Wissen schafft Zukunft: Wie steht’s um Tirols Hochschulen?
Landtagspodcast “Adlerohren” | Folge #33
Transkript
Hinweis: Gesprächsbeiträge im Tiroler Dialekt werden inhaltlich in Hochdeutsch übersetzt.
Einleitung
Off-Stimme:
Die wichtigste Ressource Tirols liegt nicht unter der Erde. Sie sitzt in den Köpfen der Menschen. Tirols Hochschulen bilden die Expert:innen von Morgen aus und entscheiden dadurch mit, wie wettbewerbsfähig unser Land in Zukunft sein wird. Doch welche Schwerpunkte braucht Tirol? Und wie sieht es mit der Finanzierbarkeit aus? Darüber sprechen wir heute in Adlerohren, dem Podcast des Tiroler Landtags. Folge 33: Wissen schafft Zukunft: Wie steht’s um Tirols Hochschulen?
Unsere Gäste: Landtagspräsident Jakob Wolf von der Tiroler Volkspartei, seit 2003 im Hohen Haus und wohnhaft in Umhausen. Und Markus Sint, Klubobmann der Liste Fritz, seit 2018 Angeordneter und in Götzens zuhause.
Markus Sint:
Herr Präsident!
Jakob Wolf:
Hallo, Herr Abgeordneter, Klubobmann.
Sint:
Tatjana, hallo.
Wolf:
Grüß dich.
Tatjana Lukas (Moderatorin):
Hallo, schön, dass Sie beide da sind. Hallo und herzlich willkommen auch an unsere Zuhörerinnen und Zuhörer. Mein Name ist Tatjana Lukas und wir sind wieder hier bei Adlerohren, dem Podcast aus dem Tiroler Landtag. Ich darf auch herzlich begrüßen meine beiden Gäste heute. Landtagspräsident, frisch gewählt, Jakob Wolf von der Tiroler Volkspartei. Herzlich willkommen.
Wolf:
Danke für die Einladung.
Lukas:
Und Markus Sint von der Liste Fritz. Vielen Dank fürs Kommen.
Sint:
Ja, danke.
Lukas:
Wir werden heute über den Hochschulstandort Tirol sprechen. Und wie immer fangen wir die Folge an, indem wir ein persönliches Erlebnis, eine Anekdote von Ihnen beiden hören werden. Ich bin schon gespannt. Einen Funfact habe ich im Vorgespräch schon erfahren, nämlich: Sie beide sind in dieselbe Schule gegangen. Stimmt das? Vielleicht, Herr Sint, in welcher Schule waren Sie beide?
Sint:
Ja, wir waren beide im Franziskanergymnasium in Hall. Zu unterschiedlichen Zeiten zwar. Wir kennen uns nicht schon aus der Schulzeit, aber hat uns sicherlich beide durchaus geprägt. Wir sind ja beide auch Kinder aus dem ländlichen Raum, ich aus Osttirol. Mein Kollege Wolf aus dem Bezirk Imst, aus dem Ötztal. Und wir waren ja auch im Internat. Und ich denke, so eine Schulzeit prägt dann schon auch.
Wolf:
Ja, so ist es. Da hat es ja noch nicht so viele Bildungsmöglichkeiten am Land gegeben. Dann haben vermutlich die Eltern entschieden, der Bub muss…
Sint:
Pfarrer werden.
Wolf:
Pfarrer werden. Soll eine Ausbildung kriegen und Pfarrer werden, ja.
Lukas:
Fast, Reden werden gehalten.
Sint:
Ja. Predigten.
Lukas:
Predigten. Haben Sie beide gut beigesteuert schon in den letzten Jahren. Sehr gut. Aber was ist denn jetzt die persönliche Anekdote, die Sie beide mitgebracht haben?
Wolf:
Markus, beginn du.
Sint:
Also, mich hat tatsächlich die Bildung oder der Wissenschaftsstandort Tirol auch geprägt, auch politisiert, muss ich sagen. Ich kann mich nämlich erinnern, ich war auf meiner ersten Demonstration damals gegen Studiengebühren, weil wir gefunden haben, ich habe Politikwissenschaft und Geschichte studiert. Und damals war man der Meinung, Studiengebühren, das geht gar nicht. Das schadet dem Bildungs- und Wissenschaftsstandort, das schadet dem freien Zugang zur Universität, zur Bildung. Und das war meine erste Demonstration.
Wolf:
Gut, da war ich auch dort, beim Minister Tuppy, glaube ich, oder? War jedenfalls in meiner Zeit. Aber ich war also sehr früh schon politisch aktiv. Deswegen war ich auch in der Studentenvertretung. Ich war Mitglied des Akademischen Senates unter dem Rektorat von Rainer Sprung. Eine spannende Zeit. Ich kann mich auch erinnern, das hat sich damals auch der spätere Landeshauptmann und Bürgermeister Van Staa mal beworben für den Universitätsdirektor. Ist er dann nicht geworden. Ist ein gewisser Dr. Luhan geworden. Und da habe ich natürlich schon einiges miterlebt in diesem Akademischen Senat, in dem es halt ein bisschen Mitbestimmung für die Studenten gegeben hat.
Lukas:
Und haben es einige Leute aus dem Akademischen Senat dann tatsächlich in die Politik geschafft? War das schon so ein Vor-Kader-Schmiede oder so, kann man das sagen? Weil die Universitäten ja oft so Vorvorvorstufen sind quasi.
