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Landeshauptmann Anton Mattle

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1. Landeshauptmann-Stellvertreter Philip Wohlgemuth

1. Landeshauptmann-Stellvertreter Philip Wohlgemuth

Zuständig für Wohnbauförderung, Hochbau, Sport, Integration sowie die Liegenschaften des Landes

Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler

Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler

Zuständig für Land- und Forstwirtschaft, Grundverkehr, Raumordnung, Straßenbau, Energie, Traditionswesen

Landesrat Mario Gerber

Landesrat Mario Gerber

Zuständig für Wirtschaft, Tourismus sowie Digitalisierung

Landesrätin Cornelia Hagele

Landesrätin Cornelia Hagele

Zuständig für Gesundheit, Pflege, Bildung sowie Wissenschaft und Forschung

Landesrätin Eva Pawlata

Landesrätin Eva Pawlata

Zuständig für Soziales, Inklusion sowie Frauen

Landesrat René Zumtobel

Landesrat René Zumtobel

Zuständig für Verkehr sowie Umwelt- und Naturschutz

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  • Wolf und Bär in Tirol:…

Wolf und Bär in Tirol: gekommen, um zu bleiben?

Landtagspodcast “Adlerohren” | Folge #38

Transkript

Hinweis: Gesprächsbeiträge im Tiroler Dialekt werden inhaltlich in Hochdeutsch übersetzt.

Einleitung

Off-Stimme:

Wolf, Bär und Luchs sind zurück in Tirol. Ihre Rückkehr in unsere Wälder und auf die Almen wirft große Fragen auf: Wie schützen wir unsere Nutztiere? Wie sichern wir die Zukunft der Almwirtschaft? Und wie gelingt ein Umgang, der auf Wissen, Verantwortung und nachvollziehbaren Entscheidungen beruht?

Willkommen bei Adlerohren – dem Podcast des Tiroler Landtags!

Folge 38: Wolf und Bär in Tirol: gekommen, um zu bleiben?

Unsere Gäste in dieser Episode: Michael Jäger, seit 2022 für die VP Tirol im Landtag und in Ebbs daheim. Und Georg Dornauer. Er ist freier Abgeordneter, seit 2018 im Hohen Haus und wohnhaft in Sellrain.

Michael Jäger:

Servus.

Georg Dornauer:

Grüß dich Gott, lieber Freund! 

Jäger:

Morgen, hallo!

Tatjana Lukas (Moderatorin):

Guten Morgen.

Dornauer:

Schönen guten Morgen.

Lukas:

Morgen.

Dornauer:

Gut, ich darf mal Platz nehmen.

Lukas:

Hallo und herzlich willkommen. Mein Name ist Tatjana Lukas und das ist Adlerohren, der Podcast aus dem Tiroler Landtag. Und ich darf heute wieder zwei spannende Diskussionsgäste bei mir begrüßen. Rechts von mir sitzt Michael Jäger von der Tiroler Volkspartei. Herzlich willkommen.

Jäger:

Guten Morgen, hallo.

Lukas:

Guten Morgen. Und links von mir Georg Dornauer. Sie sind freier Abgeordneter im Tiroler Landtag.

Dornauer:

Herzliches Grüß Gott.

Lukas:

Fein. Schön, dass Sie beide da sind. Wir haben ja heute eine Debatte über das Thema „Große Beutegreifer in Tirol“. Bär, Wolf und Luchs. Da wird ja heiß diskutiert. Seit einigen Jahren inzwischen, muss man sagen. Wir starten in jedes Thema immer rein mit einer persönlichen Anekdote. Jetzt würde ich beim Herrn Jäger anfangen, wenn das in Ordnung ist. Was ist denn Ihr persönlicher Bezug zum Thema große Beutegreifer? 

Jäger:

Meine persönliche Anekdote, die war im Jahr 2024. Das war die Nacht vom 10. Juni auf den 11. Juni im Gemeindegebiet von Rettenschöss. Da hat mich in der Früh eine wirklich besorgte Almbäuerin angerufen. Sie hat im Vorfeld schon eine Wolfspräsenz gespürt. Und da hat er dann tatsächlich von 10. auf den 11. Juni zugeschlagen. Und im ersten Momentum des Telefons habe ich sie nicht gehört. Und dann habe ich festgestellt, sie weint am Telefon. Und sie war extrem besorgt um ihre Kälber. Ist dann auf die Weide hinaus. Hat festgestellt, dass tatsächlich da ein Großraubwild dementsprechend zugeschlagen hat. Und dann haben wir unverzüglich und sofort alles in die Wege geleitet. Haben den Amtstierarzt informiert, der dann auch unverzüglich da hingefahren ist. Und dann in weiterer Folge, zwei Tage später, hat es dann die Abschussverordnung gegeben.

Lukas:

Danke. Also eher ein tragischer Zusammenstoß, der dann Konsequenzen wahrscheinlich gehabt hat. Aber wenn man das selber sieht, ist das wahrscheinlich nochmal was anderes.

