Menstruationsgesundheit
Menstruationsgesundheit ist ein zentraler Bestandteil des Lebens der meisten Frauen und umfasst alle Aspekte des Zyklus, von der Pubertät bis zur Menopause. Viele Frauen erleben damit verbundene gesundheitlicheHerausforderungen.
So ist in diesem Zusammenhang „Endometriose“ eine chronische Erkrankung, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter wächst. Sie kann zu starken Schmerzen, Zyklusstörungen und in manchen Fällen zu Fruchtbarkeitsproblemen führen. Frühzeitige Diagnosestellung und gezielte Behandlung sind entscheidend, um die Lebensqualität und die Gesundheit zu erhalten.
Die Menopause markiert das natürliche Ende der Menstruation und bringt hormonelle Veränderungen mit sich, die körperliche und psychische Auswirkungen haben können. Eine Begleitung unterstützt Frauen dabei, diese Lebensphase positiv zu gestalten und Symptome wie Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Stimmungsschwankungen zu lindern.
Podcast "Periodtalk"
Periodtalk – Folge 11: Frauengesundheit – zwischen Politik und persönlichem Engagement
In dieser Folge stehen zwei Frauen und ihre engagierte Arbeit im Fokus: Theresa Geley, Gesundheitsdirektorin des Landes Tirol, stellt die neue Tiroler Frauengesundheitsstrategie vor – und erklärt, welche Rolle das Thema Menstruation darin einnimmt. Im zweiten Teil spricht Anna-Lena Dusche über ihr Projekt „Unterleib und Seele“ und darüber, wie sie damit zur Sichtbarkeit der chronischen Erkrankung Endometriose beiträgt.
Der weibliche Zyklus
Der Menstruationszyklus ist ein wiederkehrender Prozess im Körper, der den Körper auf eine mögliche Schwangerschaft vorbereitet. Durchschnittlich haben Mädchen im Alter von 13 Jahren das erste mal ihre Regelblutung. Er dauert im Durchschnitt etwa 28 Tage, kann aber zwischen 21 und 35 Tagen variieren, was immer noch völlig im Normbereich liegt.
Der Zyklus wird durch Hormone gesteuert, vor allem Östrogen und Progesteron.
- Menstruationsphase (Tag 1- ca.5)
Mit der einsetzenden Menstruation beginnt der Zyklus. Die Gebärmutterschleimhaut, welche sich im vorherigen Zyklus aufgebaut hat, wird, sofern keine Schwangerschaft besteht, abgestoßen. Typische Aspekte während dieser Zeit sind die Blutung, Krämpfe, Müdigkeit und ein Ruhebedürfnis.
- Follikelphase (Tag 1 – ca. 13, überlappend mit Menstruation)
Im Eierstock reifen hierbei mehrere Follikel an, wobei einer dominant wird. Das Energielevel der betroffenen Person steigt wieder und die Stimmung und Konzentration verbessert sich.
- Ovulationsphase (Eisprung, ca. Tag 14)
Bei einem Follikel kommt es zum Eisprung (außer bei Zwillings- oder Mehrlingsschwangerschaften). Der Eisprung ist der Moment, in dem eine reife Eizelle aus dem Eierstock freigesetzt wird und in den Eileiter gelangt. In dieser höchst fruchtbaren Zeit verspüren viele eine gesteigerte Libido und fühlen sich besonders energiegeladen.
- Lutealphase (Tag 15-28)
Nach dem Eisprung bereitet sich der Körper auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Zu Beginn der Lutealphase, also direkt nach dem Eisprung, kann man schwanger werden. Die Gebärmutterschleimhaut bereitet sich auf eine mögliche Einnistung vor und viele Betroffene berichten in dieser Zeit von Symptomen wie z.B. dem Prämenstruellen Syndrom (fürs Lexikon) oder einem veränderten Appetit. Wenn keine Schwangerschaft eintritt, beginnt der Zyklus wieder von vorne.
Hygieneprodukte
Viele Frauen und Mädchen fühlen sich während ihrer Menstruation gestresst und haben Angst vor „Missgeschicken“. Das muss heutzutage wirklich nicht mehr sein, denn es gibt eine Vielzahl an modernen Hygieneartikel, die sich an die unterschiedlichen Bedürfnisse, Körper und Lebensstile anpassen.
Jeder Körper ist anders, deshalb gibt es nicht „das eine richtige“ Produkt. Die Wahl hängt von persönlichen Vorlieben, Blutungsstärke, Komfort und auch Nachhaltigkeitsgedanken ab. Viele kombinieren auch verschiedene Produkte je nach Situation.
Die gängigsten Produkte:
Binden
Binden werden in der Unterwäsche getragen und nehmen die Flüssigkeit zuverlässig auf. Sie sind in verschiedenen Größen und Saugstärken erhältlich - von dünnen Slipeinlagen bis zu Nachtbinden für extra Schutz.
Slipeinlagen
Für leichte Tage oder als zusätzlicher Schutz bieten Slipeinlagen ein sicheres Gefühl im Alltag.
