- Preisgelder für JungforscherInnen und Unternehmen aus der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino für innovative Ansätze und Lösungen
- Euregio-JungforscherInnenpreis geht an Philipp Jaufenthaler von der Universität Innsbruck mit Arbeit zur Vermarktung als Familienunternehmen und Moritz Ploner von der Freien Universität Bozen mit Arbeit zu tragbaren Schweißsensoren
- Euregio-Innovationspreis geht an Unternehmen Fraido S.r.l aus Trient mit Projekt zu erweiterbaren Schlauchtypen und Unternehmen KinCon biolabs GmbH aus Innsbruck mit Projekt zu neuen Ansätzen für die Medikamentenentwicklung
Die Vermarktung als Familienunternehmen zur Steigerung der regionalen Wettbewerbsfähigkeit, tragbare Schweißsensoren als Unterstützung der Gesundheitsüberwachung, ein erweiterbarer Schlauchtyp für eine einfachere, effizientere und sicherere Beatmung von PatientInnen und neue Ansätze für die Medikamentenentwicklung: Diese innovativen Ansätze und Lösungen stammen alle von JungforscherInnen und Unternehmen aus der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino. Bei den Euregio-Days am European Forum Alpbach wurden Philipp Jaufenthaler, Moritz Ploner, Fraido S.r.l und KinCon biolabs GmbH heute, Samstag, dafür mit den Euregio-Awards (Euregio-JungforscherInnenpreise bzw. Euregio-Innovationspreise) ausgezeichnet – zwei der vier PreisträgerInnen kommen aus Tirol.
Insgesamt 105 Einreichungen gab es heuer für die Euregio-Awards – ein neuer Rekord. Erstmals wurden pro Preis (Euregio-JungforscherInnenpreis bzw. Euregio-Innovationspreis) Auszeichnungen in jeweils zwei Kategorien vergeben, also insgesamt vier GewinnerInnen.
Überreicht wurden die von der Wirtschaftskammer Tirol und den Handelskammern von Bozen und Trient gestifteten Preise von Präsidentin Barbara Thaler (Wirtschaftskammer Tirol), Präsident Michl Ebner (Handelskammer Bozen) und Präsident Andrea De Zordo (Handelskammer Trient) im Beisein des Euregio-Präsidenten LH Anton Mattle, LH Arno Kompatscher (Südtirol) und und dem Trentiner Landtagspräsidenten Claudio Soini.
Präsentation vor Fachjury
Jeweils drei FinalistInnen pro Kategorie stellten heute, Samstagnachmittag, ihre Einreichung nochmals einer Fachjury unter dem Vorsitz von Ulrike Tappeiner, Leiterin des Instituts für Alpine Umwelt von Eurac Research (Euregio-JungforscherInnenpreis), und Marcus Hofer, Geschäftsführer der Standortagentur Tirol (Euregio-Innovationspreis) vor.
- Euregio-JungforscherInnenpreis: Unter den FinalistInnen in der Kategorie „Wirtschaft, Sozialwissenschaften, Rechtswissenschaft, Bildungs- und Geisteswissenschaften“ hat sich Philipp Jaufenthaler von der Universität Innsbruck mit einer Arbeit zurVermarktung als Familienunternehmen zur Steigerung der regionalen Wettbewerbsfähigkeit durchgesetzt. Der zweite Platz ging an Anna Bertani von der Universität Trient, die drittbeste Arbeit hatte Ece Naz Tatar von der Universität Trient vorgelegt. In der Kategorie „Technische Wissenschaften, Naturwissenschaften und Medizin“ gewann Moritz Ploner von der Freien Universität Bozen mit einer Arbeit zu tragbaren Schweißsensoren als Unterstützung der Gesundheitsüberwachung. Der zweite Platz ging an Margherita Mele von der Universität Trient, der dritte Platz an Alexander Sietmann von der Universität Innsbruck. Das Preisgeld je Kategorie beträgt 4.500 Euro pro Kategorie. Auf die oder den Zweit- und Drittplatzierten warten 2.000 beziehungsweise 1.000 Euro. Für die Preise haben sich insgesamt 49 Nachwuchsforschende unter 35 Jahren beworben.
