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Landeshauptmann Anton Mattle

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1. Landeshauptmann-Stellvertreter Philip Wohlgemuth

1. Landeshauptmann-Stellvertreter Philip Wohlgemuth

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Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler

Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler

Zuständig für Land- und Forstwirtschaft, Grundverkehr, Raumordnung, Straßenbau, Energie, Traditionswesen

Landesrat Mario Gerber

Landesrat Mario Gerber

Zuständig für Wirtschaft, Tourismus sowie Digitalisierung

Landesrätin Cornelia Hagele

Landesrätin Cornelia Hagele

Zuständig für Gesundheit, Pflege, Bildung sowie Wissenschaft und Forschung

Landesrätin Astrid Mair

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Zuständig für Sicherheit, ArbeitnehmerInnen, Generationen sowie Zivil- und Katastrophenschutz

Landesrätin Eva Pawlata

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Zuständig für Soziales, Inklusion sowie Frauen

Landesrat René Zumtobel

Landesrat René Zumtobel

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  • Podcast „ins Land einihören"
  • Transkripte
  • Podcast mit Philipp Heel |…

Podcast mit Philipp Heel | Büroleiter von Landeshauptmann Anton Mattle

„ins Land einihören“ | Folge 18

Transkript 

Hinweis: Gesprächsbeiträge im Tiroler Dialekt werden inhaltlich in Hochdeutsch übersetzt.

Einleitung:

Dénes Széchényi (Moderator):

Im und für das Land Tirol arbeiten rund 4.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den unterschiedlichsten Berufsgruppen. Ein Teil davon unterstützt die Arbeit der Regierungsmitglieder. Jede Landesrätin, jeder Landesrat hat einen Mitarbeiterstab, der zuarbeitet, koordiniert und die täglichen Aufgaben und Termine abstimmt. So auch der Landeshauptmann. In seinem Büro sind 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Sie sammeln und bewerten die Flut an Informationen, die täglich unter anderem in Hunderten E-Mails, Pressemeldungen und Schriftstücken auf die Bildschirme kommen. Mein heutiger Gast ist Philipp Heel. Der 41-jährige gebürtige Völser ist seit 2022 Büroleiter von Landeshauptmann Anton Mattle. Sie haben eine zwölfjährige Tochter. Herzlich willkommen.

Philipp Heel:

Danke für die Einladung.

Széchényi:

Herr Heel, Sie haben die Aufnahmen für diesen Podcast auf 8 Uhr in der Früh angesetzt. Sind Sie Frühaufsteher?

Heel:

Nein, tatsächlich bin ich gar kein Frühaufsteher, aber ich habe mir gedacht, wir werden ungefähr eine halbe Stunde reden und dann kann ich gewohnt in meinen Arbeitstag reinstarten, der für gewöhnlich um 8:30 Uhr mit der Dienstbesprechung im Büro des Landeshauptmanns beginnt.

Persönliche Einblicke ins Büro

Széchényi:

Das Vorgespräch zu meinem Podcast mache ich immer ganz gerne auch in den Büros meiner Gäste, weil man sieht da ja auch ein paar Dinge herumstehen, die auch etwas über die Persönlichkeit des Menschen dann aussagen. Bei Ihnen sind mir drei Dinge aufgefallen. Einmal hängt dort ein sehr roter Schal des Fußballclubs Manchester United. Wie kommt das? Sie sind ein großer Fan dieses Clubs.

Heel:

Ein großer Fan. Ja, ich würde sagen, ich habe schon eine gewisse Passion zum Fußballschauen. War nicht so der große Fußballspieler, aber sowohl im Stadion als auch vorm Fernseher gibt’s da schon eine gewisse Passion. Bei Manchester United hat’s ehrlicherweise – jetzt zum Leidwesen mancher Bayern-München-Fans – 1999 begonnen mit dem damaligen Champions-League-Finale. 2:1 dann in der Nachspielzeit für Manchester United. Das war schon eine besondere Leistung und seitdem besteht diese Begeisterung.

Széchényi:

Und Sie haben ja auch den Schal, glaube ich, zum 40. Geburtstag bekommen.

Heel:

Genau, das war eigentlich ein sehr nettes Geschenk von meinem Team zum 40. Geburtstag. Ich habe den Schal bekommen von Manchester United und in der Box war auch ein Ticket für ein Heimspiel von Manchester United gegen Arsenal im Old Trafford. Das habe ich dann letztes Jahr im Frühjahr besuchen dürfen.

