Hochwasserschutzprojekt erfolgreich abgeschlossen

Umfassende Maßnahmen bringen mehr Sicherheit für die Gemeinden St. Ulrich am Pillersee und Waidring

  • Schutz für rund 110 Gebäude und etwa 900 Menschen
  • Kombination aus Dämmen und Retentionsräumen 
  • Pillersee als zentraler Rückhalteraum mit Steuerung im Hochwasserfall
  • Zahlreiche ökologische Begleitmaßnahmen umgesetzt

Nach intensiver Planungs- und Bauzeit ist das Hochwasserschutzprojekt in den Gemeinden St. Ulrich a. P. und Waidring (Bezirk Kitzbühel) erfolgreich abgeschlossen. Auf einer Länge von rund 15,5 Kilometern zwischen Fleckenried in der Gemeinde St. Ulrich a. P. und dem Ortsteil Strub in Waidring wurden entlang des Grieselbachs, der in Waidring Haselbach genannt wird, zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes umgesetzt. Mit einem Investitionsvolumen von rund 9,4 Millionen Euro wurde ein Maßnahmenpaket realisiert, das künftig rund 110 Gebäude und etwa 900 BewohnerInnen sowie Arbeitsstätten vor einem hundertjährlichen Hochwasser schützt. Die Kosten wurden gemeinsam von Bund, Land Tirol und dem Wasserverband Haselbach-Grieselbach getragen.

„Der verbesserte Schutz der Bevölkerung vor Naturgefahren wie Hochwasser in Tirol ist mir ein großes Anliegen. Daher investieren wir als zuständiges Bundesministerium gemeinsam mit dem Land Tirol und den Gemeinden laufend in bauliche Maßnahmen und ökologische Verbesserungen, die Mensch und Natur gleichermaßen zugutekommen. Für das Hochwasserschutz-Projekt Haselbach-Grieselbach in den Gemeinden Waidring und St. Ulrich am Pillersee stellen wir rund die Hälfte des nötigen Budgets, das sind 4,5 Millionen Euro, bereit. Jeder Euro, den wir in den Hochwasserschutz investieren, ist eine Investition in mehr Sicherheit sowie in eine intakte Umwelt und stärkt die regionale Wirtschaft“, so Umwelt- und Wasserminister Norbert Totschnig anlässlich der Fertigstellungsfeier. 

Auch LHStv Josef Geisler unterstreicht: „Der Schutz vor Naturgefahren hat in Tirol einen sehr hohen Stellenwert. Mit diesem Hochwasserschutzprojekt ist es gelungen, für die Gemeinden eine spürbare Verbesserung der Sicherheit zu schaffen und gleichzeitig auch ökologische Aspekte mitzudenken. Mein Dank gilt allen, die an der Umsetzung dieses Projekts mitgearbeitet haben.“

„Für unsere Gemeinden ist die Fertigstellung dieses Hochwasserschutzprojekts ein ganz wesentlicher Schritt“, betonen Martin Mitterer, Bürgermeister der Gemeinde St. Ulrich a. P., und Georg Hochfilzer, Bürgermeister der Gemeinde Waidring, in ihren Funktionen als Obmann bzw. Obmann-Stellvertreter des Wasserverbandes. „Die Erfahrungen aus dem Hochwasser 2013 haben deutlich gezeigt, wie wichtig funktionierende Schutzmaßnahmen sind. Umso mehr freut es uns, dass wir dieses umfassende Projekt nun gemeinsam erfolgreich umsetzen konnten. Es stärkt nicht nur die Sicherheit für die Bevölkerung, sondern wertet gleichzeitig auch unseren Natur- und Freizeitraum auf. Damit wird eine wichtige Grundlage für die weitere positive Entwicklung unserer Gemeinden geschaffen.“

Breites Maßnahmenpaket entlang des gesamten Gewässers

Das Hochwasserschutzprojekt wurde vom Wasserverband Haselbach–Grieselbach umgesetzt. Ihm gehören die Gemeinden St. Ulrich a. P. und Waidring, die Haselbachgenossenschaft sowie die Landesstraßenverwaltung an. Insgesamt wurden 16 Einzelmaßnahmen zwischen Waidring und St. Ulrich umgesetzt.