- Euregio-Innovationspreis: Bei den Euregio-Innovationspreisen konnte in der Kategorie „Konzepte und Prototypen“ das Unternehmen Fraido S.r.l aus Trient (Trentino) mit einem Projekt zu einem erweiterbarem Schlauchtyp für eine einfachere, effizientere und sicherere Beatmung von PatientInnen die Jury überzeugen. Auf die Plätze zwei und drei kamen die Unternehmen VAHLE Automation aus Schwoich (Bezirk Kufstein) und Terra Atmos aus Innsbruck. In der Kategorie „Etablierte Geschäftsmodelle und Produkte“ gewann das Unternehmen KinCon biolabs GmbH aus Innsbruck mit einem Projekt zu neuen Ansätzen für die Medikamentenentwicklung. Der zweite Platz ging an das Unternehmen Behavix srl Società Benefit aus Rovereto (Trentino), der dritte Platz an das Unternehmen BIOTITAN SRL aus Bozen (Südtirol). Je Kategorie erhalten die Erstplatzierten Preise in Höhe von 9.000 Euro, die je zur Hälfte aus einem Geldbetrag und regionalen PR-Leistungen der Standortagenturen bestehen. Die Zweit- und Drittplatzierten erhalten einen Geldbetrag von 2.000 beziehungsweise 1.000 Euro. 56 Unternehmen aus der Euregio haben sich für die Awards beworben.
Statements zu den Euregio-Awards
LH Anton Mattle (Tirol): „Starke Regionen sind das Fundament eines starken Europas. Die Euregio-Awards zeigen eindrucksvoll, wie viel Innovationskraft und kreatives Potenzial in Tirol, Südtirol und dem Trentino steckt. Mit ihren Projekten entwickeln die Preisträgerinnen und Preisträger konkrete Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit und machen damit sichtbar, was aus regionaler Zusammenarbeit entstehen kann. Sie sind damit Botschafterinnen und Botschafter einer Euregio, die ihre Stärken bündelt und gemeinsam nach vorne blickt.“
LH Arno Kompatscher (Südtirol): „Die Euregio-Awards holen jedes Jahr Menschen und Projekte vor den Vorhang, die mit neuen Ideen wichtige Impulse für unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft setzen. Gerade die Vielfalt der ausgezeichneten Projekte zeigt, wie breit das Spektrum an Wissen, Kreativität und Innovationskraft in der Euregio ist. Die Awards sind damit nicht nur eine Anerkennung für die bisherigen Leistungen, sondern auch eine Ermutigung, neue Wege zu gehen und Ideen weiterzuentwickeln. Davon profitiert letztlich der gesamte Euregio-Raum.“
Landtagspräsident Claudio Soini (Trentino): „Besonders beeindruckend ist die Vielfalt der Projekte und Ansätze, die jedes Jahr aus Tirol, Südtirol und dem Trentino bei den Euregio-Awards eingereicht werden. Die Auszeichnungen machen das Potenzial unserer gemeinsamen Gebiets sichtbar und schaffen zugleich eine wertvolle Verbindung zwischen jungen Talenten, Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft. Alpbach bietet dafür den idealen Rahmen, weil hier regionale Ideen auf einen internationalen Austausch treffen.“
Kata Tüttő, Präsidentin des Ausschusses der Regionen der Europäischen Union: "Die Euregio-Awards zeigen eindrucksvoll, wie viel Zukunftskraft in den drei Regionen steckt. Die Rekordzahl von 105 Einreichungen und die Vielfalt der ausgezeichneten Forschungs- und Innovationsprojekte sind ein starkes Signal: Regionen sind nicht nur Orte, an denen europäische Politik umgesetzt wird – sie sind Orte, an denen Europas Zukunft gestaltet und Innovation konkret gemacht wird. Gerade die Zusammenarbeit über Grenzen hinweg macht aus regionaler Exzellenz einen europäischen Mehrwert. Die Finalistinnen und Finalisten der Euregio-Awards 2026 stehen beispielhaft für dieses Europa der starken Regionen: forschungsstark, innovativ und nah an den Herausforderungen der Menschen."