Széchényi:

Das ist quasi der Olymp des Fußballs.

Heel:

Für einen Manchester-United-Fan sicher – die Liverpool-Fans werden das anders sehen.

Széchényi:

Einige Star-Wars-Figuren stehen bei Ihnen auch im Büro herum.

Heel:

Ja. Meine Interessen sind durchaus vielfältig und ich neige auch dazu, ein bisschen an meiner Kindheit zu hängen und Dinge – wie sagt man schön auf Neudeutsch – etwas nerdig zu sehen. Ich habe während meines Studiums in einem Videospielgeschäft gearbeitet, also die Playstation hat immer noch ihren fixen Platz im Wohnzimmer. Und die Liebe zu Star Wars, insbesondere zur alten Trilogie, ist geblieben.

Széchényi:

Ja, also der ersten eigentlich.

Heel:

Ja, die ersten drei.

Széchényi:

Haben Sie – so wie ich – die Faszination für Star Wars an Ihr Kind weitergegeben?

Heel:

Ja, bei meiner Tochter hat’s etwas Überzeugungsarbeit gebraucht, ehrlicherweise. Als wir gesagt haben, jetzt wäre der Zeitpunkt gekommen, sich Star Wars anzuschauen. Aber von Film zu Film ist es besser geworden und mittlerweile muss ich sagen, sie hat sich schon ein bisschen reingefuchst.

Széchényi:

Ja, sehr schön. Was noch in Ihrem Büro steht, ist eines dieser bekannten Wandertafeln, diese gelben vom Alpenverein mit dem Hinweis zum Weg auf die Arzler Scharte. Ist das was Besonderes?

Heel:

Ja, ich habe eigentlich eine große Passion – immer noch, ich komme gleich momentan nicht so dazu – für das Wandern und für das Bergsteigen. Ich war sehr viel unterwegs, auch vor fünf bis zehn Jahren war ich sehr viel in den Bergen unterwegs. Und das Schild kommt eigentlich aus einer karitativen Aktion. Diese Schilder wurden abmontiert und erneuert und die alten Schilder wurden vom Netzwerk Tirol hilft zur Verfügung gestellt und dann verkauft. Die Einnahmen sind dann sozusagen einem guten Zweck zugutegekommen.

Széchényi:

Ja, ich habe es erwähnt, Sie sind 41, schauen aber für mich jetzt persönlich wesentlich jünger aus. Wie kommt das?

Heel:

Ja, danke für die Rosen. Ich würd sie dann weitergeben an meine Mutter. Offensichtlich sind die Gene da ganz gut weitergegeben worden.

Vom Technikstudium ins Landhaus

Széchényi:

Sie haben ursprünglich ein Technikstudium absolviert. Erzählen Sie einmal ein bisschen über Ihren Werdegang. Wie wird man denn Büroleiter vom Landeshauptmann?

Heel:

Ja, das sind sehr unterschiedliche Dinge, die dazu geführt haben, dass ich heute im Büro vom Landeshauptmann als sein Büroleiter sitzen darf. Ich habe bereits in der Schule sehr stark begonnen, mich zu engagieren in unterschiedlichen Organisationen und Vereinen. Politisch – Schülervertretung bis rauf zur Bundesebene eigentlich. Und natürlich kommt man dadurch in die eine oder andere Schiene hinein und lernt Leute kennen und das Politische wird einem geläufiger. Beim Studium, ja, begonnen mit klassisch Jus, Betriebswirtschaftslehre –

Széchényi:

In Innsbruck oder schon in Wien?

Heel:

Ja, in Innsbruck. Das war nicht so von Erfolg gekrönt. Habe aber dann ein Jobangebot bekommen, im österreichischen Parlament als parlamentarischer Mitarbeiter zu arbeiten – während des Studiums schon –, was ich dann sehr gern angenommen habe, diese Aufgabe. Ich habe dann auch fünf Jahre in Wien gelebt und –

Széchényi:

Und da haben Sie im Studium umgesattelt?

Heel:

Genau, da war dann der Zeitpunkt gekommen: Irgendein Studium wäre schon noch gut abzuschließen und ich habe mich dann für ein berufsbegleitendes Technikstudium Informations- und Kommunikationssysteme entschieden. Technik ist mir eigentlich immer gelegen. Also ich habe auch als Jugendlicher schon meinen PC auseinandergebaut und wieder zusammengebaut und meinen PC neu aufgesetzt. Also das war so ein bisschen eine Nachmittagsbeschäftigung. Das können die Jungen heute wahrscheinlich gar nicht mehr verstehen. Ja und so bin ich dazu gekommen und habe mich damals entschieden, ein zweites Standbein einfach aufzubauen, weil die Politik natürlich etwas ist, wo man nicht genau weiß – man hantelt sich ja so von Legislaturperiode zu Legislaturperiode in der Politik.

