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1. Landeshauptmann-Stellvertreter Philip Wohlgemuth

1. Landeshauptmann-Stellvertreter Philip Wohlgemuth

Zuständig für Wohnbauförderung, Hochbau, Sport, Integration sowie die Liegenschaften des Landes

Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler

Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler

Zuständig für Land- und Forstwirtschaft, Grundverkehr, Raumordnung, Straßenbau, Energie, Traditionswesen

Landesrat Mario Gerber

Landesrat Mario Gerber

Zuständig für Wirtschaft, Tourismus sowie Digitalisierung

Landesrätin Cornelia Hagele

Landesrätin Cornelia Hagele

Zuständig für Gesundheit, Pflege, Bildung sowie Wissenschaft und Forschung

Landesrätin Astrid Mair

Landesrätin Astrid Mair

Zuständig für Sicherheit, ArbeitnehmerInnen, Generationen sowie Zivil- und Katastrophenschutz

Landesrätin Eva Pawlata

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Zuständig für Soziales, Inklusion sowie Frauen

Landesrat René Zumtobel

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Traditionelles Tirol: Altes bewahren, Brücken schlagen?

Landtagspodcast “Adlerohren” | Folge #34

Transkript

Hinweis: Gesprächsbeiträge im Tiroler Dialekt werden inhaltlich in Hochdeutsch übersetzt.

Einleitung

Off-Stimme:

Traditionen prägen Tirol – im Brauchtum, in Vereinen und im täglichen Zusammenleben. Doch wie viel Veränderung verträgt das, was über Generationen weitergegeben wird? Welche Rolle spielen Ehrenamt und Gemeinschaft in einer Gesellschaft, die sich ständig wandelt? Willkommen bei Adlerohren, dem Podcast des Tiroler Landtags. Folge 34: Traditionelles Tirol: Altes bewahren, Brücken schlagen?

Diesmal mit: Gudrun Kofler von der FPÖ, seit 2022 Abgeordnete und daheim in Silz. Sie diskutiert mit Zeliha Arslan. Die Abgeordnete der Grünen ist auch seit 2022 im Landtag und wohnt in Innsbruck.

Tatjana Lukas (Moderatorin):

Hallo und herzlich willkommen. Mein Name ist Tatjana Lukas und wir sind wieder hier bei Adlerohren, dem Podcast aus dem Tiroler Landtag. Ich freue mich sehr, heute bei mir zwei Landtagsabgeordnete begrüßen zu dürfen. Wir haben hier die Gudrun Kofler von der FPÖ. Vielen Dank, dass Sie da sind.

Gudrun Kofler:

Gerne, danke.

Lukas:

Und die Zeliha Arslan von den Grünen. Schön, dass Sie da sind.

Zeliha Arslan:

Ich freue mich auch.

Lukas:

Wir haben ja heute ein tolles Thema, nämlich Tirol zwischen Tradition und Moderne, was ein weites Themenspektrum aufmacht. Wir geben ja immer zu bedenken, dass man vielleicht eine kleine persönliche Anekdote mitbringt, bevor wir in die Sachdiskussion zum Thema einsteigen. Dürfte ich vielleicht mit Ihnen, Frau Arslan, anfangen. Was haben Sie für eine Erinnerung mitgebracht, die mit dem Thema zu tun hat?

Arslan:

Wir haben eigentlich zu Hause, da habe ich überlegt, und bei uns ist es eigentlich das Weihnachtsfest, wo wir versuchen, bewusst uns Zeit zu nehmen, wo ich das komplette Programm abspiele. Also mit Baum kaufen, Schmuck, Geschenke, Essen machen, mit den Kindern dann Zeit zu haben. Und dann, das machen wir jedes Jahr, wir kochen Mexikanisch. Ich liebe mexikanisches Essen, meine Kinder zum Glück auch. Und dann gibt es immer ein Videocall mit der ganzen Familie. Das ist so unsere Weihnachtsfeier zu Hause.

Lukas:

Und das mexikanische Essen wurde per Dartpfeil auf dem Globus ausgesucht? Oder gibt es da einen Hintergrund, der aus familiärer Tradition entspringt?

Arslan:

Also ich koche leidenschaftlich gerne und wir haben dann immer viel ausprobiert. Und beim mexikanischen Essen, also bei Fajitas, sind wir dann hängen geblieben. Die machen wir sehr gut, die mache ich sehr gut. Und das ist eigentlich schön, weil wir dann viel Zeit haben und dann die unterschiedlichsten Konstellationen in der Zusammensetzung von einer Fajita machen können. Und das ist eigentlich schön, dann einfach beim Tisch zu sitzen, neue Sachen auszuprobieren und einfach mal Zeit zu haben. 

Lukas:

Dankeschön. Und was haben Sie für eine Anekdote mitgebracht?

Kofler:

Also Tradition hat für mich vor allem mit Brauchtum zu tun. Und ich kann mich noch erinnern, für mich, wenn man Tradition und Brauchtum verbindet, dann erinnere ich mich selber daran, wo ich ein kleines Madl war, das für mich das Coolste war, dass alle, die ich gekannt habe, in meiner Familie bei den Schützen waren. Und deshalb war mein Ziel immer, ich will auch Marketendrin werden, ich will unbedingt zu den Schützen gehen und ich habe es nicht erwarten können. Ich habe immer gefragt, mit acht Jahren habe ich gefragt, wann darf ich endlich zu den Schützen gehen, mit zehn und immer so weiter, bis irgendwann einmal sie nachgegeben haben in der Kompanie und gesagt haben, ja, eigentlich dürfen wir bei uns erst später dazugehen. Aber wenn du unbedingt willst, dann kommst du halt jetzt dazu und ich bin mit elf Jahren Marketendrin geworden und das war für mich das Größte und das Schönste. Und ich muss wirklich sagen, bis ich dann ausgeschieden bin, weil ich zum Studieren nach Innsbruck gegangen bin und nicht mehr so viel Zeit gehabt habe, war das eigentlich eines von den Dingen, die mir am meisten Spaß gemacht haben, wo ich am meisten gelernt habe, wo ich am meisten Erfahrungen gemacht habe. Und deswegen ist Tradition für mich mit Brauchtum untrennbar verbunden. 

