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Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler

Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler

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Landesrat Mario Gerber

Landesrat Mario Gerber

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Landesrätin Cornelia Hagele

Landesrätin Cornelia Hagele

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Landesrätin Astrid Mair

Landesrätin Astrid Mair

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Landesrätin Eva Pawlata

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Landesrat René Zumtobel

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  • Podcast „ins Land einihören"
  • Transkripte
  • Marina Mair |…

Marina Mair | Straßenerhaltungsfachfrau

„ins Land einihören“ | Folge 12

Transkript 

Hinweis: Gesprächsbeiträge im Tiroler Dialekt werden inhaltlich in Hochdeutsch übersetzt.

Einleitung 

Dénes Szechenyi (Moderator):

Das Land Tirol sorgt das ganze Jahr über für sichere und saubere Straßen. Vor allem im Winter sind die fast 400 Mitarbeiter in den 14 Straßenmeistereien gefordert. Über 2.200 Kilometer Straßen sind zu räumen. Die durchschnittlichen Kosten dafür belaufen sich auf 15 Millionen Euro pro Jahr. Die Mitarbeiter sind im Winter im Schichtdienst. Das heißt, Dienstbeginn ist um 4 Uhr in der Früh. Die Belastung ist im Winter wesentlich höher. Schließlich müssen die Mitarbeiter ständig in Bereitschaft sein. Bis vor wenigen Jahren waren die fast 400 Mitarbeiter nur Männer. Herzlich willkommen, Marina Mair. Sie sind die erste Frau im Straßendienst des Landes Tirol und ihre Hauptaufgabe im Winter ist das Schneeräumen und zwar mit einem richtig schweren Laster. 20 Tonnen wiegt der und sie räumen die Straßen im Wipptal und im Stubaital und die Seitentäler des Wipptals. Sie sind in der Straßenmeisteri Matrei am Brenner stationiert und sie haben ihren Dienst als erste Frau am 1. Oktober 2018 angetreten. Sie sind gebürtige Trinserin aus dem Gschnitztal. Das stimmt?

Marina Mair: 

Ja. Ur-Trinserin 

Szechenyi: 

Bitte? 

Mair: Ur-Trinserin

Interesse für Technik

Szechenyi: 

Gelernte Kfz-Technikerin und Kfz-Elektrotechnikerin. Und sie haben auch noch zusätzlich dann später eine Lehre als Straßenerhaltungsfachfrau beim Land gemacht. Woher kommt dieses Interesse an Technik bei Ihnen? 

Mair: 

Ja, ich denke, das habe ich von daheim schon mitbekommen, vom Vater auch. 

Szechenyi:

In Trins?

Mair: 

Ja in Trins. Und ich muss sagen, für mich hat's eigentlich nie wirklich etwas anders geben. Ich bin mit dem Vater schon immer mitgegangen. Wir haben eine Landwirtschaft betrieben früher. 

Szechenyi:

Achso und da hat es die Traktoren geben und die Maschinen. 

Mair: 

Ja, zu der Zeit war es noch ein Schlepper. Traktoren haben wir da noch nicht gehabt und die hab wir natürlich auch richten müssen, die Mähmaschine und die ganzen technischen Sachen halt, Motorsäge sonstige Sachen und da bin ich halt tatkräftig zur Seite gestanden. 

Szechenyi:

Und Sie sind auch kräftig zur Seite gestanden beim Schilift in Trins. 

Mair: 

Ja, genau. Ja, da habe ich auch geholfen, beschneien über Nacht. Da haben wir die Schneekanonen auf zwei Schlepper gebaut und ja noch Heizgnome einbauen damit sie wieder starten bei -20°. 

Szechenyi:

Das haben Sie schon als kleines Mädel gemacht oder wie? 

Mair: 

Ja, da war ich jetzt nicht mehr so klein. 

Szechenyi:

Okay. 

Mair: 

Da war ich schon gelernte Kfz-Technikerin natürlich oder halt in der Lehre noch. 

Szechenyi:

Aber das Interesse an Technik ist vom elterlichen Hof kommen vom Vater, der da auch schon viel selber gemacht hat, nehme ich an. 

Mair: 

Ja, ja, natürlich. Der hat immer alles selber versucht zu reparieren. Immer ist es natürlich nicht geglückt, aber ja. 

Szechenyi:

Ja. Und da waren Sie immer fleißig dabei. 

Mair: 

Ja. 