Corona als Einstieg ins Krisenmanagement

Széchényi:

Sie sind dann nach Tirol zurückgekehrt und haben dann bei der damaligen Wirtschaftslandesrätin als Büroleiter – oder wurden angefragt, ob Sie da nicht etwas machen wollen. Wie war das? Das war die Patrizia Zoller-Frischauf damals.

Heel:

Ja, ich bin zurückgekehrt nach Tirol, habe dann für Patrizia Zoller-Frischauf zuerst im Wirtschaftsbund gearbeitet. Ich war dort ihr Bezirksgeschäftsführer für Innsbruck-Stadt. Bin dann eigentlich mal rausgegangen aus der Politik. War fünf Jahre zuerst in der TIGAS und dann in der TIWAG. Ich habe mich da also sehr stark mit der Energiewirtschaft beschäftigt und dann kam der Anruf sozusagen von der ehemaligen Chefin, sie bräuchte einen Büroleiter. Das war Ende 2019 und ob ich mir das vorstellen könnte, das Regierungsprogramm sei gut auf Schiene. Und ich habe dann zugestimmt, gesagt: Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Und wir haben uns ja auch sehr gut gekannt und uns schon vertraut. Und ja, ich habe dann tatsächlich 2020 im Land wieder angefangen als Büroleiter der Wirtschaftslandesrätin.

Széchényi:

2020 ist eine magische Nummer.

Heel:

Ja, richtig. Also es war dann –

Széchényi:

Das heißt, Sie sind so richtig ins kalte Wasser geschmissen worden.

Heel:

Eigentlich war das anders ausgemacht, aber 14 Tage später hatten wir ja die weltweit größte Pandemie eigentlich zu bekämpfen und das war natürlich gerade im Büro der Wirtschaftslandesrätin zu Beginn mit den ganzen Hilfsmaßnahmen für Betriebe, für Unternehmen, Kurzarbeit schon eine große Herausforderung. Aber ich glaube, wir haben das eigentlich gut gemeistert und auch in sehr guter Abstimmung mit der Bundesregierung damals Maßnahmen gesetzt, dass die Menschen ihren Job behalten konnten.

Der Alltag als Büroleiter des Landeshauptmanns

Széchényi:

Der Nachfolger von Patrizia Zoller-Frischauf war dann der jetzige Landeshauptmann. Der hat Sie dann so quasi übernommen als Büroleiter und hat Sie dann auch 2022 zum Büroleiter des Landeshauptmanns gemacht. Was macht ein Büroleiter? Was muss man können?

Heel:

Es ist ein sehr weites Feld, würde ich sagen. Der Tag eines Büroleiters hat sehr wenige Fixpunkte. Mir ist wichtig, wie zuerst erwähnt, ich starte eigentlich um 8:30 Uhr mit meinem Team mit einer Morgenbesprechung, wo die ganzen Referenten auch versammelt sind. Das ist sozusagen ein fixer Ankerpunkt, um den Tag zu planen, um die Informationen zu bekommen, was am Vortag noch alles passiert ist, was in der Woche ansteht, wo gibt’s Nachjustierungsbedarf. Ansonsten ist der Tag sehr flexibel gestaltet. Ab und zu muss auch einiges umgestellt werden. Das ist auch den tagespolitischen Geschehnissen irgendwo geschuldet. Ja und es ist ein bisschen – man ist wie ein Projektmanager. Ja, es geht ja im Regierungsbüro, wenn man für die Landesregierung arbeitet, oft darum, Dinge neu zu machen, neu zu denken, anders zu denken und damit ist immer auch ein Change-Management verbunden. Das Ringen um die beste Lösung ist damit verbunden und dementsprechend ist es auch immer eine herausfordernde Aufgabe, aber auch immer anders. Also es ist sehr wenig Routine drin mit Ausnahme vielleicht der wöchentlichen Regierungssitzung, wobei deren Inhalt sich ja auch von Woche zu Woche ändert.

Széchényi:

Sie haben 15 Mitarbeiter in etwa. Wie würden Sie denn Ihren Führungsstil beschreiben? Was ist Ihnen wichtig?

