Georg Frauscher
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Mein Name ist Thomas Hagele. Ich erzähle die Geschichte von Georg Frauscher. Er ist Hausmeister im Landhaus und hat eine scheinbar unbedeutende Position. Dennoch ist er ein wichtiger Bestandteil des NS-Apparats.
Georg Frauscher wohnt gemeinsam mit seiner Ehefrau Albertine im Alten Landhaus im Erdgeschoß. Albertine arbeitet auch im Landhaus, sie ist Reinigungskraft.
Der gebürtige Oberösterreicher, Jahrgang 1891, hält sich als Stallknecht und Hilfsarbeiter über Wasser, bevor er 1924 als Holzträger in den Landesdienst eintritt. Drei Jahre später übernimmt er den Posten des Hausmeisters.
Politisch geht er mit der Zeit. Frauscher ist ab 1933 Mitglied der Vaterländischen Front und tritt am 1. Mai 1938 der NSDAP bei. Durch den Neubau des Landhauses erhöht sich sein Arbeitspensum enorm, in den Wintermonaten schuftet er bis zu 18 Stunden pro Tag. Jahrelang hat er keinen Urlaub und opfert sich für seinen Beruf auf. Die anstrengende Arbeit macht sich bezahlt. Im Dezember 1941 befördert ihn Gauleiter Franz Hofer und erhöht sein Gehalt.
- Ernennungsurkunde
Im Haus überwacht er sämtliche Anordnungen der Gauleitung. In den Frühlingsmonaten gilt zum Beispiel generelles Heizverbot. Entsprechende Regelverstöße hat Frauscher zu melden. Und er meldet – und denunziert: Im April 1942 landet eine Anzeige dieser Art auf dem Tisch des Gauleiters. Der reagiert umgehend mit harten Maßnahmen: „Entheben (sofort!!)“ notiert er handschriftlich auf dem Schreiben.
- Anzeige
Ein Jahr nach Kriegsende verliert Frauscher seinen Job. Er stolpert über seine Rolle als Überwachungsorgan in der NS-Zeit. Seine Frau kann es nicht fassen, „soviel Liebe“ habe ihr Gatte für das Haus aufgebracht, „und jetzt wirft man ihn hinaus“. Vergeblich versucht sie eine Zwangspensionierung zu verhindern. Sie greift dabei auf eine gängige
Verteidigungsstrategie zurück: Ihr Ehegatte sei „ja nur Hausmeister“ gewesen und „hatte zu gehorchen“.