Tampons
Tampons werden vorsichtig eingeführt und bieten ein diskretes Tragegefühl. Sie eignen sich besonders für aktive Tage, z.B. beim Sport oder Schwimmen.
Menstruationstassen
Menstruationstassen sind eine nachhaltige Alternative aus medizinischem Silikon. Sie fangen das Menstruationsblut auf, können mehrere Stunden getragen und nach der Reinigung immer wieder verwendet werden. Mittlerweile stehen sie nicht nur in Onlineshops, sondern auch in den örtlichen Drogeriemärkten zum Verkauf.
Periodenunterwäsche
Diese spezielle Unterwäsche enthält mehrere saugfähige Schichten und ersetzt oder ergänzt andere Hygieneprodukte. Sie ist bequem, wiederverwendbar und besonders alltagstauglich. Eine Auswahl an Periodenunterwäsche ist sowohl in den verschiedensten Onlineshops erhältlich, als auch in den örtlichen Drogeriemärkten.
Unabhängig vom gewählten Produkt ist ein regelmäßiger Wechsel wichtig, um sich stets sicher zu fühlen und um Infektionen vorzubeugen.
Endometriose
Endometriose ist eine gutartige, aber oft sehr schmerzhafte Erkrankung, bei der sich gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter ansiedelt.
Dieses Gewebe verhält sich ähnlich wie die normale Gebärmutterschleimhaut: Es baut sich im Laufe des Menstruationszyklus auf und blutet ab. Da das Blut den Körper jedoch nicht verlassen kann, entstehen Entzündungen, Schmerzen und manchmal auch Verklebungen oder Zysten im Bauchraum.
Typische Beschwerden können sein:
- starke Menstruationsschmerzen
- chronische Unterbauchschmerzen
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Schmerzen beim Stuhlgang oder Wasserlassen (vor allem während der Periode)
- unerfüllter Kinderwunsch
Die Erkrankung kann den Alltag sehr stark beeinträchtigen, wird aber häufig erst spät erkannt. Man geht davon aus, dass die Dunkelziffer der Betroffenen sehr hoch ist.
Endometriose ist nicht ansteckend und nicht bösartig. Sie ist jedoch chronisch, d. h. sie kann über längere Zeit bestehen und immer wieder Beschwerden verursachen. Eine frühzeitige Diagnose und individuelle Behandlung können helfen, Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität deutlich zu verbessern. Ein möglicher Kinderwunsch sollte möglichst frühzeitig berücksichtig werden um in die Behandlung miteinbezogen werden zu können.
In Tirol gibt es mehrere spezialisierte und zertifizierte Anlaufstellen, die bei der Abklärung und Behandlung unterstützen:
- Landeskrankenhaus Innsbruck (Univ.-Kliniken), insbesondere an der Univ.-Klinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin
- Landeskrankenhaus Hall in Tirol, Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe
- In einer spezialisierten Praxis bei Univ.-Prof. Dr. Andreas Widschwendter
- Zusätzlich z.B. Bezirkskrankenhaus Kufstein, Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe
Diese Einrichtungen bieten Beratung, Diagnostik und moderne Behandlungsmöglichkeiten für Endometriose an. Die eigene Gynäkologin / der eigene Gynäkologe kann auch der / die erste Ansprechpartner/in sein.
Wechseljahre und Menopause
Die Wechseljahre sind ein ganz natürlicher Abschnitt im Leben von jeder Frau. Sie beginnen meist um das 45. Lebensjahr und führen schließlich zur Menopause - der letzten Menstruationsblutung.
Viele Frauen fühlen sich zu diesem Thema nicht gut informiert. Studien zeigen, dass nur sehr wenige wissen, was in dieser Phase im Körper passiert. Dabei ist Wissen wichtig, um Veränderungen besser verstehen und damit umgehen zu können.
Während der Wechseljahre verändert sich der Hormonhaushalt: Der Körper produziert weniger Östrogen, der Eisprung wird seltener und die Menstruation unregelmäßiger, bis sie schließlich ganz ausbleibt. Mit der Menopause endet die Fruchtbarkeit.
Diese Zeit kann ganz unterschiedlich erlebt werden. Manche Frauen haben kaum Beschwerden, andere spüren deutliche Veränderungen. Typische Symptome sind zum Beispiel:
- Hitzewallungen und Schwitzen
- Schlafprobleme
- Stimmungsschwankungen oder Nervosität
- Veränderungen im Intimbereich
- verminderte Libido
- geringere Energie im Alltag
Auch der Alltag, wie Beruf oder soziales Leben, kann durchaus beeinflusst sein.
Wichtig zu wissen: Auch nach der Menopause sind regelmäßige Besuche bei der Gynäkologin oder dem Gynäkologen sinnvoll. Sie dienen nicht nur der Fruchtbarkeit, sondern der allgemeinen Gesundheit.
Verschiedene Beratungsangebote sowie der Austausch in Selbsthilfegruppen kann den Frauen dabei eine wertvolle Unterstützung sein.
Hinweis: Die Daten stammen aus dem „Frauengesundheitsbericht 2022“, Wien 2023.