Wolf:
Ja, also jetzt nicht aus dem Akademischen Senat, aber aus der Hochschulvertretung schon. Wenn ich an den Vorarlberger Landeshauptmann denke, Markus Wallner, mit dem war ich zeitgleich aktiv in der ÖH-Studentenvertretung.
Der Hochschulstandort Tirol
Lukas:
Ja super, dann sehen wir erfahrene Leute heute hier zum Diskutieren. Tirol als Hochschulstandort verfügt ja über einige Universitäten. Die Universität Innsbruck, die Medizinische Universität, MCI, Fachhochschulen, UMIT. Es gibt also eigentlich eine breite Hochschullandschaft. Ich beginne mit Ihnen, Herr Wolf. Welche Rolle spielen denn die Tiroler Hochschulen aus Ihrer Sicht für das Land?
Wolf:
Ich glaube, dass es für Tirol ganz, ganz wichtig ist, dass wir gute Hochschulen haben, weil wir haben keine Ressourcen anderer Art wie Öl. Und da kann es dann nur die geistige Ressource geben, die wir unseren jungen Menschen mitgeben können, damit sie im Wettbewerb bestehen. Aber ich denke auch, dass wir eine sehr gut aufgestellte Hochschullandschaft für das kleine Land Tiroler eigentlich haben.
Lukas:
Wie sehen Sie das?
Sint:
Ja, würde ich schon unterschreiben. Grundsätzlich haben wir eine breite Hochschullandschaft. Wir sind nicht mit allen Hochschulen am wirklichen Punkt. Also da ist schon einiges zu tun. Ich denke an das Thema MCI-Neubau, das uns jetzt wirklich schon viele, viele Jahre, fast Jahrzehnte verfolgt. Ich denke auch an die Frage der Privatuniversität UMIT, die sich das Land Tirol leistet, wo wir meines Erachtens ja noch immer nicht klar wissen, wo wollen wir denn mit dieser Universität hin. Die kostet uns doch 10 Millionen Euro pro Jahr. Also seit Gründung dieser Universität sind da gut 100 Millionen hineingeflossen. Und jetzt werden wir beide der Meinung sein, 100 Millionen sind gut in die Köpfe der Menschen investiert, wenn es dort dann auch Studienrichtungen, Studien gibt, die wir brauchen. Und das ist, finde ich, immer ein notwendiges Nachschärfen. Man kann nicht nur sagen, ich stelle Bildungslandschaft her. Ich muss schon auch schauen, wer wird dort ausgebildet, für was? Braucht es auch in Tirol, in Österreich jemand oder bilden wir, eh nett, aber für den Rest der Welt aus?
Wolf:
Ja, ich glaube aber, dass wir wirklich eine gute Hochschullandschaft haben. Natürlich bei Hochschulen muss man auch immer evaluieren. Da stimme ich dem Klubobmann Sint zu. Aber was die UMIT betrifft, ist der Bedarf schon sehr, sehr groß. Auch da, hier in diesen Bereichen. Aber wenn man sich sonst Tirol anschaut, es hat jetzt gerade ein internationales Ranking gegeben aller Universitäten. Und die Universität Innsbruck ist sozusagen die viertbeste in Österreich. Drei Wiener Universitäten und dann kommt Innsbruck. Wenn man sich denkt, was im Bereich der Quantenphysik auch in Innsbruck abgeht, da sind wir wirklich, das ist ein Leuchtturm des Universitätsbereiches hier in Tirol. Und das beeindruckt auch. Und für mich ist, die Unis sind nicht nur Ausbildungsstätten für Wirtschaft und Industrie. Wir müssen auch den Freiraum einer Forschung haben. Hätten wir den nicht zugelassen, hätten wir sicher nicht so Spitzenleistungen gerade in der Quantenphysik in Tirol erreicht. Also es braucht auch Forschung. An Forschung muss auch ein Stück frei sein und nicht nur Auftragsforschung, finde ich.
Lukas:
Ja, das ist ganz wichtig. Das hört man auch ganz oft aus der Forschungsgesellschaft, quasi von allen, die betroffen sind, dass es ganz wichtig ist, diese Räume zu haben und nicht auf zwei Jahre eingeschränkt zu sein, sondern ein bisschen Perspektive zu bekommen, um das an den Universitäten voranzutreiben. Bevor wir jetzt zu den Themen MCI und UMIT, die ja die Bevölkerung auch interessieren, gehen, würde mich trotzdem noch interessieren, welche Entwicklungen abseits dieser Dinge, die neu zu definieren sind oder weiterzuentwickeln sind, sehen Sie beide jetzt? Was sind so wichtige Dinge für die Zukunft, die man jetzt schon andenken muss für die Hochschulen?
Sint:
Ja, also ich denke, eines, da sind wir dran, auch als Land, aber natürlich auch als Regierungsparteien. Und ich finde, das war schon ein ganz wichtiger Punkt, dass man sagt, okay, Universität braucht nicht nur in Innsbruck stattfinden. Universität kann in Hall stattfinden, Universität kann aber auch in Landeck stattfinden, kann auch in Lienz stattfinden. Nur da gilt auch wieder dasselbe. Die gute Idee allein ist es noch nicht. Die gute Idee zu sagen, wir gehen mit Studienrichtungen und mit gewissen Studiengängen in den ländlichen Raum. Wir haben vorher gesagt, wir beide sind als Schüler vom ländlichen Raum in die Zentrale gegangen, weil es nichts gegeben hat. Jetzt gehen wir den umgekehrten Weg. Das finde ich gut. Aber da muss man natürlich immer dahinter sein. Und ich finde halt einfach, Wissenschaftspolitik ist auch immer Standortpolitik. Das heißt, wir haben die Köpfe der Tirolerinnen und Tiroler. Das ist unser größtes Kapital. Da müssen wir investieren. Das ist gut investiertes Geld. Wenn wir dann der Meinung sind, wir machen einen Tourismus-Schwerpunkt in Landeck, ja. Aber da müssen wir laufen natürlich auch, nachschauen, passt der noch? Ist der noch richtig? Wird der gut genutzt? Wo gehen die Absolventen hin? Also da fehlt mir dann die begleitende Geschichte, dass ich wirklich sage, halt als Tiroler Landtag: Wisst ihr schon, wie viele Abgänger wir da haben, was wird da draus? Da kann noch mehr gehen.