Jäger:

Genau. Also wenn man da dann wirklich vor Ort ist und das dann spürt. Vor allem, wenn ich das festhalten darf, mit was für Leidenschaft unsere Almbauern die Almen bestoßen, die Tiere halten und das dann so erleben müssen, wie da ein Kalb oder ein Schaf zerfetzt vor dir liegt. Und was wir in dem Zusammenhang auch sagen muss: Wir haben alles Klein- und Kleinstbetriebe, der durchschnittliche Bauer bei uns in Tirol hat 14 Milchkühe und der durchschnittliche Schafbauer hat 30 Tiere im Stall stehen. Und die haben alle eine Mensch-Tier-Beziehung. Die haben in den allermeisten Fällen auch Namen und gehören zur Familie. Und dann ist das dann noch umso emotionaler und tragischer, wenn man so einen Tag erleben muss.

Lukas:

Danke, Herr Dornauer. Was haben Sie für eine persönliche Anekdote mitgebracht?

Dornauer:

Ja, vielleicht ein bisschen eine andere Perspektive, aber letztendlich auf dieselbe Situation herauskommend, wie… ich war 2019 unter anderem Bürgermeister und Obmann unserer Jagdgenossenschaft im vorderen Sellraintal. Und ich war in dieser Funktion auch Jagdleiter. Und ich war allerdings in meiner damals politischen, parteipolitischen Funktion in Wien aufhältig in diesem Sommer 2019. Und mich hat ein Anruf erreicht von der Polizeiinspektion Kematen, dass in unserem Revier, wenn man so will, in der Gemeinde Sellrain, ein großer Beutegreifer gefunden wurde. Es hat sich um einen Wolf gehandelt. Und der wurde damals, wie sich herausgestellt hat, offenkundig, unrechtmäßig oder nicht legitimiert erlegt oder, wenn man so will, entnommen oder gewildert. Und das war ein Mordsaufruhr medialer Natur auch, weil sozusagen ein Teil des Kadavers ist hinten geblieben. Es wurde nur das Haupt mitgenommen von dem Schützen, wenn man so will. Und das hat ein Mordsermittlungsverfahren mit sich gezogen, logischerweise, weil der- oder diejenige Erleger wäre ja sozusagen oder ist im Strafrecht drinnen. Und das hat für mich als Jagdleiter jetzt keine Konsequenzen gehabt. Aber wie gesagt, da hat meine Jägerschaft damals einige Aussagen treffen müssen. Und die ganze Situation wurde sehr intensiv aufgearbeitet, strafrechtlich. Und das hat mich damals, wie gesagt, sehr beschäftigt, weil nachher auch noch der WWF sich eingeschalten hat. Und hat gesagt, okay, diesen unrechtmäßigen Schützen, den muss man finden. Und wir setzen ein Kopfgeld aus. Und das war eine Mordsdynamik. Und andererseits hat die Bauernschaft, wenn man so will, oder die Landwirtschaft das irgendwo goutiert letztendlich. Und diese Konfliktlinie zwischen Unrecht, aber dann doch irgendwo das Richtige getan zu haben, das war für mich auch gesellschaftspolitisch und politisch eine sehr spannende Zeit damals. Das war eine persönliche Anekdote, wie gesagt, weil es mich betroffen hat. Aber daraus resultierend habe ich dann auch mein politisches Tun und Handeln in den Folgejahren, wo wir nachher noch zu sprechen kommen werden, sicherlich auch unter anderem darauf aufgebaut.

Lukas:

Ja, da gibt es sehr viele Gefühle bei dieser Debatte. Wollen wir mal ganz kurz die Faktenlage klären, wenn wir einsteigen. Also generell ist es mal so, Bär, Wolf und Luchs sind in Europa geschützte Arten. Und gleichzeitig stellt ihre Rückkehr, das werden ja immer mehr, und sie wandern ein wieder, die Regionen mit Alm- und Weidewirtschaft vor praktische Fragen. Und das Land Tirol, das spricht ja selbst von unterschiedlichen Interessen zwischen Naturschutz, Tourismus, Land- und Forstwirtschaft, Jagd und Bevölkerung. Jetzt würde ich Sie mal fragen, Herr Jäger, wie würden Sie denn die besondere Situation Tirols beschreiben, wenn es um große Beutegreifer geht? Weil das ist ja in jedem Bundesland ein bisschen anders. Was ist denn da in Tirol speziell?