Weg zum Land

Szechenyi:

Sie haben dann als Jugendliche zwei Lehren abgeschlossen, nämlich wie schon erzählt Kfz-Technikerin und Kfz-Elektrotechnikerin. Dann haben sie mal in der Privatwirtschaft ein bisschen gearbeitet, als junge Dame und sich dann beim Land beworben. Wie ist es dazu kommen? 

Mair: 

Ja, das ist so gewesen: Ich bin zufällig mit einem Mitarbeiter der Straßenmeisterei zum Reden gekommen und der hat gesagt, dass sie Leute suchen. Ob ich nicht Interesse hätte.

Szechenyi:

Leute suchen wofür? 

Mair: Ja, in der Straßenmeisterei. Da sollte man ja eigentlich alles kennen, nicht nur LKW fahren, da gehört ja mehr dazu. 

Szechenyi:

Ja, sind ja alles eigentlich Handwerker, oder? 

Mair: 

Alles Handwerker, ja. Viele Maurer und ja, alles hochbegabte Menschen. 

Szechenyi:

Okay, also sie sind da beim Kaffee gesessen – und…

Mair: 

Ja so ungefähr. Ja. Und da hat er eben gesagt, dass eine Stelle frei wäre in der Straßenmeisterei Matrei und ob ich Interesse hätte. Und er ist selbst LKW gefahren, also im Winterdienst und der gesagt, ich kann es mir gerne mal anschauen dann bin ich mit ihm mitgefahren und habe gesehen, das ist genau das was ich machen will. Das ist mein Job.

Ausbildung und Arbeit als Frau in Männerdomäne

Szechenyi:

Sie haben dann eben beim Land die Lehre als Straßenerhaltungsfachfrau gemacht, als sie dann schon etwas "länger jung" waren, also schon über 30. Die Ausbildung dazu hat's also nicht in Tirol gegeben, sondern die hat's in Freitstatt in Oberösterreich gegeben. Das haben Sie quasi die Schulbank gedrückt und das unter anderem fast durchgehend mit 16-jährigen jungen Burschen. Das waren ein paar Wochen, die sie dort verbracht haben. Wie war denn das mit so jungen Burschen die Schulbank zu drücken? 

Mair: 

Ja, also man kann sagen, das war einmal ein Erlebnis. Also ich war 20 Wochen oben in Freistatt und ich habe mir natürlich eine Pension gesucht, weil ich nicht ins Internat wollt, weil da war man natürlich mit drei Mädels mit 16-jährige im Zimmer gewesen und dann habe ich mir natürlich selbst eine Pension gesucht und ja, was soll ich sagen? 

Szechenyi:

Also, da waren schon damals auch schon drei Mädels mit von der Partie, die auch diese Lehre gemacht haben. In Österreich. 

Mair: 

In der Berufsschule sind mehrere Sachen unterrichtet worden, nicht nur Straßenerhalter, sondern Tiefbau und Maurer, also Hochbau. 

Szechenyi:

Aber Sie waren sie waren die erste Frau, die sich in der Straßenerhaltungsbranche sich dann ausbilden hat lassen? 

Mair: 

In Tirol schon, ja. In Oberösterreich, also mit mir in der Klasse sind noch in der zweiten und dritten Klasse ist jeweils noch eine Dame gewesen. 

Szechenyi:

Jetzt sind Sie in der Straßenmeisteri in Matrei am Brenner stationiert. Und auch hier: 29 Männer sind dort. Wie war es denn überhaupt generell auch schon in der Schule in so eine reine Männerdomäne einzusteigen. Schon damals beim Gespräch, wo der Mitarbeiter gesagt hat, du, wir brauchen in der Straßenmeisterei jemanden, der da LKW fährt, da muss es ja auch schon irgendwie bisschen ein eigenartiges Gefühl gewesen sein, weil das waren ja damals auch nur Männer dort. 

Mair: 

Ja, ich muss sagen, ich bin eigentlich von klein auf immer mit Buben oder Männer unterwegs gewesen. In der Nachbarschaft waren alles gleichaltrige Buben. Jetzt bin ich natürlich mit alles Buben auf dem Weg gewesen und das hat sich noch einfach so durch mein Leben gezogen. Also auch schon von der Ausbildung her, ich hab ja zwei Jahr HTL Maschinenbau gemacht, da war natürlich auch alles nur Buben und dann Mechaniker da war ich auch das einzige Mädchen in der Klasse und ich habe eigentlich immer nur mit Männern gearbeitet. Also das in der Straßenmeisterei war jetzt für mich jetzt nicht besonderes mehr, dass alles nur Männer sind.