Lukas:
Da gab es ja auch eine Studie, von der Sie mir im Vorgespräch erzählt haben, zum Hochschulstandort Tirol.
Wolf:
Die Landesrätin Cornelia Hagele, die ja zuständig ist, hat hier eine Evaluierung aufgesetzt. Auch sozusagen, was liefern die Hochschulstandorte? Und wo muss man nachschärfen? Wo haben wir vielleicht ein falsches Angebot? Und das ist sie genau jetzt beim Analysieren und beim Umsetzen. Ansonsten muss man schon wissen, dass Hochschulen im überwiegenden Teil in der Kompetenz des Bundes liegt. Und mir macht es schon ein bisschen Sorge, jetzt hat der Bund… ist gerade dabei, ein Doppelbudget zu machen. Und ich hoffe, dass man also auch bei aller Notwendigkeit des Sparens einsieht, dass Hochschulen der falsche Ort sind, um zu sparen. Weil ich glaube, dass es einfach für die Ausbildung der Menschen wahnsinnig wichtig ist, wie der Klubobmann Sint gesagt hat. Aber auch für die Forschung und für den Wirtschafts- und Industriestandort, dass man hier attraktive Hochschulen hat, die sich natürlich auch ständig den Herausforderungen stellen müssen. Diese Hochschulen sind ja nicht isoliert in Österreich. Die stellen sich ja auch dem Wettbewerb, sind vernetzt mit der halben Welt. Viele Institute, wenn man mit denen redet, mit den Professorinnen und Professoren, dann läuft ja Wissenschaft und Forschung halt global ab. Und nicht nur auf den Standort reduziert. Und da hat man, glaube ich, das notwendige Budget zur Verfügung zu stellen. Ich hoffe, dass die Bundesregierung und der Nationalrat das tun wird, dass man da nichts einspart. Das ist die größte Sorge, die ich jetzt für die Zukunft auch habe.
Sint:
Ich sehe da nur noch eine Chance. Also ich sehe ja dieses Thema USA, Trump, kritische Stimmung, gerade der Intelligenz gegenüber diesem Präsidenten. Auch da sehe ich eine Riesenchance, auch für die europäischen Universitäten. Jetzt natürlich auch für den Hochschulstandard Tirol und Österreich, weil wir da auch, im Fußball macht man das ja laufend, da holt man sich Transfers, da holt man sich gute Spieler. Und das müssen wir auch machen. Wir brauchen Exzellenz an den Universitäten. Wir brauchen, du hast es ja vorher gesagt mit der Quantenphysik, die ist uns ja ein bisschen, muss man ehrlich zugeben, passiert, weil der Herr Zeilinger da war. Da kannst du nicht immer einen Zeilinger finden. Aber wir haben jetzt die Möglichkeit, wirklich tolle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler herzuholen, zu sagen, Europa ist bereit für tolle Wissenschaft, für tolle Forschung. Und da bin ich ganz deiner Meinung, hier zu kürzen jetzt ist der völlig falsche Schritt. In Wahrheit musst du da mehr investieren und sagen, okay, was haben wir denn als Europa? Wir sehen ja, dass uns die Industrie, die Wirtschaft zusehends abwandert, weil sie Standortprobleme haben. Was wir halten müssen, ist Forschung, ist Entwicklung, sind Köpfe und Investitionen in Köpfe.
Wolf:
Aber noch einmal, die Physik ist uns nicht passiert in Tirol. Ich habe gekannt sehr gut, das war persönlich ein Freund, der Professor Werner Lindinger. Das war einer der Ersten, der hier exzellente Leistungen erbracht hat und eigentlich die Basis gelegt hat für die Entwicklung auch der Physik. Er ist leider dann später in Hawaii bei einem Badeurlaub oder -aufenthalt verunglückt. Aber auch diese exzellente Stellung der Quantenphysik und der Physik an der Universität Innsbruck ist das Ergebnis harter jahre- und jahrzehntelanger Arbeit. Also reines Glück war das nicht, lieber Markus, sondern man hat hier jahrelang gearbeitet und geforscht und deswegen ist man heute so exzellent. Also da sieht man ja wieder, dass man von Universitäten meines Erachtens und von Professorinnen und Professoren nicht auf Knopfdruck Leistungen von heute auf morgen verlangen kann. Forschung muss frei sein, Hochschulen müssen frei sein. Dann kommen auch Produkte heraus, die beeindrucken. Sowas ist ja auch, wenn man will, MED-EL in Innsbruck. Heute werden allein in Innsbruck 6.000 Menschen beschäftigt. Ein weltweiter Konzern, ist ja auch von der Hochschule gekommen. Und das ist auch nicht zufällig passiert. Das ist auch das Produkt harter Arbeit.
Quo vadis, UMIT?
