- Weltjugendtag am 12. August
- Mitbestimmung und Gesundheit sind Grundrechte
- Junge Menschen mit Behinderungen fordern mehr Barrierefreiheit und Teilhabe
Der Weltjugendtag am 12. August steht im Zeichen der Vielfalt, der Kreativität und des Engagements junger Menschen. Gleichzeitig erinnert er daran, dass nicht alle Jugendlichen die gleichen Möglichkeiten haben, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. Anlässlich des Weltjugendtages macht der Jugendbeirat des Tiroler Monitoringausschusses gemeinsam mit der Kinder- und Jugendanwaltschaft für Tirol darauf aufmerksam, dass junge Menschen mit Behinderungen nach wie vor mit Barrieren konfrontiert sind und ihre Stimmen stärker gehört werden müssen.
Teilhabe beginnt mit Mitbestimmung
Fehlende Barrierefreiheit, unzureichend zugängliche Gesundheits- und Freizeitangebote, Vorurteile und mangelnde Unterstützung sind Hindernisse, die für andere junge Menschen oftmals unsichtbar bleiben. Für Jugendliche mit Behinderungen erschweren sie jedoch die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und können sich auf ihre Bildungs- und Entwicklungschancen sowie auf ihre körperliche und psychische Gesundheit auswirken. Besonders belastend ist für viele zudem die Erfahrung, dass Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg getroffen werden, anstatt sie selbst einzubeziehen.
„Teilhabe ist kein Privileg, sondern ein Menschenrecht. Die UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet dazu, Menschen mit Behinderungen eine gleichberechtigte Teilhabe in allen Lebensbereichen zu ermöglichen. Dazu gehört auch, sie bei Entscheidungen einzubeziehen, die sie selbst betreffen. Denn sie sind die Expertinnen und Experten für ihre eigene Lebenswelt“, betont Isolde Kafka, Vorsitzende des Tiroler Monitoringausschusses, und ergänzt: „Wer Inklusion ernst nimmt, muss jungen Menschen zuhören und ihre Anliegen berücksichtigen.“
Gesundheitsversorgung auf Augenhöhe
Die Mitglieder des Jugendbeirats berichten aus eigener Erfahrung, dass ihre Bedürfnisse häufig nicht ausreichend wahrgenommen werden. Besonders im Gesundheitsbereich wünschen sie sich mehr Zeit, verständliche Informationen und eine Kommunikation auf Augenhöhe. „Oft werden wir nicht ernst genommen oder Diagnosen werden so erklärt, dass wir sie nicht verstehen“, berichten die Mitglieder des Jugendbeirats. „Wir wünschen uns Ärztinnen und Ärzte, die sich Zeit nehmen, unsere Fragen beantworten und uns als ganze Menschen sehen. Es geht nicht nur um unsere Behinderung, sondern auch um unsere Wünsche und unser Leben.“
„Ein besonderes Augenmerk verdient auch die psychische Gesundheit junger Menschen. Viele Jugendliche stehen heute unter großem Druck – durch Leistungsanforderungen, gesellschaftliche Erwartungen oder Unsicherheiten hinsichtlich ihrer Zukunft“, führt Lukas Trentini, Kinder- und Jugendanwalt für Tirol, aus. Auf junge Menschen mit Behinderungen kommen häufig noch weitere Belastungen hinzu, wie beispielsweise Ausgrenzungs- oder Gewalterfahrungen, fehlende Unterstützung oder strukturelle Hürden im Alltag.
Umso wichtiger sind leicht zugängliche Beratungs- und Unterstützungsangebote, wie beispielsweise die Persönliche Assistenz, die die unterschiedlichen Lebensrealitäten junger Menschen berücksichtigen und es Jugendlichen mit Behinderungen ermöglicht, ihre Freizeit unabhängig von ihrer Familie zu gestalten. „Die KiJA hat externe Vertrauenspersonen, die Sprechstunden für Kinder- und Jugendliche anbieten, die nicht zuhause leben können. Hier besteht dringender Bedarf, dieses Angebot auch für junge Menschen mit Behinderungen in Tirol auszubauen“, so Trentini.
Jugendbeirat des Tiroler Monitoringausschusses als Stimme
Der Jugendbeirat des Tiroler Monitoringausschusses, der 2019 gegründet wurde, setzt sich für die Anliegen von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen ein. Bei regelmäßigen Treffen tauschen sich die Mitglieder zu den Themen Ausbildung und Arbeit, Familie, Freundschaft, Liebe und Sexualität sowie Gleichstellung und Barrierefreiheit aus. Darüber hinaus bringen VertreterInnen des Jugendbeirats ihre Standpunkte und Forderungen regelmäßig bei unterschiedlichen Veranstaltungen ein.
„Junge Menschen sind nicht nur die Zukunft – sie gestalten unsere Gesellschaft bereits heute mit. Damit das gelingen kann, braucht es Rahmenbedingungen, passende Formate und personelle Ressourcen, die allen Jugendlichen eine gleichberechtigte Teilhabe ermöglichen“, betont Kafka.
„Am Weltjugendtag gilt daher eine klare Botschaft: Junge Menschen mit Behinderungen wollen nicht am Rand der Gesellschaft stehen. Sie möchten mitreden, mitentscheiden und mitgestalten. Eine inklusive Gesellschaft hört ihnen zu, nimmt ihre Anliegen ernst und schafft die Voraussetzungen dafür, dass sie ihre Potenziale entfalten können“, ergänzt Trentini.
Weitere Informationen zum Tiroler Monitoringausschuss finden sich unter www.tirol.gv.at/monitoringausschuss. Informationen zur Kinder- und Jugendanwaltschaft für Tirol gibt es unter www.kija.tirol.