Jäger:

Also grundlegend muss man mal sagen, die Landschaft, so wie wir sie da vorfinden in Tirol, das ist ja, wie es viele oft einmal sagen, Naturlandschaft. Nein, das ist eine Kulturlandschaft. Und die Kulturlandschaft wurde von Menschenhand geschaffen. Und beispielsweise wir auf unserer Alm im Naturschutzgebiet Kaisergebirge, wir haben tatsächlich 940 bestätigte Pflanzenarten. Wir haben 38 verschiedene Farnarten und 400 verschiedene Moosarten. Und das kommt nicht aus dem, weil da nichts passiert oder weil da keiner was tut. Das sind tatsächlich die fleißigen Almbäuerinnen und Almbauern, die Jahr für Jahr ihre Almen bestoßen. Und da kommen wir jetzt genau auf den Punkt. Also wir kämpfen zusätzlich auch noch mit dem Klimawandel. Wir müssten eigentlich mehr Tiere auf unseren Almen haben. Und dann auf der anderen Seite kämpfen wir mit der Wolfspräsenz, mit der Präsenz der Großraubtiere. Und da sagen die Bauern oder die Bäuerinnen, ja warum sollte jetzt ich… ich tue mir das einfach nicht mehr an. Weil wenn ich das sehe auf der Alm, was da für ein Schlachtfeld entsteht, ich packe das emotional nicht mehr. Und da müssen wir schauen in der toxischen Mischung, wie können wir das schaffen, dass wir zukünftig das so dementsprechend aufstellen. Weil eins ist für mich schon klar, wenn die Almen nicht mehr bewirtschaftet werden und nicht mehr bestoßen werden, da geht eine einzigartige Kulturlandschaft, ist dann nicht mehr da. Und das hat dann weitreichende Folgen, auf der einen Seite für den Tourismus und auf der anderen Seite auch für die Natur und für den Naturschutz. Weil im Sommer auf den Almen ist… die Almen ein Wasserspeicher mit den Sinken, mit den Gräben, für Erosionen, in weiterer Folge für Hochwasser, für die Niederleger und im Winter für die Lawinen. Also wir sind wirklich gefordert, dass wir das weiterhin managen und stemmen, die Almenwirtschaft insbesondere in Tirol. Und da kommt natürlich die toxische Mischung dazu, Klimawandel und Großraubild. Und da sind wir gefordert, dass wir... 

Lukas:

Ja, Entschuldigung, ich wollte Sie gar nicht unterbrechen, ich wollte nur eine Anschlussfrage stellen, weil es mich interessiert. Ist es tatsächlich so, dass irgendjemand schon die Almenwirtschaft gelassen hat, weil wegen der neuen gewachsenen Wolfspopulation?

Jäger:

Es ist tatsächlich so. Und es gibt auch mittlerweile Erhebungen, Fotodokumentationen, zum Beispiel die Rotwand im hintersten Hofgarten. Und da sieht man, wie sich das Borstgras ausbreitet, wenn da keine Schafe mehr vor Ort sind, die das beweiden und mit ihrer Trittfestigkeit den Wasen, den Boden dementsprechend verdichten. Und das wird ein Riesenproblem, wenn man da nicht... Auch für die darunterliegenden Siedlungsräume…

Dornauer:

Ich wollte den Herrn Abgeordneten nicht unterbrechen, aber er rennt bei mir offene Türen ein.

Jäger:

Für die darunterliegenden Siedlungen, weil wir da dementsprechend gefordert sind, dass das aufrecht bleibt. Ich vergleiche das immer so gern mit einem Haus, wenn das Dach kaputt ist, dann haben darunter die Wohnungen auch ein Problem. Und mit der Almwirtschaft ist es auch so, das oberste Stockwerk, wenn das nicht mehr funktioniert, dann haben die darunterliegenden ein Riesenproblem.

Zeitgemäße Richtlinien?

Lukas:

Jetzt ist es ja so, und Sie haben das vorhin in Ihrer persönlichen Anekdote schon erklärt, dass es da ja verschiedene Interessen gibt, die Sie ja wahrscheinlich in diesem politischen Prozess alle gehört und mal eingesammelt haben. Was gibt es denn da für jemanden, der neu ist in dem Thema? Was gibt es denn da für Interessenlagen? Vielleicht können wir das in der Kürze zusammenfassen und einmal schauen, wie sich das gegeneinander aufwiegt.

Dornauer:

Ich glaube, das ist gar nicht so eine komplexe Angelegenheit. Natürlich gibt es eine Lobby und natürlich gibt es auch eine im Tiroler Landtag vertretene Fraktion. Zu denen zähle ich die Tiroler Grünen, das ist für mich auch alles nachvollziehbar, die in ihren Grundsätzen eine generelle Artenvielfalt und den Schutz der Tiere sozusagen in ihren Grundprinzipien verankert haben. Zum einen, das will ja auch niemand konterkarieren. Zum anderen habe ich eine Interessensabwägung zu machen, aufbauend auf der von Ihnen indirekt erwähnten Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie aus dem Jahr 1992 stammen, wo diese großen Beutegreifer, wie wir sie gehört haben von Ihnen, Wolf, Bär, Luchs natürlich taxativ aufgezählt sind. Ich erinnere noch einmal: 1992, wir schreiben jetzt das Jahr 2026, also nach über 30 Jahren glaube ich, dass Richtlinien, Verordnungen, Richtlinien in der Europäischen Union, eine Richtlinie gibt immer auch einen gewissen nationalen Korridor her zur Umsetzung, und dass es schon legitim ist, als Gesetzgeber hier, und diese Mehrheiten haben wir offenkundig gefunden, als Gesetzgeber hier im Tiroler Landtag, natürlich auch auf unsere Situation die Interessensabwägung zu machen. Und die Interessensabwägung hat der Kollege, der von mir sehr geschätzte Abgeordnete Jäger, bereits sehr eindringlich und bildlich dargestellt. Und ich habe die ähnliche Erfahrung gemacht, weniger aus dem landwirtschaftlichen Bereich und seiner Expertise heraus, aber damals als Bürgermeister, Bürgermeister einer kleinen Landgemeinde in einem engen V-Tal in Tirol, südwestlich von Innsbruck. Ich war im Sellraintal, wie vorhin erwähnt, Bürgermeister einige Jahre, oder bin bis zum heutigen Tag kommunalpolitisch dort tätig. Und es gibt nicht nur einmal dieses topographische Phänomen, dass es links und rechts hinaufgeht im Land Tirol, und dass wir halt in den Tallagen dann unsere Siedlungsräume schützen müssen. Und das sind nicht nur bauliche Maßnahmen, Stichwort Wildbach- und Lawinenverbauung, wo wir diese Täler und den Talboden schützen und die Siedlungsräume und die Menschen, die hier leben, sondern eben auch diese landwirtschaftlichen Pflegemaßnahmen. Und auch das habe ich als nicht landwirtschaftlich geschultes… oder mit meinem Auge registrieren müssen, wenn mir Landwirte mitgeteilt haben, dass sie im oberen Bereich, jetzt bin ich nicht einmal im Almengebiet, einfach sozusagen die Stalltüre von außen zumachen, aus unterschiedlichen Gründen. Nicht nur wegen den großen Beutegreifern, aber ja, das war ein sehr emotionales Thema. Und ich war auf vielen, auch wenn man so will, in den Wahlkampfvorbereitungen, aber natürlich auch, weil man eine gewisse Volksnähe und eine Breite aufbauen wollte, war ich auch als Nicht-Landwirt auf fix, auf zahlreichen Viehausstellungen und Schafausstellungen und habe die Unmittelbarkeit der Landwirtschaft erlebt und auch die von Ihnen erwähnte Emotionalität. Und die Emotionalität war nicht mehr aufgesetzt. Das war tatsächlich so, wie du sie geschildert hast, lieber Abgeordneter Jäger. Und das habe ich dann auch, um vielleicht einen Abschluss zu machen in der zweiten Runde, das habe ich auch damals im Regierungseintritt gesagt, habe ich gesagt, Leute, wenn wir uns da nichts einfallen lassen, gesetzlicher Natur oder als Landesregierung, als neu konstituierte, Klammer auf, davor ist Schwarz-Grün vorangegangen. Grün hat natürlich die hehren ÖVP-Ansätze in dieser Frage blockiert. Und ich als damaliger Parteichef der Sozialdemokratie habe mich innerparteilich auch nicht leicht getan, aber eben mit meinem damaligen Gewicht und mit meiner Erfahrung als Bürgermeister einer Landgemeinde habe ich gesagt, Leute, da kriegen wir ein Problem. Wenn diese oberen Bereiche nicht mehr gepflegt werden, nicht mehr bestoßen werden, dann wird es herunten eng, dann wird es teuer. Und die öffentliche kommunale Hand kann das nicht kompensieren. Deswegen lasst uns da ein Zeichen setzen und die mögliche notwendige Entnahme legalisieren, dass wir eben nicht vorhin, wie erwähnt bei meiner Anekdote, die Jägerschaft und die Bauernschaft ins Strafrecht hineindrängen.

Lukas:

Ja, und Herr Jäger, vielleicht können Sie da ganz kurz mal darlegen, wie schaut das jetzt aus? Was ist da gesetzlich in den Rahmenbedingungen verändert worden?

Jäger:

Also das muss ich tatsächlich auch unterstreichen, was der Kollege Abgeordnete gesagt hat. Also entscheidend war sicher damals, dass unser Minister Norbert Totschnigg da, Bohren harter Bretter, nicht aufgeben hat auf EU-Ebene und der Schutzstatus von streng geschützt auf geschützt herabgesetzt worden ist. Und das war dann unsere Basis und haben das dann in dem Koalitionspapier so verankert, dass wir wirklich jetzt schauen müssen, dass wir alle legistischen Möglichkeiten da nutzen, dass wir da wirklich unsere Almbäuerinnen und Almbauern da unterstützen. Und ich glaube, das ist uns schon gelungen, gemeinsam damals dann mit der Gesetzesvorlage, dass wir da die Möglichkeiten ausschöpfen für einen Risikowolf und für einen Schadwolf. Und man sieht es ja an den Zahlen, was entnommen worden ist das letzte Jahr. Aber, was ich zugleich mit zu bedenken gebe, wir haben letztes Jahr 41 Nachweise, bestätigte C1-Nachweise gehabt im Land, an Wolfpräsenz, und heuer haben wir sage und schreibe 124.