Lukas:
Dann hoffen wir, dass der Bund sich dafür entscheidet, die Hochschulen so gut es möglich ist, weiterhin zu fördern. Kommen wir jetzt zu den Agenden, die das Land betreffen. Kommen wir zu UMIT und MCI. Wo wollen wir beginnen? Wollen wir beim MCI beginnen?
Sint:
Wir müssen eh alles abhandeln. Es wird nicht einfacher.
Wolf:
Bei der UMIT, glaube ich, ist der richtige Prozess jetzt eingeleitet worden von der zuständigen Landesrätin, dass man evaluiert, welches Angebot brauchen wir dort, welches Angebot könnte man dort platzieren. Und ich glaube, man hat da einfach die Handlungsableitungen dann zu setzen.
Lukas:
Herr Wolf, wären Sie so nett, weil vielleicht sind nicht alle Hörerinnen und Hörer immer auf dem aktuellsten Stand, was UMIT betrifft. Würden Sie vielleicht ganz kurz umreißen, worum es da geht, was zu tun ist und wie der Weg ist?
Wolf:
Ja, die UMIT ist eine Privat-Universität des Landes Tirol, die man eigentlich gegründet hat, aus der Not heraus im Pflegewissenschaftsbereich auch Akzente zu setzen. Und die ist etabliert in Hall in Tirol und hat verschiedene Ausbildungszweige. Und gleichzeitig haben wir die Fachhochschule Gesundheit auch in Innsbruck, das frühere AZW, und die Medizinische Universität in Innsbruck als selbstständige Universität. Und ich glaube, in diesen drei Bereichen muss man jetzt schauen, wer kann das am besten oder wo kann das am besten platziert werden? Und da gibt es nach einigen Jahren, die UMIT ist ja auch gewachsen, nach einigen Jahren jetzt die Notwendigkeit, dass man jetzt einmal analysiert, wo stehen wir und wo wollen wir hin? Und das sollte man tun in Absprache mit den Partnern, weil ein Partner der UMIT ist ja nicht nur das Land Tirol, sondern auch die Medizinische Universität in Innsbruck, die ist ja auch hier beteiligt. Und dieser Prozess muss gemacht werden. Ein großer Vorteil der UMIT ist, dass sie das Promotionsrecht hat, also das Recht sozusagen auch, dass man dort promoviert.
Lukas:
Das heißt, eigentlich geht es darum zu definieren, was für Studiengänge werden gebraucht, welche könnte man vielleicht anders verlagern und wie kann man diese drei Institutionen miteinander koordinieren, um das beste medizinische Personal rauszukriegen. Ist das die Aufgabe, die es braucht?
Sint:
Naja, das ist, an und für sich überlegt man sich ja sowas eigentlich schon zum Start. Also, dass ich zuerst sowas einmal über zehn Jahre laufen lasse und dann überlege ich mir, wo könnten, welchen Sinn könnten das Ganze haben? Das finde ich, muss man schon kritisch sehen. Und ich bin da nicht ganz deiner Meinung, diese Studie, die wir da jetzt gemacht haben, diese Standortanalyse, die hat 80.000 Euro gekostet. Zur UMIT sagt sie in Wahrheit, wir brauchen weitere Studien. Also, inhaltlich hilft sie uns nicht wirklich weiter, wir sind fast gleich gescheit wie vorher. Außer, dass wir sagen, ja, wir haben Möglichkeiten. Es kann eine UMIT alleinstehend in abgespeckter Form geben, es könnte eine UMIT geben, wo teilweise Studiengänge auf die FHg, wie du gesagt hast, oder überhaupt eine Fusion. Aber was man mit der Hochschule jetzt wirklich macht, nochmal zehn Millionen Euro im Jahr ist nicht nichts. Wenn das gut, ich bin der Meinung, man sollte das Gute dort weiterführen, man soll das, was nicht funktioniert, so schnell wie möglich kappen. Und das muss ich schon sagen, also die UMIT war natürlich immer die Spielwiese auch der ÖVP, das weißt du auch, Jakob. Wir haben, der Ex-Rektor wurde Landesrat, dann wurde er wieder Vizerektor an der UMIT. Jetzt höre ich, er ist zwar nicht mehr Vizerektor, aber er ist immer noch an der UMIT, der Herr Tilg. Und forscht, der ist schon ewig lang ohne Lehrauftrag, ich weiß gar nicht, was er forscht, du wirst es vielleicht wissen, ich weiß es nicht, das war mir auch gar nicht möglich, im Vorfeld heraus zu finden, woran Bernhard Tilg wirklich forscht. Und da finde ich schon, da hat man einfach die Aufgabe, weil solche Geschichten machen dann aus einer Hochschule, die durchaus einen Platz in der Hochschullandschaft in Tirol hat, das möchte ich schon sagen. Aber die machen dann böses Blut und dann heißt es, ja das ist ein Selbstbedienungsladen und kein Wunder, dass da nichts weitergeht. Und da muss man schon aufpassen.
Wolf:
Man kann, glaube ich, über Bernhard Tilg sagen, was man will, aber dass er in der Wissenschaft anerkannt ist, das ist ohne Zweifel. Und man darf ja nicht vergessen, die UMIT und die Geschichte der UMIT, diese ganzen Berufe wurden ja in Österreich alle akademisiert, das muss man ja auch wissen im Pflegebereich. Und da war es ja auch wichtig, dass man entsprechende Ausbildungslehrgänge, -stätten zur Verfügung stellt, weil man hat ja in diesem ganzen Pflege- und medizinischen Bereich die Berufe akademisiert, was ja früher nicht war. Früher hat es einfach das Diplom gegeben und dann war Schluss. Und jetzt hat man es ja akademisiert, zu Recht, weil es international und europäisch so ist. Aber ich gebe dem Klubobmann Markus Sint recht. Man muss sich intensiv damit beschäftigen, wo liegt die Zukunft der UMIT? Und ich gehe davon aus, dass die Frau Landesrätin Cornelia Hagele das auch tut. mit externem Rat und Expertise auch dazu. Und dass man da den richtigen Weg findet. Und da wird man gemeinsam darüber reden müssen.
