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Landeshauptmann Anton Mattle

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1. Landeshauptmann-Stellvertreter Philip Wohlgemuth

1. Landeshauptmann-Stellvertreter Philip Wohlgemuth

Zuständig für Wohnbauförderung, Hochbau, Sport, Integration sowie die Liegenschaften des Landes

Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler

Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler

Zuständig für Land- und Forstwirtschaft, Grundverkehr, Raumordnung, Straßenbau, Energie, Traditionswesen

Landesrat Mario Gerber

Landesrat Mario Gerber

Zuständig für Wirtschaft, Tourismus sowie Digitalisierung

Landesrätin Cornelia Hagele

Landesrätin Cornelia Hagele

Zuständig für Gesundheit, Pflege, Bildung sowie Wissenschaft und Forschung

Landesrätin Astrid Mair

Landesrätin Astrid Mair

Zuständig für Sicherheit, ArbeitnehmerInnen, Generationen sowie Zivil- und Katastrophenschutz

Landesrätin Eva Pawlata

Landesrätin Eva Pawlata

Zuständig für Soziales, Inklusion sowie Frauen

Landesrat René Zumtobel

Landesrat René Zumtobel

Zuständig für Verkehr sowie Umwelt- und Naturschutz

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    In den parlamentarischen Materialien finden Sie die jeweiligen Tagesordnungen zu den Sitzungen sowie die behandelten Verhandlungsgegenstände.

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    - der Podcast des Tiroler Landtags. Zwei Abgeordnete aus unterschiedlichen Fraktionen treffen aufeinander, um über Themen zu diskutieren, die Tirol bewegen – direkt in der Sache, respektvoll im Ton.

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  • Podcast „ins Land einihören"
  • Transkripte
  • Podcast mit Ines Bürgler |…

Podcast mit Ines Bürgler | Vorständin der Abteilung Gesellschaft und Arbeit

„ins Land einihören“ | Folge 19

Transkript 

Hinweis: Gesprächsbeiträge im Tiroler Dialekt werden inhaltlich in Hochdeutsch übersetzt.

Einleitung

Dénes Széchényi (Moderator): „Ins Land einihören“ – das ist der Podcast des Landes Tirol.

Tirol hat derzeit 778.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Die Bevölkerung wächst allerdings nicht durch Geburten, sondern durch Zuwanderung – am stärksten aus unserem EU-Nachbarland Deutschland. Immer mehr Frauen entscheiden sich gegen Kinder. Die sinkende Geburtenrate verändert die Gesellschaft. Gleichzeitig haben die Tirolerinnen und Tiroler die höchste Lebenserwartung aller Bundesländer. Auch der zunehmende Fachkräftemangel stellt eine große Herausforderung dar. Das Land Tirol reagiert auf diese gesellschaftlichen Entwicklungen frühzeitig und setzt entsprechende Maßnahmen.

Mein heutiger Gast ist Ines Bürgler, Vorständin der Abteilung Gesellschaft und Arbeit. Sie haben Rechtswissenschaften studiert und wollten ursprünglich Richterin werden. Seit mittlerweile mehr als 35 Jahren sind Sie in der Landesverwaltung tätig. Sie sind in Kufstein aufgewachsen und haben erwachsene Zwillinge. Herzlich willkommen in unserem Podcaststudio.

Ines Bürgler: Danke für die Einladung.

Vom Jusstudium in die Landesverwaltung

Széchényi: Nach Ihrem Jusstudium, das Sie abgeschlossen haben, haben Sie dann das Gerichtsjahr gemacht und wollten eben, wie Sie erzählt haben, auch am Gericht bleiben. Sie sind dann aber 1989 in den Landesdienst gekommen. Wie ist das zustande gekommen?

Bürgler: Das ist richtig. Ich wollte eigentlich Richterin werden, nicht Staatsanwältin, sondern Richterin.

Széchényi: Richterin.