Lukas:

Danke, dann würde ich sagen, steigen wir ein in die Sachdiskussion. Ich würde einmal ganz kurz vorher Tradition, den Traditionsbegriff aufmachen, weil Tradition kann sich ja in Musik, in Festen, in Sprache, in Kleidung, in Glauben, Vereinen und Familiengeschichten verwurzeln und weitergeben. Frau Arslan, welche Rolle kann Tradition in einer Gesellschaft spielen, in der Menschen unterschiedliche Erfahrungen und Hintergründe mitbringen?

Lukas:

Also für mich ist Tradition ein Teil von der Kultur und mit der Tradition kann man eigentlich ein Stück Geschichte weitergeben an die neue Generation, an die nächsten Generationen, aber auch jeder Generation ermöglichen, ein Stück ihrer Geschichte mitzugeben. Also keine Ahnung, wie ein traditionelles Familienrezept, was von Generation zu Generation weitergegeben wird, aber sich ein bisschen dann ändert. Dann fügt eine Generation eine neue Zutat hinzu oder früher wurde das im Holzofen gemacht, heute macht man das auf der Induktionskochplatte oder eben draußen auf dem Grill. Also es kann sich von Generation zu Generation ändern, es muss sich von Generation zu Generation ändern, finde ich, damit sich eben auch die neue Generation darin wiederfindet.

Lukas:

Wie sehen Sie das? Wie definieren Sie Tradition, Frau Kofler?

Kofler:

Ich knüpfe da gerne an an die Geschichte, das stimmt, das ist natürlich was, das ein Volk ausmacht, seine Traditionen, seine Bräuche, das es da mitbringt. Und eben auch sehr viel mit Jugendarbeit aber auch, wenn man die Vereinstätigkeit mit hinein nimmt. Man vergisst ja oft, dass alle Vereine quasi Jugendarbeit machen und das sehr, sehr wichtig ist in einer Gesellschaft, weil wenn es die Vereine nicht gäbe, die die Jugendarbeit dann übernehmen, dann würde sehr, sehr viel wegbrechen. Und zur Tradition gehört natürlich das alles dazu, dass man soziokulturell, dass man das Historische einfließen lässt, dass man eben alles einfließen lässt, was die Gesellschaft in einem jeweiligen Herkunftsort ausmacht sozusagen.

Lukas:

Aber welche Elemente machen einen Brauch jetzt über die historische Herkunft hinaus bedeutsam? Was macht es, dass es in der Jetztzeit fortgeführt wird? Da muss es ja einen Grund geben?

Arslan:

Ich glaube nicht, dass… also was weitergegeben werden sollte, sind bestimmte Werte. Und dafür ist ein Brauchtum da, um diese Werte weiterzugeben. Und ein Brauchtum kann geändert werden. Ich finde die Geschichte von dir sehr interessant, dass du die Schützen quasi in einer Form auch revolutioniert hast, indem du früher eingestiegen bist, als üblich war. Da war auch ein Widerstand nötig, um das zu schaffen. Und ich finde, Brauchtum ist das. Also Brauchtum ist ja nur die Art der Kommunikation von Werten, von Haltung, von bestimmten Geschichtsteilen. Und da muss sich einfach das Brauchtum ändern, weil eben neue Aspekte hinzukommen.

Kofler:

Ich finde das ein bisschen anders. Ich glaube nicht, dass sich Brauchtum verändern muss. Also, dass Vereine sich verändern und dass man sagt, man spricht über darüber, welche Leute jetzt ab welchem Alter irgendwo dazugehen oder so, ist eine Sache. Aber der Brauch selber finde ich nicht, dass der sich grundsätzlich verändern muss. Wenn man jetzt zum Beispiel an Fasnachtsbräuche denkt oder auch das Herz-Jesu-Feuer, was ja mit Tirol ja auch sehr, sehr verbunden ist. Da gibt es den Brauch, den die Tiroler damals eingeführt haben, um sich zu verteidigen, um sich dem heiligen Herzen Jesu zu weihen sozusagen und das Land in die Hände Jesu zu geben. Und ich finde, das ist ein Brauch, der sich sehr, sehr lange erhalten hat und der immer noch so ist. Und es gibt keinen Grund, so einen Brauch abzuändern, weil der war damals modern und der ist nach wie vor modern, weil ihn junge Leute auch leben und so weiter. Und bei den Fasnachtsbräuchen ist es zum Beispiel dasselbe. Da gibt es ja auch, wenn man sich das anschaut, natürlich werden die Leute unterschiedlich sein und werden sagen, für mich ist das was Brachiales, was ich nicht unterstütze oder was mir nicht gefällt. Und dann gibt es aber andere, wie ich zum Beispiel, die das total cool finden und super finden, dass sich das über Jahrhunderte erhaltet und das ist sehr, sehr schützenswert.