Lukas:
Es gab ja auch das Gespräch darüber, ob nicht die Sigmund-Freud-Universität an der UMIT sich beteiligt. Das ist aus der Welt?
Wolf:
Soweit ich weiß schon, die Sigmund-Freud-Universität interessiert sich, glaube ich, eher für andere Standorte, nicht mehr für Tirol, soweit ich informiert bin.
Das MCI und die Raumfrage
Lukas:
Gut, dann würde ich sagen, können wir vielleicht zum MCI weitergehen? Da gibt es ja auch Standort-Herausforderungen. Wo stehen wir da gerade? Einfach vielleicht eine ganz kurze Einführung, einfach nur für alle, die sich nicht tip-top in der Materie auskennen und uns aber trotzdem regelmäßig zuhören.
Sint:
Ja, ich glaube, das MCI ist, wenn man so will, leidet unter seinem großen Erfolg. Das MCI, wir waren jetzt gerade, das war gerade vor kurzem, die 30-Jahr-Feier, Bestandsfeier. Das muss man schon sagen, das ist aus einer Idee entstanden und ist jetzt eine unternehmerische Hochschule mit 3.500 Studenten, mit 1.500 Lehrenden, fixen Mitarbeitern. Das ist absolut nicht mehr wegzudenken aus der Tiroler Hochschullandschaft. Da, glaube ich, herrscht ja Einigkeit. Und das, worum es geht, ist, dass dieses MCI auf sechs Standorte verteilt ist, seit Ewigkeiten einen Neubau braucht, ein Funktionsgebäude, wo man ordentlich Wissenschaft, Forschung, Lehre betreiben kann und dass die Landesregierung das zwar zigmal beschlossen hat, aber nicht zusammenbringt. Und das ist das, was momentan viele unrund macht, weil es einfach schade ist für diesen Hochschul- und Bildungsstandort Tirol und auch, wer wird da ausgebildet? Wir bilden dort Menschen aus, wir haben es vorher gesagt, Köpfe investieren und so. Wir bilden Menschen aus, die dann in der Tiroler Industrie, in der Tiroler Wirtschaft reüssieren. Wenn ich daran denke, jetzt ist INNIO, die Firma aus Jenbach, an die Börse in die USA gegangen, 80-fach überzeichnet. Wer steht da vorne dran? Ein ehemaliger MCI-Absolvent. Das sind doch Erfolgsgeschichten, auf die man stolz sein kann, wo man sagen kann, wow, super, da ist offensichtlich eine renommierte Fachhochschule, die es zusammenbringt, dort tolle Leute heraus zu bringen, die dann in Tirol auch landen und das Unternehmen international aufwerten. Ich finde, deswegen schmerzt mich das auch sehr, dieser abgesagte, vom Landeshauptmann Mattle abgesagte Neubau des MCI, weil es für grundfalsch halte.
Lukas:
Aber darf ich ganz kurz mal fragen, es ist wohl in anderen Universitätsstädten auch so, dass Universitäten verteilte Campi haben und man hier ein bisschen hin und her fahren muss. Wo ist jetzt die große Herausforderung? Warum ist es so viel klüger, das zu bündeln? Und wenn es so viel gescheiter wäre, woran scheitert es dann? Oder welche Hürden müssen da erst genommen werden? Herr Wolf.
Wolf:
Also ich teile die Meinung des Klubobmann Markus Sint, dass das MCI inhaltlich eine wahnsinnige Erfolgsgeschichte ist. Und da muss man auch sagen, der Rektor Altmann hat das hervorragend geführt mit internationalem europäischen Ruf und führt das hervorragend, weil sonst hätte man nicht so viel Anerkennung. Dann stellt sich die zweite Frage jetzt, MCI-Standort. Da hat man ein Projekt ausgearbeitet, das letztlich nicht mehr finanzierbar war. Über 300 Millionen hätte dieser zentrale Bau kosten sollen. Und die derzeit im Amt befindliche Regierung hat dann gesagt, das können wir uns in Zeiten wie diesen, wo das Land Tirol über eine Milliarde Schulden hat schon, nicht leisten. Und wenn ich höre, dass das neue Raika-Areal da beim Bahnhof, das ist ja wie ein Stadtteil, 150 Millionen in etwa gekostet hat, dann frage ich mich schon, wie kann dann ein neues MCI über 300 Millionen kosten? Und jetzt hat meines Erachtens die Landesregierung die vernünftige Entscheidung getroffen, dass man sagt, auf vier Standorten soll das MCI sein. Das ist die Universitätsstraße, wo sie sich jetzt befindet, Grauer Bär, dann Alte Post und dann kommt noch die...
Sint:
Villa Blanka.
Wolf:
Villa Blanka dazu, diese vier Standorte. Und wenn man sich internationale Universitäten anschaut, da haben Sie recht, die erfolgreichsten Universitäten sind meistens in diesen Städten zerstreut, haben verschiedene Campus, nennt man das bei den internationalen Universitäten. Und da kann eine räumliche Distanz nicht daran hindern, dass man in Forschung und Lehre spitze ist. Und das erwarten wir auch für das MCI. Und was die Vergangenheit betrifft, werden wir ja sehen. Da gibt es ja einen Rechnungshofbericht. Der Rechnungshof untersucht die Fehler aus der Vergangenheit und da werden wir dann sehen, wer für was Verantwortung zu tragen hat.