Bürgler: Weil ich, bevor ich zu studieren begonnen habe, am Bezirksgericht Kufstein eine Gerichtsverhandlung in der Schule mitverfolgt habe und meine heute noch beste Freundin und ich, wir hatten dann beide die richtige Lösung. Der Richter hat uns gefragt: „Wie würden wir entscheiden?“ Und wir waren dann sehr stolz und haben geglaubt, das ist das richtige Thema für uns. Und so sind wir beide zum Studium gekommen. Und dann war so der Richterberuf in unseren Köpfen. Und wie ich dann das Gerichtsjahr vollendet hatte, da war keine Stelle frei am Gericht und da musste ich mir etwas anderes suchen. Ich war dann ganz kurz in einer Bank beschäftigt, so ca. eineinhalb Jahre. Habe in der Zwischenzeit während dieser Zeit meine Dissertation fertiggeschrieben im Verwaltungs- und Verfassungsrecht. Habe mich beim Land beworben und wurde dann aufgenommen und bin heute sehr froh drüber, dass ich aufgenommen wurde, weil das war die richtige Entscheidung.

Ordnung mit Humor

Széchényi: Ich schaue ja immer, was meine Studiogäste da auch im Büro herumliegen haben. Bei Ihnen liegt sichtbar ein Buch, und zwar die „Kunst aufzuräumen“ des Schweizer Schriftstellers, Komikers und Künstlers Ursus Wehrli. Es ist ein Bilderbuch, also ein Fotobuch, und darin ordnet und sortiert Wehrli alltägliche Dinge ganz akribisch, wie etwa eine Pommestüte oder eine Buchstabensuppe, wo er also wirklich die ganzen Buchstaben dem Alphabet nach ordnet in der Suppe. Eine witzige, aber auch eine sehr skurrile Art, Ordnung zu schaffen. Es ist eins Ihrer Lieblingsbücher, haben Sie erzählt. Daher muss die Frage kommen: Sind Sie eine Perfektionistin oder eine Herrscherin des Chaos?

Bürgler: Weder noch. Also, ich finde Humor grundsätzlich ganz wichtig in der Arbeit, nicht nur im gesellschaftlichen Leben, sondern auch in der Arbeit. Es bereichert einfach auch die Arbeitstätigkeit und ich mag ganz gern so ein bisschen tiefgründigen Humor, wo man ein bisschen überlegen muss: Wie ist denn das jetzt gemeint? 

Széchényi: Und ja, diesen trocken-skurrilen Humor. Dass das Gegenüber nicht ganz versteht.

Bürgler: Nein, das ist mir bisher eigentlich selten passiert. Und wenn mir das passiert, dann muss ich halt aufklären und sage: „Achtung, das war ein Witz.“ Und dann hat man wieder einen Grund zu lachen und das entspannt oft viele Situationen.

Széchényi: Aber Perfektionistin, haben Sie gesagt, sind Sie weder noch, also weder Perfektionistin noch Herrscherin des Chaos. Aber Ordnung ist Ihnen dann doch wichtig.

Bürgler: Ich glaube, gerade bei Themen, die man von verschiedenen Seiten aus unterschiedlich betrachten kann, ist ein gewisser Rahmen richtig. Und ich selber brauche gute Struktur zum Arbeiten. Das ist aber noch weit weg von Perfektionismus. Und der gute Rahmen hilft auch, unterschiedliche Themen einzuordnen und dann einfach, wenn man rasch entscheiden muss, auch rasch zu entscheiden.

In der Abteilung Gesellschaft und Arbeit

Széchényi: Ihre Abteilung heißt Gesellschaft und Arbeit. Warum gerade diese beiden Namen? Arbeit hat ja auch etwas mit der Gesellschaft zu tun oder dem Arbeitsumfeld. Also warum Gesellschaft und Arbeit?

