- Tag der erneuerbaren Energie am 26. April
- Tirol bei Erneuerbaren im europäischen Spitzenfeld
- 220 Tage Energie aus eigener Kraft
- Energiewende braucht schnellere Verfahren
Anlässlich des Tags der erneuerbaren Energie am 26. April bekräftigt das Land Tirol seinen klaren Kurs in Richtung Energieunabhängigkeit. Angesichts der aktuellen geopolitischen Spannungen und der sich erneut zuspitzenden Lage auf den internationalen Energiemärkten gewinnt der Ausbau heimischer erneuerbarer Energiequellen weiter an Bedeutung.
„Tirol muss sich in der Energiefrage unabhängig machen. Wir erleben, wie schnell sich internationale Krisen aktuell auf unsere Energieversorgung und die Preise in Österreich auswirken. Die Fossilen Energieträger sind die wahren Preistreiber und die Öl-Scheichs und Gas-Oligarchen die Krisen-Profiteure. Wer den Ausbau von Wasserkraft und anderen erneuerbaren Energieformen verhindert, macht sich weiterhin abhängig von fossilen Importen oder der Atomkraft. Ich nehme hier die Politik, die Energieversorger, die Gesellschaft aber auch die NGOs in die Pflicht. Die Frage der Energiewende kann nicht mit ‚entweder oder‘ sondern muss mit ‚sowohl als auch‘ beantwortet werden“, betont Landeshauptmann Anton Mattle. „Unser Ziel ist klar: Tirol soll bis 2050 energieautonom werden. Dafür brauchen wir alle erneuerbaren Energiequellen – ohne ideologische Scheuklappen und ohne Rosinenpicken. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Energiefrage über den Wohlstand, den Standort, die Wettbewerbsfähigkeit und damit auch über Arbeitsplätze entscheidet. Wir haben das Potential, uns selbst mit günstiger, sauberer und erneuerbarer Energie zu versorgen – dieses Potential dürfen wir nicht liegenlassen.“
Energie aus Tirol für Tirol: Kurs 2050
Bereits heute zeigt sich, dass dieser Weg Wirkung zeigt: Mehr als 60 Prozent des Endenergiebedarfs werden in Tirol bereits aus erneuerbaren Quellen gedeckt. Ziel bleibt eine vollständige Versorgung aus nachhaltiger Energie – ein ambitioniertes, aber erreichbares Vorhaben.
Wie weit Tirol im Vergleich bereits ist, verdeutlichen die sogenannten „Energiewendetage“. Derzeit kann sich Tirol rechnerisch an 220 von 365 Tagen im Jahr ausschließlich mit erneuerbarer Energie versorgen. Österreich erreicht im Vergleich 157 Tage, die EU-27 lediglich 92 Tage. Rechnerisch ergeben sich daraus folgende „Energiewendetage“:
- Tirol: 08. August 2026
- Österreich: 06. Juni 2026
- EU-27: 02. April 2026
„Tirol liegt damit um 64 Tage oder mehr als zwei Monate vor Österreich und sogar um 128 Tage oder mehr als vier Monate vor dem EU-Durchschnitt. Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, erklärt Energiereferent LHStv Josef Geisler. „Gleichzeitig ist das ein klarer Auftrag, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen und alle vorhandenen Potenziale zu nutzen.“
Heimische Ressourcen als Schlüssel zur Unabhängigkeit
Tirol setzt bei der Energiewende gezielt auf seine natürlichen Stärken. Die Wasserkraft bildet dabei das Rückgrat der Stromversorgung, ergänzt durch den Ausbau von Photovoltaik und die Nutzung von Biomasse. Aufgrund der topografischen Gegebenheiten spielt die Windkraft eine überschaubare, aber dennoch ergänzende Rolle.
Ein zentraler Vorteil liegt zudem in der Speicherfähigkeit der Wasserkraft: Speicherkraftwerke ermöglichen es, Energie bedarfsgerecht bereitzustellen und gleichen Schwankungen aus – ein entscheidender Faktor für ein stabiles Energiesystem. „Wenn wir uns unabhängig von russischem Gas oder iranischem Öl machen, dürfen wir nicht den Fehler machen, uns beim Energiespeichern in die nächsten Abhängigkeiten zu begeben. Für einen Stausee braucht man keine Materialien aus Ländern wie Indien oder China, so wie das bei Großspeicher oder Batterien der Fall ist. Kritische Rohstoffe müssen wieder importiert werden“, betont LH Mattle. „Der Ausbau erneuerbarer Energien stärkt nicht nur die Versorgungssicherheit, sondern auch den Wirtschaftsstandort Tirol. Investitionen bleiben im Land, schaffen Arbeitsplätze und reduzieren langfristig die Abhängigkeit von volatilen internationalen Märkten“, ergänzt LHStv Geisler.
Beschleunigung als entscheidender Faktor
Um das Ziel der Energieautonomie bis 2050 zu erreichen, braucht es neben dem konsequenten Ausbau auch effizientere Rahmenbedingungen. Die Novelle des UVP-Gesetzes muss eine massive Beschleunigung von Genehmigungsverfahren, insbesondere bei der Wasserkraft bringen: „Es kann nicht sein, dass mit dem Bau von strategisch wichtigen Wasserkraftwerken erst zehn Jahre nach Einreichung begonnen werden kann, weil Auflagen und Einsprüche zu jahrelangen Verzögerungen führen. Es braucht insbesondere vor Gericht eine ‚fast lane‘, sodass solch wichtige Projekte qualitätsvoll aber auch zügig bearbeitet werden können. Bereits damit wäre ein wichtiger Schritt getan, um Verzögerungen zu verringern. Auch in der Landesverwaltung arbeiten wir im Rahmen des Tirol-Konvents laufend an Beschleunigung. Eine wesentliche Maßnahme sind Projektvorbesprechungen, um allfällige Stolpersteine bzw. fehlende Unterlagen schon vor dem offiziellen Start eines Verfahrens aufzuzeigen und Verfahren damit zu beschleunigen“, erklärt LH Mattle.
Klarer Kurs in die Energiezukunft
Tirol hat in den vergangenen Jahren wesentliche Fortschritte erzielt und sich im europäischen Vergleich eine starke Ausgangsposition erarbeitet. Gleichzeitig bleibt der weitere Ausbau erneuerbarer Energien eine zentrale Aufgabe für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Nicht zufällig findet der Tag der erneuerbaren Energie am Jahrtag des Reaktorunfalls von Tschernobyl statt. Eine klare Absage erteilen LH Anton Mattle und LHStv Josef Geisler der Atomkraft: „Anlässlich 40 Jahre Reaktorunfall in Tschernobyl muss allen klar sein, dass Atomenergie keine Zukunftsenergie ist. Eine sichere, leistbare und nachhaltige Energieversorgung kann nur durch konsequente Nutzung heimischer Ressourcen gelingen. Tirol setzt diesen Weg entschlossen fort – mit dem klaren Ziel, die Energiezukunft selbst in die Hand zu nehmen.“