Sint:
Also das sehe ich schon in einigen Punkten anders. Zum einen muss man sagen, selbstverständlich macht Gebäude auch Forschung und Lehre möglich. Ich brauche Laboreinheiten. Es ist ja nicht so, dass ich da nur Büroeinheiten habe. Büroeinheiten könnte ich auch theoretisch verstreut haben. Ich habe Labore. Alle großen Häuser haben natürlich ein vernünftiges Gebäude. Und wir reden, nochmal, wir reden von einem Funktionsgebäude. Wir reden nicht von einem Luxustempel. Niemand braucht einen Luxustempel. Wir reden von einem Funktionsgebäude. Für eine, wie wir beide festgestellt haben, durchaus tolle Einrichtung MCI. Das ist das eine. Das andere ist, ich sehe das schon anders. Erstens, wir hatten eine einzige Zahl, nämlich 250 Millionen Euro Kosten für das MCI. Für eine groß angelegte Tiefgarage mit ganz unterschiedlichen Nutzungen und für einen eigenen Vorplatz zwischen Sowi und MCI. Also das reine MCI hätte nie 250 Millionen gekostet, sondern wir hatten ein Angebot auch von rund 200 Millionen. Das zum einen. Und zum zweiten muss man sagen, wenn man jetzt der Meinung ist, man braucht das eh nicht, dann frage ich mich, wieso man seit über zehn Jahren in der Tiroler Landesregierung, in der die ÖVP federführend drin sitzt, Beschlüsse gemacht hat für einen Neubau MCI. Dann waren die alle für die Fische gewesen. Und das glaube ich eben nicht. Man hatte zwei Architektenwettbewerbe, wir haben zwei Siegerprojekte, wir haben, wir nicht, die Landesregierung hat inzwischen mehr als 13 Millionen Euro Steuergeld ausgegeben und wir haben immer noch kein Gebäude. Also das kann ja keine Erfolgsgeschichte sein. Da brauche ich nicht einmal einen Rechnungshof, da brauche ich nur einen Hausverstand. Und das finde ich dann alles zusammen schon schade. Und was ich besonders schade finde, der Jakob Wolf war ja auch lange Klubobmann und kennt viele Landeshauptleute und kennt die Politik der ÖVP ja länger als ich, das gebe ich zu. Aber es war früher ein Landeshauptmann dann angesehen, wenn er neue Bildungseinrichtungen eröffnet hat, wenn er in die Bezirke hinausgegangen ist, gesagt hat, da machen wir in jedem Bezirk eine Schule, eine Hochschule. Und dafür hat er Applaus gekriegt. Und inzwischen kriegt man in der ÖVP als Landeshauptmann Applaus, wenn man ein Gebäude wie den Neubau MCI beerdigt. Das verstehe ich nicht. Das halte ich für eine schlechte Entwicklung auch in der Volkspartei in Richtung Bildungsstandort, Wissenschaftsstandort, aber auch Abgänger für die Wirtschaft, für die Industrie. Wir brauchen die Leute und wir brauchen eine gute Ausbildung. Was soll man denn sonst haben? Und da hoffe ich auch, dass es einen Zusammenschluss der Vernünftigen gibt. Ich sage das ganz offen. Ich glaube, wir brauchen so hart das klingt, einen dritten Anlauf und wir brauchen diesen MCI-Neubau. Und Jakob, das Geld kann es ja nicht immer sein. Ich erinnere vor 30 Jahren, als die Idee MCI von Professor Gantner, vom Bürgermeister in Innsbruck, damals Herwig van Staa, von Ferdinand Eberle als Landesrat, von Fritz Dinkhaus als Arbeiterkammerpräsident, da ist Geld auch nicht auf der Straße gelegen. Die haben auch nicht einfach die Millionen gehabt und haben gesagt, ja hurra, wo könnte man sie denn ausgeben? Aber die waren weitsichtig. Das glaube ich ist wichtig. Die waren weitsichtig und haben gesagt, ja, das ist eine vernünftige Idee. Da trauen wir uns drüber. Auch wenn es Millionen kostet, die wir noch gar nicht haben.
Wolf:
Aber niemand will ja das MCI beerdigen oder das MCI in der Forschung und Lehre einschränken. Es geht ja einzig darum, um eine Gebäudehülle. Und es heißt ja nicht, die Landesregierung will hier nicht Geld in die Hand nehmen. Es werden sicher 50, 60, 70 Millionen sein, die man braucht, um die Standorte auszubauen, zu erneuern, zu konzentrieren, zu modernisieren. Aber beim besten Willen, wenn so ein Neubau über 300 Millionen kostet und das Land Tirol kein Geld hat, für das Schulden aufzunehmen, dass man das nicht verantworten kann, wenn es andere Lösungen auch gibt. Und meines Erachtens sind die anderen Lösungen nicht schlechter mit vier Standorten. Das muss eine Universität spielen können. Andere internationale Universitäten tun das auch. Die haben wesentlich mehr Standorte. Das kann nicht die wissenschaftliche Qualität und die Forschung beeinträchtigen. Und es wird jetzt Geld in die Hand genommen. Es wird ja jetzt gerade an der Universitätsstraße, am Standort, 11 Millionen übrigens, werden jetzt verbaut vom MCI selbst. Weil man hat ja dem MCI das Geld vom Land gegeben. Das liegt beim MCI die längste Zeit schon. Und die werden jetzt verbaut. Und dann kommen die anderen Standorte nach. Es stimmt ja nicht, dass diese Regierung nichts tut. Sie gibt nur nicht sozusagen über 300 Millionen aus, die sie nicht hat.