Lukas:

Da müssen wir ganz kurz für das Publikum ein bisschen aufklären, was sind C1-Nachweise?

Jäger:

Also das sind tatsächlich bestätigte Sichtungen per Foto oder per Riss, bestätigt per Amtstierarzt. Also wirklich fundierte Bestätigungen an Wolfpräsenz, was in der Landesregierung eingegangen sind.

Lukas:

Und dieses Jahr sind es bereits über 100, 2026?

Jäger:

Genau, also mehr als das Dreifache und da sieht man, wie sich die Population entwickelt. Und ja, leider, sage ich einmal, sind wir da in Tirol wie in einem Schraubstock. Die Kollegen in Bayern tun nichts und die Kollegen in Südtirol tun nichts. Die Südtiroler sind an die Gesetzgebung an Rom gebunden und die Bayern sind an die Gesetzgebung an Berlin gebunden. Und die bringen örtlich da leider nichts zusammen. Und jetzt wandern die natürlich in der Druckschlussfolge mehr oder weniger in Tirol ein. Und da sind wir wirklich gefordert, dass wir das ordentlich managen auch in Zukunft. 

Lukas:

Aber wie machen denn das dann unsere Nachbarländer? Wie gehen denn die mit dem um? Die müssen ja dieselben Probleme haben auf ihren Almen, auf ihren Bauernhöfen? Was ist denn da im Ausland der Status quo? Also wenn sie jetzt keine gesetzliche Handhabe haben, aber da wird es ja auch aus der Bevölkerung Rückmeldung geben. 

Jäger:

Die Rückmeldung gibt es ja, aber wenn man es vergleichsweise in Deutschland sieht, also der südbayerische Raum, da sind die Almen. Und es gibt es ja in ganz Deutschland keine Almen nicht. Und da punktuell ist der Leidensdruck extrem groß. Aber die bringen es auf nationaler Ebene in der Bundesgesetzgebung nicht dementsprechend in ein Tempo weiter, dass die zur Umsetzung kommen. Das ist die Schwierigkeit dabei. 

Dornauer:

Vielleicht zu unserem Setting passend. Ich bin ja auch schon länger im Politgeschäft und war schon bei einigen sogenannten Dreier-Landtagen dabei. Das heißt die Region Trient, Südtirol und Tirol, wenn man sich alle zwei Jahre sozusagen zu einer großen Plenarsitzung trifft. Und ich kann mich erinnern, in den letzten zwei, vier, sechs, glaube ich sogar acht Jahren, ist immer wieder von einer Fraktion aus einem Landtag, eben weil das Thema in allen drei Regionen sehr aktuell und brisant ist, ist es immer wieder auf der Agenda gestanden. Und man hat sich bemüht eben über diese möglichen Mehrheiten, meistens die konservativen Parteien, wir sind auch meistens mitgegangen, dass man diese Konfliktlinie, dieser Konfliktlinie entlang, dass man auch Beschlüsse fasst, um eben an die jeweiligen nationalen Gesetzgeber, aber auch an die Europäische Union appellierend dieses Thema aufs Tapet brachte.

Lukas:

Welche Kriterien müssen denn erfüllt werden, bevor ein Tier entnommen werden darf? Muss das ein gewisses Alter haben? Oder wie ist das? Kann man auch Welpen abschießen, entnehmen?

Jäger:

De facto ist es möglich, wenn meine Herde in Bedrohung ist, in unmittelbarer Bedrohung, und ich sitze an dem Tag, an dem Momentum am Ansitz, oder ich spüre, oder ich sehe das, dass der zuschlagen will, dann darf ich tatsächlich den Wolf entnehmen. Oder wenn er halt ein Risikowolf, wenn er unmittelbar in einem Siedlungsgebiet herumstreift, und er wird mehrmals bestätigt, gesichtet, mit Fotonachweise bestätigt, und wenn er sozusagen die Scheu am Menschen verliert, darf er auch entnommen werden.

Lukas:

Welche Rolle spielen denn eigentlich Monitoring und so nachvollziehbare Meldesysteme im Umgang mit den großen Beutegreifern, Herr Dornauer?

Dornauer:

