanwalt Lukas Trentini.
Er ist als Kind mit seinen Eltern von Wien nach Tirol gezogen und hat eine herausfordernde Kindheit am Land verbracht. Schon damals war ihm die Solidarität mit anderen ganz wichtig. In seiner Funktion sieht er sich als Fürsprecher für die Rechte von Kindern und Jugendlichen. Er will vor allem die Medienkompetenz von Jugendlichen in den sozialen Medien stärken und mit seinem Team vermehrt auch in die Bezirke gehen.
„ins Land einhören“, den Podcast des Landes Tirol, findet ihr auf allen gängigen Podcast-Plattformen, auf YouTube und auf tirol.gv.at/podcast.
Danke fürs Zuhören und fürs Zusehen. Bis zum nächsten Mal, sagt Dénes Széchényi.