Sint:
Um 300 Millionen geht es nicht. Es ist nie um 300 Millionen gegangen. Entschuldigung, wir haben einen Vorschlag vom zuständigen Landesrat. Da warst du selber mit dabei. Das waren 250 Millionen, genau genommen 249 Millionen. MCI Neubau plus Tiefgarage plus Vorplatz. Und jetzt muss man schon eines sagen. Warum sind unterschiedliche Standorte auch ein Problem? Ich zahle ja überall als MCI Miete. Wir haben ja da Mietkosten, die sind ja exorbitant. Und in eurem Plan ist ja jetzt einerseits diese alte Hauptpost zu renovieren und auszubauen. Wir sind seit ungefähr 18 Jahren Mieter als Liste Fritz in der alten Hauptpost. Ich kenne das Gebäude in- und auswendig. Das ist ein Funktionsgebäude der Post, das 120 Jahre alt ist. Da können Sie nie einen vernünftigen Universitätsbetrieb mit Laboren, mit Flächen, die man heute für einen Universitätsbetrieb braucht. Die Studenten, wenn die nicht mehr im Seminarraum sitzen, können die gar nirgends rausgehen, weil es nur einen Gang gibt. Also das ist kein Universitätsstandort. Und das muss man, noch was… Das ist eine private Immobilie. Wenn man hier 50, 60, 70 Millionen investiert, dann gibt man einem Privaten 50, 60, 70 Millionen, dass er die Immobilie herrichtet. Dann mieten wir uns dort als MCI ein und zahlen wieder damit Steuergeld. Beim anderen hätten wir es selber gebaut. Das Gebäude würde der öffentlichen Hand, dem Steuerzahler, gehören. In meiner Sicht wäre das das wesentlich Sinnvollere, dass man Steuergeld nimmt, selber was schafft, das einem dann selber gehört, als irgendwo hin das Geld dann einem Privaten zu geben. Nochmal, der Private nimmt, was immer er kann. Ich bin den privaten Immobilienentwicklern überhaupt nicht böse. Ich rede immer wieder mit ihnen. Ich verstehe ihren Zugang, aber das kann nicht der Zugang für uns sein, die wir für das Steuergeld der Tiroler zuständig sind.
Wolf:
Ja, aber wenn man normal Mathematik gelernt hat, und ich glaube, ich habe das in der Schule gehabt, da kann ich das so nicht bringen, indem ich sage, da miete ich was und der Private verdient was. Weil wenn ich mir Geld leihe, 330 Millionen als Land Tirol, dann werden dort auch Zinsen anfallen.
Sint:
Wie kommst du auf 330 Millionen? Die gibt es nicht, das ist eine Fantasiezahl.
Wolf:
Und die berücksichtigst du in deiner Argumentation überhaupt nicht. Und das Zweite ist, dann scheinst du auch das Projekt des Herrn Landeshauptmann-Stellvertreter Philip Wohlgemuth nicht zu kennen. Es sieht ja in der alten Hauptpost vor, Adaptierung der bestehenden Räumlichkeiten und dann auch einen Neubau. Einen Neubau durch einen gemeinnützigen Bauträger, das dem Land Tirol gehört, quasi durch die TIGEWOSI, auf einem Grundstück der Serviten mit einem Baurecht. Das heißt also, da wird nicht alles von Privaten gemacht, sondern auch vom Land Tirol mit einem Baurecht auf den Grundstück der Serviten. Und du wirst dich wundern, wie zentral das dann auch hier hereinpasst, weil dann gibt es den Durchgang Richtung Maria-Theresien-Straße. Und das tut auch der Stadt gut, wenn man den Universitätsflair in der gesamten Stadt auch spürt.
Sint:
Also Jakob, letzter Satz noch. Die Serviten, die das Baurecht haben, wer mit der Kirche und wer die Entwicklung der Kirche kennt, im Immobilienbereich, die Kirche hat nichts zu verschenken. Das Baurecht gehört nicht uns, das werden wir ablösen müssen, das wird was kosten. Die privaten Immobilienentwickler haben nichts zu verschenken. Die werden sich alle ihre Kosten und noch ihren Gewinn vom MCI als Mieter holen. Also hier so zu tun, als wäre das das wesentlich günstigere Projekt. Fakt ist, man investiert Geld in eine Immobilie, die einem selber dann nicht mehr gehört. Und vorher hätte man Geld in einer Immobilie entwickelt, die dann einem selber, nämlich den Steuerzahlern, gehört.
Wolf:
Ohne, dass man das Geld hat.
Sint:
Das ist klar. Das Geld haben wir so und anders nicht. Das werden wir so und anders ausleihen müssen. Aber viele Jahre kann es ja nicht der Punkt sein. Und wenn ich sage, das Geld haben wir nicht. Die Landesregierung hat beschlossen, am Fernpass ein Projekt zu machen um 600 Millionen. Das Geld hat sie auch nicht.
Wolf:
Aber das eine hat mit dem anderen nicht zu tun.
Sint:
Aber das Geld hat sie nicht.
Lukas:
Liebe Herren, schön, dass wir mit Leidenschaft hier bei diesem Thema dabei sind, weil es geht um was. Es geht um den Hochschulstandard Tirol. Ich finde es gut, dass jeder Visionen einbringt und versucht, das Beste rauszuholen unter den gegebenen Umständen in der entsprechenden Position.