Heel:

Es sind 15 Köpfe, also wir haben nicht 15 Vollzeitäquivalente. Das war mir auch als Vater wichtig, dass wir eine Möglichkeit bieten, wenn jemand Nachwuchs bekommt, dass es auch die Möglichkeit gibt, in Teilzeit wieder zurückzukommen. Ich habe auch immer das Beispiel gebracht: Wenn ich zwei Teilzeitmitarbeiter habe, glaube ich nicht, dass ein einzelner Mitarbeiter die kompensieren könnte, weil ja auch ganz viel Know-how dann auf diese zwei Köpfe verteilt ist. Und mein Führungsstil ist, glaube ich, sehr aufgeschlossen und sehr modern. Ich baue sehr viel auf Eigenverantwortung. Ich habe auch hochqualifizierte Leute im Büro, muss man ganz offen sagen, die aus unterschiedlichsten Bereichen kommen. Mir ist auch die Mischung wichtig, dass es Leute aus dem Haus gibt und auch Leute von extern. Der externe Blick tut gut, aber auch die Verankerung im Haus ist wichtig, um auch für die Ideen entsprechend werben zu können und auch die richtigen Informationen für den Landeshauptmann zusammenzutragen.

Széchényi:

Sie sind ein sehr enger, wenn nicht vielleicht der engste Mitarbeiter des Landeshauptmanns, wenn man so sagen will und dennoch haben Sie ganz wenige gemeinsame Termine.

Heel:

Ja, das ist etwas, was sich die Politiker eigentlich selbst mit ihren Büroleitern ausmachen. Es gibt durchaus auch das andere Modell. Ich kenne das von Kollegen aus anderen Bundesländern. Da gleicht sozusagen der Terminkalender des Büroleiters dem des Landeshauptmanns. Der Landeshauptmann und ich haben uns das anders aufgeteilt. Er hat mich auch bewusst gefragt, ob ich sein Büroleiter bin, weil ich schon gewisse Erfahrung im Landhaus gesammelt habe, weil ich das Haus kenne, weil ich auch die Politik sehr gut kenne. Und ihm war wichtig, jemanden zu haben, der prinzipiell weiß, wie er tickt, in welche Richtung er will, wo man sozusagen nicht viel erklären muss, wo diese Abstimmung, wie man so schön sagt, blind eigentlich erfolgen kann und dementsprechend ist es ihm ein Anliegen, wenn er nicht im Haus ist und bei der Bevölkerung draußen ist – was ihm immer ein großes Anliegen ist –, dass auch ein Ansprechpartner im Haus ist, wo der Informationsfluss zu ihm ein sehr kurzer Weg ist.

Széchényi:

Also man muss sich fast mehr als nur gut kennen.

Heel:

Auf jeden Fall, ja. Also es ist schon natürlich auch so, dass man sehr viele Gespräche führt im Vorfeld. Wenn ich den Landeshauptmann in einer Sitzung vertreten darf, dann ist natürlich schon eine intensive Vorbereitung notwendig und man muss auf alle Eventualitäten vorbereitet sein, weil als Büroleiter - man hat in dem Sinn keine Legitimation, man ist nicht gewählt, man ist kein Mandatar und dementsprechend muss man schon sein Pou­voir ganz klar mit dem Landeshauptmann auch abstimmen, was dazu führt, dass Termine sehr gut vorbereitet sein müssen und alle Eventualitäten mitbedacht werden müssen.

Széchényi:

Sie haben es gerade erwähnt, Ihr Tagesablauf, Ihr Terminkalender müsste eigentlich komplett durchgetaktet sein von Montag bis Sonntag. Ist er aber nicht, sondern die Termine ergeben sich irgendwie, haben Sie gerade gemeint. Aber es gibt einen Fixtermin, das ist der um 8:30 Uhr.

Heel:

Genau. 8:30 Uhr –

Széchényi:

Und am Dienstag die Regierungssitzung.

Heel:

Genau, das sind so die Fixtermine, wobei auch die Regierungssitzung ab und zu mal von meinem Stellvertreter gemacht wird. Aber prinzipiell darf jeder Schriftführer der Tiroler Landesregierung sein. Ich bin also für die Anfertigung des Protokolls auch zuständig der Regierungssitzung und dementsprechend gemeinsam mit dem Herrn Landesamtsdirektor sind wir beide sozusagen auch diejenigen, die den Überblick behalten. Welche Anträge sind auf der Tagesordnung, welche Historie steht dahinter, sollte es Rückfragen geben in der Landesregierung, dass man auch qualifiziert antworten kann.

