Tbc und Landwirtschaft/Almwirtschaft

Welche Folgen hat eine Tbc-Infektion bei Rindern?

Die Krankheit verläuft typischerweise in verschiedenen Stadien. In der Primärphase bildet sich bei Infektion ein Entzündungsherd im Eintrittsorgan (Lunge, Darm). Bei Rindern ist in der Regel die Lunge Haupteintrittspforte, bei Kälbern auch der Darm. Ist das Immunsystem geschwächt, kann es jedoch auch zur schnellen Ausbreitung des Erregers in anderen Organen bzw. dem Körper kommen. Das Leiden verläuft chronisch und schubweise. Erst nach längerer Erkrankung treten Allgemeinstörungen, wie Abmagerung, Fieberanfälle, Husten mit beschleunigter Atmung und Lymphknotenschwellung auf. Besondere Formen der Tuberkulose sind die Haut-, Hoden- bzw. Nebenhoden-, Uterus-, Euter- und generalisierte Tuberkulose. Die Krankheitsdauer bis zum tödlichen Ausgang kann sich über mehrere Jahre erstrecken. Jungtiere können nach einer Infektion aber auch innerhalb von ein bis zwei Wochen an einer fieberhaften Lungenentzündung sterben.
Wegen der Gefahr der Ansteckung der übrigen Rinder und in weiterer Folge des Menschen werden mit Tbc infizierte Rinder getötet und unschädlich beseitigt. Wenn in einem Bestand mehr als 40 Prozent der Rinder befallen sind, muss der gesamte Bestand getötet werden.

Welchen direkten Schaden hatte die Landwirtschaft im Außerfern bisher durch Tbc?

Wirtschaftlicher Schaden ist auf verschiedensten Ebenen entstanden.  Bei den Rinderbauern gab es direkten Schaden durch notwendige Tötungen, durch Betriebssperren, beim Zu- und Verkauf von Vieh und durch Vermarktungsstopp bei Milchlieferungen.  Außerdem gab es große Einschränkungen bei der Bestoßung der Almen. Auch beim Nachbesetzen von ausgefallenen Tieren gab es immer wieder Verzögerungen mit damit verbundenen wirtschaftlichen Folgen. Jene Situationen, wo bei betroffenen Betrieben der gesamte Rinderbestand  getötet werden musste,  stellte für die Bauernfamilien eine extreme Belastung dar. Zum kompletten Verlust der Zuchtarbeit von Jahrzehnten kommen enorme seelische Belastungen.

Welche Folgen gab es für die verarbeitenden Betriebe?

Milchverarbeiter (Käsereien) mussten zeitweise die Milch von betroffenen Lieferanten separat erfassen und zusätzlich erhitzen. Dadurch konnten die traditionellen Hartkäsesorten wie Emmentaler und Bergkäse nicht im üblichen Ausmaß hergestellt werden. Teilweise waren aufwändige Produktionsumstellungen notwendig. Auch die Position bei der Vermarktung der Milchprodukte durch die Käsereien hat sich verschlechtert.

Kann man den wirtschaftlichen Schaden beziffern?

Um Härten abzufedern, hat es einige Maßnahmen seitens der öffentlichen Hand bei Tierverlusten, Milchentsorgung, Stalldesinfektion oder für Käsereien gegeben. Neben den direkten Schäden, gibt es aber auch eine Reihe von indirekten Schäden von enormer wirtschaftlicher Bedeutung. Auswirkungen hat die Tbc-Problematik etwa auf den Zuchtviehabsatz der Lechtaler Viehbauern und aller Außerferner Rinderhalter. Andere Viehbauern und Händler kaufen kaum mehr Zucht- und Nutzvieh aus dem Bezirk Reutte. Die gesunkene Nachfrage bei den Versteigerungen kostet die Außerferner Bauern bares Geld. Der Schaden durch Imageverlust der Landwirtschaft, insbesondere im Bereich Zuchtrinder, aber auch was die Alpung betrifft, oder auch hinsichtlich Milchprodukte aus der Region kann nur schwer beziffert werden.

Welche Auswirkungen hat Tbc-Problematik beim Rotwild auf die Almwirtschaft?

Im so genannten Tbc-Sonderüberwachungsgebiet, welches derzeit von Steeg lechabwärts bis ins Gemeindegebiet Weißenbach mit dem Almgebiet im „Schwarzwasser“ reicht, gibt es 42 bewirtschaftete Almen. Im Sommer 2010 waren rund 3.300 Tiere, davon 1.650 Rinder (inkl. 450 Kühe), 1.550 Schafe, 50 Pferde und 30 Ziegen auf den Almen. Fast ein Drittel des Almviehs kommt aus anderen Tiroler Bezirken. Die Bestoßung der Lechtaler Almen durch Vieh aus dem restlichen Tirol bzw. benachbarten Ausland ging deutlich zurück.

Bekommt man die Tbc-Problematik nicht in den Griff, droht der Verlust des Status des Tbc-freien Landes. Welche Auswirkungen hätte das?

Der Viehexport wäre zwar weiter möglich, aber abgesehen vom massiven Imageschaden würde durch die notwendigen zusätzlichen Untersuchungen einen erheblicher Mehraufwand von mindestens 50 Euro pro Tier entstehen. Tirol exportiert jährlich rund 12.000 Stück Vieh. Das bedeutet Mehrkosten von 600.000 Euro – vorausgesetzt der Viehabsatz kann überhaupt auf diesem Niveau gehalten werden. Darüber hinaus müsste tirolweit der gesamte Rinderbestand im Zwei-Jahres-Rhythmus auf Tbc untersucht werden. Das würde nochmals Kosten in der Höhe von einer Million Euro verursachen. Der Verlust der Anerkennung als Tbc-freies Land beläuft sich damit auf rund 1,6 Millionen Euro jährlich.