Arslan:

Es hat sich erhalten, aber es hat sich trotzdem geformt. Also Brauchtum ist ja nicht nur was Traditionelles. Wenn wir heute zum Beispiel… vor 100 Jahren, wenn ein Vater gesagt hätte, ich möchte mit in den Kreißsaal, ich möchte mit bei der Geburt meines Kindes dabei sein, ich möchte meine Frau unterstützen, das wäre vor 100 Jahren undenkbar gewesen. Da war es Brauch, dass der Vater halt zu Hause war oder im Wirtshaus war. Heute ist das völlig normal, dass der Vater mit im Kreißsaal drin ist, dass der Vater sich einbindet. Und beides ist der Wert Familie, aber heute anders gelebt, also geöffnet hat. Und auch die verschiedensten Bräuche, die wir jetzt haben, die werden ja auch nicht so zelebriert wie vor 200 Jahren. Da haben sich ja auch Sachen geändert, ob es das Feuer ist, wo es dann brandschutzrechtliche Maßnahmen zu berücksichtigen sind, das wird eingehalten. Es machen auch Menschen mit, die nicht religiös sind und feiern das in einer anderen Form. Also nochmal, ich finde Brauchtum ist wichtig, Werte sind wichtig für die Identität, für die Identitätsfindung. Ich habe nur Schwierigkeit damit, wenn man so eine Glaskuppel drüber setzen will und das irgendwie vakuummäßig festhalten will und die Deutungshoheit dann bei den Rechten oder Konservativen ist und dann gesagt wird, so muss das gelebt werden. Und das ist es nicht. 

Lukas:

Aber sehen Sie da schon einen Raum für Veränderung? Weil zum Beispiel bei der Herz-Jesu-Feuer gab es ja viele Diskussionen darüber, welche Figuren da plötzlich von den Bergen leuchten. Ich sage jetzt, es könnte auch sein, dass inzwischen ein Pikachu runterleuchtet und nicht mehr nur mehr ein traditionelles Kreuz. Also es ist ja wirklich alles in Bewegung. Diese Gesellschaft verändert sich ja mit ihren Bürgerinnen und Bürgern und somit auch die Bräuche. Ist das in Ihrer Vorstellung dann noch Brauchtum, so wie es gelebt werden soll oder soll es immer möglichst nah an der Ursprungsform sein?

Kofler:

Naja, ich meine, dass sich eine Gesellschaft verändert, ist ja ganz klar so, wie du vorher gesagt hast, dass jetzt Väter mit im Kreißsaal sind. Ich glaube, das kann man mit einem Brauch, den ich jetzt unter Brauchtum subsumieren würde, glaube ich nicht vergleichen, weil dass sich eine Gesellschaft immer verändert, ist ja ganz logisch. Was den Brauch des Herz-Jesu-Feuers betrifft, ist so, ich bin schon jemand, der es gerne nah an der Tradition hat. Also zum Beispiel, wir feiern das Herz-Jesu-Feuer auch immer noch so, dass einfach nach wie vor ein Haufen aufgebaut wird und da wird ein Feuer angezündet und fertig. Andere machen natürlich Figuren und Formen, oft religiöser Natur, andere, wie gesagt, Pikachu und so. Ich persönlich finde, dass man, um den Brauch alle Ehre zu machen, nah an der Tradition bleiben sollte. Aber ich habe jetzt mit niemandem geredet, der so einen Pikachu macht. Wenn er den Wert trotzdem verkörpert und sagt, ich weiß, warum ich das Feuer entzünde, dann spricht ja im Grunde nichts dagegen. Also ich bin ein Freund davon, möglichst nah an der Tradition zu bleiben oder am Ursprung. Aber es spricht natürlich nichts dagegen, dass man sich da ein bisschen anpasst.

Tirol und das Ehrenamt

Lukas:

Weil es ja bei diesen Traditionen ja ganz oft darum geht, miteinander was zu tun. Das ist ja in den Vereinen so, das haben wir vorher bei der Jugendarbeit schon erwähnt, dass es ganz viel freiwilliges Engagement auch gibt bei den Vereinen. Vielleicht können wir da ganz kurz auf die Bedeutung des Freiwilligen- Engagements in Tirol und die Auswirkungen auf die Gesellschaft eingehen. Wie sehen Sie beide das? Wie wichtig ist es, dass es diese Vereine gibt, dass sie sich um einander kümmern, dass sie Gemeinschaft bieten, dass sie Jugendarbeit machen, dergleichen. Also ich würde das jetzt gar nicht nur auf Brauchtumsvereine beschränken, sondern Kultur entsteht ja an manchen Stellen auch neu. Frau Arslan. 

Arslan:

Ich finde die Vereine extrem wichtig. Wir wissen, dass circa 30 Prozent der Tiroler Bevölkerung einsam sind. Ein Teil davon sogar jeden Tag sich einsam fühlt. Und da finde ich einfach die Vereine, die vor Ort sind, die den Menschen einen Raum geben, wo man das Gemeinsame leben kann, wo man am Wochenende hingehen kann, Zeit verbringen kann, aber auch anderen helfen kann. Also Ehrenamt, das gehört einfach zu Tirol dazu. Selbst das hat sich geändert. Wir haben jetzt auch viele Frauen, die ehrenamtlich tätig sind, die vorne tätig sind, die in wichtigen Funktionen im Ehrenamt tätig sind, auch in der Organisation, was vor 100 Jahren auch nicht war. Ich finde, es stützt unsere Gesellschaft, es trägt aber auch unsere Gesellschaft. Und viele Aufgaben, die eigentlich Aufgaben der Politik wären, schaffen wir heute nur, weil es eben das Ehrenamt gibt.

