Einstieg in Pflegeberuf über landwirtschaftliche Fachschulen

Bildungszentrum für Pflegeberufe in Schwaz und LLA Rotholz kooperieren

Kategorien:  LHStv GeislerLR TilgCoronaPflege AutorIn: Mag. Christa Entstrasser-Müller
Das landwirtschaftliche Schulwesen ermöglicht jungen Menschen den Einstieg in den Pflegeberuf.
Das landwirtschaftliche Schulwesen ermöglicht jungen Menschen den Einstieg in den Pflegeberuf.

Im Rahmen eines auf drei Jahre angelegten Schulversuches absolvieren junge Menschen der Fachrichtung ländliches Betriebs- und Haushaltsmanagement an der Landwirtschaftlichen Lehranstalt (LLA) Rotholz im Laufe ihrer dreijährigen Schullaufbahn auch das erste Semester der einjährigen Ausbildung zur Pflegeassistenz. Möglich macht das eine Kooperation des Bildungszentrums für Pflegeberufe in Schwaz mit der Landwirtschaftlichen Lehranstalt Rotholz, die mit dem Schuljahr 2020/2021 startete. Das Modell soll nun auch auf die weiteren Standorte der landwirtschaftlichen Fachschulen ausgerollt werden.

„Wir wollen jungen Menschen nicht nur einen Einblick in den Pflegeberuf geben, sondern einen echten Einstieg mit Zukunftsperspektiven bieten und treten mit dieser Ausbildungsschiene auch dem Pflegkräftemangel aktiv entgegen“, freuen sich der für das landwirtschaftliche Schulwesen zuständige LHStv Josef Geisler und Pflegelandesrat BernhardTilg über das neue Ausbildungsangebot in Rotholz. Im landwirtschaftlichen Bildungswesen mit einer Pflegeausbildung anzusetzen, sei auch deshalb goldrichtig, weil 40 Prozent der AbsolventInnen der Fachrichtung ländliches Betriebs- und Haushaltsmanagement eine weitere Ausbildung im Gesundheits- und Sozialbereich anstreben. „Dieses Potenzial wollen wir noch stärker für die Pflegeberufe nutzen, denn gerade die aktuelle Situation zeigt, wie wichtig gut ausgebildete Pflegekräfte im ganzen Land sind“, so LR Tilg.

Zwei Berufe in 3,5 Jahren

Ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung ist der praktische Unterricht, der an der Fachschule für ländliches Betriebs- und Haushaltsmanagement insgesamt einen hohen Stellenwert genießt. Die praktische Ausbildung erfolgt im Bildungszentrum und im Krankenhaus Schwaz, dessen Obmann Bgm Franz Hauser das Projekt ebenfalls forciert hat, sowie im Rahmen eines Pflichtpraktikums. SchülerInnen, die die dreijährige Ausbildung mit Schwerpunkt Gesundheit und Soziales in Rotholz positiv abschließen, können nahtlos an ihre bisherige Ausbildung anschließen und direkt in das zweite Semester der Ausbildung zu Pflegeassistenz und ein halbes Jahr später in den Beruf einsteigen oder sich weiterqualifizieren.

„Die neue Ausbildungsschiene ist trotz aller coronabedingten Herausforderungen und Einschränkungen gut angelaufen. Das Interesse und das Engagement sowohl bei den Schülerinnen und Schülern als auch bei den Lehrpersonen sind groß“, sieht Josef Norz, Direktor der LLA Rotholz, eine weitere Aufwertung des Standorts. Durch den nunmehrigen Ausbildungsverbund mit dem Bildungszentrum für Pflegeberufe Schwaz schließen die SchülerInnen der LLA Rotholz innerhalb von dreieinhalb Jahren zwei vollwertige Berufsausbildungen ab. Der Direktor des Bildungszentrums für Pflegeberufe in Schwaz, Siegfried Steidl, ergänzt: „Absolventinnen und Absolventen der Fachschule für ländliches Betriebs- und Haushaltsmanagement, die diesen Zweig wählen, entscheiden sich für einen attraktiven, sinnerfüllten Beruf, der die Arbeit für gesunde, kranke und pflegebedürftige Menschen in den Mittelpunkt stellt und gleichzeitig enorme Weiterqualifizierungs- und Aufstiegsmöglichkeiten bietet.“

Ausweitung auf ganz Tirol geplant

„Dieses Modell soll Schule machen, denn wir brauchen mehr denn je im ganzen Land qualifiziertes Pflegepersonal“, sieht Gesundheits- und Pflegelandesrat Bernhard Tilg Potenzial in diesem Ansatz. Deshalb wird mit Hochdruck daran gearbeitet, die Ausbildung mit Beginn des Schuljahres 2021/2022 auch an den Fachschulen für ländliches Betriebs- und Haushaltsmanagement in Lienz, St. Johann/Weitau, Imst und Landeck/Perjen anzubieten. Für LHStv Geisler bietet der Einstieg in den Pflegeberuf im Rahmen der landwirtschaftlichen Fachschulen ein interessantes und zudem sicheres Standbein in Kombination mit der Landwirtschaft – ob direkt am Hof, im örtlichen Alters- und Pflegeheim, über die Gesundheits- und Sozialsprengel oder im regionalen Krankenhaus.

Infobox: Pflegeassistenz

  • Die einjährige Ausbildung Pflegeassistenz ist neben den Ausbildungen in der Pflegefachassistenz sowie der gehobenen Gesundheits- und Krankenpflege eine zentrale Säule der neuen österreichischen Pflegeberufe. 
  • Die Ausbildung zur Pflegeassistenz umfasst in Summe 1.600 Stunden. PflegeassistentInnen unterstützen insbesondere diplomierte Gesundheits- und KrankenpflegerInnen sowie ÄrztInnen in ihrer täglichen Arbeit. Ihr Tätigkeitsbereich umfasst die Mitwirkung an und die Durchführung von übertragenen Pflegemaßnahmen, Handeln in Notfällen sowie die Mitwirkung bei Diagnostik und Therapie.
  • Sie sind beispielsweise in Krankenanstalten, in Alten- und Pflegeheimen, in der Behindertenbetreuung, in der Hauskrankgenpflege, bei freiberuflich tätigen ÄrztInnen oder diplomierten Gesundheits- und KrankenpflegerInnen tätig.