Szechenyi:

Ticken Männer anders als Frauen? 

Mair: 

Ich denke schon. Ja, aber das mit den reden stimmt nicht, weil die reden mindestens gleich viel wie die Frauen. 

Szechenyi:

Mit dem reden stimmt nicht. Das heißt, dass die Männer schweigsamer sind oder wie? 

Mair: 

Ja, genau. 

Szechenyi:

Aber die reden genauso viel. 

Mair: 

Mindestens. 

Szechenyi:

Mindestens. Sie haben jetzt ihren Job seit fast sechs Jahren fahren sie schon mit dem LKW und alles und seit 2018 haben wir gehört sind Sie im Landesdienst. Und was auch etwas Neues ist, sie sind in der Personalvertretung auch drinnen? 

Mair: 

Ja, bin zur Personalvertreterin gewählt worden in der Straßenmeisterei und da müssen wir schauen, dass wir vielleicht noch ein paar Verbesserungen hinbringen für die Mitarbeiter, aber ansonsten haben wir es ziemlich gut laufen. 

Szechenyi:

Ja, super. Sie haben alle Führerscheine eigentlich. Sie könnten sogar theoretisch da in Innsbruck mit der Straßenbahn fahren. Sie haben aber nicht den A Führerschein gemacht, das Motorrad, da haben Sie Respekt davor. Da ist Ihnen der 20-Tonner lieber als das Motorrad. 

Mair: 

Auf alle Fälle, weil mit dem 20-Tonner bin ich sicher, mit dem Motorrad, da bin ich sozusagen da, also das Schutzschild ist da weg. Also ich bin ich bin einmal mitgefahren bei einem Kollegen und das ist mir einfach zu gefährlich, weil ich weiß, wenn man so ein Gerät hat und die gehen anständig, da fährt man schneller und das ist mir zu gefährlich das möchte einfach nicht riskieren. 

Szechenyi:

Also es sieht Sie auch nicht an diesen fehlenden Führerschein auch noch zu machen. 

Mair: 

Nein, auf keinen Fall im LKW bin ich sicher. 

Großer Pflug und Nanotech: Schneeeinsätze

Szechenyi:

Okay, im 20-Tonner sicherer. Sie hatten dieses Jahr schon die ersten Schneeeinsätze. Wie war das? Wann war das und wie? 

Mair: 

Ja, wir haben jetzt schon einige Schneeeinsätze gehabt. Es war jetzt eigentlich immer wieder, hat es so 5 Zentimeter geschneit.

Szechenyi:

Ja, aber das ist ja nichts für Sie, oder? 

Mair: 

Na eben. Es ist schon mal noch ein bisschen traurig der Winter. Ja es war immer weniger, nur einmal waren es 10 cm aber da hat leider der Arbeitskollege Dienst gehabt. Ich habe Nachmittag nur noch aufgeräumt. Ja, jetzt hoffen wir das noch bisschen Schnee kommt, dass wir Arbeit haben.

Szechenyi:

Das wird er bestimmt. Wie gesagt, Sie fahren den Schneepflug ja schon seit 6 Jahr Jahren, der Pflug hat jetzt von Ihnen keinen Namen bekommen wie irgendein Auto oder sonst was manchmal auch Namen bekommt, aber Sie haben zu Beginn der Saison ein ganz spezielles Ritual, dass sie am Fahrzeug durchführen und zwar hat es mit die Scheiben zu tun. 

Szechenyi:

Ja, ganz genau. Die Scheiben, also die Seitenscheibe, die Spiegel, das lasse ich immer mit Versiegelung ein, also so ein Nanotechmittel.

Szechenyi:

Also ganz was spezielles. 

Mair: 

Ja, weil wenn man jetzt Pflug fährt und es ist ziemlich ein matschiger Schnee, dann wirft es alles auf die Scheiben und auf die Seitenscheiben und dann haftet es da oben nicht und rutscht gleich wieder runter und sonst sieht man einfach nicht mehr raus. Wir haben an der Bundesstraße viele Mauern und wenn man natürlich an die Mauern räumt, dann spritzt dann da der ganze Schneematsch rauf und dann sieht man nichts mehr im Spiegel. 

Szechenyi:

Aber die Spiegel und Scheiben werden am Beginn der Saison eigentlich einmal so richtig wahrscheinlich mehrmals mehrere Schichten, oder?

Mair: 

Ja, man wiederholt das immer wieder. Ja. Ja, das wirkt Wunder. 