Barbara Thaler, Präsidentin der Wirtschaftskammer Tirol: „Die Euregio-Awards zeigen eindrucksvoll, was aus einer ersten Idee entstehen kann, wenn sie konsequent weiterverfolgt wird. Entscheidend ist, dass Forschung und Innovation nicht auf dem Papier bleiben, sondern ihren Weg in die Anwendung finden. Die ausgezeichneten Projekte stehen genau dafür: Sie zeigen neue Ansätze auf und geben wichtige Impulse für Wirtschaft und Gesellschaft.“
Michl Ebner, Präsident der Handelskammer Bozen: „Mit den Euregio-Awards zeichnen wir Menschen aus, die mit Forschung, Innovation und Unternehmergeist an den Lösungen von morgen arbeiten. Für uns als Handelskammer ist es besonders wichtig, diesen Einsatz sichtbar zu machen und jungen Talenten eine Perspektive zu geben. Die ausgezeichneten Projekte zeigen, dass aus guten Ideen konkrete Anwendungen und neue Chancen für unsere Länder entstehen können. Deshalb sind die Awards auch ein wichtiges Signal dafür, dass sich Investitionen in Wissen und Innovation lohnen.“
Andrea De Zordo, Präsident der Handelskammer Trient: „Das Alpbach-Motto ‚How Europe Wins‘ stellt eine konkrete Frage: Wie kann Europa wieder wettbewerbsfähig werden und wachsen? Meine Antwort: Europa muss weniger regulieren und mehr ermöglichen. Wir brauchen weniger Bürokratie, einfachere Regeln und keine zusätzlichen Belastungen für Unternehmen. Europa soll nicht nur Märkte regulieren, sondern Innovation, Investitionen, Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit fördern. Mit der Euregio können wir dabei vorangehen und beweisen, dass wir fähig sind, zusammenzuarbeiten, Hindernisse abzubauen und gemeinsam unsere eigene Zukunft zu gestalten.“
Ulrike Tappeiner, Juryvorsitzende und Leiterin des Instituts für Alpine Umwelt von Eurac Research: „Forschung bedeutet die Entwicklung neuer Ideen, Technologien und Strategien als Antwort auf verschiedenste Fragen und Herausforderungen. Diese Antworten stärken nicht nur den Wissenschafts- sondern auch den Wirtschaftsstandort. Die Siegerprojekte, alle Finalistinnen und Finalisten sowie alle Einreichenden untermauern, welche einzigartige Forschungsleistung von jungen, talentierten Forschenden in der Euregio Tag für Tag betrieben wird.“
Marcus Hofer, Juryvorsitzender und Geschäftsführer der Standortagentur Tirol: „Ein starker Wirtschaftsstandort lebt von Unternehmen, die in die Zukunft blicken und innovative Wege gehen. Nicht zuletzt die Siegerprojekte zeigen, dass die Unternehmen in der Euregio genau das tun. Damit können sie sich im internationalen Wettbewerb mit der Konkurrenz aus ganz Europa und darüber hinaus messen und Wertschöpfung erzeugen, von der wir alle in der Euregio profitieren. Gleichzeitig helfen die innovativen Projekte dabei, den Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft zu begegnen.“
Kurzbeschreibung Siegprojekte
Euregio-JungforscherInnenpreis – Kategorie „Wirtschaft, Sozialwissenschaften, Rechtswissenschaft, Bildungs- und Geisteswissenschaften“: Philipp Jaufenthaler - Strengthening Regions in a Volatile World: Experimental Evidence on the Localness Effects of Family Firm Status
In einer zunehmend volatilen Welt ist lokale Identität ein entscheidender Faktor für Resilienz. Diese Studie untersucht das Branding von Familienunternehmen als strategisches Instrument zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Euregio. Auf Basis eines interdisziplinären Ansatzes, der Erkenntnisse aus Konsumentenpsychologie und strategischem Management verbindet, analysieren fünf experimentelle Studien mit insgesamt 1.654 Teilnehmenden, wie der wahrgenommene Status als Familienunternehmen verschiedene Dimensionen von Regionalität beeinflusst: geografische Reichweite, lokale Identifikationskraft („Local Iconness“), nationale Herkunft und inländische Produktion. Die Ergebnisse zeigen, dass der Status als Familienunternehmen die Kaufabsicht signifikant erhöht, wobei dieser Effekt vor allem durch die „Local Iconness“ einer Marke getragen wird, also durch deren wahrgenommene kulturelle Verankerung. Für die Euregio, deren Wirtschaft maßgeblich von Familienunternehmen geprägt ist, bieten diese Erkenntnisse eine wirkungsvolle Grundlage, um lokale Stärken gezielt zu nutzen und gleichzeitig auf globalen Märkten wettbewerbsfähig zu bleiben. Damit leisten sie einen direkten Beitrag zum Aufbau resilienter und starker Regionen.
