Projektleiter Roman Schöggl | Initiative "Sicheres Vermieten"
„ins Land einihören“ | Folge 7
Transkript
Hinweis: Gesprächsbeiträge im Tiroler Dialekt werden inhaltlich in Hochdeutsch übersetzt.
Einleitung:
Dénes Szechenyi (Moderator):
Eine der größten Herausforderungen in Tirol ist das Wohnen. Wohnraum ist rar und im Österreichvergleich teuer und der Bedarf steigt. Laut Wohnbedarfsstudie braucht es bis zum Jahr 2033 zusätzlich 35.000 Wohnungen. Das Land sieht daher eine wesentliche Aufgabe darin, Wohnen leistbar zu machen und Leerstand zu vermeiden. Derzeit stehen in Tirol tausende Wohnungen leer. Die Gründe dafür sind vielfältig. Manche WohnungseigentümerInnen haben Angst, ihre Wohnung zu vermieten, zu groß ist die Unsicherheit. Andere haben schlechte Erfahrungen gemacht. Hier setzt die Initiative Initiative „Sicheres Vermieten“ des Landes Tirol an. Sie soll dabei helfen, Wohnungen ohne Probleme zu vermieten.
Herzlich willkommen, Roman Schöggl. Sie sind Projektleiter der Initiative „Sicheres Vermieten“ beim Tiroler Bodenfond. Sie sind Mitte 30, darf man sagen, und haben die Initiative auch mitentwickelt. Wie kommt man zu dem Job? Wie kommt man zu dieser Initiative?
Roman Schöggl:
Ja, danke erstmals für die Einladung zu diesem Podcast. Es freut mich sehr, dass ich heute die Gelegenheit habe, da zu sein und auch die Initiative „Sicheres Vermieten“ vorstellen zu dürfen. Ganz grundsätzlich bin ich zu dem Job gekommen: Es war eine Stellenausschreibung des Landes Tirol online und ich habe mir gedacht, ich bewerbe mich drauf, weil ich denke, es ist sinnvoll, wenn wir die leerstehenden Wohnungen bzw. den Leerstand, den wir in Tirol haben, zu mobilisieren versuchen. Mich hat dieses Projekt sehr gereizt und grundsätzlich auch, als Projektentwickler tätig zu sein.
Szechenyi:
Das heißt, Sie haben Architektur studiert, oder?
Schöggl:
Genau. Ja, ich habe Architektur studiert und bin eben über diese Stellenausschreibung dazu gekommen, so ein Projekt zu entwickeln. Grundsätzlich bin ich als Projektentwickler tätig und dieses war das erste Projekt, welches ich entwickeln durfte.
Wohnerfahrungen von Roman Schöggl
Szechenyi:
Sie beschäftigen sich hauptsächlich mit Wohnen. Wie wohnen Sie denn eigentlich?
Schöggl:
Ich wohne jetzt in einer Eigentumswohnung im Innsbrucker Stadtteil Pradl. Ich habe aber vorher auch WG-Erfahrung in Rom, Barcelona erfahren dürfen …
Szechenyi:
… als Student?
Schöggl:
… wo ich studiert habe. Genau. Und ich habe auch einmal sechs Monate auf einem Kreuzfahrtschiff gewohnt. Das war recht klein und recht überschaubar…
Szechenyi:
… sechs Monate?
Schöggl:
… die Kajüte. Ja.
Szechenyi:
… das ist lang.
Schöggl:
Das war interessant ohne Fenster ohne alles. Ich habe also quasi auch unterschiedliche Wohnerfahrungen sammeln dürfen und wohne jetzt in Innsbruck-Stadt.
Mögliche Gründe für leerstehende Wohnungen
Szechenyi:
Es gibt tirolweit tausende leerstehende Wohnungen, haben wir gerade gehört, und das klingt jetzt mal sehr viel. Generell: Weiß man, warum so viele solcher Wohnungen leerstehen?