Szechenyi:

Was bewirkt es jetzt dieses Nano- diese Nanoschicht? 

Mair: 

Dass der Schneematsch gleich wieder runterrutscht. Er bleibt nicht auf der Scheibe kleben. 

Szechenyi:

So wie bei einem Regentropfen auf einem Blatt. 

Mair: 

So ungefähr, ja. 

Beste Schneepflugfahrerin im Wipptal

Szechenyi:

Ah, okay, okay, okay. Sie haben einmal gesagt, war ist schon ein paar von Jahren her, ich möchte die beste Schneepflugfahrerin im Wipptal werden. Das sind Sie ja schon, weil Sie die einzige sind. 

Mair: 

Ja, so kann man das sagen. Ja, das war jetzt nicht wirklich schwierig, aber ich denke, es könnte ja noch Konkurrenz nachkommen. 

Szechenyi:

Was macht denn eine gute oder was macht die beste Schneepflugfahrerin des Wipptals aus? Was muss sie können, damit sie sich selber auch und auch die Kollegen sagen können, boah, das ist die beste. 

Mair:

Ja, im optimalsten Fall schafft man es, dass niemand hängen bleibt auf der Straße, dann würde ich sagen ist man eine gute Schneepflugfahrerin. 

Szechenyi:

Aber das heißt einfach nicht jetzt ein Fahrkönnen oder ein technisches Können, sondern einfach nur zu schauen, dass die Straßen schneefrei ist. 

Mair: 

Ich denke alle, was auf der Straße mit ein Pflug haben, die haben das notwendige Können.

Szechenyi:

Na ja, ich hab's gesehen, dieses Gerät. Also da muss man schon noch mal paar Meter aufsteigen, damit man überhaupt zum Sitzen kommt. Und dann ist es ein Riesengerät. Also da denke ich mir, da gehört dann schon doch einiges dazu. Es gibt, um noch einmal zurückzukommen auf besten Schneepflugfahrerinnen im Wipptal. Es gibt ja Staatsmeisterschaften, Europameisterschaften und sogar Weltmeisterschaften im Schneepflug fahren. Ist das ein Ziel für Sie? 

Mair: 

Na, da muss ich sagen, ich glaube, da muss man ziemlich viel Zeit aufwenden und trainieren, weil die schieben da ja Ringe durch die Gegend und die sieht man nicht. Also das ist eine Frage des Trainings. Ich glaube die tun sich da ganz viel an, um da wirklich gut zu sein und da mitzumachen und was ich jetzt so gesehen habe, ich weiß nicht, ob es stimmt, aber die fahren eigentlich alle mit Unimog. 

Szechenyi:

Also mit wesentlich kleineren Geräten als ja schon klein, aber die Krone der Schneepflugkönigin des Wipptals, die haben sie ja bereits, gell? 

Arbeitsalltag im Winter in der Straßenmeisterei 

Szechenyi:

Kommen wir mal kurz zu ihrem Arbeitsalltag im Winter. Sie haben ja Sommerdienstplan und Winterdienstplan. Vom 1. November bis 31. März ist der Winterdienstplan für alle in den Straßenmeistereien in Tirol tätigen. Das heißt unter anderem Dienstbeginn ist um 4 Uhr in der Früh. Dienstbeginn sagen wir mal und das ist eigentlich noch früher als irgendein Morgenmoderator im Radio. Wie schaut so ein Arbeitstag aus? Da stehen Sie ja wahrscheinlich um 3 Uhr schon auf? 

Mair: 

Ja, ich stehe so um 10 nach 3 auf, trinke noch gemütlich ein Kaffee. 

Szechenyi:

In Trins?

Mair: 

In Trins habe ich ja eigens einen Platz gekriegt, wo ich den LKW abstellen kann. 

Szechenyi:

Der steht schon bei Ihnen drinnen, wenn sie Dienst haben. 

Mair: 

Ja, genau. Ich fahre ja am Abend davor Jahr Dienst, das heißt, da fange ich um 13 Uhr an und bis 19:30 Uhr Dienst und dann kann ich ihn zu Hause aufstellen. 

Szechenyi:

Schnappen sie den LKW und fahren gleich heim. 

Mair: 

Genau. Ja, so ist es. Und natürlich, wenn ich in der Nacht ausrücken muss, kann man da natürlich auch gleich einsteigen und fahren. 

Szechenyi:

Das heißt, es kann durchaus auch sein, dass in der Nacht ein Anruf kommt und es geht los.