Kofler:

Ja, das finde ich auch. Also eine Gesellschaft ohne Ehrenamt und ohne Vereine ist undenkbar. Die sind genauso, wie sie sehr, sehr wichtig sind, wie ich vorher schon gesagt habe, in der Jugendarbeit, ist es natürlich auch wichtig, dass viele Menschen, die sich halt mit dem jeweiligen Verein identifizieren können, dann auch die Möglichkeit haben zusammenzukommen, die die gleichen Interessen haben, dass man auch die Möglichkeit hat, sich zu verbinden und diese gemeinsamen Interessen auszuleben. Und eben was ganz wichtig ist, ist auch, dass das Ehrenamt… ich glaube, dass ganz viele Leute auch in Tirol vergessen, dass ohne Ehrenamt würde so viel überhaupt nicht funktionieren. Es würde einfach nicht funktionieren, die Gesellschaft. Und auch sonst, wie du eben schon gesagt hast, dass ganz viele Dinge nicht funktionieren würden, die normalerweise Aufgabe vielleicht auch der öffentlichen Hand wären, die würden ohne Vereine nicht funktionieren. Und deshalb finde ich auch, man sollte das Ehrenamt nicht weiter verkomplizieren, nicht weiter bürokratisieren. Also im Gegenteil, man sollte den Vereinen die Möglichkeit geben, wirklich handlungsfähig zu bleiben und auch frei zu bleiben in ihren Entscheidungen, ohne ständig Angst haben zu müssen, in irgendwelche Haftungsfallen zu tappen oder bürokratisch irgendwas nicht mehr machen zu können. Also da wäre es auf jeden Fall wichtig, wenn man das vereinfachen würde.

Arslan:

Ich hätte eigentlich, also das natürlich, dieses Bürokratische, aber ich habe auch ein Problem damit, wenn Vereine in sich geschlossen sind und eben neue Ansätze nicht erlauben. Ich meine, die klassische Debatte war bei den Schützen, dass Frauen Gewehre tragen wollten. Und dieser Wunsch kam ja von innen. Und dass man das von oben irgendwie direkt abwürgt und sagt, wir haben jetzt eine Umfrage gemacht, das wollen wir nicht. Ich weiß noch in meinen Anfängen in Tirol und ich bin in Innsbruck. Also es ist jetzt nicht noch irgendwie klein, sondern in Innsbruck. Also ich habe am Anfang schon Schwierigkeiten gehabt, irgendwo bei einem Verein anzudocken, mich da zugehörig zu fühlen. Natürlich vom Aussehen her auch, vom Akzent her, aber auch vom Geschlecht her. Ich finde, da muss man die Vereine auch unterstützen, dass sie sich halt öffnen. Die Gesellschaft ist vielfältiger geworden, dass man eben da auch Türen öffnet, damit sich eben mehr Menschen einbringen können. Also ich finde, das wäre auch extrem wichtig, damit auch die Vereine weiterleben können.

Kofler:

Aber zwischen unterstützen und irgendwas von oben herab bestimmen, ist halt auch ein Unterschied. Und es stimmt, der Wunsch ist von innen heraus gekommen bei den Schützen. Aber es ist dann auch die Abstimmung von innen heraus passiert. Und die ist halt anders ausgegangen. Wer sind wir als Politik, dass wir einem Verein sagen können, wie er seine Regeln auszugestalten hat? Ich meine, natürlich sind Vereine, in dem müssen sie auch frei bleiben, dass sie darüber bestimmen können, wer bei ihnen Mitglied wird oder nicht. Und deshalb finde ich, es war auch ihre Entscheidung. Es war ein kleiner Teil davon, ja, das stimmt, die diese Entscheidung getroffen hätten, sie möchten gern, dass Frauen Gewehre tragen dürfen. Aber der Großteil hat halt dann dagegen entschieden. Und das muss man auch akzeptieren.

Arslan:

Also ich akzeptiere es natürlich. Und ich glaube aber nicht, dass die Debatte fertig ist. Ich akzeptiere es. Aber ich darf schon Kritik äußern. Also jetzt bei der WM zum Beispiel. Österreich ist ausgeschieden. Und ganz Österreich debattiert jetzt mit. Müssen wir den Trainer auswechseln? War die Aufstellung der Spieler richtig? Gehört der Konditionstrainer ausgewechselt? Also da reden ja auch alle mit und alle kritisieren. Und was die Nationalmannschaft dann damit macht, das bleibt natürlich ihnen überlassen. Und bei den Schützen ist das genauso. Ich glaube nicht, dass die Debatte fertig ist. Das Gleiche hatten wir vor 30 Jahren, als die Musikkapellen… als dann Frauen gesagt haben, wir wollen da mitmachen, war genau die gleiche Diskussion. Wir haben gar keine Trachten für Frauen, das Erscheinungsbild. Und heute könnten viele Musikkapellen gar nicht ausrücken, wenn die Frauen nicht wären.

Kofler:

Ja, wenn die Schützen so weit sind, dann werden sie das schon machen. Aber es ist sicher nicht der richtige Weg über einen Antrag im Landtag das probieren irgendwie einem Verein...

Arslan:

Nee, da haben wir ja nicht bei den Schützen einwirken wollen, sondern beim Landesüblichen Empfang. Und das ist, glaube ich, Aufgabe vom Landtag. Da haben wir versucht zu intervenieren. Und ich habe auch mit einigen geredet, die das auch begrüßen würden, wenn man eben den Landesüblichen Empfang, wo Tirol sich nach außen hin präsentiert, auch die Tiroler Werte präsentiert, nämlich, dass wir halt eine Gesellschaft sind, in der jeder Mensch, jedes Individuum, jeder Bürger, jede Bürgerin die gleichen Rechte hat.

Wer wird gefördert?

