- Aktuellste Untersuchungsergebnisse geben Hinweise auf erhöhte bakterielle Belastung in der Ötztaler Ache
- BH Imst ordnet vorsorglich Schifffahrtsverbot und damit bspw. Verbot von Rafting auf Ötztaler Ache an
- Keine Auswirkungen auf Trinkwasser zu erwarten
- Weitere Parameter des Gewässermonitorings sind unauffällig
- Wöchentliches Gewässermonitoring wird weitergeführt
Nach dem Ausfall der Kläranlage in der Gemeinde Sölden vor drei Wochen und der anhaltenden Ausnahmesituation aufgrund einer Mure und der in dieser Ausnahmesituation notwendigen und vonseiten der Gemeinde beantragten provisorischen Abwassereinleitung in die Ötztaler Ache führt das Land Tirol laufend ein umfassendes Gewässermonitoring durch und intensiviert die Untersuchungen. Seit Mitte der Woche liegen gewässerökologische Messergebnisse der Wasserproben aus der Ache vor. „Die Auswertung dieser entnommenen Proben ergab aus wasserwirtschaftlicher Sicht nach wie vor keinen Hinweis auf eine kritische Belastung“, erklärt Markus Federspiel, Vorstand der Abteilung Wasserwirtschaft des Landes. Die detaillierten Ergebnisse aller Untersuchungen werden laufend transparent auf der Website des Landes unter www.tirol.gv.at/monitoringoetztalerache veröffentlicht.
Aufgrund der im Gemeindegebiet von Sölden seit Ende Juli anhaltenden Einleitung des Abwassers in die Ötztaler Ache wurden in einem zusätzlichen Schritt und für ein noch detaillierteres Bild weitere, bei Standarduntersuchungen normalerweise nicht beinhaltete, mikrobiologische Parameter in die Untersuchung mitaufgenommen.
Die Laborergebnisse dieser Beprobung liegen noch nicht vollständig vor. Erste Teilergebnisse, die seit heute, Donnerstag vorliegen, deuten jedoch auf eine erhöhte bakterielle Belastung hin. Um mögliche gesundheitliche Auswirkungen auszuschließen, ordnet die Bezirkshauptmannschaft Imst vorsorglich bis auf weiteres ein Schifffahrtsverbot auf der Ötztaler Ache von der „Brandachbrücke“ talauswärts bis zu deren Mündung an. Dieses Verbot beinhaltet insbesondere das Rafting bzw. Kanufahren.
„Wir haben noch keine endgültigen Ergebnisse der zusätzlich durchgeführten mikrobiologischen Untersuchung. Aktuell liegen nur erste Probeauswertungen vor, die aufgrund der anhaltenden Ausnahmesituation erhöhte Keimzahlen vorweisen. Diese mögliche bakterielle Belastung ist ernst zu nehmen“, erklärt Gesundheitsdirektorin Theresa Geley und führt weiter aus: „Auswirkungen auf das Trinkwasser der Region sind nach aktuellem Kenntnisstand wie bereits in den vergangenen Wochen kommuniziert nicht zu erwarten. Baden und Wassersport in der Ache und die damit verbundene Gefahr des Schluckens bzw. Einatmens von Wasser könnten nach den nun vorliegenden Teilergebnissen der zusätzlichen Untersuchung jedoch Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Dies gilt besonders für Kinder, Menschen mit geschwächtem Immunsystem, ältere Menschen und Schwangere. Daher soll in der Ötztaler Ache aktuell nicht gebadet oder Wassersport betrieben werden. Auch Hunde und andere Haustiere sollten nicht ins Gewässer gelassen werden bzw. daraus trinken. Bei Kontakt mit dem Wasser wird eine anschließende gründliche Reinigung der betroffenen Körperregionen und der betroffenen Kleidung sowie das sorgfältige Waschen der Hände mit Seife empfohlen.“
Trinkwasserversorgung nicht betroffen
Das Trinkwasser im Ötztal kommt mehrheitlich aus höher gelegenen Quellen. Diese werden nicht von der Ötztaler Ache beeinflusst. Im Bereich der Ötztaler Ache befinden sich einzelne Trinkwasserbrunnen. Aufgrund der Tiefe der Entnahme aus dem Grundwasser ist eine Beeinflussung der Brunnen durch die Ache nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zu erwarten. Das Wasser in der Ötztaler Ache unterscheidet sich deutlich von den Brunnenwässern.
Wöchentliches Gewässermonitoring
Für das umfassende Gewässermonitoring an der Ötztaler Ache werden seit Anfang August einmal pro Woche an vier unterschiedlichen Stellen oberhalb und unterhalb der Kläranlage Sölden Proben an der Ötztaler Ache sowie zusätzlich aus dem Inn genommen. Die Proben werden hinsichtlich der relevanten physikalischen, chemischen und mikrobiologischen Parameter untersucht. Hauptaugenmerk liegt dabei auf physikalischen, chemischen und mikrobiologischen Parametern. Auch in den kommenden Wochen wird das Gewässermonitoring fortgesetzt, um die Entwicklung an der Ache engmaschig zu beobachten.
Keine gewässerökologischen Auffälligkeiten – auch im langjährigen Vergleich – bei weiteren Parametern
Die mögliche bakterielle Belastung ist ernst zu nehmen. Darüber hinaus ergeben die Untersuchungsergebnisse bisher keine weiteren Auffälligkeiten bzw. eine gewässerökologisch kritische Belastung der Ache. Auch hinsichtlich sichtbarer Beeinträchtigungen des Gewässers – etwa mögliche Schaumentwicklung – konnten keine Auffälligkeiten festgestellt werden. „Schließlich haben wir die Ergebnisse der aktuellen Proben auch mit Messungen aus den vergangenen Jahren verglichen. Auch im Vergleich mit diesen langjährigen Untersuchungsergebnissen zeigen die aktuellen Messungen keine gewässerökologischen Auffälligkeiten“, so Federspiel.
Hohe Wasserführung der Ache führt zur Verdünnung
Direkt unterhalb der Abwassereinleitung konnte eine erhöhte Konzentration an Nährstoffen in der Ötztaler Ache festgestellt werden. Diese nimmt jedoch flussabwärts stark ab. Ausschlaggebend dafür ist insbesondere die derzeit sehr hohe Wasserführung der Ache und die damit verbundene starke Verdünnung und Durchmischung. „Geschätzt entsteht pro Tag eine Abwassermenge von rund 4.000 bis 6.000 Kubikmeter, die in die Ache fließt. Im Bereich Sölden führt die Ache rund 35 Kubikmeter Wasser pro Sekunde im Tagesmittel. Damit verdünnt sich das Abwasser in der Ache mit dem Faktor von rund 500 bis 700“, so Federspiel.
100.000 Kubikmeter Schlamm und Geröll
Grund für die aktuelle Abwassereinleitung in die Ötztaler Ache ist die zerstörte Kläranlage. Eine Mure hatte die Kläranlage in Sölden Ende Juli getroffen. Rund 100.000 Kubikmeter Schlamm und Geröll – der Inhalt von rund 40 olympischen Schwimmbecken – verlegten die Anlage. Seither sind unter anderem Kräfte der lokalen Feuerwehren, des Bundesheeres, des Landes Tirol sowie freiwillige HelferInnen mit den Aufräum- und Instandhaltungsarbeiten beschäftigt.