Mair: 

Ja, das kann passieren. Auch da, wenn es regnet natürlich ist ganz schlecht. Weil es kann ja passieren, dass in der Nacht einmal, wenn es wärmer ist regnet und der Boden ist gefroren und dann ist die ganze Strecke natürlich eisglatt und dann rücken wir aus. 

Wettervorhersagen als wichtige Basis

Szechenyi:

Und dann können Sie gleich direkt von zu Hause aus die Trinserstraßen auch gleich miträumen, wenn sie auf dem Weg auch zum Räumbezirk sind. Ein ganz wichtiger Teil ihrer Arbeit ist die Wettervorhersage, die sie ja auch erhalten. Und zwar sie haben da ganz eigene Verbindung zum Wettergott. Wie schaut denn das aus? 

Mair: 

Ja wir kriegen da von der GeoSphere den Wetterbericht und wir kriegen eigens für unsere Strecken für die Ortschaften, ein eigenes E-Mail mit einem detaillierten Wetterbericht, also mit der Temperatur mit Schneefall, wie viel Schneefall oder Regen, also…. 

Szechenyi:

und das alles auf zeitlich sehr eingegrenzt habe ich gesehen. Das ist Karte, wo man auch wirklich sieht, fast genau auf dem Meter hin, wo kommt Schnee, wo ist dann Regen. Das ist eine sehr sehr genaue Wetterkarte, die nur für euch gemacht wurde. 

Mair:

Ja, da kann man eigentlich relativ genau sagen, wie wann wo Schnee fallen wird, aber es ist auch so, es stimmt nicht immer so ganz genau, es ist schwierig mit dem Föhn, da denke ich den sich die Wetterexperten relativ schwer. Dass sie das wirklich einschätzen können. Oft schiebt es dann einfach weiter zurück, den Schneefall…

Szechenyi:

Und höher hinauf?

Mair: 

Ja, das geht oft schnell, dass die Temperatur sinkt. Wenn der Föhn aufhört wird relativ schnell kalt. 

Szechenyi:

Ja, es ist ja nach wie vor so, dass es plötzlich zu massenhaft Schneefall kommt auch im Wipptal wegen des Föhns? 

Mair: Ja. Ja. 

Szechenyi:

Also, das heißt, man muss ein bisschen selbst das Wetter kennen im Tal. 

Mair: 

Ja, wir Winterdienstler sagen immer: Das Wetter sehen wir, wenn wir da sind. 

Szechenyi:

Okay, also sie lassen sich nicht überraschen. 

Mair: 

Ja, es gibt Fälle, die man nicht vorhersehen kann, wo es aus dem Nebel schneit, da hat man keinen Pflug mit - unvorhergesehen - ist da die Straße weiß liegen, 2 bis 5 cm hat es aus dem Nebel rausgeschneit. 

Szechenyi:

Und dann?

Mair: 

Dann drehe ich um und hole den Pflug. 

Szechenyi:

Und es wird mal ordentlich gesalzen. 

Mair: 

Mhm

Mairs tägliche Strecke 

Szechenyi:

Ihr Einsatzgebiet, wenn sie um 4 Uhr in der Früh aus der Haustür rausgehen und in den Laster steigen, dann fahren sie mal von Trins nach Matrei. Aber Ihre Strecke ist ja eigentlich immer die gleiche. Sie ist, das sind die Seitentäler des Wipptals. 

Mair: 

Meine Strecke geht von Matrei Kiosk bis ins hintere Stubaital hinein. 

Szechenyi:

Also vorranig einmal die die Brenner Bundesstraßen…

Mair: 

Ja die B 182 und die B 183 und dann noch Telfs und Fulpmes hinein, das ist auch alles Landesstraße. 

Szechenyi:

Bis Ranalt, das ist ziemlich weit hinten im Stubaital und dann geht es noch weiter Richtung Gletscher. Aber in Ranalt ist einfach Schluss… 

Mair: 

Da ist fertig…

Szechenyi:

Und Sie müssen umdrehen?

Mair: 

Ja, genauso ist es. 

Szechenyi:

selbst wenn da drüben am nächsten Ende auch noch mal 70 Zentimeter Neuschnee liegen. 

Mair:

Ja, so ist es. Da ist unsere Straße fertig, da wird umgedreht, da gibt's nichts. 

Szechenyi:

Da beginnt dann die Gletscherstraße und die ist privat und die wird nicht vom Land geräumt. 

Mair: 

So ist es. 