Lukas:

Ich glaube, dass man vielleicht da die Geldfrage mit reinbringen könnte, weil die öffentliche Hand ja wohl verschiedene Vereine unterstützt und öffentliches Steuergeld diesen Vereinen gibt, auf dass sie ihre Kultur weiter leben. Und dann stellt sich natürlich die Frage, wie wird das Geld verwendet? Kommt es dann überhaupt allen zugute? Wie sehen Sie das? Weil zum Beispiel die Schützen bekommen ja Unterstützung. Wir haben im Vorgespräch darüber geredet, dass es ja auch Unterstützung gibt für die ganzen Trachten, dass das ja alles mords teuer ist und normale Leute sich das gar nicht kaufen könnten. Und das wird vom Land unterstützt als Tradition. Wie sehen Sie das, dass das dann trotzdem nur für einen eingeschränkten Teil der Bevölkerung zugänglich ist auf die Art und Weise?

Kofler:

Ja, das glaube ich kann man noch nicht so sagen. Ich glaube, jeder, der sich in einem Verein betätigen will, der hat auch die Möglichkeit, Unterstützung zu kriegen oder jeder Verein hat die Möglichkeit, Unterstützung zu kriegen. Dass natürlich die Musikkapellen vielleicht ein bisschen mehr kriegen natürlich, die brauchen Trachten und Instrumente, als wie zum Beispiel die Schützen. Aber wie gesagt, ich bleibe dabei. Eine komplette Tracht, bis man alles hat, kann um die 4.000 Euro kosten. Du musst natürlich die Leute ausstatten. Das gehört einfach zum Erscheinungsbild des Vereins. Und natürlich kann man darüber streiten. Ich finde, dass Brauchtums- vereine eben wie Perchtenvereine und auch Fasnachtsvereine, was alles sehr viel Geld kostet, dass die fast noch mehr auf die öffentliche Hand angewiesen sind. Also die Schützenkompanie selber, die kann natürlich was organisieren oder eine Musikkapelle und da auch Geld herein holen. Aber wie gesagt, da finde ich schon, dass man das auf jeden Fall unterstützen sollte, weil es sich ja über die Volkskultur das Ganze ausdrückt. Ich bin grundsätzlich auch der Meinung, dass natürlich Kultur, Kunst und das auch gefördert werden soll. Aber es gibt auch einfach gewisse Organisationen oder Veranstaltungsorte, wo ich mir denke, die kriegen einfach Förderungen, wo ich nicht finde, dass das in dem Ausmaß stattfinden müsste.

Arslan:

Aber genau das ist ja interessant. Also bei den Traditionsvereinen, da darf nichts rein interpretiert werden, da darf nichts kritisiert werden, sondern die muss man durchfinanzieren. Nochmal, ich bin auch dafür, dass man Vereine, die ehrenamtliche Aufgaben haben, die Menschen versuchen einzubringen in die Gesellschaft, einzubinden in der Gesellschaft, die unterstützt. Aber ich habe nur ein Problem damit, wenn dann auf einmal es Vereine gibt, Einrichtungen gibt, die nicht unter dieser Definition, was zu Tirol gehört, auf einmal nicht die Gelder bekommen. Also die Tiroler Kulturinitiativen, die machen immens wichtige Arbeit. Die haben zwar Nischenthemen, versuchen aber vielen Leuten damit ein Angebot zu geben. Und die müssen jedes Jahr aufs Neue um die Förderungen kämpfen. Und das ist nicht nur dieses klassische Experimentelle. Die haben zum Beispiel aktuell ein Projekt, was ich wahnsinnig spannend finde. Da bringen sie in den verschiedenen Dörfern den Dorfbrunnen in den Mittelpunkt. Da sagen sie, die Gesellschaft vereinsamt. Und am Dorfbrunnen war das eigentlich früher immer so, da hat sich die Dorfgemeinschaft getroffen. Da waren Feste, da hat man sich ausgetauscht. Da wurde der neuste Gossip ausgetauscht. Und jetzt haben wir immer mehr Vereinsamung. Und diese Tiroler Kulturinitiative, die wenig Förderung bekommt, die hat zum Beispiel da einen Schwerpunkt gesetzt und gesagt, wir wollen das wiederbeleben mit der Dorfgemeinschaft zusammen. Und ich finde, das ist sehr wohl Tirolerisch. Und die werden aber nicht so großzügig finanziert wie Traditionsvereine. Und das stört mich. Also mich stört nicht, dass wir Kunst und Kultur fördern. Das ist sehr wichtig. Das ist kein Luxusangebot von der Landesregierung, sondern das ist was Elementares. Aber dann gleichzeitig sagen, okay, aber ihr gehört nicht dazu. Und das ist auch so ein Nischenthema. Das Bogenfest in Innsbruck, das ist wirklich ganz klein gestartet. Und dieses Jahr hatten wir 45.000 Besucher:innen, wo sie wirklich inhaltlich versucht haben, alle mitzunehmen. Es gab keine Vorkommnisse. Man hat Awareness-Teams gehabt. Also wo die Veranstalter geschaut haben, dass es nicht zu Belästigungen kommt, dass es nicht zu Streitereien kommt. Und das ist alles aus diesen weniger geförderten Bereichen herausgekommen. Und darum finde ich es wichtig, dass wir auch andere Bereiche weiter fördern.

Kofler:

Aber das stimmt ja gar nicht, dass die nicht so großzügig gefördert werden. Also dass man grundsätzlich sagen kann, dass diese Initiativen nicht so großzügig gefördert werden wie Traditionsverbände. Das kann man eigentlich nicht sagen. Weil zum Beispiel nur, wenn man das hernimmt, nur die Bäckerei und das PMK, die beide linke Veranstaltungsorte sind, haben innerhalb von vier Jahren miteinander eine Million Euro gekriegt. Ich glaube nicht, dass das weniger in Förderung ist.