Euregio-JungforscherInnenpreis – Kategorie „Technische Wissenschaften, Naturwissenschaften und Medizin“: Moritz Ploner - Wearable Sweat Cytokine Sensing for Decentralized Health Monitoring
Der Zugang zu diagnostischen Dienstleistungen bleibt insbesondere in abgelegenen Alpenregionen eine Herausforderung, da wiederholte Blutanalysen in herkömmlichen Laboren oft nur eingeschränkt möglich sind. In diesem Kontext bietet die tragbare biochemische Sensorik einen vielversprechenden Ansatz für eine dezentrale Gesundheitsüberwachung. Vor diesem Hintergrund entwickelt das Projekt eine tragbare Plattform zur nicht-invasiven Erkennung von Entzündungsbiomarkern im Schweiß, mit besonderem Fokus auf die Zytokine Interleukin-6 (IL-6) und Tumornekrosefaktor Alpha (TNF-α), zwei wichtige Indikatoren für Immunaktivität und chronische Entzündungen. Durch die Integration flexibler elektrochemischer Sensoren, mikrofluidischer Systeme und einer auf maschinellem Lernen basierenden Signalanalyse ermöglicht die Plattform eine sensitive und multiparametrische Überwachung in einem tragbaren Format. Diese Technologie könnte die Entwicklung diagnostischer Systeme für die Gesundheitsüberwachung in Echtzeit unterstützen und künftig Anwendungen in der Telemedizin, der früheren Erkennung von Krankheiten, einem breiteren Zugang zu Diagnostik sowie resilienteren Gesundheitssystemen ermöglichen.
Euregio-Innovationspreis – Kategorie „Konzepte und Prototypen“: Fraido S.r.l. - Adaptive Diameter Airway Technology
Das Einführen eines Beatmungsschlauchs in die Atemwege eines Patienten ist ein gängiger, aber kritischer medizinischer Eingriff, insbesondere in Notfällen. Herkömmliche Schläuche sind in festen Größen erhältlich, sodass Ärztinnen und Ärzte zwischen einer leichteren Einführung und einer effektiven Beatmungsunterstützung wählen müssen. Dies kann den Eingriff erschweren und das Risiko von Komplikationen erhöhen. Fraido entwickelt einen neuen Schlauchtyp, dessen Durchmesser während der Anwendung verändert werden kann. Er wird in einer kleineren Form eingeführt, um die Platzierung einfacher und sicherer zu machen, und anschließend erweitert, sobald er richtig positioniert ist, um eine optimale Beatmung sicherzustellen. Diese einfache, aber wirkungsvolle Innovation hilft Ärztinnen und Ärzten, schneller und effizienter zu handeln, verbessert die Patientensicherheit und reduziert Komplikationen. Künftig könnte dieselbe Technologie auch bei anderen medizinischen Verfahren eingesetzt werden, die einen Zugang zum Körperinneren erfordern.
Euregio-Innovationspreis – Kategorie „etablierte Geschäftsmodelle und Produkte“: KinCon biolabs GmbH - Neue Ansätze für die Medikamentenentwicklung
Bevor ein neues Medikament Patientinnen und Patienten erreicht, durchläuft es einen jahrelangen Entwicklungsprozess - und neun von zehn Wirkstoffkandidaten scheitern dabei. Eine zentrale Ursache: In klassischen Tests wird im Reagenzglas geprüft, ob ein Wirkstoff an sein Zielprotein bindet. Ob er das aber auch in einer lebenden Zelle tut und dort die gewünschte Wirkung auslöst, bleibt lange unklar. Das Innsbrucker Start-up KinCon biolabs hat eine patentierte Technologie entwickelt, die genau hier Ansetzt. Mit genetisch kodierten Sensoren wird die dreidimensionale Struktur (Konformation) des Zielproteins direkt in der lebenden Zelle untersucht: verändert ein Wirkstoff die Proteinstruktur, leuchtet die Zelle. So erhalten Pharma- und Biotechunternehmen früh und zuverlässig Informationen darüber welche Substanzen das höchste Potential bergen. Das spart Zeit, Ressourcen und beschleunigt die Entwicklung neuer Therapien gegen Krebs und andere Erkrankungen.