Schöggl:
Ja, es gibt einige Gutachten von Profis. Wir haben jetzt aber auch bei uns die Erfahrung gemacht, dass die Personen oftmals Ängste und Sorgen haben. Das Risiko des Vermietens ist ihnen teilweise zu groß. Sie kennen sich im Mietrecht nicht aus oder wissen nicht so recht, welche Unterlagen man benötigt. Sie haben Angst vor Mietnomaden, vor Schäden oder einfach, dass ihnen der Aufwand viel zu groß ist. Und das ist eigentlich das, mit dem wir grundsätzlich dem entgegentreten wollen und diese Ängste und Sorgen der Bevölkerung nehmen wollen, dass wir so Leerstand mobilisieren und Wohnungen auf den Markt bringen können.
Szechenyi:
Also ist es nicht in erster Linie: Ich weiß jetzt nicht, wer da zu mir in die Wohnung kommt, sondern es ist eher ein bürokratisches Hindernis oder andere Hürden?
Schöggl:
Es ist die Bürokratie, die Unwissenheit, sehr umfangreiches Mietrecht. Einige Personen sind berufstätig bzw. Vollzeit berufstätig. Man muss sich dann doch drum kümmern. Also es ist eine Mischung aus vielen verschiedenen Sachen eigentlich und wir glauben, dass wir mit Initiative eigentlich in jeder Sparte das abdecken können.
Von Lienz bis Reutte: Bereits zahlreiche Wohnungen vermietet
Szechenyi:
Man muss auch dazusagen, es sind nicht nur im Großraum Innsbruck diese Wohnungen, die leerstehen, sondern sie sind in ganz Tirol. Es geht von Landeck bis Kufstein, von Lienz bis Reutte.
Schöggl:
Genau, ja. Wir haben bis dato in acht von neun Tiroler Bezirken Wohnungen vermietet. Wir sind auch selber überrascht, dass wir vom sehr, sehr städtischen Bereich Innsbruck-Stadt bis zu einem sehr, sehr ländlichen Bereich Wohnungen vermieten bzw. vermieten konnten. Das heißt, die Ängste sind in Tirol recht ähnlich eigentlich und es ist ein tirolweites Projekt. Ja, genau.
Szechenyi:
Sie haben diese Initiative mitbegründet und im Oktober 2023 dann auch gestartet. Idee dahinter war es, wie man so schön sagt, Leerstand zu mobilisieren, also leere Wohnungen auf den Markt zu bringen, freie Wohnungen auf den Markt zu bekommen. Und sagen wir mal vorsichtig, Sie haben seit damals schon ordentlich zu tun.
Schöggl:
Nicht nur ich, sondern wir alle. Man muss ja auch glaube ich hier erwähnen, dass viele Abteilungen des Hauses mitgearbeitet haben. Das ist ein Projekt von ganz vielen Beteiligten von jetzt der TIGEWOSI von den p g f Rechtsanwälten von der Abteilung Justiziariat vom Bodenfonds. Also es gibt – und jetzt habe ich sicher welche vergessen (lacht) – einige Beteiligte, die sehr akribisch hier tätig waren und ich glaube, das macht es auch aus, dass die Ideen von vielen unterschiedlichen Gruppierungen und Personen da eingeflossen sind, um das Ganze so zu entwickeln, dass es jetzt breit nach außen ausgerollt wird. Und man merkt eben auch, dass wir das Projekt jetzt weiter und umfangreicher beworben haben, dass wir in einer etablierten Phase angelangt sind, wo der Pilotbetrieb im Wesentlichen abgeschlossen ist, ja.
VermieterInnen erzählen von ihren Erfahrungen
Szechenyi:
Da hat es eben auch schon die ersten WohnungseigentümerInnen gegeben, die gesagt haben, da machen wir mit. Unter anderem war das die Dagmar S., die eine Wohnung in Landeck seit damals vermietet.