Széchényi:

Sie haben es gerade erwähnt, die wichtige Rolle des Büroleiters ist diese Abstimmung zwischen den Regierungsbüros, den einzelnen. Es gibt ja auch einen Koalitionspartner und aber auch die Verwaltung der Landesamtsdirektion. Wie geht man bei diesen Abstimmungen um, vor allem, wenn es im Moment mal keine Einigung gibt oder keine Einigung in Sicht ist?

Heel:

Ja, ich glaube die Tiroler Landesregierung – und ich kann jetzt für die aktuelle Landesregierung sprechen – hat sich ja sehr viele Gedanken gemacht im Vorfeld der Koalitionsbildung. Es gibt ein sehr umfangreiches Regierungsprogramm, in dem ja schon sehr viele Eckpunkte auch festgeschrieben sind. „In welche Richtung möchte man?“ Und wenn man sich diese ganzen Punkte des Regierungsprogramms ansieht, dann ist ja fast jede Zeile sozusagen wie ein eigenes Projekt zu betrachten. Und im Normalfall: Manche Dinge liegen auf der Hand, in welche Richtung sie gehen sollen und bei manchen Dingen gibt’s dann einfach Initialsitzungen, wo man sich auch abstimmt zwischen den beteiligten Regierungsbüros. Das Landeshauptmannbüro ist sehr oft dabei, nicht weil wir uns überall einmischen, sondern meistens ist das Geld auch ein Thema und da ist der Finanzreferent natürlich auch mit am Tisch.

Zwischen Informationsflut, politischen Entscheidungen und Bürgeranliegen

Széchényi:

Gerade in Zeiten wie diesen ist das Geld ein großes Thema. Was sind denn Ihre klassischen Zeitfresser?

Heel:

Also der wirkliche Zeitfresser sind tatsächlich E-Mails. Ich bin ein großer Freund von einer kurzen Abstimmungsrunde, von einem direkten Gespräch. Ich sage auch zu meinem Team: Prinzipiell, meine Tür ist immer offen, außer ich habe gerade einen Termin. Bevor ihr mir eine E-Mail schreibt und zehn Minuten investiert in einen Vorspann und eine Grußformel im Nachgang und so weiter, kommt bitte kurz ins Büro und dann reden wir drüber, weil oft liegt’s auf der Hand oder man kann sehr schnell eine Antwort geben. Und die E-Mail-Flut ist schier unendlich und ich glaube, man muss auf jeden Fall effizient sein in der Abarbeitung. Deswegen diese Prozesse gut abstimmen, damit man auch mehr Zeit hat, sich den Bürgeranliegen, die dann auch im Büro vom Landeshauptmann natürlich zusammenkommen, zu widmen.

Széchényi:

Sie sagen, Sie sind Projektmanager in erster Linie, aber auch Ihr Büro ist auch so quasi Informationsfilter für den Landeshauptmann. Sie sammeln und filtern Informationen. Wie muss man sich das vorstellen? Wie geht das ab?

Heel:

Ja, die Menschen differenzieren ja sehr selten das. Wenn die Menschen Anliegen haben, dann ist mal der Landeshauptmann Ansprechpartner als Regierungschef –

Széchényi:

Direkt?

Heel:

Direkt. Und unsere Aufgabe besteht schon darin, einerseits zu clustern: Was kommt denn alles rein? Den Landeshauptmann auch strukturiert darüber zu informieren. Was wird von den Bürgern eingebracht? Was sind derzeit für Prozesse am Laufen? Und der Herr Landeshauptmann ist jemand, der sich Entscheidungen nicht leicht macht. Er ist auch ein Techniker, gleich wie ich. Und ist sehr zahlen-, daten-, faktengetrieben auch. Möchte wirklich sich ein umfassendes Bild machen, bevor er eine Entscheidung fällt. Und es hat nichts mit mangelndem Vertrauen zu tun, aber das ist irgendwo in den Menschen drin. Und es ist auch ein bisschen dieses Ringen um die beste Lösung. Also wir ziehen lieber noch eine Schleife mit einer kritischen Frage, die es wert ist, beleuchtet zu werden, um dann sozusagen ein gutes Gefühl dabei zu haben, die Entscheidung zu treffen. Und unsere Aufgabe besteht darin, ihn mit allen notwendigen Informationen strukturiert und in einem Rahmen, wo er auch die Zeit hat – weil zwischen Tür und Angel schwerwiegende Entscheidungen zu treffen, das sollte auch nicht sein – zu versorgen. Für das sind wir verantwortlich.