Naja, das ist natürlich eine Hilfestellung im weitesten Sinne, weil, so ehrlich muss man auch sein, ich kenne unsere Jägerschaft, wir haben ungefähr 15.500 aktive eingetragene Jägerinnen und Jäger in Tirol, aber aufgrund der bisherigen Gesetzeslage fehlt uns natürlich auch über weite Teile die Erfahrung, wie bejagt man richtig einen Wolf und effizient, und da hilft es natürlich, dieses Monitoring, und hat uns natürlich auch im Vorfeld geholfen für die heute legistische Regelung. Es ist ja nicht so, dass wir einfach gesagt haben, ganz plump, und vielleicht ein bisschen naiv, oder gar tirolerisch, zu sagen, ja, wir entnehmen einfach den Wolf. Nein, nein, da muss man ganz ehrlich sagen, da hat es viele Beamte des Landes Tirol gegeben, da hat es auch ein sehr engagiertes politisches Büro gegeben, ich werde da nie hintan stehen, so sehe ich der treibende Motor, glaube ich, auch war, hat das Team rund um Josef Geisler herum sehr, sehr, sehr viel legistisch und juristisch geleistet, da hat uns das Monitoring natürlich auch geholfen, um belegbar zu machen, gegenüber möglichen EU-Widrigkeiten, sage ich jetzt einmal, und rechtlichen Negativkonsequenzen für die Nationalstaat Österreich, dass wir auch belegbar über das Monitoring sagen können, ja, hier müssen wir eben einen gesonderten, einen Sonderweg finden, eine Regelung, weil wir eben in diesen klammen Räumlichkeiten, in dieser Alpenregion andere Vorzeichen haben, als wie möglicherweise in der Lüneburger Heide oder wo auch immer im Norden Europas.

Wenn ein Riss passiert

Lukas:

Herr Jäger, Sie sind jetzt selber, haben Sie einen Bauernhof, Sie betreiben ein Alm, Sie sind da ja dabei. Wenn jetzt Landwirtinnen und Landwirte zuschauen, die vielleicht noch nicht betroffen waren, was brauchen denn die rasch und verlässlich, wenn es zu einem Verdacht oder einem Riss kommt? Was ist quasi so der Ablaufplan, was ist zu tun? Dann ruft man an.

Jäger:

Also wenn sich der Verdachtsfall dementsprechend bestätigt, dass man da eine Wolfspräsenz hat, dann haben wir das schon so strukturell auch über die Landwirtschaftskammer aufgestellt, dass die bei gewissen Personen im Bezirk oder auch beim Amtstierarzt oder in der Jägerschaft sich unverzüglich melden können. Und da informieren wir immer wieder regelmäßig, wo die Kontaktpersonen sind und dass man da dann auch schnell und unverzüglich handeln kann.

Lukas:

Und was passiert dann aber? Dann rufen Sie in der Bezirkshauptmannschaft an und dann kommt jemand vorbei und schaut sich das Malheur an?

Jäger:

Also wenn man tatsächlich schon einen Riss vor Ort hat, dann wird in weiterer Folge die Amtstierärztin oder der Amtstierarzt informiert. Der kommt dann da vor Ort hin, schaut sich das an und mit seiner Expertise begutachtet der das Tier und sagt dann, ja, da war ein Großraubtier am Zeug, entweder Bär oder Wolf und da auf das darauf folgend wird dann eine Abschlussverordnung von der Tiroler Landesregierung ausgestellt.

Lukas:

Und wenn man jetzt den Verdacht hat, das war ja auch so bei der persönlichen Geschichte so, die Bäuerin hat schon gespürt, dass da ein Wolf ist. Was heißt denn das? Sie hat schon gewisse Anzeichen gesehen, wo Kratzspuren… oder wie bemerkt man das, dass die Wölfe in der Gegend sind?

Jäger:

Man merkt das, also die Tiere sind ja Herdentiere. Und wenn die, ob das Schafe oder Kühe sind, sind Herdentiere und die gespüren das. Wenn irgendwas nicht richtig ist, dann formieren sich die und schützen immer die Jüngeren oder die Kleinen.

Dornauer:

Das ist tatsächlich sichtbar.

Jäger:

Das ist tatsächlich sichtbar. Und die gehen dann irgendwie, die werden dann als Herde so verschreckt und wechseln den Standort. Und da kann man schon, weil sonst läuft das ja ruhig ab. Die beweiden die Almflächen, alles ist ruhig. Aber wenn sie sich dann formieren und auf einen Haufen beieinander sind, dann merkt man auch, da ist Unruhe. 

Lukas:

Jetzt gibt es ja Unterschiede zwischen einem Bären... Wir reden jetzt die ganze Diskussion schon vor allem über die Wölfe.

Dornauer:

Hat natürlich die meisten Zwischenfälle oder Vorfälle gegeben.

Lukas:

Genau. Wie schaut es denn aus mit den Bären? Kann ich da mal konkret nachfragen. Gibt es Bären? Wie viele Bärensichtungen? Wir haben gehört bei den Wölfen jetzt über 100. Spielen die Bären eine Rolle in Tirol? Wandern die da nur durch und lassen eigentlich alle in Ruhe? Oder wie ist das mit den Bären?

Dornauer:

Vom Einzugsraum her sind die sowieso… Die machen teilweise 100 Kilometer auch pro Tag. Also so ein Wolf oder eben auch ein Bär. Natürlich hat es Sichtungen gegeben im Tiroler Oberland. Das wissen wir alle. Und ich kann nur für meine politische Position hier artikulieren und argumentieren. Ich glaube in Tirol und für dieses Bundesland bin ich zumindest in der Legislative legitimiert, eine Zeit lang mitzuarbeiten und meine politische Positionierung zum Ausdruck zu bringen. In Tirol haben derartige große Beutegreifer, wie von Ihnen taxativ aufgezählt, ob das der Luchs ist, der was teilweise 60 Rehe reißt. Da muss man sich einmal vorstellen, eine ganze Population in einem Revier, wenn der einen Winter sein Unwesen treibt, sage ich jetzt ein bisschen schlagseitig, dann hat das Konsequenzen, Negativkonsequenzen. Und für diese Zielgruppe oder für diese Interessenslage habe ich mich politisch stark gemacht. Bis zum heutigen Tag und werde das auch weiterhin tun, um Ihre Frage zu beantworten. Es hat auch der Bär keinen Platz in Tirol.

