Barrierefreie Freizeiteinrichtungen sind Menschenrecht

Dies ist eine Presseaussendung des unabhängigen Tiroler Monitoringausschusses

  • Tiroler Monitoringausschuss besichtigt barrierefreien Umbau von Burgenwelt Ehrenberg
  • UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet zu Barrierefreiheit im Freizeit- und Kulturbereich
  • Denkmalschutz als Spannungsfeld bei barrierefreier Gestaltung von Bestandsgebäuden

Mit der UN-Behindertenrechtskonvention, die in Österreich seit dem Jahr 2008 in Kraft ist, verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten, die Rechte von Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen zu gewährleisten. Neben existenzsichernden Regelungen zählt dazu die gleichberechtigte Teilnahme am kulturellen Leben. Dennoch stehen Menschen mit Behinderungen beim Besuch von Freizeit- und Kultureinrichtungen immer wieder vor Barrieren: Bei Bestandsgebäuden ist es oftmals der Denkmalschutz, der gegen eine barrierefreie Gestaltung ins Feld geführt wird. Diese Woche hat der Tiroler Monitoringausschuss die Burgenwelt Ehrenberg in Reutte besucht und sich ein Bild von der erfolgreichen Umsetzung eines (beinahe vollständig) barrierefreien Angebotes im Einklang mit dem Denkmalschutz gemacht.

„Menschen mit Behinderungen haben ein Anrecht auf einen barrierefreien Zugang zu kulturellen Aktivitäten und zu Freizeiteinrichtungen im Allgemeinen. Wenn es um die Umsetzung der Barrierefreiheit in historischen Gebäuden geht – die vielfach selbst Museen und Ausstellungen sind –bin ich der Überzeugung, dass durch konstruktive Gespräche zwischen allen Beteiligten Lösungen gefunden werden können, die den Faktoren Denkmalschutz und Barrierefreiheit gerecht werden“, betont Isolde Kafka, Vorsitzende des Tiroler Monitoringausschusses. Lassen sich barrierefreie Maßnahmen nicht in das denkmalgeschützte Ensemble integrieren, muss es Zubauten geben, die sich vom denkmalgeschützten Teil stilistisch abheben, fordert der Monitoringausschuss. Ein gelungenes Beispiel hierfür ist etwa die Bezirkshauptmannschaft Landeck, wo zum historischen Alt- ein moderner barrierefreier Neubau mit einer Holz- und Glasfassade gestellt wurde.

(Beinahe) barrierefreie Burg

In der Burgenwelt Ehrenberg trifft Barrierefreiheit in allen Bereichen der Gesamtanlage auf Denkmalschutz – dennoch ist es gelungen, die einst uneinnehmbare Burg für alle Menschen zugänglich zu machen. Dazu zählen ein barrierefreier Zugang durch nahe gelegene Parkmöglichkeiten, ein Schrägaufzug (der aktuell erweitert wird), ein asphaltierter Weg und entsprechende Türbreiten genauso wie barrierefreie Toiletten. Einzig die „Bretterkapelle“ – ein beliebter Veranstaltungsort im dritten Stock, der auch als Standesamt genutzt werden und nur über Treppen erreicht werden kann – fehlt derzeit noch im ansonsten ganzheitlich barrierefreien Konzept. „In diesem Bereich ist die Abwägung zwischen Denkmalschutz und Barrierefreiheit noch nicht zugunsten letzterer ausgegangen, was schade ist. Außerdem stehen natürlich hinter jedem Umbau auch wirtschaftliche Faktoren: Der nachträgliche Abbau von Barrieren ist zwingend mit Kosten verbunden. Dies verdeutlicht einmal mehr, wie wichtig es ist, Barrierefreiheit bei Neubauten von Beginn an mitzudenken“, erklärt Bernhard Gruber, Mitglied des Monitoringausschusses und allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger.

 „Bei der heutigen Begehung haben wir uns vom Resultat eines konstruktiven Kompromisses zwischen Barrierefreiheit und Denkmalschutz überzeugt. Als zentrale Instanz zum Schutz, der Förderung und der Überwachung der UN-Behindertenrechtskonvention ist es uns ein Anliegen, lebensnahe Praxisprojekte kennenzulernen und positive Beispiele vor den Vorhang zu holen und weiterzugeben“, sagt Kafka.

Über den Tiroler Monitoringausschuss

Der Tiroler Monitoringausschuss wurde 2014 ins Leben gerufen und besteht aus 16 Mitgliedern, die jeweils ExpertInnen auf ihrem Gebiet sind (Wissenschaft und Lehre, Menschen mit Bewegungseinschränkungen, Menschen mit Lernschwierigkeiten usw.). Neben der Publikation von Stellungnahmen und Berichten veranstaltet der Monitoringausschuss regelmäßig öffentliche Sitzungen. Mehr Informationen zum Monitoringausschuss finden sich unter www.tirol.gv.at/tiroler-monitoringausschuss.