- LH Mattle: „Wer heute den Nationalsozialismus verherrlicht, attackiert unsere demokratischen Grundwerte“
- Erstmals in Österreich: Gespräch mit Holocaust-Zeitzeugin Rozette Kats am 20. Mai im Landhaus
- Buchpräsentation „Mich kriegt ihr nicht!“ zur Überlebensgeschichte von Józef Wiśnicki am 28. Mai
- Programm und Veranstaltungskalender zu „Tirol erinnert“ unter tirol.gv.at/erinnern
Am Internationalen Tag des Museums am 17. Mai macht das Land Tirol erneut auf die Sonderausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus!“ und ihr umfangreiches Begleitprogramm aufmerksam. Die Ausstellung im Landhaus Innsbruck erzählt die Geschichte von Leokadia Justman und ihrer Flucht in Tirol. Nächste Veranstaltungspunkte sind ein Zeitzeuginnengespräch am 20. Mai mit der Holocaust-Überlebenden Rozette Kats, die das erste Mal in Österreich sprechen wird, und die Präsentation des Buches „Mich kriegt ihr nicht!“ von Józef Wiśnicki – Ehemann von Leokadia Justman – am 28. Mai.
Vor dem Hintergrund zunehmender antisemitischer Tendenzen spricht Kulturreferent LH Anton Mattle von einem klaren gesellschaftspolitischen Auftrag: „Wer heute den Nationalsozialismus verherrlicht, attackiert unsere demokratischen Grundwerte. Umso wichtiger ist es, dass wir mit der Ausstellung zu Leokadia Justman viele Menschen mit der Vergangenheit in Berührung bringen. Leokadias Geschichte zeigt eindrücklich, wozu Hass, Ausgrenzung und Menschenverachtung führen“, erklärt der Landeshauptmann und betont die Bedeutung von Museen als Orte der demokratischen Auseinandersetzung: „Gerade in Zeiten, in denen Extremismus lauter wird, braucht es Räume, die Geschichte sichtbar machen und Menschen zum Nachdenken bewegen. Erinnerungskultur ist kein Blick zurück aus Pflichtgefühl – sie ist unser gegenwärtiger Auftrag. Auch mit Theatervorführungen, Konzerten und Zeitzeugengesprächen wollen wir für die Vergangenheit sensibilisieren.“
Historische Spurensuche: Überlebensgeschichte in neuer Buchform
Józef Wiśnicki sprang aus dem fahrenden Zug nach Treblinka – und entrann so dem sicheren Tod. Im April 1943 gelangte er mit gefälschten Papieren, getarnt als polnischer Christ, nach Vorarlberg. Nachdem die Gestapo auf ihn aufmerksam wurde, kam Wiśnicki ins KZ Reichenau – dort wurde er im Mai 1945 schließlich befreit. In den Wirren der Nachkriegszeit verliebte er sich in Leokadia Justman und feierte mit ihr die erste jüdische Hochzeit in Innsbruck nach Kriegsende.
Am 28. Mai folgt die Buchpräsentation seines Überlebensberichts „Mich kriegt ihr nicht!“ im Landhaus (Beginn um 19 Uhr). Józef Wiśnickis 1997 in New York verfasste Erinnerungen erscheinen nun erstmals in deutscher Übersetzung und mit historischen Anmerkungen. Der Abend mit den Kuratoren Niko Hofinger und Dominik Markl beleuchtet nicht nur seine individuelle Flucht, sondern auch Tirols Rolle in der NS-Zeit – und knüpft direkt an die Geschichte von Leokadia an. Anmeldungen sind bis 26. Mai unter tirol.gv.at/Michkriegtihrnicht erforderlich.
Ausstellung zu Leokadia Justman: Von Montag bis Freitag besuchen
Die Ausstellung zu Leokadia Justman ergänzt die Rahmenausstellung „Vom Gauhaus zum Landhaus. Ein Tiroler NS-Bau und seine Geschichte“ im Innsbrucker Landhaus und zeigt historische Dokumente, Interviews mit Nachkommen sowie ein detailgetreues Modell des damaligen Innsbrucker Polizeigefängnisses. Den künstlerischen Rahmen bilden zwölf Ausschnitte aus der Graphic Novel „Lodzia & Marysia“ von Alwin Hecher in den Ausstellungsräumen. Der junge Tiroler Illustrator zeichnet in seinem Comicroman die wichtigsten Stationen von Leokadias Flucht nach und gibt ihrer Geschichte eine ganz eigene Bildsprache. Im angrenzenden Festsaal – früherer Sitzungssaal der NS-Gauleitung – ist eine Installation von Gedichten zu sehen, die Leokadia ab 1944 unter anderem im Polizeigefängnis in Innsbruck verfasst hat. Zwei Innsbrucker Historiker haben die 15 Gedichte in Archiven in New York und Washington D.C. entdeckt – heuer wurden sie erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.
Sonderausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus!“
Die Ausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus! Als polnische Jüdin auf der Flucht in Tirol“ ergänzt als Sonderpräsentation die Rahmenausstellung „Vom Gauhaus zum Landhaus. Ein Tiroler NS-Bau und seine Geschichte“ und ist von Montag bis Freitag (9 bis 17 Uhr) im Landhaus 1 zu sehen. Die selbstverfassten Gedichte von Leokadia Justman können jeweils freitags (12 bis 17 Uhr) ebenfalls im Landhaus 1 (Festsaal) besichtigt werden (Ausnahmen: 20. Februar, 6. März, 10. April, 19. Juni, 26. Juni, 18. September, 13. November, 20. November 2026).
Das Projekt ist eine Kooperation des Landes Tirol mit der Universität Innsbruck und dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, der Pädagogischen Hochschule Tirol, dem Archiv für Bau.Kunst.Geschichte, dem Programm ERINNERN:AT des OeAD (Österreichs Agentur für Bildung und Internationalisierung) zum Lehren und Lernen über Nationalsozialismus und Holocaust sowie dem Verein Wissenschaft und Verantwortlichkeit. Alle Veranstaltungen zum Thema „Tirol erinnert“ sind unter tirol.gv.at/erinnern zu finden – dort steht auch der virtuelle 360°-Rundgang der Ausstellung „Vom Gauhaus zum Landhaus“ zur Verfügung.