Széchényi:

Sie haben sich persönlich schon sehr früh und in Ihrer Jugend schon politisch engagiert, sich für die Politik auch interessiert. Hat’s da einen Auslöser gegeben? Hat’s da familiär was gegeben oder was war da der Grund, warum Sie sich schon so früh politisch engagiert und interessiert haben?

Heel:

Tatsächlich familiär bin ich sozusagen, wenn man sagen will, nicht vorbelastet politisch. Also mein Vater –

Széchényi:

Muss ja keine Vorbelastung sein.

Heel:

– war zeitweise Angestellter, zeitweise Unternehmer. Ich habe schon bei meinem Vater in der Firma auch sehr viel Eigenverantwortung mitbekommen, aber ein Auslöser vielleicht ist in der vierten Klasse Handelsakademie. Da geht’s so los mit politischer Bildung und Recht als Fach. Das war schon ein Auslöser, dass ich für mich erkannt habe: Es interessiert mich, wie unser Staat aufgebaut ist, wie die Verwaltung funktioniert, wie kommen Entscheidungen zustande. Und da ist eins zum anderen gekommen. Wenn man dann in Vereinen, Verbänden in führende Funktionen kommt, dann lernt man natürlich auch Sitzungsführung. Wie geht man damit um? Was ist ein Rechenschaftsbericht? Wie funktioniert das? Und es ist etwas im Kleinen, was aber in Wahrheit auch umlegbar ist auf das Große. Ob jetzt im Verein eine Kassaprüfung stattfindet und das dann in der Generalversammlung des Vereins verabschiedet wird von allen Mitgliedern letztlich im Wesentlichen – es ist natürlich ungleich größer und umfangreicher, wenn der Rechnungsabschluss des Landes Tirol vom Rechnungshof geprüft wird. Aber diese Prozesse sind sehr ähnlich und man kann sich etwas darunter vorstellen und man weiß auch, auf was kommt’s an. Und ja, so bin ich eigentlich zu dem Politischen gekommen, aber eigentlich immer im Hintergrund geblieben. Habe diesen Schritt in die erste Reihe eigentlich nie gemacht und habe mich immer sehr wohlgefühlt, sozusagen für diejenigen, die Verantwortung tragen, ein gutes Umfeld zu schaffen und die Informationen aufzubereiten und auch ein bisschen diese Brückenfunktion zu sein in Richtung Bevölkerung, in Richtung Bürger, aber jetzt auch in Richtung der Verwaltung. Also erinnere ich mich noch sehr gut: Mein Landesamtsdirektor, so das erste Gespräch als neuer Büroleiter. Er war ja einer meiner Vorgänger als Büroleiter. Das ist schon interessant, wenn man sich dann ausmacht: Wie will man denn zusammenarbeiten in den nächsten fünf Jahren? Aber ich glaube, wir haben da mit ihm und seiner Stellvertreterin einen sehr guten Weg gefunden, um diese beiden Brückenfunktionen auch gut zu verbinden.

Széchényi:

Sie sagen, Sie sind im Hintergrund. Trotzdem sind Sie auch in dieser politischen Struktur drinnen. Das heißt, ein politisches Amt ist immer ein Amt auf Zeit, fünf Jahre und dann weiß man eigentlich nicht, wie es weitergeht. Macht es die Lebensplanung schwierig?

Heel:

Das würde ich jetzt gar nicht sagen. Mir kommt ein bisschen vor, fünf Jahre ist heute ein relativ langer Zeithorizont, um einen Job auszuüben. Ich möchte jetzt nicht sagen, dass die Leute so sprunghaft geworden sind und ständig den Job wechseln und das Unternehmen wechseln. Aber es hat sich schon ein bisschen was verändert in unserer Gesellschaft und die Menschen sind durchaus bereit, auch neue Herausforderungen anzunehmen und sich in ihrem Berufsleben auch neu zu orientieren, neu zu positionieren. Weiterbildung ist ein großes Thema. Also ich glaube, fünf Jahre ist schon ein gutes Zeitfenster und natürlich muss man dann auch schauen, was man macht, aber ich habe Gott sei Dank nie Jobängste gehabt. Wenn man sozusagen mit gutem Gewissen sagen kann, man weiß, was man kann, dann braucht man sich, glaube ich, vor dem Arbeitsmarkt auch nicht zu fürchten.