Bürgler: Das stimmt. Arbeit ist ein ganz zentraler Teil, damit Gesellschaft gut funktionieren kann. Drum ist dieser Begriff, so glaube ich, im Namen auch wichtig anzuführen. Die Abteilung ist 2016 entstanden aus zwei unterschiedlichen Organisationseinheiten, die damals zusammengefügt worden sind. Das war einerseits die Arbeitsmarkt- und Arbeitnehmerförderung, die war der Wirtschaft zugeordnet, und das war der Teil, der sich mit Gesellschaftsfragen beschäftigt hat, die frühere Abteilung JUF. Die damalige Bezeichnung hat eigentlich auch nicht das zum Ausdruck gebracht, was Gesellschaft ausdrücken soll, und drum haben Vorgänger von mir diesen Namen geschaffen.

Széchényi: Aber wie Sie sagen, durchaus berechtigt, weil Arbeit einer der wichtigsten zentralen Kernpunkte einer Gesellschaft ist. Auf der Homepage Ihrer Abteilung heißt es mehrfach, Sie betreuen Angelegenheiten, soweit sie nicht in den Aufgabenbereich einer anderen Organisationseinheit fallen. Das stelle ich mir jetzt ein bisschen kompliziert vor.

Bürgler: Das ist manchmal ein bisschen herausfordernd, aber das ist auch ganz gut, um einordnen zu können, wofür wir tatsächlich zuständig sind. Wir sind zuständig z. B. für die Förderung der Anliegen der Jugend. Jetzt ist das Jugendthema ein sehr breites Thema und es gibt auch viele andere Abteilungen im Land, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Beispielsweise die Kinder- und Jugendhilfe oder die Kinder- und Jugendanwaltschaft. Und um das gut abzugrenzen, wer welche Themen federführend betreut, gibt's diese sogenannte Ausschlussklausel. Für uns ist es eine Herausforderung, weil wir müssen nicht nur wissen –

Széchényi: Schule ist ja auch so ein Thema.

Bürgler: Schule ist auch ein ganz zentrales Thema, genau. Und wir müssen nicht nur wissen, was wir machen sozusagen, sondern wir müssen auch immer ein bisschen wissen, was die anderen machen, um einordnen zu können, wer jetzt wirklich aktiv wird, aber auch um Doppelgleisigkeiten zu vermeiden.

Förderungen für Bildung, Jugend und Familien

Széchényi: Sie sagen, es ist eine klassische Förderabteilung im engeren Sinn. Was fördern Sie besonders jetzt und was sind da jetzt wirklich diese Bereiche, Ihre Kernbereiche?

Bürgler: Förderung kann man ja auf mehrfache Weise verstehen. Wir sind vor allem eine Abteilung, die finanzielle Unterstützungen leistet. Also, wir wollen mit den finanziellen Mitteln Anreize schaffen, damit Menschen für Menschen bestimmte Maßnahmen ermöglicht werden. Um das jetzt auf ein Beispiel herunterzubrechen: Wir haben im Arbeitsmarktbereich Förderungen für einzelne Personen. Die bekannteste Förderschiene ist das Bildungsgeld Update. Da gewähren wir Zuschüsse zu Kurskosten, wenn Personen Weiterbildungen bei diversesten Bildungsträgern in Tirol machen.

Széchényi: Genau. Während sie weiter beschäftigt sind.

Wir haben die Ausbildungsbeihilfe für Lehrlinge. Das Lehrlingsthema ist auch ein ganz wichtiges Thema, nicht nur in Tirol, sondern österreichweit. Und auch hier unterstützen wir Personen, die eine Lehrausbildung machen wollen, um eben einen kleinen Beitrag zum Lebensunterhalt leisten zu können. Und so gibt's diverseste Förderschienen, die wir in den verschiedenen Bereichen, die wir zu bearbeiten haben, sei es der Arbeitsmarkt, sei es die Diversität, also Integrationsthemen, Frauen- und Gleichstellungsthemen oder auch die Generationenförderungen, wo wir Familien unterstützen, einkommensschwache Familien bei bestimmten Leistungen, wie z. B. bei der Kinderbetreuung.

