Schutzschild Wald: Tirols natürliche Sicherheitsinfrastruktur

Woche des Schutzwaldes vom 5. – 9. Oktober 2026

  • Schutzwälder sichern Lebens- und Wirtschaftsraum
  • Schutzwaldmanagement ist Gemeinschaftsaufgabe
  • Vigeinwald im Villgratental zeigt Herausforderungen und Aufgaben der Zukunft

Von 5. bis 9. Oktober 2026 steht österreichweit die Woche des Schutzwaldes im Zeichen jener Wälder, die für die Sicherheit unseres alpinen Lebens- und Wirtschaftsraums eine zentrale Rolle spielen. In einem Gebirgsland wie Tirol ist der Schutzwald ein unverzichtbarer Bestandteil der Sicherheitsvorsorge. Wetterextreme und die Auswirkungen des Klimawandels haben den Wäldern in den vergangenen Jahren zunehmend zugesetzt. Schutzwälder zu erhalten, zu pflegen und an die veränderten Bedingungen anzupassen wird damit immer wichtiger. Gleichzeitig zeigt sich: Schutzwaldmanagement ist eine langfristige Aufgabe, die nur im Zusammenspiel vieler Beteiligter funktionieren kann. 

„Der Schutzwald ist Tirols natürlicher Schutzschild und zentrale kritische Infrastruktur zur Sicherung unseres Lebens- und Wirtschaftsraums. Damit dieser Schutzschild auch in Zukunft funktioniert, müssen wir heute die notwendigen Weichen für morgen stellen“, betont Forst- und Sicherheitsreferent LHStv Josef Geisler und führt weiter aus: „Die Schutzwirkung des Waldes ist im Alltag oft selbstverständlich – solange sie funktioniert. Wenn diese Schutzwirkung ausfällt, wird innerhalb kürzester Zeit sichtbar, welchen Wert dieser Wald für die Sicherheit unseres Landes hat. Umso wichtiger ist eine vorausschauende Bewirtschaftung.“ 

Schutzwirkung erhalten und stärken

In Tirol sind rund 41 Prozent der Landesfläche bewaldet, mehr als 70 Prozent des Tiroler Waldes erfüllen vorrangig Schutzfunktionen. Sie schützen Siedlungen, Verkehrswege und wichtige Infrastruktur vor Naturgefahren wie Steinschlag, Schneerutschen, Hangbewegungen oder Muren. Damit diese Schutzwirkung erhalten bleibt, müssen Schutzwälder laufend gepflegt und verjüngt werden – denn die Auswirkungen des Klimawandels und zunehmende Schadereignisse verändern die Rahmenbedingungen für den Wald.

Die langfristige Erhaltung der Schutzwirkung erfordert dabei fachliche Begleitung, laufende Beobachtung und rechtzeitige Maßnahmen. Vor allem dort, wo Schutzwälder durch Schadereignisse geschwächt oder großflächig ausgefallen sind, braucht es ein abgestimmtes Vorgehen aller zuständigen Stellen. 

Erst wenn der Schutzwald ausfällt, wird seine Bedeutung sichtbar

Ein Beispiel aus der Praxis – auch dafür, wie komplex Schutzwaldmanagement sein kann – ist der Vigeinwald in Osttirol. Er liegt unmittelbar oberhalb der L273 Villgratentalstraße im Gemeindegebiet von Heinfels. Aufgrund seiner wichtigen Schutzfunktion für die darunterliegende Verkehrsverbindung wurde er bereits 1987 zum Bannwald erklärt und schützte die Straße seit Jahrzehnten vor Naturgefahren wie Steinschlag, Schneerutsch oder Baumsturz. In den vergangenen Jahren wurde der Bestand durch massive Schäden, insbesondere durch Borkenkäfer, stark beeinträchtigt. Auf rund sechs Hektar ist der Waldbestand weitgehend ausgefallen.

Damit ist nicht nur die natürliche Schutzwirkung des Waldes zurückgegangen. Abgestorbene Bäume können bei Sturm oder Nassschnee selbst zu einer Gefahr für die darunterliegende Landesstraße werden. Die Aufarbeitung des Schadholzes ist deshalb ein wichtiger Schritt, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten und die Grundlage für die Wiederherstellung des Schutzwaldes zu schaffen. 

Die Arbeiten sind aufgrund der örtlichen Gegebenheit besonders anspruchsvoll. Das Gelände ist steil, die Fläche nicht über Forststraßen erschlossen und unmittelbar unterhalb verläuft die Landesstraße. Um das Schadholz aus dem Hang zu bringen und die notwendigen Sperren für VerkehrsteilnehmerInnen möglichst kurz zu halten, kamen zwei Seilkräne parallel zum Einsatz. 