Auswirkungen aufs Wild

Lukas:

Eh. Aber ob er einen Platz hat oder nicht, ganz davon abgesehen, wie viele Bärenaufkommen gibt es in Tirol. Weil ich meine, es wird ja jedes Tier eine unterschiedliche Gemengelage haben. Der Wolf ist präsenter, der Luchs reißt die Rehe, das sind jetzt wieder keine landwirtschaftlichen Tiere, die betroffen sind. Der Bär wandert vor allem durch. Also die müssen ja wahrscheinlich unterschiedlich behandelt werden, richtig?

Jäger:

Ohne Zweifel. Also ich möchte jetzt in dem Zusammenhang schon einmal die jagdliche Expertise da vielleicht ein Stück weit einbringen. Und möchte in dem Zusammenhang bei den 15.500 Jägern in Tirol schon einmal bedanken für das, was sie auch tun und leisten in dem Zusammenhang Großraubwild. Weil eins muss man schon sagen, das geht den Jägern gleich wie den Bauern. Wenn du in deinem Revier eine Wolfspräsenz oder eine Bärenpräsenz hast, dann verdrängt das Großraubwild, das Wild, was wir da haben, Rotwild, Rehwild, in Bereichen, da wollen sie wir beide nicht haben. Die gehen dann in die Schutzwälder hinein, die gehen in entlegene Gräben. Und das wird dann extrem herausfordernd für den Jäger, dass der dann seine behördlich vorgeschriebenen Abschusspläne erfüllt. Und auf der einen Seite, bäuerlich gesehen, oder aus der Forstwirtschaft, haben wir dann das Rehwild, das Gamswild und das Rotwild in Bereichen stehen, wo wir Schutzwaldflächen haben.

Dornauer:

Wo wir Jungwald haben.

Jäger:

Jungwald haben, wo wir heute immer über klimafitten Wald reden. Und das ist dann in dieser Mengengelage extrem schwierig für alle Beteiligten. Ob das der Bauer ist, ob das der Almbauer ist, ob das die Jägerschaft ist. Also wie gesagt, die Präsenz von Großraubwild in Tirol, also da unterstreiche ich das, was der Kollege Dornauer sagt, also in der Zukunft wird das bei uns in Tirol nicht funktionieren und die haben keinen Platz bei uns. Ich meine beim Wolf ist es jetzt so, wir haben mittlerweile so einen hohen Druck rund um Tirol herum. Ausrotten werden wir den Wolf sowieso nicht mehr. Aber wir müssen den wirklich gezielt schauen, dass wir den managen. Da vergleiche ich das vielleicht auch wieder mit dem Rotwild. Was beim Rotwild negativ ist, wenn der Jagddruck steigt, das Tier ist extrem schlau und geht dann in Gebiete, wo wir sie nicht haben wollen, die stellen aus, weil die merken den Jagddruck. Und beim Wolf muss uns das auch gelingen. Der Jagddruck muss so steigen, dass der Wolf weiß, wenn er da in dem Siedlungsbereich, wenn er da auf die Almen kommt, dann gibt es was und da muss ich jetzt schauen, dass ich wegkomme.

Dornauer:

Darf ich anknüpfen an den Kollegen Jäger? Und weil ich bei Ihnen davor diesen Begriff gehört habe, den sehr euphemistischen und ich weiß schon, was das natürlich auch bei manchen…bei der städtischen Bevölkerung, oder bei vielen Menschen wahrscheinlich, provoziert und hervorruft, Sie haben gesagt „Darf man dann Welpen auch entnehmen?“. Also wenn ich das Wort „Welpen“ höre, dann stelle ich mir etwas Niedliches, etwas Süßes, was Kleines vor. Und da habe ich immer eine klare Antwort. Der vorher erwähnte Abschussplan, der behördlich auferlegte, den wir erfüllen müssen als Jägerschaft, der sieht auch vor, dass wir Jungrehe ist gleich ein Kitz, entnehmen dürfen, müssen, sollen, um die Reduktion zu gewährleisten. Und wenn ich eine Reduktion erwirken will, dann werde ich müssen beim Nachwuchs genauso partiell eingreifen, wie ich das bei älteren oder reiferen Tieren machen muss. Also wie gesagt, da warne ich davor sozusagen, dass wenn man süße Bilder sieht, ich weiß schon, wenn man da in die Tiroler Tageszeitung reinschaut und sieht da ein kleines Rudel an süßen Welpen und einer geht her wie der Abgeordnete Jäger oder der hinlänglich bekannte, etwas dem Populismus frönende Abgeordnete Dornauer und sagt, die müssen wir genauso entnehmen. Naja, dass da ein Mordsaufschrei ist, ist mir klar. Aber trotzdem bitte ich da um ein gewisses Maß an Sachlichkeit und Erfahrung, dass wenn wir uns zur Entnahme und zur Reduktion bekennen, dass wir das ganz normal professionell abhandeln müssen.

