Recht auf Kinderbildung und Kinderbetreuung macht große Fortschritte: Tirol übertrifft erstmals Barcelona-Ziele

FRIDA macht den nächsten Schritt: Über 43.500 Kinder unter 15 Jahren in Betreuung, 82 Einrichtungen mehr als vor fünf Jahren

  • Tirol erreicht erstmals Barcelona-Ziel bei der Kinderbetreuung: EU-Zielwerte zur Betreuungsquote in allen Altersklassen übertroffen
  • Einziges Bundesland mit Recht auf Kinderbildung und Kinderbetreuung: über 97 Prozent der Plätze für Kinderbetreuungsjahr 2026/27 über FRIDA vermittelt
  • Aktuelle Kinderbetreuungsstatistik 2025/26 liegt vor: www.tirol.gv.at/statistik

Tirol ist das erste und einzige Bundesland das ein Recht auf Vermittlung eines Kinderbildungs- und Kinderbetreuungsplatzes für Kinder ab dem zweiten Geburtstag umgesetzt hat. Mehr als 43.500 Kinder unter 15 Jahren werden aktuell in Kinderkrippen, Kindergärten, Horten und weiteren Betreuungsformen in Tirol betreut – ein neuer Höchstwert. Die aktuellen Ergebnisse der Tiroler Kinderbetreuungsstatistik 2025/26 zeigen eine sehr positive Entwicklung: Erstmals wird der EU-Zielwert zur Betreuungsquote, das sogenannte Barcelona-Ziel, in allen Altersklassen erreicht und bei den Drei- bis Fünfjährigen sogar deutlich übertroffen, verkündete Landeshauptmann Anton Mattle heute, Dienstag, gemeinsam mit LHStv Philip Wohlgemuth und Bildungslandesrätin Cornelia Hagele bei einem Besuch des neuen Hauses der Generationen der Gemeinde Tulfes. „Das Recht auf Kinderbildung und Kinderbetreuung macht große Fortschritte. Erstmals erreicht Tirol alle europäischen Zielwerte bei der Kinderbetreuung. Das Wissen und Können der Tirolerinnen und Tiroler ist unsere wichtigste Ressource. Deshalb wollen wir, dass unsere Kleinsten schon sehr früh einen guten Zugang zu Bildung haben. Die Lebensrealität der Menschen verändert sich und genau deshalb schaffen wir ein Mehr an Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das Recht auf Kinderbildung und Kinderbetreuung bedeutet für uns echte Wahlfreiheit, bestmögliche Bildungschancen und der richtige Schritt in die Zukunft“, betont LH Mattle.

Für das Kinderbetreuungsjahr 2026/27 gibt es ebenfalls eine positive Nachricht: Bisher konnten bereits über 97 Prozent aller fristgerecht über die digitale Plattform FRIDA angemeldeten Kinder erfolgreich an einen Kinderbildungs- und Kinderbetreuungsplatz vermittelt werden. „Das ist ein starkes Signal für die Familien in Tirol und ein klarer Beleg, dass wir den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen. Unser Anspruch ist eindeutig: Jedes Kind soll einen qualitätsvollen und möglichst wohnortnahen Betreuungsplatz erhalten, unabhängig von der Lebenssituation der Familie. Kinderbildung und Kinderbetreuung sind für uns keine Randthemen, sondern ein zentraler Bestandteil von Chancengerechtigkeit sowie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die aktuellen Fortschritte zeigen, dass wir gemeinsam wirksam sind. Sie sind das Ergebnis der engen und verlässlichen Zusammenarbeit mit den Gemeinden, privaten Erhaltern und den Einrichtungen vor Ort. Genau auf dieses Miteinander setzen wir auch in Zukunft. Wir bauen das Angebot weiter aus, sichern Qualität und schaffen verlässliche Rahmenbedingungen für Familien. Unser Ziel bleibt klar und ist ein flächendeckendes, hochwertiges und bedarfsgerechtes Angebot für alle Kinder in Tirol“, betont LRin Hagele. LHStv Wohlgemuth unterstreicht: „Das Recht auf Vermittlung eines Kinderbildungs- und -betreuungsplatzes ist ein zentraler Schritt zu mehr Bildungsgerechtigkeit und echter Chancengleichheit. Dass sich Eltern und Erziehungsberechtigte künftig auf ein flächendeckendes und leistbares Angebot verlassen können, bedeutet echte Wahlfreiheit und einen entscheidenden Fortschritt für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Mit FRIDA setzen wir dieses Recht konsequent um – und haben damit in kurzer Zeit ein zentrales Wahlversprechen eingelöst und einen wichtigen sozialpolitischen Meilenstein erreicht.“

Barcelona-Ziel erstmals übertroffen

Für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf spielen die sogenannten VIF-Kriterien (Vereinbarkeitsindikator für Familie und Beruf) eine zentrale Rolle. Dazu zählen ein regionales, ganzjährig verfügbares Betreuungsangebot (mindestens 47 Wochen), ganztägige Öffnungszeiten sowie die Möglichkeit eines Mittagessens in der Einrichtung. Das Barcelona-Ziel gibt dabei vor, dass für die bestmögliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf für 33 Prozent der Kinder unter drei Jahren und für mindestens 90 Prozent der Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt Kinderbetreuungsplätze mit diesen Kriterien zur Verfügung gestellt werden müssen. Bisher lag Tirol bei den unter Dreijährigen knapp unter dem vorgegebenen Zielwert. Heuer wird dieser nicht nur erreicht, sondern sogar leicht überschritten. Bei den Drei- bis Fünfjährigen liegt Tirol mit einem Plus von 6,7 Prozentpunkten sogar klar darüber.

