- Unterzeichnung einer Erklärung zur Kooperation in Zukunftsbereichen wie Bildung, Europa, Tourismus, Gesundheit und Soziales
- Bewährte Partnerschaft zwischen Tirol und der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens bekräftigt
Was haben Tirol und Ostbelgien gemeinsam? Mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Beide Regionen setzen auf starke Gemeinden, gelebte Regionalpolitik und den Austausch über Grenzen hinweg. Vergangene Woche empfing LH Anton Mattle den Ministerpräsidenten der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, Oliver Paasch, im Innsbrucker Landhaus. Gemeinsam mit der ostbelgischen Ministerin Lydia Klinkenberg unterzeichneten sie eine erneuerte Erklärung, die an das Kooperationsabkommen aus dem Jahr 2002 und die langjährige Partnerschaft anknüpft. Sie schafft die Grundlage, um den Austausch in Bereichen wie Bildung, Europa, Tourismus, Gesundheit und Soziales weiter auszubauen und die langjährige Partnerschaft zukunftsfit weiterzuentwickeln.
„Gute Ideen entstehen dort, wo Menschen und Regionen voneinander lernen. Genau darum geht es in unserer Zusammenarbeit mit Ostbelgien. Wir wollen Erfahrungen teilen, erfolgreiche Projekte weiterentwickeln und gemeinsam Lösungen für Herausforderungen finden, die viele Regionen in Europa beschäftigen“, betont LH Mattle.
Von Bildung bis zu Tourismus und starken Regionen: Wissen teilen, Projekte umsetzen
Die Erklärung sieht eine verstärkte Zusammenarbeit unter anderem in den Bereichen Bildung und Unterricht, Beschäftigung, Kultur, Sport, Freizeit und Tourismus, Soziales und Gesundheit, Familienpolitik sowie Europa- und Regionalpolitik vor. Im Mittelpunkt stehen der Austausch von Erfahrungen und bewährten Verfahren, die Umsetzung gemeinsamer Projekte sowie die Vernetzung von Institutionen und Partnerorganisationen. Ein konkretes Beispiel der Zusammenarbeit ist das Projekt „Freundschaft gemeinsam bewegt“, das Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen aus Tirol und Ostbelgien einen gegenseitigen Austausch ermöglicht. Das Land Tirol unterstützt das Projekt im Rahmen seiner bildungspolitischen Maßnahmen.
Grenzregionen stehen für gelebte Europäische Integration
Kritisch sehen die beiden Regionen das Vorhaben der Europäischen Kommission, die Kohäsionspolitik auf nationale Pläne zu verlagern. „Wir sind beide starke Regionen mit legislativen Kompetenzen. Eine Nationalisierung der Kohäsionspolitik ist der falsche Weg, denn damit entfernt sich die Europäische Politik von den Menschen. Über 90% der europäischen Maßnahmen werden von uns Regionen umgesetzt. Deshalb muss die EU vor Ort - im Kleinen - spürbar sein, denn nur so können wir den Menschen den Mehrwert erklären. Das ist und war immer schon die Grundidee des europäischen Zusammenlebens. Als Grenzregionen leisten wir einen noch größeren Beitrag zum gegenseitigen Verständnis. Folglich sind Zentralisierungsbemühungen der absolut falsche Weg“, unterstreicht Landeshauptmann Mattle.
Mehr als 20 Jahre gemeinsamer Austausch
Die Beziehungen zwischen Tirol und der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien reichen viele Jahrzehnte zurück und wurden insbesondere unter dem ehemaligen Ministerpräsidenten Karl-Heinz Lambertz und Alt-Landeshauptmann Herwig Van Staa kontinuierlich ausgebaut. Neben dem regelmäßigen Austausch zwischen den Regionen verbindet beide Partner auch eine enge Zusammenarbeit auf europäischer Ebene – etwa im Ausschuss der Regionen der Europäischen Union und im Kongress der Gemeinden und Regionen des Europarates. Ein sichtbares Zeichen der langjährigen Verbundenheit ist zudem das Tiroler Fest in Eupen, das seit mehr als 40 Jahren Menschen aus beiden Regionen zusammenbringt und dessen Reinerlös stets wohltätigen Zwecken zufließt.
Mit der nun unterzeichneten Erklärung bekräftigen beide Partner ihre Absicht, bestehende Kooperationen fortzuführen, neue gemeinsame Projekte anzustoßen und vor allem die Interessen der Regionen in Europa zu stärken. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zum Nutzen der BürgerInnen beider Regionen kontinuierlich weiterzuentwickeln.


