„Tirol erinnert“: Musik, Gedichte und Zeitzeuginnengespräch

„Wege des Widerstands“: Musiktheaterabend mit der Militärmusik Tirol im Landhaus

  • Öffentliche Lesung von Leokadia Justmans Gedichten am 6. Mai
  • Erstmals in Österreich: Zeitzeuginnengespräch mit Rozette Kats am 20. Mai
  • Programm und Veranstaltungskalender zu „Tirol erinnert“ unter tirol.gv.at/erinnern

Ein eindrücklicher Musiktheaterabend im Landhaus bildete den aktuellen Höhepunkt im Begleitprogramm rund um Leokadia Justman. Unter dem Titel „Was ist richtig? Wege des Widerstands“ tauchte das Publikum vergangenen Mittwoch in die Lebensgeschichten der Pazifistin Irene Harand und des Generals Wilhelm Zehner ein. Zwei Persönlichkeiten, deren Werdegang unterschiedlicher kaum sein könnte – und doch eint sie ihr Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Kulturreferent LH Anton Mattle erklärt dazu: „Der Konzertabend im Landhaus hat gezeigt, dass Kunst die Vergangenheit auf besondere Weise vermitteln kann. Musik kann Menschen berühren – und genau darin liegt die Stärke künstlerischer Zugänge für eine lebendige Erinnerungskultur.“ Die nächsten Veranstaltungen im Begleitprogramm der Ausstellung sind eine musikalische Lesung von Leokadias neu entdeckten Gedichten am 6. Mai und ein Zeitzeuginnengespräch am 20. Mai.

Konzert der Militärmusik Tirol im Landhaus

Während Irene Harand mit publizistischen Mitteln gegen Rassenhass und Gewalt kämpfte, bereitete der General Zehner das österreichische Bundesheer für den militärischen Ernstfall vor. Der Musiktheaterabend im Landhaus verband die beiden Biografien mit Liedern aus den Jahren 1885 bis 1938 – darunter Werke von Mahler, Zemlinsky, Korngold und Berg. Die Militärmusik Tirol brachte die Geschichten unter der musikalischen Leitung von Militärkapellmeister Oberst Hannes Apfolterer auf die Bühne. Text und Gesang verantwortete die österreichische Sängerin Elisabeth de Roo, die vielschichtige Inszenierung lag beim Dramaturgen Thomas Lackner. Das Projekt erfolgte in Kooperation mit dem Tiroler Kulturservice – dadurch hatten auch SchülerInnen die Möglichkeit, das Musiktheater zu erleben. 

„Menschheit erwache und schau auf die Berge!“ – Musikalische Lesung von Leokadias Gedichten

Musikalisch geht es weiter am 6. Mai (Beginn: 20 Uhr) im Treibhaus Innsbruck: Anknüpfend an die Präsentation von Leokadias selbstverfassten Gedichten im Landhaus verleiht Schauspielerin Jasmin Mairhofer den lyrischen Zeilen eine neue Stimme. Die Holocaust-Überlebende schrieb ihre lyrischen Zeilen ab 1944 – auch während ihrer Haft im Innsbrucker Polizeigefängnis. Nach ihrem Überraschungsfund in US-amerikanischen Archiven werden Leokadias Texte in dieser musikalischen Lesung erstmals öffentlich vorgetragen. Auch Jeffrey Wisnicki, der Sohn Leokadia Justmans, wird im Treibhaus zu Gast sein. Eine Audiofassung der Gedichte, eingesprochen von Mairhofer, ist bereits jetzt über tirol.gv.at/erinnern bzw. auf der Website www.brechen-wir-aus.at/menschheit-erwache/ zu hören. 

Dialog im Landhaus: Zeitzeugin spricht erstmals in Österreich

Am 20. Mai steht um 19 Uhr ein besonderer Programmpunkt bevor: Die Holocaust-Überlebende Rozette Kats ist erstmals in Österreich zu Gast, um im Landhaus über ihr Leben zu sprechen. Kats wurde in eine jüdische Familie in Amsterdam geboren, gelangte nach wenigen Monaten aber in die Obhut eines niederländischen Ehepaares, das Rozette fortan „Rita“ nannte. Ihre Eltern wurden gemeinsam mit ihrem Bruder, der noch ein Säugling war, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Unter dem Titel „Damals hieß ich Rita“ berichtet Rozette Kats von ihrer Kindheit im Versteck, vom Verlust ihrer Familie und von der späten Aufarbeitung ihrer eigenen Geschichte. 

LH Mattle unterstreicht die Wichtigkeit, Betroffene zu Wort kommen zu lassen: „Zeitzeuginnen wie Rozette Kats geben der Geschichte eine Stimme. Ihre Berichte liefern uns einen Anknüpfungspunkt – und erinnern uns daran, auch heute noch Verantwortung zu übernehmen.“ Seit den 1990er Jahren spricht Kats als Überlebende an niederländischen und deutschen Schulen. Am internationalen Holocaust-Gedenktag trat sie 2023 bei der Gedenkstunde im Deutschen Bundestag auf. Die Veranstaltung im Innsbrucker Landhaus erfolgt in Kooperation mit ERINNERN:AT und der Pädagogischen Hochschule Tirol. Interessierte können sich bis 18. Mai unter tirol.gv.at/DamalshießichRita anmelden. 

Graphic Novel im Landhaus – Kuratorenführung am 13. Mai

Jung und Alt sind weiterhin eingeladen, die Sonderausstellung zu Leokadia Justman im Landhaus zu besuchen. Neue Inhalte beleuchten die Entstehung der Graphic Novel „Lodzia & Marysia“. Der Tiroler Illustrator Alwin Hecher hat Leokadias Geschichte gezeichnet, um vor allem eine junge Zielgruppe an das Thema heranzuführen. Vertiefende Einblicke bietet auch eine Kuratorenführung am 13. Mai. Kurator Christian Mathies wird insbesondere die NS-Vergangenheit des Landhauses thematisieren – von seiner Errichtung als Gauhaus bis zur heutigen Nutzung als Sitz der Landesverwaltung.


Sonderausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus!“

Die Ausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus! Als polnische Jüdin auf der Flucht in Tirol“ ergänzt als Sonderpräsentation die Rahmenausstellung „Vom Gauhaus zum Landhaus. Ein Tiroler NS-Bau und seine Geschichte“ und ist von Montag bis Freitag (9 bis 17 Uhr) im Landhaus 1 zu sehen. Die selbstverfassten Gedichte von Leokadia Justman können jeweils freitags (12 bis 17 Uhr) ebenfalls im Landhaus 1 (Festsaal) besichtigt werden (Ausnahmen: 20. Februar, 6. März, 10. April, 19. Juni, 26. Juni, 18. September, 13. November, 20. November 2026). 

Das Projekt ist eine Kooperation des Landes Tirol mit der Universität Innsbruck und dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, der Pädagogischen Hochschule Tirol, dem Archiv für Bau.Kunst.Geschichte, dem Programm ERINNERN:AT des OeAD (Österreichs Agentur für Bildung und Internationalisierung) zum Lehren und Lernen über Nationalsozialismus und Holocaust sowie dem Verein Wissenschaft und Verantwortlichkeit. Alle Veranstaltungen zum Thema „Tirol erinnert“ sind unter tirol.gv.at/erinnern zu finden – dort steht auch der virtuelle 360°-Rundgang der Ausstellung „Vom Gauhaus zum Landhaus“ zur Verfügung.