Dagmar S. (Einspielung):
Ich habe die Wohnung geerbt von meiner Mama nach dem Tod von ihr und meine Eltern haben ja immer Vermietung gehabt in dieser Wohnung, nachdem wir da ausgezogen sind bzw. meine Eltern ausgezogen sind. Und ja, ich habe dann auf einmal eine Wohnung in Landeck gehabt, wo ich nicht in Landeck wohne, sondern in Zirl und die war zu vermieten. Eine gute Freundin hat mir diesen Tipp gegeben, weil ich am Anfang sehr skeptisch war, muss ich sagen, weil ich aufgrund der Situation von meinen Eltern einfach oft mitbekommen habe, dass es manchmal – nicht immer – aber manchmal einfach nicht gut gegangen ist, also mit den Mietern, dass sie entweder nicht gezahlt haben oder bei Mieterwechsel, dass die Wohnung wirklich in einem desolaten Zustand war. Deswegen habe ich mich da gemeldet.
Szechenyi:
Und auch Klaus W. vermietet seit der Pilotphase eine Wohnung in Rum über die Initiative „Sicheres Vermieten“.
Klaus W. (Einspielung):
Ein Grund war, dass ich das nicht okay finde, dass es viele leerstehende Wohnungen gibt und ich die Wohnung momentan für mich selber nicht brauche und ich mich aber mit dem Vermieten nicht auskenne. Ich wollte es nicht direkt über ein Makler machen und mir das Projekt „Sicheres Vermieten“ bekannt, dass es in Vorarlberg schon gibt und habe eigentlich sehnlichst darauf gewartet, bis es das in Tirol auch gibt. Ich habe dann im Internet gesehen, dass das vor einem Jahr gestartet wurde und habe dann gleich Kontakt aufgenommen und dann habe ich die Wohnung über diesen Weg vermietet, weil halt einfach diese ganzen Sachen, wie man einen Mietvertrag aufsetzt, was gibt's für juristische Hürden, dass diese mir erklärt werden. Darum habe ich mich dazu entschieden.
Interesse nach Start der Informationskampagne
Szechenyi:
Und nach dieser Pilotphase, die schon relativ gut gestartet ist, hat die Tiroler Landesregierung dann heuer im Jänner im Zuge der Regierungsklausur beschlossen, verstärkt noch einmal in die Bewerbung dieser Initiative zu gehen und eine Informationskampagne zur Initiative „Sicheres Vermieten“ zu starten. Wie schaut denn jetzt die Entwicklung seit Jänner aus? Wie viele Menschen sind dann seither auf die Initiative aufmerksam geworden und haben sich gemeldet und auch ihre Wohnungen angeboten?
Schöggl:
Also, wir haben jetzt bereits vor einem Monat so viele Anfragen gehabt, wie wir das erste Jahr hatten. Also, die Nachfrage vermieterseitig ist bedeutend gestiegen zur Freude aller Beteiligten. Wir haben mehr Wohnungen, mehr Wohnraum, was wir anbieten können und insgesamt merken wir, dass die Nachfrage vermehrt da ist, genau. Wir haben aber auch im Vergleich zur Pilotphase einige Sachen umgestellt. Wie beispielsweise stellen wir ab sofort – seit der etablierten Phase im Januar – die leerstehenden Wohnungen auf die Homepage des Landes Tirol. Das hat es vorher nicht gegeben. Das machen wir jetzt neu und haben da einen neuen Schritt eingeführt. Da sieht man im Grunde eigentlich auch immer wieder Fluktuation und dass mehr Wohnungen angeboten werden.
Voraussetzungen für die Teilnahme an der Initiative „Sicheres Vermieten“ als VermieterIn
Szechenyi:
Tausende Wohnungen in Tirol stehen leer. Jetzt kann man nicht einfach diese ganzen leerstehenden Wohnungen auf den Markt „werfen", vor allem auch nicht Ihre Initiative. Weil: Es gibt gewisse Voraussetzungen, die eine Wohnung erfüllen muss, bevor Sie sie dann eigentlich selbst vermieten oder dann helfen weiter zu vermieten. Und zwar ein Kriterium z. B. ist die Größe. Was sind denn noch für Kriterien, die so eine Wohnung haben muss?