Széchényi: Aber es geht auch noch weiter hinaus. Sie unterstützen Jugendzentren, es gibt die Schülerkostenbeihilfe, also es gibt noch und nöcher.

Bürgler: Wir haben in Summe 22 Förderrichtlinien, also 22 Themenschwerpunkte, und ich könnte jetzt da ganz viel erzählen. Man kann immer dann an einem bestimmten Punkt vielleicht näher vertiefen, aber auch das Jugendthema ist ein ganz zentrales Thema.

Lehre fördern und Talente stärken

Széchényi: Da bleiben wir gleich dabei, denn die Jugend, besonders die Schüler- und Lehrlingsförderung, machen einen großen Teil Ihrer Arbeit aus. Besonderes Anliegen ist in Ihrer Abteilung z. B. jetzt, wenn wir konkret werden, die Lehrlingsförderung oder auch z. B. der Jugendredewettbewerb, den Ihre Abteilung alljährlich veranstaltet. Gehen wir mal zu den Lehrlingsförderungen.

Bürgler: Das ist richtig. Die Lehrlingsförderungen sind der zentrale Bereich. Ich habe es vorher erwähnt, die Ausbildungsbeihilfe für Lehrlinge ist so eine Unterstützungsmaßnahme. Wir fördern aber auch oder wir prämieren besondere Leistungen von Lehrlingen. Das ist die Begabtenförderung. Und es gibt nicht nur die finanzielle Unterstützung, sondern wir organisieren auch Auszeichnungen und Prädikate. Ganz bekannt: der Lehrling des Monats, der Lehrling des Jahres. Das läuft in unserer Abteilung. Wir prämieren den ausgezeichneten Tiroler Lehrbetrieb. Wir sind Partner des Ausbilderforums. Im Ausbilderforum gibt's den sogenannten Weiterbildungspass. Das heißt, wir unterstützen auch Lehrlingsausbilderinnen und -ausbildner. Also, wir setzen auf allen Ebenen an, um das Thema Lehre, Ausbildung oder duale Ausbildung wirklich vor den Vorhang zu holen und zu stärken. An die Jungen auch zu bringen und es auch zu unterstützen, dass die Leute, die jungen Menschen, mehr in die Lehre, auch sich zumindest Gedanken machen, ob sie nicht vielleicht doch eine Lehre machen wollen.

Jugendredewettbewerb: Reden statt scrollen

Széchényi: Der Landesjugendredewettbewerb. Reden statt scrollen oder wie soll man das verstehen?

Bürgler: Weder noch, beides ist wichtig. Die Landesjugendrede ist ein Beispiel für eine Fördermaßnahme, wo wir bewusstseinsbildende Arbeit leisten und wo wir einen Wettbewerb organisieren.

Széchényi: Kann man das vielleicht ein bisschen konkreter machen? Was heißt bewusstseinsbildende Arbeit?

Bürgler: Dass wir aufzeigen, dass Themen für bestimmte Zielgruppen wichtig sind. Und da gibt's ja verschiedene Methoden, wie man das aufzeigt. Entweder man macht es mit Öffentlichkeitsarbeit, man organisiert Veranstaltungen oder man organisiert eben Wettbewerbe, um Jugendlichen die Chance zu geben, sich kommunikativ weiterzuentwickeln und die rhetorischen Fähigkeiten, die sie haben – und die haben sie zweifelsohne – auch aufzuzeigen.

Széchényi: Der Wettbewerb ist in Tirol, da gibt's dann einen Bundeswettbewerb. Ich glaube, der war schon, oder?

Bürgler: Der war schon.

Széchényi: Da haben die Tiroler auch ganz gut abgeschnitten.