Schutzwaldmanagement braucht regionale Zusammenarbeit

Der Vigeinwald zeigt besonders deutlich, dass die Wiederherstellung der Schutzwirkung nur gemeinsam gelingen kann. „WaldeigentümerInnen, der Landesforstdienst, die Landesstraßenverwaltung, die Verkehrsbehörde, ausführende Unternehmen und weitere Fachstellen wie etwa die Landesgeologie müssen hier eng zusammenarbeiten. Gerade bei solch schwierigen Bringungsverhältnissen braucht es das Wissen und die Erfahrung aller Beteiligten“, erklärt Bezirksforstinspektor Hubert Sint. 

Auch das Baubezirksamt Lienz ist als Straßenerhalter eng in die Arbeit eingebunden. „Der Wald schützt die L273 Villgratentalstraße. Deshalb war es für uns besonders wichtig, dass die Schutzfunktion wiederhergestellt wird“, betont Johannes Nemmert, Leiter des BBA Lienz. Für die notwendigen Verkehrsmaßnahmen braucht es ebenfalls eine enge Abstimmung. „Bei solchen Maßnahmen geht es darum, die notwendige Sicherheit zu gewährleisten und gleichzeitig die Auswirkungen auf die Bevölkerung und den Verkehr so gering wie möglich zu halten. Durch die enge Abstimmung mit allen Beteiligten konnten die erforderlichen Sperren und Verkehrsmaßnahmen koordiniert umgesetzt werden“, erklärt Bezirkshauptfrau Bettina Heinricher. 

In die Planung und Umsetzung ist auch die Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) eng eingebunden. Gerade nach großflächigen Schadereignissen gilt es, die entstandenen Schutzlücken möglichst kurz zu halten und die natürliche Schutzwirkung wiederherzustellen. „Schadereignisse haben im Bezirk Lienz in den vergangenen Jahren erhebliche Schutzlücken verursacht. Gerade in steilen Schutzwaldbereichen oberhalb von Straßen und Siedlungen braucht es neben der forstlichen Arbeit auch forsttechnische Maßnahmen“, erklärt Hans-Peter Pussnig, WLV-Gebietsbauleiter. Forsttechnische Maßnahmen können dabei besonders gefährdete Bereiche zusätzlich absichern und die Zeit bis zur Wiederherstellung der natürlichen Schutzwirkung überbrücken. 

Wiederbewaldung als Investition in die Sicherheit von morgen

Mit der Aufarbeitung des Schadholzes ist die Arbeit am Vigeinwald nicht abgeschlossen. Die zentrale Aufgabe der kommenden Jahre ist der Aufbau eines neuen, stabilen und klimafitten Schutzwaldes. Standortgerechte Mischbaumarten, eine gezielte Pflege der jungen Bestände und eine langfristige Begleitung sorgen dafür, dass die Schutzwirkung wiederhergestellt wird.

„Der Vigeinwald steht stellvertretend für viele Herausforderungen, mit denen Schutzwälder in Tirol konfrontiert sind. Borkenkäfer, Trockenheit, Sturmereignisse und weitere Schadfaktoren können über Jahrzehnte gewachsene Waldstrukturen innerhalb kurzer Zeit verändern. Umso wichtiger sind rechtzeitige Maßnahmen und eine nachhaltige Bewirtschaftung“, ist LHStv Geisler überzeugt und betont abschließend: „Der Erhalt der natürlichen Schutzfunktion unserer Wälder ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Das Land Tirol steht Waldeigentümerinnen und Waldeigentümern auch künftig beratend und unterstützend zur Seite. Nur im guten Zusammenspiel aller Beteiligten können wir die Schutzwälder langfristig erhalten und damit einen wichtigen Beitrag für einen sicheren Lebens- und Wirtschaftsraum in Tirol leisten.“


Factbox: Tirols Wald und Schutzwald

41 % der Landesfläche Tirols sind Wald – das entspricht rund 520.000 Hektar.

Rund 70 % der Tiroler Waldfläche haben Schutzfunktion. Damit schützt der Wald Siedlungen, Verkehrswege und Infrastruktur unter anderem vor Lawinen, Steinschlag, Muren und Hangbewegungen.

Rund 33.000 WaldbesitzerInnen bewirtschaften gemeinsam mit rund 7.000 Nutzungsberechtigten den Tiroler Wald.

Schutzwald nach Bezirken:

Bezirk

Waldanteil an der 

Bezirksfläche

Schutzwaldanteil 

an der Waldfläche

Imst

29 %

81 %

Innsbruck-Land

42 %

65 %

Innsbruck-Stadt

41 %

65 %

Kitzbühel

47 %

63 %

Kufstein

56 %

55 %

Landeck

30 %

83 %

Lienz

33 %

79 %

Reutte

54 %

77 %

Schwaz

43 %

66 %