Szechenyi:

So ist es. Aber es sind ja nicht nur die zwei Bundesstraßen, sondern es sind ja auch die ganzen Seitentäler im Wipptal mit dabei. 

Mair: 

Ja. Das gehört alles zu uns dazu. 

Szechenyi:

Jetzt habe ich in Erinnerung, dass da relativ enge Straßen sind, enge Teile drinnen sind. Ist das ein Problem oder ist es eine Schwierigkeit oder? 

Mair: 

Man muss einfach langsamer fahren und mehr aufpassen, dann ist das überhaupt kein Problem und ich sag jetzt in der Früh geht das noch meistens super mit Räumen. 

Szechenyi:

Da sind noch nicht viele Leute unterwegs… 

Mair: 

Ja, so ist es und dann muss man einfach aufpassen und langsamer fahren und ich sage, die Leute, wenn sie den Schneepflug kommen sehen, dann weichen sie schon aus. Und das haut eigentlich ganz super hin. 

Szechenyi:

So, das heißt, am Anfang sind es recht einsame Fahrten. Da ist noch nicht viel los auf der Straße, aber einmal ist Ihnen plötzlich ein Reh auf der Straßen gelegen…

Mair

Ja. 

Szechenyi:

Und hat sich das hat sich nicht gerührt. 

Mair: 

Ich bin am Anfang gefahren und da hat es sicher über 20 cm Schnee auf der Straße gehabt und es war noch Schneefall…

Szechenyi:

Also die Sicht auch nicht so richtig…

Mair: 

und dann seh ich vor mir im Schnee. Ich habe den Pflug rumgerissen und bin ich ja ausgestiegen, um zu schauen. Es war ein Reh und dem habe ich natürlich eine volle Ladung Schnee rübergelassen. Ich habe es ausgegraben und auf die Seite gestellt, in der Hoffnung, dass es weiterlebt. 

Szechenyi:

Es hat sich auch gefallen lassen, dass es ausgegraben wurde…

Mair: 

Ja, ich denke, es wird schwach gewesen sein. 

Herausforderungen für das Auge

Szechenyi:

Sie haben Ihren Lkw sicher im Griff, aber Sie haben gesagt, besonders anstrengend ist jetzt nicht das Fahren oder das Konzentrieren, sondern besonders anstrengend ist es für die Augen. 

Mair: 

Ja, es ist wenn jetzt starker Schneefall ist und man hat ja auch die Blitzleuchten eingeschaltet, wenn man mit dem Pflug fährt. 

Szechenyi:

Blitzleuchten ist das gelbe Rundlicht…

Mair: 

Genau die Drehleuchten. Ja. Damit die Autofahrer einen gut sehen. Und man hat immer das Geblitze und der starke Schneefall, also da muss man sich echt konzentrieren und oft ist ja natürlich so schlimm, dass man echt froh ist, wenn man noch einen Schneestecken sieht. Wenn der Wind stark geht da sieht man manchmal fast gar nicht mehr. Also so ohne ist das alles nicht. 

Szechenyi:

Nein, das behaupte ich auch nicht. Es sind ja auch die Scheinwerfer am Dach oben also direkt über den Kopf drüber da sind dann die richtigen Scheinwerfer. Also, wenn man bei Schneefall einmal schon gefahren ist und den Scheinwerfer einschaltet, dann weiß man, man sieht eigentlich fast gar nichts mehr. 

Mair: 

Ja. 

Sole statt Salz

Szechenyi:

Und da auch die Nanoscheiben, die geputzten, die dann ein bisschen an Durchblick bringen. Auf Ihrem Lkw, habe ich gesehen, da gibt es nicht mehr diese tonnenschwere Salzlast die da oben am Anhänger drauf ist, sondern sie haben einen blauen Tank auf dem Aufbau. Wozu ist der? Also sie sie tun eigentlich flüssig streuen. 

Mair: 

Ja, genau. Das ist der Soletank. Das heiß das ist eigentlich einfach gesagt Salzwasser. Das bringt den Vorteil, dass man einfach mit Streuen, weil Salz selber ist ja trocken und das staubt auch und wenn es jetzt auf die Straße fällt kann passieren, dass es nicht gut liegen bleibt…

Szechenyi:

und verweht wird. 

Mair: 

Ganz genau. Und auch wenn der Wind geht kann es passieren, dass es verweht wird und durch die Sole wird Salz noch mal angefeuchtet und bleibt viel besser liegen auf der Straße. Kommt auf der Straße an und bleibt liegen. 

Szechenyi:

Also macht's aber nicht rutschig deswegen…

Mair: 

Nein.

