Die Macht der Sprache
Die Bedeutung von Sprache im pädagogischen Alltag
In diesem Beitrag wird die Macht der Sprache in der täglichen Arbeit mit Kindern beleuchtet und aufgezeigt, welche Auswirkungen sie auf die psychische Gesundheit haben kann. Pädagogische Fachkräfte haben – neben den Eltern – einen maßgeblichen Einfluss darauf, Kinder durch ihre Sprache, ihre Worte sowie ihr Verhalten und ihren Umgang sowohl positiv als auch negativ zu prägen. Sprache kann verletzen, aber auch heilsam wirken. Umso wichtiger ist es, sie im Alltag bewusst einzusetzen, die eigene Botschaft zu reflektieren und sich darüber klar zu werden, inwiefern Worte den Selbstwert und die Wahrnehmung eines Kindes beeinflussen.
Wenn Kinder scheinbar nicht zuhören - mögliche Gründe
Häufig entsteht im pädagogischen Alltag der Eindruck, dass Kinder nicht zuhören. Allerdings gibt es stets Gründe dafür, warum ein Kind in bestimmten Situationen nicht kooperiert oder nicht aufnahmefähig ist (vgl. Wedewardt & Hohmann, 2021, S. 27). Dazu zählen unter anderem Überforderung – etwa durch Müdigkeit oder Stress –, das Gefühl, nicht verstanden zu werden oder einen drohenden Kontaktverlust. Ebenso kann die Integrität des Kindes verletzt sein, beispielsweise durch Kränkung oder eine Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls. Auch unerfüllte Bedürfnisse oder konkurrierende Bedürfnisse (z. B. Spielen statt Aufräumen) sowie unklare oder missverständliche Botschaften können dazu führen, dass Kinder nicht reagieren.
Damit Botschaften Kinder erreichen, sind einige grundlegende Aspekte zu beachten. Dazu gehören der Aufbau von Blickkontakt, ein liebevoller und angekündigter Körperkontakt sowie eine klare und positive Sprache. Ebenso bedeutsam ist die Selbstreflexion pädagogischer Fachkräfte. Eigene biografische Erfahrungen, Glaubenssätze, Bedürfnisse, Vorurteile und mögliche Trigger können das pädagogische Handeln maßgeblich beeinflussen und sollten daher bewusst wahrgenommen und reflektiert werden.
Die Wirkung von Sprache auf Selbstwert und Entwicklung
Ein besonders sensibler Aspekt der sprachlichen Wirkung im pädagogischen Alltag zeigt sich im Umgang mit bewertenden oder abwertenden Begriffen. Worte wie „dumm“, „faul“ oder auch vorschnell verwendete Zuschreibungen wie „behindert“ können für Kinder eine tiefgreifende Bedeutung entwickeln. Kinder befinden sich in einer Phase, in der ihr Selbstbild und ihr Selbstwertgefühl erst entstehen. Sie übernehmen sprachliche Zuschreibungen häufig ungefiltert und beziehen diese unmittelbar auf ihre eigene Person.
Wiederholte negative Bezeichnungen können dazu führen, dass Kinder diese als Teil ihrer Identität verinnerlichen. Ein Kind, das beispielsweise als „dumm“ bezeichnet wird, beginnt unter Umständen zu glauben, tatsächlich weniger fähig zu sein. Dies kann sich negativ auf das Lernverhalten, die Motivation und das Selbstvertrauen auswirken. Es entsteht ein sogenannter negativer Selbstwertkreislauf, bei dem sich Erwartungen und Verhalten gegenseitig verstärken. Darüber hinaus können solche sprachlichen Verletzungen emotionale Reaktionen wie Scham, Angst, Wut oder Rückzug auslösen. Die Beziehung zwischen Kind und pädagogischer Fachkraft kann dadurch belastet werden, da sich das Kind nicht mehr sicher und angenommen fühlt. Sprache wirkt in diesem Zusammenhang nicht nur kurzfristig, sondern kann langfristige Spuren in der emotionalen und sozialen Entwicklung hinterlassen.
Wertschätzende Sprache als Schlüssel
Kinder können häufig nicht zwischen der Bewertung ihres Verhaltens und ihrer Person unterscheiden. Während eine konstruktive Rückmeldung sich auf das konkrete Verhalten bezieht (z. B. „Das Aufräumen hat heute noch nicht geklappt“), erleben Kinder pauschale Zuschreibungen schnell als Bewertung ihrer gesamten Persönlichkeit.
Umso wichtiger ist ein bewusster, wertschätzender Sprachgebrauch. Anstelle von abwertenden Begriffen sollten pädagogische Fachkräfte beschreibende, unterstützende und entwicklungsfördernde Formulierungen wählen. Ziel ist es, das Verhalten zu benennen, ohne das Kind in seiner Person abzuwerten, und ihm gleichzeitig Orientierung sowie Handlungsmöglichkeiten zu geben.
Text: Team der Fachberaterinnen für Inklusion