Warum sich junge Menschen für Politik interessieren sollten

Széchényi:

Ja, richtig. Der Jugend von heute wird fälschlicherweise eigentlich immer nachgesagt, sie sei politikverdrossen oder sie interessiert sich überhaupt nicht für Politik. Stimmt so nicht ganz. Es gibt neue Studien, die besagen, dass sehr wohl Interesse der Jugend da ist. Was hat für Sie die politische Arbeit schon als junger Mensch so spannend gemacht und was kann man eigentlich den jungen Leuten sagen? Hey, das ist ein spannender Job.

Heel:

Ich glaube, es geht immer ganz stark darum, in welcher Lebensphase steckt jemand und was ist in dieser Lebensphase wichtig für ihn. Ich habe begonnen mit der Schülervertretung, weil mich natürlich mein Umfeld interessiert hat: Wie wird die Schule gestaltet? Wie ist der Lehrplan gestaltet? Und natürlich auch darüber hinaus. Ich glaube, junge Menschen muss man dort abholen, wo ihre Lebensrealität ist. Der Landeshauptmann macht es sehr gut mit diesem Format „Fragt den LH“, wo er immer wieder Schulklassen zu sich ins Büro einlädt, ob das Berufsschulklassen sind, ob das Gymnasiumklassen sind oder auch Mittelschulklassen und sozusagen auch mit den jungen Menschen in Dialog tritt. Was interessiert sie denn? Und das muss ich schon sagen, das ist immer beeindruckend. Man sagt ja der Politik ab und zu nach: Ja, da sagt man was und beim einen Ohr geht’s rein und beim anderen raus. Das kann ich überhaupt nicht bestätigen. Ganz und gar nicht. Wenn der Landeshauptmann eine Schulklasse da hatte, dann ist eigentlich der Nachmittag sehr oft davon geprägt, dass man kurz zusammensteht und das ganze Gespräch wiedergibt und eigentlich auch Arbeitsaufträge verteilt. Da möchte ich mehr wissen. Das haben die Jungen angesprochen. Da sollte man vielleicht mal hinschauen. Also ich hätte das Gefühl, dass das bei ihm eine sehr große Priorität einnimmt und ansonsten ist es einfach wichtig, auch Ansprechpartner für die Jugend zu haben. Das heißt jetzt nicht zwingend, dass immer ein junger Abgeordneter vertreten sein muss, wobei das natürlich auch sehr gut dazu beitragen kann, aber es ist wichtig, dass die Politiker ansprechbar sind für die Jungen und sich auch ehrlich für deren Lebensrealitäten interessieren. Und damit wird auch keine Politikverdrossenheit aufkommen. Man muss ihnen nur aufzeigen, was hat denn die Politik sozusagen in ihrem großen Bauchladen auch für mich im Angebot.

Széchényi:

Das klingt jetzt alles so, wenn man Ihrer Job Description zuhört, dass der Büroleiter ein Full-Time-Job ist, sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag. Hat man da überhaupt noch Freizeit?

Heel:

Natürlich ist es ein Full-Time-Job. Man muss schon – außer im Haupturlaub, da gibt’s natürlich schon Stellvertreterregelungen – ansprechbar sein. Das Land Tirol hat natürlich umfangreiche Aufgaben und ich sage mal auch eine Naturkatastrophe oder andere Dinge machen vor einem Wochenende nicht Halt. Da muss natürlich auch das politische Büro funktionieren. Da müssen wir auch die entsprechenden Ansprechpartner sein. Aber man nimmt sich natürlich auch seine Freiräume dann raus.

Familie, Halbmarathon und Rockfestival

Széchényi:

Ja, also eben Sie sind ja auch Vater einer zwölfjährigen Tochter. Sie haben auch gesagt, das Büro schaut darauf, dass auch Karenzstellen wiederbesetzt werden, zurückbesetzt werden und so weiter und so fort. Also Sie machen das schon, dass sich Familienleben und Beruf vereinbaren lassen.

