- Wohnortnahe Versorgung: Neuer Behandlungspfad mit umfassender Betreuung
- Rund 70.000 TirolerInnen von Diabetes mellitus Typ 2 betroffen
- Informationen zum Projekt und zur Teilnahme unter www.liv.tirol/diabetes
Mit Mai 2026 startet im Bezirk Kufstein offiziell das Pilotprojekt „Beratungs- und Behandlungsnetzwerk Diabetes mellitus Typ 2“. Nach intensiven Vorarbeiten seit Beginn des Jahres geht das österreichweit einzigartige Versorgungsmodell nun in die konkrete Umsetzung und bietet PatientInnen ab sofort eine neue Form der wohnortnahen Betreuung. „Laut Schätzungen sind in Tirol knapp 70.000 Personen von Diabetes mellitus Typ 2 betroffen. Das neue Pilotprojekt ist ein wegweisender Ansatz in der Diabetesversorgung – für Tirol und ganz Österreich. Wir haben einen klaren Behandlungspfad geschaffen, der medizinische Versorgung, Beratung und Selbstkompetenz verbindet“, freut sich Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele. „Wir wollen Menschen mit Diabetes wohnortnah und von Anfang an begleiten. Der Bezirk Kufstein dient hier als beispielgebende Modellregion.“ Die Koordination des Pilotprojekts erfolgt über das Landesinstitut für Integrierte Versorgung Tirol (LIV Tirol) und dessen eigene Koordinationsstelle Diabetes. Weitere Informationen zum Programm sowie Teilnahmevoraussetzungen finden sich unter www.liv.tirol/diabetes.
Neuer Behandlungspfad: Schritt für Schritt begleitet
„Studien zeigen: Eine frühzeitige Begleitung verbessert die Lebensqualität und senkt das Risiko für Folgeerkrankungen deutlich“, erklärt LRin Hagele den Mehrwert des Pilotprojekts und konkretisiert die Zielgruppe: „Das Angebot ist für Diabetikerinnen und Diabetiker gedacht, die aktiv etwas für ihre Gesundheit tun wollen.“ Das Pilotprojekt richtet sich damit an Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 im Bezirk Kufstein – sowohl an kürzlich diagnostizierte PatientInnen als auch an Betroffene, die schon länger in Behandlung sind. Voraussetzung für die Teilnahme am Versorgungsmodell ist ein Wohnsitz und/oder eine hausärztliche Betreuung im Bezirk Kufstein. Der Behandlungsablauf folgt einem klar definierten, auf sechs Monate angelegten Schema:
- Ärztliche Zuweisung an die Koordinationsstelle
- Kontaktaufnahme durch Koordinationsstelle Diabetes
- Erstberatung durch DiabetesberaterIn
- Ernährungsberatung durch DiätologIn
- Gruppenschulung
- Folgeberatungen und Begleitung nach Bedarf (auch telemedizinisch)
- Abschluss nach sechs Monaten
Alle Schritte erfolgen in enger Abstimmung mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt, die weiterhin die medizinische Ansprechperson bleiben.
Einzigartiges Netzwerk für bessere Diabetes-Versorgung
Das Alleinstellungsmerkmal des Tiroler Modells ist die enge Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen: ÄrztInnen, DiabetesberaterInnen, DiätologInnen und weitere GesundheitsdienstleisterInnen arbeiten unter der Koordination des LIV Tirol zusammen, um Betroffenen eine individuelle Betreuung zu ermöglichen. Ziel des Programms ist es, PatientInnen Sicherheit im Umgang mit Diabetes mellitus Typ 2 zu geben, mehr über die Krankheit zu lernen und ihr Selbstmanagement – zum Beispiel im Bereich Blutzucker-Einstellung – zu verbessern.
Von der Pilotphase zur langfristigen Versorgung
Das Pilotprojekt im Bezirk Kufstein startet im Mai 2026 und läuft bis Dezember 2027, die Kosten von rund 400.000 Euro werden je zur Hälfte von Sozialversicherung und Land Tirol getragen. Die in der Pilotphase gewonnenen Erkenntnisse sollen als Grundlage für eine mögliche Ausweitung auf die restlichen Bezirke Tirols dienen und können in aggregierter Form mit Daten des Diabetesregisters Tirol abgeglichen werden. Das Diabetesregister Tirol ist das einzige Register für erwachsene Betroffene in Österreich. „Gesundheitspolitische Entscheidungen brauchen Daten und Fakten. Das Diabetesregister Tirol liefert uns diese schon seit 2006 – damit ist es eine verlässliche Grundlage für Analyse, Qualitätssicherung und Gesundheitsplanung“, informiert LRin Hagele. Das Diabetesregister Tirol wird am HDCC – Health Data Competence Center der tirol kliniken geführt und umfasst inzwischen die Daten von rund 33.000 PatientInnen. Anlässlich des Weltdiabetestags wird jährlich ein Bericht veröffentlicht, der einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen gibt.
Factbox: Krankheitsbild Diabetes
Mit einer geschätzten Häufigkeit von neun Prozent zählt Diabetes zu den verbreitetsten chronischen Erkrankungen in Österreich. Zu den Folgen von Diabetes gehören beispielsweise erhöhte kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität sowie vaskuläre Erkrankungen. Das heißt, dass Diabetes das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen vergrößern kann. Betroffene erleiden daher häufiger Herzinfarkte oder einen Schlaganfall. Außerdem schädigt Diabetes die Blutgefäße, was zu Durchblutungsstörungen und anderen Gefäßerkrankungen führen kann.

