Landeskulturfonds zieht Bilanz

Zwischen Stall, Hofladen und Erdbeerfeld

  • Mehrere Standbeine sichern die Zukunft bäuerlicher Betriebe
  • 177 Investitionen für Tirols Landwirtschaft: Landeskulturfonds finanziert 2025 Investitionen von über 50 Millionen Euro
  • Historischer Höchststand bei der Neudarlehensvergabe 2025
  • „Wölflhof“ in Ranggen zeigt, wie Vielfalt am Hof funktioniert

Die Tiroler Landwirtschaft steht für Vielfalt – und diese Vielfalt ist für viele Betriebe ein entscheidender Erfolgsfaktor. Milchviehhaltung, Direktvermarktung, Verarbeitung eigener Produkte, Forstwirtschaft oder Spezialkulturen: Immer mehr bäuerliche Familien setzen auf mehrere Einkommensstandbeine, um ihre Höfe wirtschaftlich erfolgreich weiterzuführen. Der Landeskulturfonds unterstützt diese Entwicklung mit maßgeschneiderten Finanzierungen und schafft damit wichtige Voraussetzungen für Investitionen in die Zukunft der Betriebe.

Ein Beispiel dafür ist der „Wölflhof“ der Familie Michaela und Wolfgang Gratl in Ranggen, der im Rahmen der jährlichen Bilanzpressekonferenz des Landeskulturfonds besucht wurde. Mit Unterstützung des Fonds ist der Betrieb in den Jahren 2008 bis 2010 aus dem engen Ortskern ausgesiedelt und hat sich mit einem modernen Rinderstall neu aufgestellt. Der Stall wurde als besonders tierfreundlicher Freilaufstall mit permanenter Auslaufmöglichkeit errichtet und bietet den Tieren viel Bewegungsspielraum – ein Beitrag zur Gesundheit und Fitness der Rinder.

„Der Stall ist die notwendige Grundlage eines jeden Grünlandbetriebes, um Lebensmittel aus Milch und Fleisch produzieren zu können. Entscheidend sind aber auch das unternehmerische Geschick, der tägliche Einsatz und die Fähigkeit, einen Betrieb erfolgreich weiterzuentwickeln“, betont LHStv Josef Geisler im Rahmen des Medientermins und führt weiter aus: „Gerade Vollerwerbsbetriebe stehen vor der Herausforderung, entweder über eine hohe Spezialisierung oder über mehrere Standbeine ein ausreichendes Einkommen zu erwirtschaften. Der ‚Wölflhof‘ zeigt eindrucksvoll, wie das erfolgreich gelingen kann.“

177 Investitionsvorhaben mit 22,8 Millionen Euro finanziert

Wie aus dem Geschäftsbericht des Landeskulturfonds hervorgeht, konnten im Jahr 2025 insgesamt 177 Investitionsvorhaben mit einer Kreditsumme von 22,8 Millionen Euro unterstützt werden, was einen historischen Höchstwert darstellt. Das damit ausgelöste Investitionsvolumen lag bei mehr als 50 Millionen Euro.

Der Schwerpunkt lag weiterhin bei Investitionen in tierfreundliche Rinderhaltung: Mit 61 Finanzierungen war der Bau von modernen Rinderställen der mit Abstand häufigste Bereich. Häufig gemeinsam mit Stallbauten wurden auch Futterbergeräume errichtet. Weitere wichtige Investitionsbereiche waren Güllegruben mit fester Abdeckung, Maschinen- und Lagerhallen sowie technische Ausstattungen.

„Die Technik am Hof gewinnt zunehmend an Bedeutung. Fütterungs- und Melktechnik, Heutrocknungsanlagen, Krananlagen, Gülletechnik oder Bergbauernspezialmaschinen erleichtern die tägliche Arbeit und helfen dabei, größere Betriebsstrukturen mit weniger Arbeitskräften bewältigen zu können“, erklärt Thomas Danzl, Geschäftsführer des Landeskulturfonds. Gleichzeitig würden diese Investitionen erhebliche Kosten verursachen, die der Landeskulturfonds mit günstigen Krediten abzufedern versucht.

Vom Milchviehbetrieb zum vielfältigen Familienunternehmen

Der „Wölflhof“ zeigt, wie breit die Standbeine eines modernen Bauernhofs heute sein können. Wolfgang Gratl übernahm den Betrieb im Jahr 2000. Bereits seine Eltern waren in der Direktvermarktung und im Erdbeeranbau tätig – diese Bereiche wurden gemeinsam mit seiner Frau Michaela weiterentwickelt.

Heute bewirtschaftet die Familie neben der Milchviehhaltung rund 13 Hektar Wald, baut auf einem Hektar Erdäpfel und auf 0,4 Hektar Erdbeeren an. Zusätzlich werden jährlich etwa zehn Ochsen und sechs Schweine für die Fleischverarbeitung gehalten. Im ehemaligen Stall leben rund 200 Legehennen. Ein Teil der Milch wird direkt am Hof zu Produkten wie Frischkäse und Joghurt verarbeitet, außerdem entstehen Brot, Kuchen, Aufstriche, Marmeladen und weitere Spezialitäten für die Direktvermarktung.

„Die vielen Produktionsstandbeine tragen wesentlich zum Betriebseinkommen bei. Gleichzeitig bedeuten sie auch einen hohen Arbeitsaufwand und viele Arbeitsspitzen – etwa in der Erdbeersaison oder bei der Verarbeitung der Produkte“, erklärt Wolfgang Gratl. „Das funktioniert nur, wenn die ganze Familie zusammenhilft.“

Regionale Lebensmittel gewinnen an Bedeutung

Die Direktvermarktung hat am „Wölflhof“ mittlerweile einen hohen Stellenwert. Vor allem Michaela Gratl sieht darin weiterhin Potenzial: „Wir erleben, dass insbesondere junge Menschen großes Interesse an regional und nachhaltig erzeugten Lebensmitteln haben. Gleichzeitig wird oft unterschätzt, wie viel Arbeit hinter einem Produkt vom Bauernhof steckt.“ Gerade die Verarbeitung eigener Lebensmittel sei arbeitsintensiv. Ein Öffnungstag im Hofladen bedeute mehrere Tage Vorbereitung – von der Produktion von Joghurt und Frischkäse über das Backen bis hin zur Verarbeitung der Erdbeeren.

LHStv Geisler betont abschließend: „Dass Lebensmittel täglich verfügbar sind, ist keine Selbstverständlichkeit. Dahinter stehen aktiv wirtschaftende Bauernfamilien, die unsere Versorgung mit viel Einsatz sicherstellen. Der ‚Wölflhof‘ steht beispielhaft dafür, was möglich ist, wenn Wissen, Innovation und Zusammenhalt zusammenkommen. Der bewusste Griff zu regionalen Produkten stärkt nicht nur einzelne Betriebe, sondern sichert Wertschöpfung im ländlichen Raum, erhält unsere Kulturlandschaft und trägt zur Versorgungssicherheit bei.“