Wolf:
Dürfen wir vielleicht auch noch, weil wenn uns da jemand zuhört, auch noch sagen, dass wir exzellente Standorte an der Fachhochschule Kufstein haben mit ganz guten Entwicklungen. Und auch die Fachhochschule Gesundheit, weil die müssen wir schon, lieber Klubobmann, auch betonen.
Sint:
Da haben wir keine unterschiedlichen Meinungen.
Wolf:
Nein, nur wenn jemand aus der Hochschullandschaft zuhört, dann kriegen wir gleich Mails und über Kufstein und Ding habt ihr nicht geredet. Man muss schon sagen, alle Standorte im Hochschulbereich in Tirol leisten einfach wirklich Hervorragendes.
Der Spiegelmoment
Lukas:
Es wären noch viel mehr Themen auch auf meinen Karten hier gestanden, aber natürlich hat es uns in ein wichtiges, emotionalisiertes Thema reingeholt. Ich bedanke mich aber ganz herzlich bei Ihnen beiden. Und jetzt, wo es zum Schluss fast ein bisschen hitziger geworden ist, fast ungewohnt bei uns hier, wir freuen uns drüber, über lebendige Diskussion, gibt es ja noch den Spiegelmoment, wo man ein Argument des Gegenüber wertschätzend wiederholt und sagt, das, da gehe ich mit. Haben Sie beiden sich gegenseitig gut zugehört, um da jetzt ein Argument des Gegenüber noch zu bringen, wo man so denkt, ja, das möchte ich wiederholen.
Wolf:
Ich kann gerne sagen, ich respektiere, wie der Klubobmann Markus Sint für den Neubau des MCI kämpft, mit voller Leidenschaft und voller Überzeugung. Ich finde, das ist in Ordnung. Man soll seinen Standpunkt haben und auch vertreten und alle Argumente subsumieren, auch wenn ich es am Ende nicht teile. Aber das respektiere ich und bewundere, mit welchem Engagement der Klubobmann da auch hierfür eintritt. Und vielleicht hat er recht oder vielleicht ich. Das wird die Zukunft dann zeigen. Da will ich nicht für mich in Anspruch nehmen, dass ich recht habe. Aber da meinen Respekt.
Lukas:
Das klingt schon nach einem Landtagspräsidenten.
Sint:
Ja, ja, nein, das ist sehr löblich. Neue Rolle. Nein, aber erstens glaube ich, was der Jakob Wolf gesagt hat, ist sehr wichtig im Bezug auf die UMIT, dass man sich das wirklich anschaut und ergebnisoffen hergeht und sagt, was ist das Beste für das Haus, für den Standort, für die jungen Menschen, die dort ausgebildet werden. Wir müssen ja in Wahrheit von jungen Leuten reden, die dort ausgebildet werden. Und das finde ich wichtig. Mir geht der Prozess ein bisschen zu langsam, aber soll sein. Ich glaube, wichtig ist, dass man das echt hinterfragt. Und beim MCI nochmal, da geht es nicht um den Markus Sint. Das ist nicht mein Projekt. Ich bin ja nicht der Pressesprecher des MCI, sondern ich bin überzeugt und bin es jetzt noch mehr, wie wichtig diese Einrichtung für Tirol ist, für den Standort Tirol. Und deswegen denke ich einfach, eine gute Einrichtung, die sollte man unterstützen, der sollte man helfen und nicht Prügel vor die Füße schmeißen. Und das ist das, um was es mir geht, weil ich glaube, wir brauchen für den Standort Tirol solche guten Ausbildungsstätten, die eine andere Funktion haben als eine Universität. Das muss man ganz klar sagen. Eine Fachhochschule bildet aus, eine Universität bildet. Es ist ein Unterschied. Wir beide sind Abgänger der Universität. Das kann man ja auch sagen in dem Fall. Wir wussten bei unserer Ausbildung, du als Jurist, ich als Politikwissenschaftler und Zeitgeschichtler, was uns danach erwartet. Es war klar, dass das keine Ausbildung jetzt in dem Sinn ist. Und eine Fachhochschule hat da schon eine andere Wertigkeit und einen anderen Fokus. Und das glaube ich, deswegen hat alles Platz. Ich gebe dir auch recht, was die Fachhochschulen in Kufstein, was auch… die Medizinuni macht eine gute Arbeit. Also der Standort an und für sich ist nicht schlecht. Also das wäre, nein, der Standort, der Wissenschaftsstandort Tirol funktioniert ja im weiten Bereichen. Und das, was es geht, ist das, was nicht funktioniert, das, was fehlt, einfach zu verbessern.
Lukas:
Fein. Können wir das als Schlusswort nehmen? Ist das für alle in Ordnung?
Wolf:
Vivat academia, vivant professores.
Sint:
Genau.
Lukas:
Meine Worte, wollte ich gerade sagen. Super. Dann bedanke ich mich für das konstruktive Gespräch. Vielen Dank fürs Dasein. Und wenn euch die Folge gefallen hat, dann lasst uns doch ein Abo da oder eine gute Bewertung. Das freut uns immer. Danke fürs Zuhören. Bleibt's demokratisch. Bis zum nächsten Mal. Servus, pfiat euch.
Sint:
Perfekt. Danke, alles Gute.
Wolf:
Danke, alles Gute.
Sint:
Herr Präsident, alles Gute.
Sint:
Herr Klubobmann, alles Gute.