Szechenyi:

Sondern es wirkt sofort. 

Mair: 

Ja. 

Szechenyi:

Es wirkt sofort und wird sofort nass. Ein großer Vorteil, ich meine, es macht es glaube ich auch vom Gewicht her ist es Unterschied, aber vor allem verbraucht viel weniger Salz. Also, es ist umweltfreundlicher eigentlich diese Sole. 

Mair: 

Ja, das ist natürlich auch Vorteil, ja, dass man einfach weniger Salzverbrauch hat. Man kann eigentlich mit der gleichen Grammzahl, wenn jetzt mit Sole fahren, kann man eigentlich mit der gleichen Grammzahl fahren als wenn man nur mit rein Salz fahren würde. 

Szechenyi:

Und taut es jetzt dann schneller als normales Salz oder also ist es gleich von der Temperatur her? 

Mair: 

Nein, das kann man sagen. Also, wenn man jetzt sagen mal ganz wenig Schnee hat oder Eis hat, dann reißt es gleich viel schneller auf. 

Szechenyi:

Ah okay. 

Mair: 

Ja, die Fahrbahn, also das wirkt super. Also wir sind mal begeistert in der Straßenmeisterei. Am Anfang waren wir schon ängstlich gewesen, weil man sagt ein Wasser auf die Straße ist, aber es hat sich heraus gestellt, dass es wirklich funktioniert. Ja, es reißt schneller auf. Ja, muss vielleicht dann nochmal salzen. 

Szechenyi:

Also vorne wird der Schnee weggeschauftelt und hinten wird verhindert, dass zusätzlich sich Eis bildet oder sonst irgendetwas.

Mair: 

Ganz genau!

Schneepflüge nicht überholen

Szechenyi:

Es gibt, haben Sie mir erzählt oder auch die Mitarbeiter in der Bauabteilung , es gibt das ungeschriebene Gesetz in der Branche, einen Schneepflug soll man als Autofahrer nicht überholen. Ich nehme jetzt mal auch mal an, dieses ungeschriebene Gesetz kennen nicht allzu viele Autofahrer. Es ist vielleicht nur ein internes Gesetz, zumal ja die Schneepflüge nicht schneller als 40 km/h fahren dürfen. Wie ist denn die Disziplin der Autofahrer, wenn es dann in den Berufsverkehr kommt? 

Mair: 

Ja, da wird's immer ein bisschen heikel, aber es ist halt einfach so, ich möchte es einfach sagen, dass die Leiten mal hören, es ist einfach extrem gefährlich einen räumenden Schneeepflug zu überholen. Wann der Schnee sehr nass ist, kann der Schneematsch auch links vom Pflug rausspritzen und außerdem kommt man beim Überholen ja dann auf die ungeräumte Straße und dann wird vielleicht die Windschutzscheibe angespritzt und sieht nichts - auch bei trockenem Schnee, der aufgewirbelt wird. Da kann es zu Unfällen kommen. Und es ist einfach so, dass am sichersten ist, hinterm Räumfahrzeug. Also Meine persönliche Empfehlung ist, einen räumenden Schneepflug einfach nicht zu überholen. 

Szechenyi:

Was geht in Ihnen vor, wenn einer trotzdem es tut und Sie fahren gerade? 

Mair: 

Ja, wenn dann eine gefährliche Situation entsteht, weil jemand entgegen kommt, und man muss noch bremsen, das ärgert einen. Es ist natürlich auch, wenn ich die Haltestellen räume, dann fährt man natürlich in die Haltestelle rein und gleich wieder raus, weil wenn ich jetzt jedes Mal stehen bleibe in der Haltestelle dann komme ich auch nicht vorwärts.

Szechenyi:

 Also ein Aufruf: Bitte keine räumenden Schneefahrzeuge überholen. 

Mair: 

Ja. Ich sage: Besser "ganz" heimkommen und 10 Minuten später. 

Arbeit im Sommer

Szechenyi:

Sie sind ja nicht nur im Winter im Einsatz, Sie sind ja auch im Sommer im Einsatz, aber da fahren sie natürlich nicht Schneepflug, sondern wie schaut denn Ihr Sommerdienst aus? 

Mair: 

Ja, im Sommer da gibt's in der Straßenmeisterei ein Haufen Arbeit, also das sind Mäharbeiten neben der Straße, die ganzen Kanäle müssen gewaschen werden. Es gibt jede Menge Erhaltungsarbeiten, also Mauersanierungen und also da ist Arbeit ohne Ende. Wir sammeln auch den Müll ein. Sehr viel Müll. Die Menschen werfen wirklich viel aus den Autos. 