Heel:

Auf jeden Fall. Das muss auch gegeben sein. Wir haben die Erfahrung gemacht: Wenn die Menschen privat zu wenig Ankerpunkte haben und privat zu wenig Möglichkeit haben, auch einmal abseits der Arbeit sich zu entfalten und sozusagen nur im Arbeitsleben versinken, dann mag das sein, dass man mal eine gewisse Zeit etwas kompensieren kann oder Doppelleistungen bringen kann, aber es ist kein Dauerzustand und am Ende des Tages leidet langfristig die Leistungsfähigkeit, wenn man immer zu wenig auf sich schaut. Und für mich ist sicherlich die Zeit mit meiner Tochter so ein fixer Ankerpunkt, wo auch um diese Zeit herumgeplant wird, wo ich dann sage: Okay, das sind jetzt einfach fixe Tage, fixe Stunden, die ich mit meiner Tochter verbringen will. Aber man kann das alles organisieren, an dem soll es nicht scheitern. Und auch der sportliche Ausgleich. Ich gehe ganz gerne mal am Abend eine Runde laufen. Die halbe Stunde kann man sich schon nehmen. Also es ist zwar ab und zu ganz schön, die Ausrede auch für sich selbst zu verwenden: „Ah, diese Woche ist es sich leider wieder nicht mehr zum Laufen ausgegangen, weil ich so viel in der Arbeit habe.“ Wenn man es dann ehrlich betrachtet: Die halbe Stunde geht sich eigentlich immer aus.

Széchényi:

Eine halbe Stunde laufen, das klingt nach ein paar Kilometern. Was ist denn so Ihre Lieblingsdistanz?

Heel:

Ja, wie soll ich denn sagen, ich versuche mich ja seit Jahren irgendwo dieser Marathondistanz, dieser magischen 42 Kilometer, sozusagen zu nähern. Schaffe es allerdings meistens nur bis zur Halbmarathondistanz, wo ich irgendwo bei meinen zwei Stunden gefangen bin. Also ich bin da wirklich ein Hobbyläufer, aber –

Széchényi:

Naja, 21 Kilometer ist schon ordentlich, sage ich mal.

Heel:

Das Problem ist natürlich, wenn man dann immer sozusagen Winterschlaf einlegt, dann fängt man halt im Frühjahr wieder eher bei den fünf Kilometern an.

Széchényi:

Ja, eh. Sie haben auch von Urlaub gesprochen. Natürlich hat auch ein Büroleiter des Landeshauptmanns Urlaub. Heuer geht’s allerdings auch ein paar Tage zu einem Rockfestival. Das haben Sie fix eingeplant.

Heel:

Tatsächlich nicht nur heuer – mittlerweile jedes Jahr. Das ist eine eingespielte Truppe, die sich – auch mit über 40 – entschieden hat, immer noch auf ein Festival zu fahren.

Széchényi:

So richtig mit Zelt, Klappstuhl, Gummistiefeln?

Heel:

Ja, tatsächlich nicht nur heuer. Jedes Jahr ist das tatsächlich. Ja, das ist eigentlich mittlerweile eine eingespielte Truppe, die sich entschieden hat, auch mit über 40 immer noch auf ein Festival zu fahren. Also so richtig mit Zelt, mit Klappstuhl, mit Gummistiefeln. Ja, ich weiß eh, also es ist jetzt nicht so die Vorstellung von einem Büroleiter, die man hat, der dann im Juni eventuell im Regen und im Gatsch mit Gummistiefeln bewaffnet auf dem Rockfestival ist. Aber es ist immer eine schöne Zeit und dieses Jahr muss ich den Vorabend sozusagen auslassen, weil die Landeshauptleutekonferenz Donnerstag und Freitag im Juni in Innsbruck stattfinden wird. Aber Freitagmittag hätte ich dann fix eingeplant, mich aufzumachen.

Széchényi:

Dann geht’s auf vor die Konzertbühne. Vorher kurzer Kleidungswechsel, der Anzug gegen das T-Shirt …

Heel:

Ja, genau.

Verabschiedung

Széchényi:

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen, viel Spaß beim Konzert und sage danke fürs Gespräch, danke für den Besuch im Studio.

Heel:

Herzlichen Dank für die Einladung.

Széchényi:

Das war ein Podcast des Landes Tirol mit Philipp Heel, dem Büroleiter des Landeshauptmanns Anton Mattle. Heel ist Fußballfan des englischen Vereins Manchester United. Seine Begeisterung für die Filmserie Star Wars teilt er mit seiner zwölfjährigen Tochter. Seine berufliche Hauptaufgabe sieht er darin, die Flut von Informationen, die täglich aufpoppt, für den Landeshauptmann zu filtern und aufzuarbeiten. Die Begeisterung für die Politik ist schon in den Jugendjahren entstanden. „Ins Land einihören“, den Podcast des Landes Tirol, findet ihr auf tirol.at/podcast, auf allen gängigen Podcast-Plattformen und auf YouTube. Danke fürs Zuhören und fürs Zusehen. Bis zum nächsten Mal, sagt Dénes Széchényi.

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