Bürgler: Ja, die haben wieder gut abgeschnitten. Da sind wir immer gut in den obersten Rängen zu finden und das freut uns auch immer sehr. Wir haben ja auch eine Förderschiene. Wir fördern Rhetorikseminare, um Jugendliche in der Schule auf den Redewettbewerb gut vorzubereiten. Haben da sehr viele engagierte Lehrerinnen und Lehrer und auch viele engagierte Jugendliche. Und man muss dazu sagen, die Themen, die suchen sich die Jugendlichen selber aus. Die Themen suchen sich die Jugendlichen selber aus und es ist faszinierend, mit welchen Themen sie sich beschäftigen, wie intensiv sie sich damit beschäftigen und wie sie das dann auch selbstbewusst und großartig präsentieren.

Gesellschaftliche Entwicklungen erkennen und begleiten

Széchényi: Macht die Tiroler Landesregierung mit diesen Förderungen der Abteilung Gesellschaft und Arbeit damit nicht auch ein bisschen Gesellschaftspolitik oder gibt damit irgendwie auch die Richtung vor?

Bürgler: Absolut. Wir sind im Rahmen der Privatwirtschaftsverwaltung. Das heißt, das Land Tirol setzt das Steuergeld des Landes zielgerichtet für bestimmte gesellschaftspolitische Themen ein. Und das sind arbeitsmarktpolitische Themen, wobei wir hier auch sozusagen subsidiär zum Arbeitsmarktservice tätig sind. Das sind jugendpolitische Themen, familienpolitische Themen als auch integrationspolitische Themen und natürlich auch gleichstellungsrelevante Themen, um die ganze Palette sozusagen aufzulisten.

Széchényi: Ja, und vor allem ist es ja ein gesellschaftspolitisch wirklich wichtiges Thema, wenn wir einen Fachkräftemangel haben, dass man sagt: „Leiteln, macht's a Lehre.“ Aber in Ihrer Abteilung finden und analysieren Sie schon gewisse Tendenzen in der Tiroler Gesellschaft und zeigen sie auch gegenüber der Politik auf. „Leiteln, da kommt was auf uns zu.“

Bürgler: Ja, wir sind die fachliche Ebene. Es ist unsere Aufgabe, Zahlen zu interpretieren, Zahlen zu beschaffen. Also, wir wickeln Förderungen ab und bekommen da ja auch unsere Erfahrungen und wir haben auch statistische Auswertungen. Wir analysieren auch Studien, die von anderen Institutionen in Auftrag gegeben werden, um eine gute fachliche Grundlage zu schaffen und fachlich fundierte Vorschläge für die Politik zu machen. Die Entscheidung obliegt dann selbstverständlich der Politik. Aber sie braucht zumindest den Inhalt für Entscheidungen, die vielleicht über Jahre hinaus oder Jahrzehnte hinausgehen.

Széchényi: Jetzt liegt die Frage auf der Hand: Wie entwickelt sich denn die Tiroler Gesellschaft und die Arbeit?

Bürgler: Sie haben es ja vorher schon angesprochen, ich würde sagen: sehr divers. Es gibt viele positive Entwicklungen. Wenn man sich den Arbeitsmarkt anschaut, im Österreichvergleich, dann stehen wir hier sehr gut da. Wenn man sich den Fachkräftebedarf anschaut, dann gibt's hier natürlich sehr wohl Handlungsbedarf. Da sind wir in Tirol auch alle dran mit der sogenannten Arbeitsmarktstrategie, wo alle Partner zusammenarbeiten, um sich diesem Thema wirklich anzunehmen. Wir haben das Thema KI, wir haben das Thema psychische Belastungen oder psychische Gesundheit von Jugendlichen.

Széchényi: In der Schule, ja.