Szechenyi:

Immer noch? 

Mair: 

Ja, immer noch. Man hat gemeint, mit den Pfandflaschen wird es besser, aber es hat da nicht wirklich was genutzt. 

Szechenyi:

Okay. Sie waren im Sommer ja auch bei diesem großen Murenabgang im Gschnitztal im Einsatz. Das ist auch Teil Ihrer Sommerarbeit, nämlich die Straßen von Muren zu befreien oder zu säubern. 

Mair: 

Ja, also ich selber war jetzt nicht im Gschnitztal, aber natürlich viele meiner Kollegen. Ich war im Stubaital, da gab es im Sommer ja auch einen Murenabgang. 

Szechenyi:

Auch heuer im Sommer, ja, genau. 

Mair: 

Ja, da haben wir in der Nacht schon die Straße gesperrt. An nächsten Tag muss man halt schauen, dass man die Straße wieder aufbringt, aber…

Szechenyi:

Also sind sie auch im Sommer aus dem Bett gerissen worden und ab zum Dienst.

Mair: 

Natürlich. Es hat auch im Sommer immer jemand Bereitschaft, also wenn eine Notsituation eintretet, dann sind wir gleich zur Stelle. 

Szechenyi:

Dann müsst ihr dastehen…

Mair: 

Ja. Und ich sag so wie das in Gschnitz war, da kommen natürlich ganz viele Helfer dazu, das wäre alleine nicht machbar. Da haben wir auch Frächter. 

Szechenyi:

Die Frächter haben Sie ja auch, wenn es dann wirklich hoch hergeht und wenn es mal 70 cm Schnee hinhaut, da gibt's dann auch Helfer, die einspringen und miträumen. 

Mair: 

Ja, so ist es. Also im Winter, wenn es viel schneit, haben wir auch einen Frächter weil die Strecken sonst zu lange wären. Das schafft man nicht alleine. Ins Stubaital ist es auch breit, also fein, wenn man zu zweit unterwegs sein kann. Da hat eigentlich jede Partie hat da ein Frächter dabei, der jederzeit angerufen werden kann und innerhalb einer Stunde einsatzbereit ist und mithilft. 

Wintermensch: Freizeit von Mair

Szechenyi:

Das klingt jetzt sehr nach einem sehr anstrengenden, aufreibenden Beruf. Wie schalten Sie den ab? Was machen Sie in Ihrer Freizeit? 

Mair: 

Ja, ich habe zwei Hunde, mit denen gehe ich viel spazieren natürlich und Schneeschuhwandern, aber sonst im Winter muss ich sagen bin eigentlich schwer Winterdienst beschäftigt, weil wenn man jetzt frei hat und es schneit am Wochenende, wo der Kollege Dienst hat, da schaut man natürlich auch in die Kamera, wie es ausschaut. 

Szechenyi:

Aber Sie sind tatsächlich ein Wintermensch…

Mair: 

Ja, auf alle Fälle ist viel feiner wenn es im Winter kalt ist und Schnee als im Sommer die Hitze ist mir der Winter viel lieber.

Verabschiedung

Szechenyi:

Marina Mair von der Straßenmeisterei Matrei am Brenner. Herzlichen Dank für Ihren Besuch im Studio. Danke fürs Kommen. 

Mair: 

Danke für die Einladung. 

Szechenyi:

Das war ein Podcast des Landes Tirol mit der ersten Straßenerhaltungsfachfrau Tirols Marina Mair. Die gebürtige und auch noch heute dort lebende Trinserin fährt im Winter mit einem 20 Tonnen Schneepflug. Am meisten beansprucht werden bei diesen Fahrten die Augen. Mair hat eine ganz besondere Technik, um die Scheiben und Spiegel ihres Fahrzeugs lange sauber zu halten. Sie wünscht sich, dass das ungeschriebene Gesetz, wonach Räumfahrzeuge im Einsatz nicht überholt werden sollen, mehr eingehalten wird von den Autofahrern. Und immer noch schmeißen die Autofahrer viel zu viel Müll aus ihren Fahrzeugen. Ins Land einihören, der Podcast des Landes Tirol, den findet ihr auf tirol.gv.at/podcast, auf allen gängigen Podcast-Plattformen und auf YouTube. Danke fürs Zuhören und fürs Zusehen. Bis zum nächsten Mal sagt Denes Széchényi

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