Schöggl:
Also grundsätzlich braucht eine Wohnung bei uns einen separaten Eingang. Sie muss beheizt werden. Sie braucht ein Waschbecken und ein WC. Das ist sehr wichtig. Wir brauchen auch einen sogenannten FI-Schalter und einen Energieausweis, der nicht älter ist als zehn Jahre. Das sind so die Kern-Rahmenbedingungen. Die Wohnung muss natürlich auch noch schimmelfrei sein. Das ist auch wichtig. Diese Kernbedingungen prüfen wir vorab ab bzw. bei der Erstbesichtigung, welche die TIGEWOSI für uns vollzieht. Da wird es abgeprüft und eben auch, ob die Wohnung neben diesen genannten technischen Rahmenbedingungen auch rechtlich zur Vermietung geeignet ist. Also ob der Antragsteller überhaupt die Wohnung vermieten darf. Haben wir auch schon mehrmals gehabt …
Szechenyi:
… ah ok …
Schöggl:
… dass es Nachbarn gut gemeint haben für einen Eigentümer. Der hat aber gemeint, dass er doch selber drinnen wohnen will.
Szechenyi:
Also ein Kriterium ist auch 150 Quadratmeter …
Schöggl:
… das ist richtig, genau. Also die Wohnung muss maximal 150 Quadratmeter sein und sie muss natürlich leerstehend sein.
Ablauf bei der Initiative „Sicheres Vermieten“
Szechenyi:
Jetzt spielen wir mal das Ganze durch. Einfach nur geistig. Ich habe jetzt nur mal angenommen eine 40 Quadratmeter Wohnung in Aldrans z. B. geerbt. Die steht leer, weil ich in Innsbruck wohne. Ich weiß jetzt nicht, was damit tun. Ich habe etwas gehört von Ihrer Initiative. Wie komme ich in Kontakt zu Ihnen?
Schöggl:
Gerne anrufen, gerne den Kontakt mit uns suchen. Wir haben Online-Formulare, die kann man befüllen. Gerne aber vorher mit uns einfach den Kontakt aufnehmen. Bei uns gibt es dann ein Beratungsgespräch. Im Zuge dieses Gesprächs erläutern wir eben die sogenannten technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen und auch eben welche Unterlagen wir grundsätzlich für die Vermietung benötigen. Das ist z. B. ein Plan, also ein Grundriss, die aktuelle Vorschreibung der Betriebs- und Heizkosten – solcherlei Dinge. Sofern es eine Hausordnung gibt, eine Hausordnung und so weiter. Wenn wir im Erstgespräch erkennen, dass das grundsätzlich in die Initiative „Sicheres Vermieten“ passt oder passen kann, dann ist es so, dass wir die TIGWOSI beauftragen, einen Erstbesichtigungstermin wahrzunehmen. Da kommt dann der Mitarbeiter der TIGEWOSI hin und überprüft, ob die Wohnung grundsätzlich vermietbar ist.
Szechenyi:
Jetzt muss man dazu sagen, „Sicheres Vermieten“ ist in Kooperation mit der TIGEWOSI und einer Anwaltskanzlei …
Schöggl:
… das ist richtig, ja …
Szechenyi:
… die sind auch noch dabei.
Schöggl:
Genau. Ja, wir teilen uns der Arbeit sozusagen. Die TIGEWOSI kommt dann eben im Auftrag des Landes Tirol hin und überprüft, ob die Wohnung technisch geeignet ist.
Szechenyi:
Die schaut sie sich an?
Schöggl:
Genau. Die schauen sich die Wohnung an. Da treten im Regelfall viele Fragen noch auf. Dort wird der Fördervertrag des Landes Tirol erklärt und eben das gesamte Paket, was auch die TIGEWOSI und p g f Rechtsanwälte kostenfrei anbieten. Wenn dann zu diesem Zeitpunkt – gehen wir mal davon aus, es passt alles, die Wohnung ist geeignet zur Vermietung – alles passt, dann werden die weiteren Unterlagen gesammelt und wenn alles vorhanden ist, dann stellen wir eben die fertige Wohnung auf die Homepage des Landes Tirol.
Szechenyi:
Gut. Und dann steht eben meine Garconniere in Aldrans auf der Homepage. Und dann können die Leute sich das anschauen. Wie geht's dann weiter? Was macht dann die Initiative weiter?