Arslan:

Gemessen am 5-Milliarden-Budget finde ich das total wenig.

Kofler:

Nein am Budget natürlich, aber im Verhältnis zu Traditionsverbänden. Also da kann man nicht sagen, dass die weniger gefördert werden als Traditionsverbände.

Lukas:

Darf ich da vielleicht einhaken? Und wollen wir ganz kurz noch einmal auf die Meta-Ebene raufgehen. Wie sollte öffentliche Kulturförderung überhaupt ausschauen? Und welche Ziele soll sie verfolgen? Wie würden Sie beide das definieren? Vielleicht Frau Kofler zuerst.

Kofler:

Ich finde schon, dass man quer durch die Bank finanzieren sollte. Also da soll es wirklich nicht jetzt irgendwie, im Gegenteil, es sollte nicht an irgendeiner Ideologie festmachen, was jetzt gefördert wird oder nicht. Und ich glaube, dass das auch die falsche Diskussion ist, wenn links gegen rechts diskutiert, welche Vereine förderungswürdig sind oder nicht. Weil für das gibt es ja Förderrichtlinien vom Land und so weiter. Ich finde halt, was schon wichtig ist, ist, dass man einfach darauf schaut, dass gewisse Richtlinien eingehalten werden und dass man natürlich auch da irgendeine Möglichkeit findet, das wirklich fair auszugestalten, was gefördert werden soll. Nur ist es halt schon wichtig und man muss halt auch sehen, Kunst und Kultur gehört natürlich irgendwo dazu, aber Tirol ist schon ein sehr traditionelles Land. Und da soll man es halt wirklich nicht außer Frage stellen, dass Traditions- und Brauchtumsvereine schon sehr traditionell sind bei uns in Tirol und natürlich auch förderungswürdig.

Arslan:

Also ich finde zunächst einmal, müssten wir Kultur einen viel wichtigeren Stellenwert geben. Also jetzt wird es halt so sehr runtergebrochen und eben dieses Traditions…, der Traditionsgedanke auf der einen Seite, aber Kunst und Kultur ist extrem wichtig, auch für die Gesellschaft. Wir haben verschiedene Studien, die beweisen, dass der Konsum von Kunst und Kultur dazu beiträgt, dass man länger gesund ist. Es trägt gegen Vereinsamung bei, es trägt zur Identitätsfindung bei und ich finde gerade in der Gesellschaft jetzt, wo so viele negative Einflüsse von außen sind, ob es die Krisen sind, Kriege sind, die Klimakrisen, die da sind und so weiter, trägt Kunst und Kultur dazu bei, dass man eben diese Wut auf eine Art verarbeiten kann, die die Menschen eben nicht machtlos lässt. Und ich finde, das ist nicht nur der Schützenverein, der das bei den Tirolerinnen und Tiroler lebt. Wir haben ganz viele Tiroler:innen, die eben nicht bei den Schützen sind, die nicht zu den traditionellen Umzügen gehen, aber die trotzdem Kunst und Kultur konsumieren wollen. Also ich sehe das auch in Innsbruck, wenn wir da 13-, 14-Jährige, 15-Jährige haben, die eigentlich kein richtiges Angebot haben, die auch nicht in die Traditionsvereine wollen, die müssen auch ein Angebot bekommen. Und da müssten wir viel mehr investieren, um zu verstehen, dass Kunst eben kein Luxusgut sein kann. Und nochmal, ich bin für die Hochkultur, ich finde das total wichtig, die Kunst und Theater und alles und Opern total wichtig, aber eben auch die Subkultur eben in den Stadtteilen, in ländlichen Regionen, dass Kultur nicht nur leistbar sein muss, sondern auch konsumierbar, also mit Begleitung und alles. Und darum finde ich erstmal wichtig, diesen Kunstbegriff, also den Kulturbegriff aufzumachen und zu sagen, da gehört sehr viel mehr zu Tirol als nur die Brauchtumsvereine.

Lukas:

Okay, das deckt sich ja dann, das deckt sich dann ja eigentlich fast, was, was...

Arslan:

Ich finde nicht, weil die Gewichtung noch eine andere ist. Wir haben immer noch die Situation, das kann man auch im Budget sehen, dass Brauchtumsvereine, Traditionsvereine eine bessere Förderung bekommen, die berechtigt ist. Wir haben aber gerade in der freien Kulturszene Menschen, die da arbeiten, die am Existenzminimum leben, weil die so wenig an Förderungen bekommen, obwohl sie extrem wichtige Angebote machen. Und ich finde, das hast du auch gesagt, aber dann müssen wir das auch leben, dass es da eben keine ideologische Aufwertung oder Abwertung geben darf. Und ich finde, da sind wir noch nicht. Wir haben eben mit der freien Kulturszene, mit den Kulturinitiativen immer noch, welche, die nagen am Hungertuch und welche, die haben so eine Flatrate zu den Kulturförderungen und das müsste halt gleichberechtigter sein.

Lukas:

Aber Frau Arslan, wenn ich mir da einen konkreten politischen Wunsch raushören möchte, wie wäre der dann? Wäre der das gesamte Budget soll erhöht werden, trotz Sparmaßnahmen, die es braucht? Oder das bestehende Budget reicht und sollte anders verteilt werden? Oder was wäre ein konkreter Wunsch?