Bürgler: Auch in der Schule. Wir haben das Thema Integration von zugewanderten Personen, wobei auch hier gibt's ja ein Leitbild der Landesverwaltung, das jetzt nicht nur auf die zugewanderten Personen abzielt, sondern auch auf die sogenannte Aufnahmegesellschaft. Das ist ein bisschen ein sperriger Begriff. Und das Thema Rollenbilder ist auch ein viel diskutiertes Thema. Die Gleichstellung der Geschlechter, die steht auch in Ihrem Aufgabenbereich. Die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau sind, muss man sagen, eigentlich nach wie vor sehr groß. Nicht nur im Gehalt z. B. oder im Beruf. Sie sagen, diese Unterschiede werden nicht kleiner, sondern im Gegenteil. Welche Tendenzen in der Gesellschaft veranlassen Sie denn zu dieser Aussage? Also, uns hat in letzter Zeit das Thema Rollenbilder sehr stark beschäftigt, beschäftigt uns auch noch. Und wenn man sich da die Entwicklungen auf Social Media anschaut, Stichwort Tradwives, Stichwort toxische Männlichkeit, dann geht das – und das ist jetzt auch ein bisschen meine persönliche Meinung – in die falsche Richtung.

Széchényi: Tradwives, das sind so Tendenzen junger Mädchen, sich zu inszenieren in Küche, in Haushalt und Muttersein.

Bürgler: Genau. Traditionelle Rollenbilder. Frau bleibt zu Hause, Mann geht arbeiten.

Rollenbilder und Gleichstellung

Széchényi: Ihre Abteilung ist auch Koordinationsstelle für Gender Mainstreaming. Jetzt muss ich mal gerade herausfinden: Was ist denn der Unterschied zu einer Frauenförderung und Gender Mainstreaming?

Bürgler: Gender Mainstreaming ist breiter. Ja, da geht's um die Gleichstellung der Geschlechter an sich und die Frauenförderung ist gerade für die Zielgruppe der Frauen eine spezifische Maßnahme, um diese Gleichstellung zu erreichen.

Széchényi: Und das tut Ihre Abteilung auch. Wie?

Bürgler: Ja, wir haben auch Frauenförderungsprojekte. Wir fördern z. B. Frauenberatungsstellen und wir haben seit drei Jahren den Tiroler Frauenpreis. Der wurde im Rahmen des Gleichstellungspaketes für Männer und Frauen in Tirol, das in den Jahren 2020 bis 2023 umgesetzt wurde, ins Leben gerufen.

Familienpass und Jugendkarte

Széchényi: Eine sehr große Errungenschaft ist auch für die Tiroler Gesellschaft, für die Tiroler Familien, der Familienpass und die Tiroler Jugendkarte, die ist relativ neu. Dort erhalten Jugendliche maßgebliche Vorteile, etwa Vergünstigungen für Schwimmbäder, Badeseen, aber auch beim Führerschein. Da können sie sich ein bisschen was einsparen, beim Skifahren, in Museen und so weiter. Diese beiden Pässe sind ziemlich erfolgreich. Was ist denn das Geheimnis, dass die so erfolgreich sind?

Bürgler: Also, den Tiroler Familienpass, den gibt's ja schon sehr lange. Die Jugendkarte gibt's seit letztem Jahr. Die wurde nach dem Vorbild des Familienpasses eingeführt. Die grundsätzliche Idee ist beim Familienpass, Familien in ihrer Freizeitgestaltung zu unterstützen und wirklich die gemeinsame Freizeitgestaltung vor den Vorhang zu holen. Die Idee bei der Jugendkarte ist so ähnlich. Es geht wirklich um die Freizeitgestaltung der Jugendlichen, Jugendlichen Freizeitgestaltung zu ermöglichen in diversen Feldern. Also nicht –

Széchényi: Damit sie sich nicht nur mit dem Thema Social Media beschäftigen.

Bürgler: Abseits von Social Media. Und um das gut bewerkstelligen zu können, gibt's Vorteilsgeber, die Vorteile gewähren.