Schöggl:
Genau, dann steht die Wohnung auf der Homepage und dann kommt eben die TIGEWOSI in die Wohnung. Sie als Vermieter entscheiden sich dann für einen Mieter, für eine Mieterin. Wenn dann quasi dieses Match herbeigeführt wurde, ist es so, dass wir die p g f Rechtsanwälte beauftragen, einen Mietvertrag zu erstellen. Der Mietvertrag wird dann individualisiert für die Wohnung und für den Mieter angepasst und erstellt. Dann kommt es eben zur Vertragsunterfertigung und zu der Wohnungsübergabe.
Szechenyi:
Die Mietverträge laufen alle auf drei Jahre.
Schöggl:
Genau. Momentan laufen sie auf drei Jahre, sofern nicht der Bund eine gesetzliche Änderung vollzieht, dass es fünf Jahre sein müssten. Das wird gerade diskutiert, aber es sind drei Jahre.
Szechenyi:
Aber es läuft drei Jahre und danach, nach dem Ablauf dieser drei Jahre, entscheiden dann Vermieter und Mieter, wie sie weitermachen oder wie entscheidet man das dann?
Schöggl:
Also dann läuft es drei Jahre. Während der dreijährigen Laufzeit ist es auch so, dass sich die TIGEWOSI um die Mietverwaltung kümmert. Das heißt, es gibt eine laufende Indexierung, eine Anpassung nach dem VPI. Das macht die TIGEWOSI. Sollte der Mieter die Miete beispielsweise nicht zahlen, dann übernimmt die TIGEWOSI das Mahnwesen und so weiter. Sollte es da auch zu Mietausfällen kommen, wird dann das Land Tirol auch einspringen, sofern sie berechtigt sind. Und eben nach diesen drei Jahren kommt zu einer Rückstellung der Wohnung. Da wird dann wiederum überprüft, ob die Wohnung ordnungsgemäß zurückgegeben wird. Wenn dann Schäden entstanden sind, die in der Sphäre des Mieters liegen, wäre es eben so, dass das Land Tirol im Schadensfall bis zu 30.000 Euro pro Wohnung einspringt. Wir als Land Tirol probieren, das natürlich dann vom Mieter einzufordern und dass das klare, gute Verhältnisse sind. Wichtig ist aber dabei, dass wir den Eigentümer quasi unterstützen wollen, dass er oder sie keine Angst haben muss, dass die Wohnung in einem völlig desolaten Zustand rückübergeben wird.
Szechenyi:
Und ich muss mich auch nicht selber als Vermieter darum kümmern in dem Sinne, da kümmert sich dann eben das Land?
Schöggl:
Genau …
Szechenyi:
… also die juristischen Schritte und so weiter, sollte keine Miete gezahlt werden und so weiter.
Schöggl:
Genau. Wir in unserem Projekt kümmern uns darum und um die gesamte sorgenfreie Abwicklung für den Vermieter oder die Vermieterin. Dann können sich Mieter eben auch auf der Homepage direkt anmelden auf diese gezielte Wohnung. Wir haben dann so ein First-Come-First-Serve-Prinzip. Das heißt, die ersten Mieter, die sich anmelden, schlagen wir dann dem Vermieter vor. Wir sprechen das mit dem Vermieter ab. Es gibt im städtischen Raum mehr Nachfragen. Im ländlichen Raum sind wir oftmals froh, wenn es ein, zwei Personen sind. Wir schlagen es dann dem Vermieter vor, stimmen es mit ihm ab und dann kommt es zu einem Besichtigungstermin.
Szechenyi:
Also ich höre dann von Ihnen, wenn einmal ein paar Mieter gesammelt worden sind so quasi und Sie sortieren da schon ein bisschen aus oder gar nicht?
Schöggl:
Nein, es ist das First-Come-First-Serve-Prinzip mit der einzigen Ausnahme, dass wenn der Wohnraum nachweislich laut OEB-Richtlinie 4 barrierefrei ist, dann reihen wir Personen, die nachweislich einen barrierefreien Wohnraum brauchen, selbstverständlich vor. Sonst First-Come-First-Serve-Prinzip, wir schicken alle Mietinteressenten zur Wohnung. Das macht dann auch die TIGWOSI, den Besichtigungstermin vor Ort. Und der Vermieter oder die Vermieterin kann sich dann den Mieter seiner oder ihrer Wahl aussuchen.
