- Land Tirol beteiligt sich mit Fachexpertise und finanzieller Unterstützung am grenzüberschreitenden Forschungs- und Schutzprojekt
Lichte Bergwaldbereiche, alpines Offenland sowie Almlandschaften sind der weltweite Lebensraum von Zitronenzeisig, Waldbirkenmaus und Bayerischer Kurzohrmaus. Die noch vorhandenen intakten Lebensräume werden nun im Rahmen eines grenzüberschreitenden INTERREG-Projekts untersucht und sollen aufgewertet und langfristig gesichert werden. Das Projekt wurde von Land Tirol, Alpenzoo Innsbruck, dem Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV) sowie der Regierung von Schwaben gemeinsam ins Leben gerufen. Gestern fand eine erste Arbeitssitzung der beteiligten FachexpertInnen in Garmisch-Partenkirchen statt.
„Unsere traditionelle Alm- und Kulturlandschaft beherbergt Tierarten, die fast ausschließlich im Alpenraum vorkommen – wir tragen hier für ein einzigartiges Naturerbe eine globale Verantwortung. Spezialisierte Arten wie der Zitronenzeisig oder seltene Kleinsäuger sind sensible Gradmesser für intakte Hochlagen: Geht ihr Bestand zurück, zeigt es uns, dass Lebensräume und ökologische Kreisläufe unter Druck geraten und sich negativ entwickeln“, so Tirols Naturschutzlandesrat René Zumtobel. „Mit diesem grenzüberschreitenden Projekt lernen wir noch mehr über diese ganz besonderen Tierarten, können mit den Erkenntnissen das sensible Zusammenspiel der vielfältigen Arten schützen und schaffen zugleich die Grundlage für zukunftsfähige, naturnahe Almlebensräume. Dass wir bei dem Projekt mit Bayern so eng zusammenarbeiten, freut mich ganz besonders.“
Das INTERREG-Projekt in Höhe von rund 820.000 Euro wird zu 75 Prozent aus EU-Mitteln kofinanziert, der Eigenanteil von 25 Prozent wird von den Projektpartnern gemeinschaftlich getragen.
Zitronenzeisig – seltene Finkenart unter Druck
Das Land Tirol ist mit dem Vogelexperten Florian Lehne von der Abteilung Umweltschutz im Projekt vertreten, der zum gefährdeten Zitronenzeisig erklärt: „Sowohl in Bayern als auch in Tirol verzeichnen wir einen Rückgang des Zitronenzeisigs. Warum das so ist, möchten wir im Projekt herausfinden. Auf Basis dieser grenzübergreifenden Daten können wir gezielte Schutzmaßnahmen wie die Wiederherstellung nahrungsreicher Offenlandstrukturen und Trittsteinbiotope direkt vor Ort umsetzen.“
Aufbauend auf dem bereits abgeschlossenen Forschungsprojekt zur Bayerischen Kurzohrmaus, an dem der Innsbrucker Alpenzoo maßgeblich beteiligt war, werden nun Schutzmaßnahmen für die Kurzohrmaus und auch die Waldbirkenmaus ausgearbeitet. Von den strukturellen Verbesserungen profitiert die gesamte alpine Tierwelt – von Raufußhühnern bis hin zu zahlreichen weiteren Kleinsäuger- und Insektenarten.
Traditionelle Berglandwirtschaft als Schlüssel zum Artenschutz
Eine zentrale Rolle für das Projekt spielt die extensive traditionelle Bewirtschaftung von Almen und Alpen. Sie hält Flächen offen und schafft strukturreiche Übergänge zwischen Wiesen, Weiden und Wald – Lebensräume, in denen viele seltene Arten vorkommen. Gemeinsam mit GrundeigentümerInnen und BewirtschafterInnen soll geklärt werden, welche Maßnahmen bereits geplant sind, wo Handlungsbedarf besteht und welche Unterstützung gewünscht wird. Dabei geht es auch um Herausforderungen durch Klimawandel und veränderte Nutzungsbedingungen. So gewinnt die Wasserversorgung angesichts zunehmender Trockenheit an Bedeutung. Gleichzeitig verbuschen und verwalden offene Flächen zunehmend. Über das Projekt können geeignete Maßnahmen unterstützt und mit bereits laufenden Aktivitäten abgestimmt werden. „In Tirol setzen bereits viele Naturparke das Projekt Naturschutzplan auf der Alm um – darauf kann mit einem gezielten Blick auf seltene Vogelarten und besondere Kleinsäuger weiter aufgebaut werden“, ist LR Zumtobel überzeugt, der betont: „Für Tierarten sind Landesgrenzen irrelevant – genau so müssen wir auch beim Schutz der Artenvielfalt im Alpenraum grenzüberschreitend denken, zusammenarbeiten und voneinander lernen.“


