Scientist in Residence
Ein transdisziplinäres Praxisprogramm zur Professionalisierung der Museumsarbeit in Tirol
Was bedeutet Scientist in Residence?
Das Programm “Scientist in Residence” bringt Studierende einschlägiger Studienrichtungen und Tiroler Museen zusammen. Im Rahmen eines fachlich begleiteten Praktikums wenden die Studierenden ihre im Studium erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten an und bearbeiten ein klar definiertes, museal relevantes Praxisprojekt. Im Mittelpunkt stehen dabei der Ausbildungszweck, die fachliche Begleitung und die praktische Anwendung der Studieninhalte. Zugleich fördert das Programm die Vernetzung zwischen Studierenden und Museen und schafft einen wechselseitigen Mehrwert: Die Studierenden sammeln Praxiserfahrung und gewinnen Einblicke in mögliche Berufsfelder, während die Museen von neuen fachlichen Perspektiven und Impulsen profitieren.
Ab Herbst 2026 wird das Scientist in Residence-Programm erstmals als neues Praxisformat für Tiroler Museen angeboten. Das Programm wurde von der Servicestelle für Museen und regionale Kulturarbeit konzipiert und steht in Verbindung mit der Ringvorlesung “Museum im Werden” im Wintersemester 2026/27.
Das “Scientist in Residence”-Programm verfolgt eine doppelte Zielsetzung:
- Professionalisierung der Museumsarbeit in Tirol durch qualifizierte wissenschaftliche Mitarbeit von Studierenden in Museen
- und die praxisnahe Qualifizierung von Studierenden im Hinblick auf museale Berufsfelder.
In der ersten Phase richtet sich das Programm vor allem an Studierende der Empirischen Kulturwissenschaften (BA und MA) und der Archäologien (BA und MA), da in diesen Studienbereichen die curricularen Voraussetzungen für eine Praxisanrechnung – “Wahlmodul: Praxis” im Umfang von 240 Stunden – bereits gegeben sind. Eine Teilnahme von Studierenden weiterer einschlägiger Studienrichtungen ist möglich, sofern die curriculare Anerkennung mit der zuständigen universitären Stelle geklärt wird. Wir sind jedoch um weitere Kooperationen bemüht, um das Programm künftig auch für zusätzliche Studienrichtungen zu öffnen.
Wissenschaft trifft Museumspraxis
Das Scientist in Residence-Programm schafft eine strukturierte Schnittstelle zwischen Universität und Museum – es verbindet universitäre Ausbildung mit musealer Praxis. Studierende arbeiten für einen klar definierten Zeitraum an wissenschaftlichen Projekten in Tiroler Museen. Museen erhalten qualifizierte Unterstützung bei konkreten Aufgaben; Studierende gewinnen berufspraktische Erfahrung im institutionellen Kontext.
Museen, die sich beteiligen möchten, reichen eine Projektskizze ein, die von der Servicestelle geprüft und in Abstimmung mit der Universität freigegeben wird. Damit wird Qualitätssicherung gewährleistet und eine Überforderung kleinerer Institutionen vermieden.
Für Museen: Residenceplatz anbieten
Für Studierende: Residenceplatz suchen
Tiroler Museen können laufend Projekte einreichen und Studierende können sich ebenso laufend für Praxisplätze bewerben, die zu ihren Interessen und Kompetenzen passen – bitte schicken Sie die ausgefüllten Unterlagen direkt an johanna.boehm@tirol.gv.at
Das Wichtigste in Kürze
| Umfang | 240 Stunden |
| Vergütung | grundsätzlich Unterkunft plus angemessene pauschale Vergütung |
| Förderung | bis zu 80 % einer förderfähigen Bemessungsgrundlage von max. € 1.400 |
| Anrechnung im Regelfall | 10 ECTS |
| Output | wissenschaftlicher Beitrag im Museum und Arbeitsbericht |
| Koordination | Museumsservicestelle in Kooperation mit tiMus |
Rahmenbedingungen
Dauer und Umfang
Das Praktikum umfasst grundsätzlich 240 Stunden. Die konkrete zeitliche Einteilung wird zwischen dem Museum bzw. der Trägerinstitution und der Studierenden vereinbart und kann geblockt oder über einen längeren Zeitraum verteilt erfolgen. Die 240 Stunden dienen der curricularen Einordnung und Praktikumsplanung und begründen für sich allein keine fixe betriebliche Arbeitszeit. Die Studierende ist dafür verantwortlich, die curricularen Voraussetzungen zu prüfen, die erforderliche Genehmigung vor Praktikumsbeginn einzuholen und die spätere Anerkennung zu beantragen.
Voraussetzung
Zentraler Bestandteil des Programms ist eine schriftliche Praktikumsvereinbarung, die vor Praktikumsbeginn mit der Servicestelle für Museen und regionale Kulturarbeit abgestimmt und vor Praktikumsbeginn zwischen dem Museum bzw. der Trägerinstitution und der:dem Studierenden abgeschlossen wird.