Voraussetzungen für MietinteressentInnen
Szechenyi:
Wer kann die Wohnung mieten und ich suche mir dann aus, aber wer kann die Wohnung mieten? Jeder?
Schöggl:
Es müssen natürliche Personen sein, also wir vermieten nichts an Vereine. Also eine natürliche Person, die selber keine Eigentumswohnung besitzt.
Szechenyi:
Also auch Studenten? Von Studenten bis hin zu Pensionisten?
Schöggl:
Alles …
Szechenyi:
… alles …
Schöggl:
Alles und jeder – nur eben natürliche Personen, die selber keine Eigentumswohnung haben.
Höhe des Mietzinses
Szechenyi:
Was das Land eben tut: Es garantiert mit dieser Initiative faire und angemessene Miete. Das heißt, ich kann als Mieter nicht einfach verlangen, was ich will.
Schöggl:
Nein, wir haben …
Szechenyi:
… es geht ja auch um leistbares Wohnen, gell?
Schöggl:
Also, wir haben einen maximalen Mietzins definiert.
Szechenyi:
Dieser richtet sich nach der Größe der Wohnung, oder?
Schöggl:
Nein, er richtet sich tatsächlich nach dem ortsüblichen Mietzins und da gibt es mehrere Gutachten im Zuge der Leerstandsabgabe und wir haben diese Gutachten herangezogen und haben da einen Abschlag berechnet. In Vorbehaltsgemeinden ist es mehr und in allen anderen Gemeinden weniger. Das heißt, es ist etwas – 20 oder 10 Prozent – unter dem ortsüblichen Marktpreis, wo wir das quasi anbieten am Markt. Das hat einerseits die Konsequenz, dass der Mieter günstiger wohnt. Wir wollen leistbares Wohnen schaffen und wir erachten das als den Beitrag des Vermieters für das Rundum-Sorglospaket der Initiative „Sicheres Vermieten“.
Szechenyi:
Das heißt also für meine fiktive 40 Quadratmeter Wohnung in Aldrans gibt es quasi eine Liste …
Schöggl:
… genau, ja …
Szechenyi:
… so und so viel sollte und so viel darf Miete eingenommen werden.
Schöggl:
Genau. Das ist eine relativ schwierige Frage, ob es jetzt im Vollanwendungsbereich ist, Teilanwendungsbereich im Mietrechtsgesetz oder ob es eben ein Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz betrifft oder, oder, oder. Wenn es am freien Markt jetzt wäre, also der freie Mietzins wäre, dann würden wir wahrscheinlich im Raum Innsbruck-Land bei 12 bis 13 Euro umgehen, vermute ich jetzt. Ich habe leider nicht alle Gemeinden auswendig im Kopf. Ich übe mich. (lacht)
Szechenyi:
Ja, ja. Einfach nur die Tatsache, es gibt quasi eine vorgeschriebene Miethöhe …
Schöggl:
… genau, ja …
Szechenyi:
… die nicht überschritten werden darf von mir als Vermieter.
Schöggl:
Genau. Aber wenn Sie als Vermieter sagen, nein ich möchte weiter drunter gehen, ist es natürlich auch zulässig. Aber drüber geht es nicht, nein.
Kosten für WohnungseigentümerInnen
Szechenyi:
Was kostet es denn für mich als Eigentümer, als Wohnungseigentümer, was kostet die Initiative „Sicheres Vermieten“?
Schöggl:
Also grundsätzlich nichts.
Szechenyi:
Grundsätzlich?
Schöggl:
Also nein, wenn alle Unterlagen da sind. Wir brauchen natürlich einen gültigen Energieausweis, das liegt in der Sphäre des Vermieters – also dass der Vermieter diesen organisiert und uns gibt. Der darf nicht älter als zehn Jahre sein. Aber wenn jetzt alle Unterlagen vollständig vorliegend sind, ist es kostenlos für ein Vermieter. Wir sagen immer das „Aber“ ist eben dieser maximale Mietzins. Am privaten Markt würde man mehr bekommen, aber wir bieten ein Rundum-Sorglospaket dann von Beginn bis zur Rückstellung.