Széchényi: Firmen eben auch –

Bürgler: Firmen unterschiedlichster Art, wobei es viel mehr um sinnvolle Freizeitgestaltung geht. Die Chance dieses Familienpasses und der Jugendkarte ist die Zusammenarbeit mit den Unternehmen. Die Vorteile gewähren die Unternehmen. Wir sind da in einem sehr guten Austausch auch mit den Unternehmen und die Chance für die Familien und für die Jugendlichen ist, diese Vorteile zu nutzen, um eben das Ziel der guten gemeinsamen Freizeitgestaltung auch umsetzen zu können.

Széchényi: Meistens im Freien oder halt –

Bürgler: Meistens im Freien. Sport, Kultur. Ja, wichtig ist auch das Gemeinsame. Wichtig ist, dass man miteinander kommuniziert, in den Austausch tritt.

Arbeit, Reisen und Ausgleich

Széchényi: Jetzt haben wir gehört, Ihre Arbeit ist sehr umfangreich. Jetzt muss ich noch mal zurückkommen. Wie würden Sie es denn jetzt tatsächlich beschreiben? Ist es ein ordnendes Chaos oder chaotisch, eine Ordnung zu schaffen, oder beinhart strukturiert Punkt für Punkt abarbeiten?

Bürgler: Also, nachdem chaotisch eine Ordnung schaffen, glaube ich, oder nachdem das nicht funktioniert, ist es das sicher nicht. Es ist sicher: Man braucht einen gewissen Rahmen, wie ich eingangs schon erwähnt habe. Man muss wissen, was die zentralen Aufgaben sind. Man braucht ein gutes Team, man braucht ein engagiertes Team, man muss sich für die Themen interessieren und man muss sich für die Menschen interessieren, für die man arbeitet. Und ich würde es nicht als Chaos bezeichnen. Es sind einfach unterschiedliche Themenfelder, die man schon in gewissem Maß einordnen muss, um dann eben gute Vorschläge machen zu können.

Széchényi: Was machen Sie, wenn Sie sich nicht für die Gesellschaft in Tirol einsetzen? Wie entspannen Sie sich und wo verbringen Sie Urlaub?

Bürgler: Meinen letzten Urlaub habe ich vor zwei Wochen in Griechenland verbracht. Das war eine Woche Familienurlaub. Das war so ein schöner Strandurlaub. Mein nächster Urlaub im September, das wird eine Kulturreise nach Montenegro. Ob ich zwischendrin noch Zeit finde, an die Nordsee zu fahren, das weiß ich noch nicht. Also, ich bin da sehr vielfältig. Ich liebe auch die Toskana. Auch dort war ich in den letzten Jahren sehr oft. Und ansonsten gehe ich gern in Konzerte. Ich liebe Klavierkonzerte. Ich lese, ich mache Sport. Ich mache eigentlich das, was so die Durchschnittsbevölkerung in Tirol macht.

Széchényi: Ja. Aber das ist ja die beste Entspannung. Frau Bürgler, vielen herzlichen Dank fürs Gespräch. Danke für den Besuch im Studio.

Bürgler: Sehr gerne. Vielen Dank.

Verabschiedung

Széchényi: Das war ein Podcast des Landes Tirol mit Ines Bürgler, Abteilungsvorständin Gesellschaft und Arbeit. Bürgler ist ausgebildete Juristin, die seit mehr als 35 Jahren in der Landesverwaltung tätig ist. In ihrer Abteilung findet und analysiert sie Entwicklungen in der Tiroler Gesellschaft. Ein wichtiges Anliegen ist ihr die Förderung der Lehre in Tirol, um einem drohenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Bürgler reist sehr gerne, besonders in die Toskana. 

„Ins Land einihören“, den Podcast des Landes Tirol, findet ihr auf tirol.at/podcast, auf allen gängigen Podcast-Plattformen und auf YouTube. Danke fürs Zuhören und Zusehen – bis zum nächsten Mal, sagt Dénes Széchényi.

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