Arslan:

Das Budget muss erhöht werden, weil jetzt in der Kulturförderung, also in den Budgetposten, sind ja auch die ganzen Sanierungsmaßnahmen drin, die dann auch als Kulturförderung gelten. Also es braucht wirklich mehr Geld und wir müssten auch hingehen und faire Löhne verlangen. Also wenn wir Kultur- und Kunstförderung abgeben, wäre mein Wunsch, dass man wirklich schaut, ob die auch ein faires Gehalt bekommen in den verschiedenen Bereichen, wie es um die Gleichberechtigung aussieht in den verschiedenen Bereichen, weil das auch Tradition oder auch zu den Werten von Tirol gehört, dann muss das auch in den Förderungen abgebildet sein.

Kofler:

Ja, also das Budget zu erhöhen ist natürlich immer ein frommer Wunsch, vor allem der Opposition. Aber realpolitisch muss man halt sagen, dass wahrscheinlich Kunst und Kultur, wo die Tradition dazugehört, wahrscheinlich eher in dem Bereich ist, wo man halt am ehesten einsparen wird müssen. Was leider schade ist, weil es natürlich gerade gesellschaftspolitisch unglaublich wichtig ist, diese Vereine und vor allem auch die Initiativen und so weiter zu fördern. Aber wie gesagt, ja, wir werden halt schauen müssen, dass es in den nächsten Jahren geht. Aber ich möchte zuvor noch anschließen, es gibt auch Traditionsvereine, die am Hungertuch nagen. Es ist nicht so, dass das nur Kulturinitiativen sind. Es gibt halt einfach kleine Vereine, die kaum überlebensfähig sind und natürlich nur davon leben, dass halt ganz viele Leute alles, was sie haben, einstecken, auch Privatvermögen.

Lukas:

Auch Privatvermögen?

Kofler:

Ja.

Lukas:

Gut, irgendwie muss man das Vereinslokal finanzieren etc.

Kofler:

Eben, genau.

Ein Angebot für die Jugend

Lukas:

Es ist ja ganz wichtig, dass diese jungen Menschen zu den Vereinen finden, eben auch wegen der angesprochenen Vereinsamung, die da oft durch die Digitalisierung etc. ausgelöst wird. Was könnte man denn machen, was wären Ideen von Ihnen beiden, um mehr junge Menschen hin zu diesen gemeinschaftlichen Vereinen und Veranstaltungen zu bringen? Also ich kann nur vom ländlichen Raum berichten und deshalb liegt es vielleicht auch daran, dass ich mich vielleicht auch einfach mit Traditionsverbänden besser auskenne, als mit Kulturinitiativen, die in der Stadt sind und vielleicht auch Menschen mit Migrationshintergrund usw. einbinden. Da kennst du dich sicher besser aus. Aber ich muss sagen, im ländlichen Raum glaube ich nicht, dass es daran scheitert, junge Leute in die Vereine zu bringen. Also wenn man sich die Landjugend zum Beispiel anschaut oder auch die Musikkapellen oder eben Perchtenvereine oder Fasnachtsvereine, da sind total viele junge Leute dabei und man sieht es halt, dass man sich halt gegenseitig ansteckt. Wenn dann einer dabei ist, dann nimmt er seine Freunde mit usw. Und also ich kann mich wirklich, ich könnte nicht sagen, dass es im ländlichen Raum Schwierigkeiten gibt, junge Leute ins Vereinsleben zu bringen. Im Gegenteil. Und ich bemühe mich zum Beispiel auch bei meinen Kindern, dass die in Vereinen sind, weil ich selber von mir noch weiß, wie toll das war, aufzuwachsen in einem Verein, wo du einfach weißt: Du bist nie allein. Überall, wo du hingehst, du hast immer Leute mit dir mit, die auf dich aufpassen. Es entwickeln sich natürlich Freundschaften, die bis ins Erwachsenenalter andauern. Und das ist schon eine sehr, sehr tolle Erfahrung und ich kann nur jeden einladen, dass seine Kinder auf jeden Fall versuchen, ins Vereinsleben zu bringen.

Lukas:

Wie machen Sie das, Frau Arslan?

Arslan:

Also in ländlichen Regionen ja. Es gibt aber auch wenig Alternativangebote für Jugendliche. Also ich habe auch mit Familien geredet, die dann gesagt haben, also unsere Kinder sind im Schützenverein oder da und dann aber auch sagen, es gibt nichts anderes auf dem Land, wo sie halt hingehen können, wo das Programm gut ist. Das sage ich, mich stört nur ein bisschen, wenn dann bestimmte Rollenbilder von klein auf transportiert werden. Wenn du Frau bist, dann kannst du in dem Verein das und das und das nur machen. Und wenn du Mann bist, kannst du das und das und das machen. Was aber für beides gilt, für den städtischen Bereich als auch für den ländlichen Bereich, ist, glaube ich, dass man auch schaut, dass es vielfältiger wird. Also Menschen mit Migrationshintergrund. Ich weiß, dass es einige Schützen gibt, auch Musikkapellen gibt, die jetzt auch Menschen mit Migrationshintergrund versuchen, gezielt anzusprechen, dass man die mitbringt. Wir hatten in Innsbruck mal eine tolle Veranstaltung, da haben wir afghanischen Frauen jodeln… Da gab es einen Jodelkurs für afghanische Frauen, was wahnsinnig spannend war, wo dann kurdische Frauen mitgemacht haben und den traditionell kurdischen, das kurdische Jodeln dann beigebracht haben. Also es gibt ja wirklich viel zum Austauschen. Wir haben Wanderungen organisiert, wo dann unterschiedliche Kräuterkunde, also aus den verschiedenen Ländern dann weitergegeben wird. Wir haben Eltern-Kind-Zentren, wo dann Frauen bestimmte Heilmittel oder Erziehungsmethoden oder Heilungsmethoden aus ihren jeweiligen Ländern mitbringen, wo dann alle davon profitieren. Ich fände es schön, wenn es irgendwie offener ist und wenn man auch von den Vereinen, und da muss man den Vereinen dann auch mehr Geld geben, weil das ist wirklich mehr Arbeit, wenn man sich öffnen will, weil man auch schauen muss, wie spreche ich diese Menschen an, dass die dann auch bei uns mit andocken. Das fände ich extrem wichtig, dass auch Jugendliche eben vielleicht zu gemeinsamen Dorffesten gehen können, die zwar eine andere Ideologie haben, aber glaube ich heutzutage nochmal wichtig ist, nicht das Trennende in den Vordergrund zu stellen, sondern einfach zu sagen, da ist ein Dorffest, da sind alle eingeladen, da kann man zusammen feiern. Es wird eh internationale Musik gespielt. Ich glaube, da müssten wir ja hingehen und das kann man halt nur mit mehr Förderung machen, weil das einfach auch mehr Aufgaben sind, aber auch mehr Arbeit ist und das ein bisschen vielfältiger gestalten.

