Erstes Tiroler Baukultur Forum als Startschuss für Erstellung baukultureller Leitlinien

Vernetzung und Diskussion unterschiedlichster AkteurInnen – von ArchitektInnen und HandwerkerInnen bis zu VertreterInnen der Wirtschaft und Gemeinden

  • Vorstellung der Ergebnisse der Online-Umfrage unter Baukultur-ExpertInnen
  • Erstellung der baukulturellen Leitlinien zum Erhalt und Weiterentwicklung der Tiroler Baukultur
  • Mehr Informationen unter: www.tirol.gv.at/baukulturelleleitlinien

Die Kultur einer jeden Region ist einzigartig. Das trifft nicht nur auf Bereiche wie Essen, Literatur oder Musik zu, sondern auch auf die Art, wie Menschen ihre Umgebung baulich gestalten. Die Baukultur einer Region ist vielfältig ausgeprägt und reicht vom Gartenzaun über den historischen Bauernstadel und das Stadtpalais bis hin zu Plätzen und gestalteten Freiräumen. Um die Baukultur in Tirol zu erhalten und gleichzeitig auch weiterzuentwickeln, erarbeitet das Land Tirol baukulturelle Leitlinien. Mit dem 1. Tiroler Baukultur Forum fiel am Montag, 10. Oktober, der Startschuss für diesen breit angelegten, mehrstufigen Prozess. Im Rahmen der Veranstaltung konnten sich AkteurInnen aus den unterschiedlichsten Professionen – von ArchitektInnen und HandwerkerInnen bis zu VertreterInnen der Wirtschaft und Gemeinden – miteinander vernetzen, gemeinsam ergebnisoffen diskutieren und wesentliche Eckpfeiler der künftigen Leitlinien definieren.

„Die Art des Bauens in einem Land spiegelt die Gesellschaft wider. Baukultur ist nicht nur identitätsstiftend und eine wichtige Säule unserer Traditionen, sie beeinflusst auch maßgeblich unsere Lebensqualität und wertet unseren Lebensraum auf. Gerade in Tirol als einem Land, in dem auf Grund der Topografie die vorhandene Fläche stark begrenzt ist, müssen wir achtsam mit der Ressource Boden umgehen. Mit den baukulturellen Leitlinien möchten wir eine wichtige Grundlage schaffen, um den reichen Schatz an baukulturell wertvollen Objekten in Tirol zu bewahren. Gleichzeitig wollen wir aber auch die Baukultur im Sinne von Nachhaltigkeit sowie bodensparenden Umgang weiterentwickeln und zudem in der Bevölkerung ein Bewusstsein für dieses Thema schaffen. Immerhin beeinflusst unser Umgang mit Baukultur wesentlich, wie sich Tirol in Zukunft gestalten wird“, sagt der zuständige Landesrat Johannes Tratter.

Online-Umfrage als Basis für ExpertInnen-Diskurs

Bereits im Vorfeld der Veranstaltung wurde eine Online Umfrage zum Thema Tiroler Baukultur unter Baukultur-ExpertInnen versandt, bei welcher insgesamt 326 Personen teilnahmen. Die Ergebnisse der Umfrage wurden im Rahmen des 1. Tiroler Baukultur Forums präsentiert: 96 Prozent der Befragten gaben an, dass in ihren Heimatorten Beispiele gelungener Baukultur zu finden seien. Als wesentliche Eigenschaft gelungener Baukultur wurden etwa die Eingliederung eines Bauwerks in die Umgebung, die Architektur oder die verwendeten Materialien gesehen. Einigkeit unter den TeilnehmerInnen herrschte bei der Frage, ob hohe Baukultur-Qualität wichtig für die kulturelle Identität und die Lebensqualität eines Landes sei. Diesen beiden Fragen stimmen über 70 bzw. über 60 Prozent der Befragten vollkommen zu. Vor allem die Qualität des Bauhandwerks in Tirol wurde von den ExpertInnen als hochwertig eingeschätzt. Aufholbedarf wurde hingegen beim Bewusstsein für Baukultur in der Bevölkerung sowie bei der gesetzlichen Einforderung von qualitätsvoller Baukultur verortet. Als mögliche Werkzeuge für die weitere Qualitätssteigerung wurden unter anderem Beratungs- und Gestaltungschecks sowie den Austausch unter ExpertInnengruppen und geführte Dorfspaziergänge als sinnvoll erachtet. „Die Ergebnisse der Umfrage sind nicht nur eine Bestandsaufnahme, sondern auch ein Arbeitsauftrag, um intensiv über die Weiterentwicklung der Baukultur in Tirol nachzudenken und konkrete Schritte zu setzen“, so LR Tratter.

Erstellung baukultureller Leitlinien

Die Ergebnisse der Studie als Basis nehmend, diskutierten die TeilnehmerInnen des 1. Tiroler Baukultur Forums außerdem über weitere, unterschiedlichste Bereiche der Baukultur. Die Themenpalette reichte von der qualitätsvollen architektonischen Gestaltung von Bauwerken und den Erhalt des baukulturellen Erbes über die notwendige Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung bis zum Umgang mit Grund und Boden und dem nachhaltigen ökologischen Bauen. Begleitet wurde der Prozess von verschiedenen Vorträgen, in denen unter anderem „Best-Practice-Beispiele“ aus der Tiroler Gemeinde Lans und der Vorarlberger Gemeinde Rankweil vorgestellt wurden.

In einem nächsten Schritt werden die Ergebnisse dieses ExpertInnen-Diskurses nun zusammengefasst und anschließend auf der Website www.tirol.gv.at/baukulturelleleitlinien veröffentlicht. Im Rahmen Regionaler Baukultur-Tage – voraussichtlich Anfang 2023 – werden die bisherigen Arbeitsschritte einem breiten Publikum vorgestellt und gemeinsam weiter diskutiert. Nach einer weiteren Feinabstimmung und Vertiefung sollen schlussendlich die baukulturellen Leitlinien präsentiert werden. „Mit den baukulturellen Leitlinien möchten wir Handlungsempfehlungen etablieren, die dabei helfen sollen, unser gebautes Lebensumfeld hochwertig und nachhaltig zu gestalten. Die Leitlinien sollen sowohl bei der Planung, Umsetzung als auch Genehmigung von Bauprojekten als Entscheidungshilfe dienen“, so Diana Ortner, Vorständin der Abteilung Bodenordnung des Landes Tirols. Gerhard Wastian, Vorstand der Abteilung Hochbau, ergänzt: „Neben der Erarbeitung konkreter ‚Tools‘ steht aber vor allem die Bewusstseinsbildung im Vordergrund. Ein wesentliches Ziel ist es, einer breiten Bevölkerungsschicht dafür zu sensibilisieren, wieso qualitätsvolle Baukultur wichtig für eine Gesellschaft ist – sowohl für die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger als auch für die Identität unseres Landes. Teil dessen werden etwa geführte Dorfspaziergänge oder verschiedene Vorträge sein.“

Der mehrstufige Prozess zur Erstellung der baukulturellen Leitlinien wird durch die ARGE Philipp Fromm & dieBaupiloten begleitet. Mehr Informationen finden sich unter www.tirol.gv.at/baukulturelleleitlinien.