Szechenyi:
Im Prinzip habe ich als Vermieter quasi die Sorge zu tragen, dass ein passender Mietzins erhoben wird und sonst habe ich nichts.
Schöggl:
Nichts, nein. Also Antrag stellen bei uns, wir kümmern uns um alles. Der Mietzins, die Mieteinnahmen sind etwas geringer wie am ortsüblichen Markt. Ja, aber dafür muss man sich um nichts kümmern.
Szechenyi:
Es bringt in erster Linie Sicherheit für den Vermieter.
Schöggl:
Wir glauben eben auch für den Mieter, weil natürlich der Mieter auch von einem fairen Mietvertrag profitiert und vom leistbaren Wohnen. Das heißt, wir wollen schon die leerstehenden Wohnungen mobilisieren, dem Vermieter die Arbeit und die Sorgen abnehmen und im Umkehrschluss leistbares Wohnen schaffen.
Anzahl der bereits vermittelten Wohnungen
Szechenyi:
Wie viele Wohnungen hat jetzt die Initiative seit Bestehen schon vermittelt?
Schöggl:
Wir haben in der Pilotphase 25 vermietet und haben momentan fünf bis sechs Wohnungen im Monat, die wir neu auf den Markt bringen.
Szechenyi:
Und eben auch wie gesagt tirolweit …
Schöggl:
… genau, ja, ja …
Szechenyi:
… also auch Lienz und Reutte.
Schöggl:
Genau.
Zukunft des Wohnens
Szechenyi:
Das ist ja das Faszinierende. Wenn Sie sich schon so dermaßen viel mit Wohnen beschäftigen: Wie werden wir in 25 Jahren wohnen? Ich hoffe nicht in irgendwelchen Kajüten.
Schöggl:
Nein, nein (lacht), ich hoffe es auch nicht. Ich habe es schon erlebt. (lacht) Ich hoffe eigentlich in lebendigen Städten mit Identität, mit Charakter, mit Charme. Ich hoffe, dass weniger Wohnungen bzw. Wohnraum leer steht und dass es sehr zielgerichtet funktioniert und dass wir friedlich und gesund, das ist nämlich auch wichtig, gemeinsam wohnen können.
Szechenyi:
Es wird eher ein verdichtetes Sein, ein verdichtetes Wohnen und ein generationsübergreifendes.
Schöggl:
Bestimmt, diese Wohnformen werden wohl auch bei uns vermutlich etwas mehr Einzug halten können. Das werden sicher tolle und entspannende, innovative Ansätze, die möglich sind und möglich wären, ja.
Verabschiedung
Szechenyi:
Das war der Podcast des Landes Tirol mit dem Projektleiter der Initiative „Sicheres Vermieten“, Roman Schöggl. Vielen herzlichen Dank fürs Gespräch.
Schöggl:
Danke für die Einladung. Dankeschön.
Szechenyi:
Und sollte jetzt das Interesse geweckt worden sein, Informationen gibt's unter www.tirol.gv.at/sicheresvermieten
Schöggl ist 35 Jahre jung, ausgebildeter Architekt und er hat während seines Studiums sechs Monate lang in einer fensterlosen Kajüte eines Kreuzfahrtschiffes gewohnt. Seit 2023 leitet er die Initiative „Sicheres Vermieten“ des Landes Tirol. Gemeinsam mit der TIGEWOSI und den p g f Rechtsanwälten ist es ihm und seinem Team gelungen, zahlreiche Wohnungen aus dem Leerstand zu holen. Und das nicht nur im Großraum Innsbruck, sondern in allen Bezirken, von Lienz bis Reutte, von Landeck bis Kufstein.
"ins Land einihören", den Podcast des Landes Tirol findet ihr auf www.tirol.gv.at/podcast, auf allen gängigen Podcast-Plattformen und auf YouTube. Danke fürs Zuhören und fürs Zusehen. Bis zum nächsten Mal sagt Dénes Széchényi.