Kofler:

Aber es ist ja niemandem verboten, am Land auf ein Schützenfest zu gehen, ganz egal welcher Herkunft man ist, oder?

Arslan:

Also ich habe mich am Anfang schwer getan, auf ein Dorffest zu gehen, wenn ich da keinen kannte und mich da irgendwie hinzustellen und also da braucht es schon die Begleitung und das geht halt nicht ohne Integrationsmaßnahmen, dass man auch wirklich gezielt einlädt. Also wir haben auch Flüchtlingsunterkünfte gehabt, wo wir dann versucht haben, mit der Dorfgemeinschaft zusammen, was sehr gut gelungen ist, die dann wirklich gezielt eingeladen haben. Einmal haben wir sogar auf dem Gelände von einer Flüchtlingsunterkunft auch ein Dorffest gestaltet, wo dann aus einem Ihr und Wir ein gemeinsames Wir wird, wo dann alle daran wachsen.

Kofler:

Aber das betrifft ja mich auch, zum Beispiel auch, wenn ich aus Südtirol daher komme. So sind die Leute, die schauen erst einmal, bevor sie einen irgendwie einbinden. Das ist ja ganz normal. Das betrifft jeden, der sogar aus einem Nachbarort in einen anderen Ort geht, wenn er auf ein Fest gehen will. Aber ich finde nicht, dass es am Land zu wenig vielfältig ist und das immer noch eine freie Entscheidung. Also ich finde, es ist ein bisschen simpel zu sagen, dass die Leute in eine Rolle gezwängt werden, weil ich glaube, unseren jungen Leuten kann man schon zutrauen, dass sie taff genug sind, und dass sie selber entscheiden, warum sie in einen Verein gehen oder nicht. Ganz egal, wie das Angebot ist.

Der Spiegelmoment

Lukas:

Liebe Damen. Schön, dass es jetzt hitziger werden würde, aber wir sind am Ende angelangt. I'm very sorry. Wir können das gerne fortsetzen an anderer Stelle. Danke mal an beide, dass Sie gekommen sind. Und es gibt ja zum Schluss immer noch den Spiegelmoment, wo man ein Argument des Gegenüber wertschätzend wiederholt. Ob das jetzt zur eigenen Meinung passt oder nicht, ist da dahingestellt. Ich würde mal sagen, vielleicht fängt die Frau Kofler an, etwas von der Frau Arslan zu paraphrasieren.

Kofler:

Es ist kein Argument, aber etwas, was ich total spannend finde, ist das, dass du zu Weihnachten mexikanisch kochst und das so hervorhebst. Und auch, dass ihr dieses Zoom-Gespräch macht oder diese Online-Telefonie-Geschichte mit der ganzen Familie. Das finde ich sehr, sehr schön, weil ich ja auch nicht die Möglichkeit habe, mit allen Leuten aus meiner Familie zusammen zu sein. Und das finde ich sehr, sehr toll. 

Arslan:

Ich finde das Argument, also erstmal die Diskussion von wegen Tirol hat halt seine Tradition und das gehört dazu. Und du fühlst dich dazugehörig. Und dann hast du am Schluss gesagt, dass es dir auch als Südtirolerin schwergefallen ist, irgendwie Anschluss zu finden. Das fand ich ganz spannend. Eben, dass es selbst für jemanden, der sich zugehörig sieht, zugehörig fühlt, trotzdem schwer ist, da irgendwie Fuß zu fassen.

Lukas:

Ja.

Arslan:

Das zeigt, glaube ich, wie größer noch die Schwierigkeit ist, wenn man eben nicht typisch tirolerisch aussieht, nicht typisch tirolerisch spricht. Ich finde, das zeigt eigentlich sehr gut, dass es da eben eine offene Tür braucht für die Menschen, die bei dem Wir mitmachen wollen.

Lukas:

Ein Spannungsfeld, dieses Tirol zwischen Tradition und Moderne. Danke auf jeden Fall fürs Mitmachen. Danke fürs Vorbeikommen. Ich hoffe, wir sehen uns wieder. Ich möchte mich auch bei unserem Publikum bedanken, das mit uns in dieser Diskussion mit dabei war. Wenn euch diese Folge gefallen hat, dann lasst uns bitte ein Abo da. Wie immer wünschen wir uns eine fantastische Bewertung. Danke fürs Zuhören. Bleibt's demokratisch. Wir hören uns bei der nächsten Folge. Und servus, pfiat euch.

Arslan:

Danke nochmal für das Gespräch. Danke.

Kofler:

Tschüss.

Arslan:

Ciao.

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