Ein wesentlicher Faktor ist die steigende VIF-Konformität der Einrichtungen in Tirol: Bereits 89 Prozent der Kinderkrippen und -gruppen sowie 94 Prozent der Kindergärten öffnen vor 7.30 Uhr, zudem wurden die Öffnungszeiten insgesamt weiter ausgeweitet. Mehr als die Hälfte der aufgenommenen drei- bis fünfjährigen Kinder (55,6 Prozent) besucht bereits eine VIF-konforme Einrichtung – ein weiterer Anstieg gegenüber dem Vorjahr mit 52,7 Prozent. 

„Das Land Tirol hat sehr ambitionierte Pläne und reagiert auf die Veränderungen in der Berufswelt und in den Familien. Wir Gemeinden unterstützen dieses Vorgehen. Eine qualitativ hochwertige Kinderbildung und -betreuung kann nur gemeinsam im engen Schulterschluss zwischen Land, Gemeinden und den Einrichtungen vor Ort gelingen. In Tulfes arbeiten wir Hand in Hand daran, gute Rahmenbedingungen für Kinder, Eltern und das pädagogische Personal zu schaffen. Diese enge Zusammenarbeit ist die Grundlage für ein verlässliches Angebot“, so Bürgermeister Martin Wegscheider.

Entwicklung der Kinderbildung und -betreuung in Tirol 2025/26

Mehr als 43.500 Kindern unter 15 Jahren besuchen aktuell eine der insgesamt 1.274 Einrichtungen: Der Großteil davon, rund 33.300 Kinder, besucht eine der 945 institutionellen Einrichtungen (488 Kindergärten, 337 Kinderkrippen, 120 Horte), weitere rund 10.200 Kinder werden bei alternativen Formen wie Kinderspielgruppen, Tageseltern oder Ganztagsschulen betreut.

Die Zahl der Einrichtungen und der betreuten Kinder wächst seit Jahren: Alleine die Anzahl der Einrichtungen stieg in den letzten fünf Jahren um 82 Einrichtungen – von 1.192 (2020/21) auf 1.274 Einrichtungen (2025/26). Und waren es im Jahr 2020/21 noch rund 38.700 betreute Kinder, sind es heuer bereits über 43.500. 

Aus- und Weiterbildung sichern Qualität in der Kinderbetreuung

Insgesamt sind in Tirol über 6.500 Fach- und Assistenzkräfte in der Kinderbildung und -betreuung tätig. Vor allem auch die Anzahl der Tageseltern hat seit dem letzten Jahr wieder zugenommen, besonders im Bereich der Betreuung von Kindern ab drei Jahren. „Diese Entwicklung zeigt deutlich, dass gesetzte Maßnahmen Wirkung entfalten, etwa die Anpassung der Verordnung, durch die nun auch pädagogische Fachkräfte die fachlichen Voraussetzungen erfüllen, um als Tageseltern tätig zu sein“, erklärt LRin Hagele.

Für eine umfassende Fort- und Weiterbildung der PädagogInnen und Assistenzkräfte bietet das Land Tirol in Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Tirol jährlich rund 59.000 kostenlose Unterrichtseinheiten an. In das vielseitige Angebot an Fortbildungen reiht sich zudem ein neues Mentoringprogramm für BerufseinsteigerInnen in der Elementarpädagogik ein.

FRIDA geht mit IDA(ustria) auf Tour

Mit diesen sehr guten Rahmenbedingungen starten bereits die Vorbereitungen für das Kinderbetreuungsjahr 2026/27. Mit FRIDA hat die Tiroler Landesregierung erstmals eine digitale Plattform zur Vermittlung von Kinderbildungs- und Kinderbetreuungsplätzen umgesetzt. Die Bilanz fiel mehr als positiv aus: Rund 11.600 Anmeldungen für Kinder, die im Herbst erstmalig eine Kinderkrippe, einen Kindergarten oder einen Hort besuchen, gingen bis Ende Jänner über FRIDA ein. Damit einher geht der Anspruch auf Vermittlung eines Platzes ab dem zweiten Geburtstag. Anmeldungen sind nach wie vor über www.tirol.gv.at/frida für Kinder bis 15 Jahre, die erstmalig eine Einrichtung besuchen oder die Einrichtung wechseln, möglich – sie haben jedoch keinen Vermittlungsanspruch.

Um die Gemeinden und privaten Erhalter sowie die Erziehungsberechtigten bei der Anmeldung über FRIDA – und vor allem die Nutzung der ID Austria – für das nächste Kinderbetreuungsjahr 2027/28 noch besser zu unterstützen, werden im kommenden Herbst Beratungen im Rahmen von „FRIDA und IDA on Tour“ von der Koordinierungsstelle des Landes in allen Bezirken durchgeführt.