Diese Vereinbarung umfasst:
- eine Beschreibung der Praxis- und Projektinhalte,
- die Ausbildungs- und Lernziele,
- die vorgesehenen Arbeitsschritte,
- das angestrebte Praxis- oder Projektergebnis (z. B. Inventarisierung einer Teilsammlung, Erstellung eines Newsletterkonzepts oder Social Media-Auftritts, Recherchetätigkeiten, Mithilfe bei Ausstellungsplanung oder -vorbereitung, Entwurf eines Vermittlungs- oder Kommunikationskonzepts etc.),
- den zeitlichen Rahmen und die Betreuungsstruktur.
Das Praxisprojekt soll fachlich anspruchsvoll, museal relevant und innerhalb von 240 Stunden realistisch bearbeitbar sein. Im Vordergrund stehen der Ausbildungszweck, die fachliche Begleitung und die praktische Anwendung der Studieninhalte. Reine Routinearbeiten oder die Abdeckung des laufenden Personalbedarfs sind nicht vorgesehen. Das Museum stellt eine fachlich qualifizierte Betreuung sicher und ermöglicht eine strukturierte Einschulung, regelmäßige Rückmeldungen sowie den Zugang zu den erforderlichen Arbeitsmitteln und fachlichen Ressourcen.
Vergütung
Als Anerkennung für die im Rahmen des Praktikums geleistete qualifizierte Arbeit wird eine angemessene pauschale Vergütung ausdrücklich empfohlen. Die konkrete Höhe wird zwischen dem Museum bzw. der Trägerinstitution und der Studierenden vereinbart.
Die Abteilung Kultur des Landes Tirol fördert nach Maßgabe der geltenden Förderungsrichtlinien bis zu 80% der vereinbarten Pauschale. Als förderfähige Bemessungsgrundlage werden maximal € 1.400 anerkannt; die Förderung beträgt somit höchstens € 1.120.
Der nicht geförderte Anteil sowie eine darüber hinausgehende Vergütung werden vom Museum bzw. der Trägerinstitution getragen. Die Auszahlung an die Studierende erfolgt durch das Museum bzw. die Trägerinstitution.
Ein Rechtsanspruch auf Förderung besteht nicht.
Unterkunft
Analog zum Artist in Residence-Gedanken stellt das aufnehmende Museum – sofern erforderlich – eine Unterkunft bereit oder organisiert diese in Kooperation mit Gemeinde oder regionalen Partner:innen (z. B. touristische Betriebe, kommunale Strukturen) möglichst kostenfrei oder zumindest kostengünstig für ihre Scientists in Residence
Wissenschaftlicher Output
Am Ende steht ein fachlich nachvollziehbares Ergebnis in Form eines Arbeitsberichts im Umfang von etwa 15 bis 25 Seiten, der den curricularen Anforderungen der jeweiligen Studienrichtung entspricht. In den geistes- und kulturwissenschaftlichen Studienrichtungen bewegt sich der Umfang vergleichbarer Praktikumsberichte üblicherweise bei etwa 15 bis 25 Seiten (ca. 30.000 bis 50.000 Zeichen), einschließlich einer Beschreibung des Museums und des institutionellen Rahmens, Darstellung der Aufgabenstellung, Reflexion der methodischen Vorgehensweise, Dokumentation der Ergebnisse, kritische Einordnung im Hinblick auf museologische Fragestellungen, persönliche Reflexion der erworbenen Kompetenzen. Dem Bericht ist eine vom Museum unterzeichnete Bestätigung über die geleisteten 240 Stunden sowie die konkret durchgeführten Tätigkeiten beizulegen.
Der Arbeitsbericht wird übermittelt an:
- die zuständige universitäre Stelle (zur Anerkennung der ECTS),
- das aufnehmende Museum,
- die Abteilung Kultur/Servicestelle für Museen und regionale Kulturarbeit.
Der wissenschaftliche Output steht dem Museum sowie dem Land Tirol zur Verfügung und kann – nach Rücksprache – für weitere Projekte, Publikationen oder interne Entwicklungsprozesse genutzt werden.
Rolle des Landes Tirol
Das Land Tirol unterstützt das Programm durch Information, Vermittlung und mögliche Förderung. Es ist weder Praktikumsgeber noch Arbeitgeber und wird nicht Partei der Praktikumsvereinbarung. Durch Bewerbung, Vermittlung oder Förderung entsteht kein Vertrags-, Arbeits- oder Ausbildungsverhältnis mit dem Land Tirol.
Downloads
- Information für Studierende
- Information für Museen und Rechtsträger
- Vorlage Praktikumsvertrag
- Vorlage Begleitende Vereinbarung über Ablauf, Inhalt und Ziele
- Vorlage Bestätigung