Sicherheit im Fokus: Blaulichttag an der BH Schwaz

Vernetzungstreffen zwischen Behörde, Einsatzorganisationen und weiteren Partner-Organisationen

  • Themenschwerpunkt: Vorhersage von Extremwetterereignissen sowie Hochwasserwarnungen

Wie gut lassen sich Extremwetterereignisse und Hochwasser vorhersagen – und wann stoßen selbst modernste Prognosen an ihre Grenzen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des jüngsten Blaulichttags an der Bezirkshauptmannschaft Schwaz. VertreterInnen von Behörden, Einsatzorganisationen und Infrastrukturbetreibern diskutierten dabei gemeinsam mit ExpertInnen über die Prognose von Starkregen, Gewittern, Stürmen und Hochwasser.

Auf Einladung von Bezirkshauptmann Michael Brandl nahmen rund 20 VertreterInnen der Bezirkshauptmannschaft, von Feuerwehr, Polizei, Rotem Kreuz und Wasserrettung sowie der TIWAG, des Wasserverbands Hochwasserschutz Mittleres Unterinntal und der Verbund Hydro Power AG teil. Fachvorträge von ExpertInnen der GeoSphere Austria (GSA) und des Landes Tirol bildeten die Grundlage für den fachlichen Austausch.

„Die Blaulichttreffen sind Fortbildung und Vernetzungstreffen in einem. Ziel ist es, dass sich alle Akteurinnen und Akteure im Bezirk gut kennen und für die verschiedensten Herausforderungen vorbereitet sind. Gerade Starkregen, Stürme und Hochwasser sind in unserem Bezirk immer wieder zu bewältigen. Je genauer wir die Prognosemöglichkeiten verstehen, desto besser können wir alle die Vorbereitungen für den Ernstfall treffen“, so BH Brandl. 

Auch Sicherheitslandesrätin Astrid Mair unterstreicht die Bedeutung solcher Treffen für die Sicherheit im Land: „Naturkatastrophen und Extremwetterlagen werden komplexer und fordern alle Beteiligten gleichermaßen. Krisenbewältigung beginnt jedoch lange vor dem Ernstfall. Entscheidend ist, dass Behörden, Einsatzorganisationen und weitere Akteure einander kennen, Informationen rasch austauschen und Abläufe gemeinsam trainieren. Die Blaulichttreffen schaffen genau diese Grundlage – sie stärken Zusammenarbeit, Vertrauen und Einsatzfähigkeit. Der Bezirk Schwaz zeigt, wie modernes und vorausschauendes Krisenmanagement funktioniert.“

Wetterextreme vorhersagen: Machbar – aber mit Einschränkungen

In einem Fachvortrag erläuterte Manfred Bauer, Leiter der Regionalstelle Tirol und Vorarlberg der GeoSphere Austria, die heutigen Möglichkeiten der Wetterprognose. „Die Vorhersage von Wetterextremen ist dank moderner Messsysteme und leistungsfähiger Wettermodelle heute präziser als noch vor wenigen Jahren. Großräumige Ereignisse wie langanhaltender Regen, intensive Schneefälle, Stürme und extreme Hitze können oft bereits Tage im Voraus erkannt werden“, erklärt Bauer.

Gleichzeitig verweist er auf die Grenzen der Vorhersagbarkeit: „Besonders herausfordernd bleiben kleinräumige Gewitterzellen. Sie entstehen oft sehr kurzfristig und können lokal enorme Schäden verursachen. Welche Gemeinden konkret betroffen sein werden, lässt sich vielfach erst unmittelbar vor dem Ereignis abschätzen. Der Klimawandel verschärft diese Situation zusätzlich, weil Starkregenereignisse intensiver werden und zum Teil auch außerhalb der bisher typischen Jahreszeiten stattfinden.“

Bei drohenden Extremwetterereignissen gibt die GeoSphere Warnungen an Behörden, Einsatzkräfte und die Bevölkerung aus. Diese sind auf der Website der GeoSphere Austria sowie über die Land Tirol App abrufbar. Die Warnungen erfolgen in vier Stufen – von grün bis rot – und beziehen sich auf Gefahrenarten wie Wind, Starkregen, Schnee, Glatteis, Gewitter, Hitze oder Kälte. 

Hochwasser: Nicht allein Regenmenge ist entscheidend

Wie Hochwasserwarnungen erstellt werden, erklärte Georg Raffeiner, Leiter des Sachgebiets Hydrographie und Hydrologie des Landes Tirol. Das Land Tirol überwacht kontinuierlich Pegelstände und Niederschläge, die gemessenen Daten werden mit Wetterprognosen der GeoSphere im Zuge der Hochwasserprognose kombiniert.

„Hochwasserprognosen sind komplex. Denn ob Hochwasser entsteht, hängt von vielen Faktoren ab. Nicht allein die Regenmenge ist entscheidend, sondern vor allem die Intensität, die Dauer des Niederschlags sowie die Schneefallgrenze. Auch Schneeschmelze und die Vorbefeuchtung der Böden spielen eine wesentliche Rolle“, erklärt Raffeiner. Hochwasserentwicklungen werden mit Hochwasser-Wahrscheinlichkeiten angegeben: „Ein HQ30 bedeutet jedoch nicht, dass ein solches Hochwasser nur einmal alle 30 Jahre auftritt. Es beschreibt vielmehr eine jährliche Eintrittswahrscheinlichkeit von rund drei Prozent. Bei einem HQ100 liegt die Wahrscheinlichkeit, dass ein solches Hochwasser auftritt jährlich bei etwa einem Prozent. Die Gefahrenzonenpläne liefern die weitere Information, wo es bei diesen Abflussjährlichkeiten zu Überflutungen kommt.“

Die aktuellen Pegelstände sowie Niederschlagsmengen in Tirol sind online unter Hydro Online einsehbar. Bei Hochwassergefahr werden im Ernstfall direkt weitere Stellen – etwa Gemeindeeinsatzleitungen oder Feuerwehren – informiert und die hydrologische Einschätzung zudem auf der Website veröffentlicht. 

Grundsätzlich gilt bei Hochwasser-Warnungen das gleiche wie bei der Warnung vor Extremwetterereignissen: „Während vor großräumigen Hochwasserereignissen relativ gut frühzeitig gewarnt werden kann, ist dies bei lokalen Überflutungen in Folge räumlich begrenzter Starkniederschläge kaum möglich“, so Raffeiner.

Im Ernstfall: Infos auch über Push-Funktion der Land Tirol App

Bei länger anhaltenden kritischen Wetterlagen oder auch vorhersehbaren Überflutungen informiert zusätzlich auch das Land Tirol über Presseaussendungen, die Push-Funktion der Land Tirol App, über die Website und Social Media. Bei lebens-)bedrohlichen Situationen werden Warnungen zudem über AT-Alert an Betroffenen übermittelt.