„Entscheidend war ein ganzheitlicher Ansatz, um bestehende Schwachstellen zu beseitigen und gleichzeitig neue Retentionsräume zu schaffen und zu optimieren“, erklärt Markus Federspiel, Vorstand der Abteilung Wasserwirtschaft des Landes Tirol. Ein wesentlicher Bestandteil war die Sanierung und Abdichtung bestehender Hochwasserschutzdämme in Waidring: Sie entstammen teils aus dem frühen 20. Jahrhundert und wurden nun auf rund zwei Kilometern Länge an den aktuellen Stand der Technik angepasst. „Die bestehenden Dämme waren nicht ausreichend dicht. Durch moderne Abdichtungsverfahren besteht nun wieder Standsicherheit“, so Federspiel weiter.

Neue Retentionsräume und Rückhaltesysteme

Zur gezielten Rückhaltung von Hochwasser wurden mehrere Retentionsräume geschaffen: Diese können bei erhöhten Abflüssen Wasser zwischenspeichern, um so die Abflusssituation im Unterlauf aufgrund der Linearmaßnahmen nicht zu verschlechtern. „Solche Rückhalteräume sind zentrale Elemente im modernen Hochwasserschutz. Sie ermöglichen es, große Wassermengen temporär aufzunehmen und kontrolliert wieder abzugeben“, erklärt Federspiel. 

Eine besondere Rolle im Gesamtkonzept kommt dem Pillersee zu. Durch den Neubau einer automatisiert gesteuerten Wehranlage kann der Seewasserspiegel im Hochwasserfall gezielt angehoben und das vorhandene Rückhaltevolumen optimal genutzt werden. „Mit der neuen Wehranlage ist der See aktiv in das Hochwassermanagement eingebunden, indem die Hochwasserwelle kontrolliert in den Unterlauf abgegeben wird“, erklärt Federspiel weiter. Gleichzeitig wurde die ökologische Durchgängigkeit mit einer Fischaufstiegshilfe bei der Wehranlage hergestellt. 

Flussauf der Gemeinde Waidring gibt es künftig zusätzlich ein Geschieberückhaltebecken mit einem Wildholzrechen, das Geschiebe und Wildholz kontrolliert zurückhält.

Ökologische Aufwertung und nachhaltige Gestaltung

Im Bereich des Seezulaufs wurden rund 25.000 Kubikmeter Feingeschiebe entfernt, um das Abflussverhalten des Grieselbaches und des Brunnbaches in den Pillersee zu verbessern. Gleichzeitig wurde der Zulauf naturnah umgestaltet und frühere, vom Hauptfluss getrennte Seitenarme wieder angebunden und damit reaktiviert.

Auch im Bereich Fleckenried in St. Ulrich a. P. wurde der bestehende Retentionsraum erweitert und ökologisch aufgewertet. Durch die Aufweitung des Gewässers erhöht sich das Volumen für den Geschieberückhalt und es entstand zusätzlicher ökologischer Lebensraum. „Bei einem modernen Hochwasserschutzprojekt sind auch ökologische Aspekte zu berücksichtigen. Im Rahmen der Umsetzung dieses Projekts ist es gelungen, Hochwasserschutz und Ökologie sinnvoll miteinander zu verbinden“, führt Federspiel aus.

„Mit dem Hochwasserschutzprojekt am Grieselbach und Haselbach wurde ein bedeutender Beitrag zur Erhöhung der Sicherheit und zur nachhaltigen Entwicklung der Region geleistet. Auch, wenn es nie eine hundertprozentige Sicherheit geben wird, zeigt dieses Projekt, wie durch abgestimmte Maßnahmen und die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten wirksamer Schutz vor Naturgefahren geschaffen werden kann“, betont LHStv Geisler abschließend.