- Verleihung des Tiroler Biodiversitäts-Awards in Innsbruck durch LR Zumtobel
- Landwirtschaft und Artenvielfalt gehen Hand in Hand: Tiroler Bio-Betriebe zeigen, wie es geht
- Land Tirol unterstützt Initiative von BIO AUSTRIA Tirol für Artenvielfalt in der Landwirtschaft
Bereits zum zweiten Mal wurde gestern, Freitag, der Tiroler Biodiversitäts-Award verliehen. Im Rahmen des Innsbruck Nature Film Festivals zeichneten BIO AUSTRIA Tirol und das Land Tirol landwirtschaftliche Betriebe aus, die sich auf ihren Feldern und Wiesen gezielt für die Artenvielfalt einsetzen. „Für die Artenvielfalt in Tirol braucht es viele Verbündete, die an einem Strang ziehen. Tirols Landwirtschaftsbetriebe sind wichtige Partner und können wesentlich dazu beitragen, Tieren und Pflanzen den notwendigen Raum und die Zeit zu geben, um den Fortbestand seltener Arten zu sichern. Die Artenvielfalt ist umgekehrt eine wichtige Voraussetzung für eine ertragreiche und zukunftsfitte Landschaft Ich freue mich sehr, dass wir dieses Engagement mit dem Award vor den Vorhang holen können“, gratuliert Naturschutzlandesrat René Zumtobel den drei SiegerInnen: Andreas Kimberger vom Biohof Treffern in Scheffau, Renate Triendl vom Hannesler Hof in Sistrans und Sophia von Buchholz vom Hof Krippach in Absam.
Einreichungen waren in den drei Kategorien „Grünland", „Ackerbau" und „Gemüsebau" bis Ende Mai 2026 möglich. Anschließend wurden jeweils drei Top-Projekte von einer Fachjury ausgewählt, die Betriebe besucht und bewertet. Die Obfrau von BIO AUSTRIA Tirol, Christina Ritter, zeigt Beispiele für Biodiversität am Bauernhof auf: „Der Einsatz für den Erhalt der Artenvielfalt passiert oft ganz leise: Eine Böschung wird später gemäht, eine alte Sorte wird weitergeführt oder ein Lesesteinhaufen bleibt bestehen, um Nützlingen ein Zuhause zu bieten. Gerade weil diese Maßnahmen für die Allgemeinheit oft unsichtbar sind, ist es uns so wichtig, die engagierten Bäuerinnen und Bauern auszuzeichnen.“
Informationen zu den Siegerprojekten
Der erste Platz in der Kategorie Grünland geht Andreas Kimberger vom Biohof Treffern in Scheffau: Am Biohof Treffern prägen Streuobstwiesen mit Totholz, eine Hutweide und Magerwiesen das Bild. Genau hier finden seltene Wildbienen und geschützte Fledermäuse ein Zuhause. Der Betrieb zeigt eindrucksvoll, wie Wiesen und Weiden bewirtschaftet werden und zugleich zum Rückzugsort für bedrohte Arten werden können.
Renate Triendl vom Hannesler Hof in Sistrans gewinnt Kategorie Ackerbau: Auf den Feldern des Hannesler Hofs wachsen sechs Kartoffelsorten und der alte „Rinner Winterweizen“ – im Weizen blüht die Kornblume. Hecken und Blühflächen rund um die Äcker schaffen zusätzlich Lebensraum. Renate Triendl beweist: Wer alte Sorten bewahrt, schützt gleichzeitig die Vielfalt am Acker.
Im Gemüsebau wird Sophia von Buchholz vom Hof Krippach in Absam ausgezeichnet: Am Hof Krippach liegt zwischen den Gemüsebeeten viel Wiese. Hecken und Streuobstbäume bieten Insekten, Vögeln und Kleintieren zahlreiche Rückzugsräume. So wird der Gemüseanbau selbst zum Lebensraum – und die vielen Nützlinge helfen ganz nebenbei bei der Arbeit.
BIO AUSTRIA Tirol und Land Tirol: Kooperation für mehr Vielfalt am Feld
608 Mitgliedsbetriebe zählt BIO AUSTRIA Tirol aktuell. Diese müssen höchste Standards erfüllen und strenge Richtlinien auch zum Schutz der Artenvielfalt einhalten. Überprüft wird das mit einem Biodiversitäts- und Fruchtfolgenrechner, der seit 2021 zum Einsatz kommt. Nachdem sich zeigte, dass insbesondere Betriebe in intensiv genutzten Regionen die Vorgaben aus unterschiedlichen Gründen oft nicht erreichen können, unterstützt das Land Tirol aus Mitteln des Tiroler Naturschutzfonds ein Beratungs- und Förderangebot von BIO AUSTRIA. Rund 80 Betriebe erhalten umfassende Beratung, 25 davon darüber hinaus finanzielle Unterstützung beim Kauf von heimischen Sträuchern und Hecken.
„Unsere Bäuerinnen und Bauern sollen von ihrer Arbeit gut leben können – und gleichzeitig auch die Natur einbeziehen. Das ist kein Widerspruch. Wir wollen den Betrieben dafür praktische Methoden an die Hand geben, mit denen sich Produktion und Biodiversität vereinen lassen. Beispiele sind der abgestufte Wiesenbau, bei dem nicht jede Wiese gleich oft gemäht wird, oder Agroforst, bei dem Bäume und Sträucher gezielt auf Acker- und Grünlandflächen gepflanzt werden“, erklärt Maximilian Gritsch, Geschäftsleiter von BIO AUSTRIA Tirol. Insbesondere die Extensivierung hofferner Flächen oder das Pflanzen vielfältiger heimischer Sträucher und Hecken zwischen den Feldern trägt dazu bei, dass Insekten, Vögel und Kleintiere weiterhin ausreichend Lebensraum finden.
„Die Landwirtschaft spielt beim Klima- und Artenschutz und damit auch in unserer Nachhaltigkeits- und Klimastrategie eine wesentliche Rolle. Viele landwirtschaftliche Betriebe in Tirol setzen bereits auf höchste Qualitätsstandards mit Bedacht auf die Vielfalt unserer Natur und das Tierwohl. Durch ihre Arbeits- und Wirtschaftsweise tragen sie dazu bei, dass seltene Pflanzen- und Tierarten langfristig in Tirol einen Lebensraum finden. Durch den Kauf der hochwertigen Produkte können wir diese nachhaltige Form der Landwirtschaft fördern und damit die Tiroler Bäuerinnen und Bauern, gleichzeitig auch den Artenschutz unterstützen“, so LR Zumtobel.