Lukas:

Jetzt möchte ich an dieser Stelle nochmal zurückkehren, weil ich das Gefühl habe, dass diese Frage nach Bär und Luchs noch nicht wirklich beantwortet worden ist. Und zwar, wie man diese Entnahmen unterschiedlich je nach Tier regeln soll. Können wir da vielleicht von Ihnen beiden nochmal eine klare Aussage zu Bär und Luchs bekommen, abgesehen von den Wölfen, wie man da vorgeht aktuell? Und wie das Aufkommen wirklich ist?

Jäger:

Im Grunde muss man ja sagen, man darf ja dem Tier im weitesten Sinne nicht die Schuld geben. Der Mensch verursacht das Problem ja. Wenn ich jetzt das Tal im Trentino hernehme, da haben die Experten gesagt, das wäre ein Habitat für ca. 15 bis 20 Bären. Heute sind da über 300 Bären und das ist logisch, die haben nicht eingegriffen, die haben den Bären nicht gemanagt. Und der streut jetzt in alle Länderbereiche aus, weil die müssen sich natürlich, die werden von den Familien verdrängt und müssen sich ein eigenes Habitat suchen. Und jetzt sind wir mit den Themen in Tirol konfrontiert, wo wir Bärenpräsenz haben. Ob das letztes Jahr bei mir da in Brandenberg war, ob das heuer im Oberland ist. Und der Bär ist so extrem scheu. Das ist auch ganz, ganz schwierig für die Jägerschaft, den zu lokalisieren. Mit den technischen Mitteln, mit den Wildkameras, Fotofallen und und und ist das schon gezielt möglich. Aber wenn du dann in deinem Revier bist, das mehrere hundert Hektar hat oder über tausend Hektar hat, spürt man das an dem, wenn die Rehwildbestände oder die Rotwildbestände einfach nicht mehr da sind, wie man es gewohnt gewesen ist. Und das ist ein Thema und da müssen wir wirklich zukünftig schauen. Also für mich hat definitiv in Tirol der Bär keinen Platz.

Lukas:

Wir kommen ja jetzt schon zum Ende unserer Diskussion. Und gern würde ich mir von beiden noch wünschen einen Ausblick in die Zukunft, was Sie beide glauben… Sie haben das jetzt mehrfach betont, dass diese großen Beutegreifer in Tirol aus Ihrer Sicht heraus keinen Platz haben. Gibt es eine Regelung, die Ihnen vorschwebt, wie das idealerweise für in der Zukunft gehandhabt werden kann? Gern auch mit Gesetzen, legislativ. Vielleicht, Herr Dornauer, wollen Sie anfangen?

Dornauer:

Ja, sehr gerne. Wie gesagt, es haben sich mehrere, auch wir damals gemeinsam, wo ich noch Teil der Koalition sein durfte, wir haben uns eingesetzt auf europäischer Ebene, dass wir eben diese Richtlinie oder den Schutzstatus senken, die Berner Konvention. Der Abgeordnete Jäger weiß, was gemeint ist, dass wir da auch weiterkommen. Und letztendlich habe ich mich immer für einen pragmatischen und rasch umsetzbaren Weg politisch eingesetzt. Und ich glaube, korrelierend mit dem Zuwachs und mit dem größer werdenden Problem, und davon ist auszugehen, glaube ich, müssen wir noch effizienter letztendlich den legislativen Rahmen schaffen und unsere Jägerschaft dahingehend schulen, wenn man so will, oder sensibilisieren, viel besser gesagt. Aber auch ein breites gesellschaftliches Commitment. Und da braucht es immer ein gewisses Maß an Aufklärung. Deswegen bin ich heute Ihnen und der Landtagsdirektion sehr dankbar für diesen Podcast. Es braucht eine breite gesellschaftspolitische Aufklärung. Warum wir denn das machen. Nicht, um eine Trophäe irgendwo in einem Jagdstüberl zu haben von einem großen Beutegreifer, sondern vielmehr im Interesse des Landes Tirol zur Sicherheit, für die Landwirtschaft, für den Tourismus, aber allen voran für die darunterliegenden, wie vorhin erwähnt, Siedlungsräumen. Wir haben ohne dies nur 12% besiedelbare Fläche. Und sollte das noch weniger werden, dann kommen wir schon wieder in einen politischen Bereich hinein, wo ist nachher noch leistbares Wohnen möglich und, und, und. Und davor muss man warnen und dahingehend muss die Politik aufklären. Und dann schaffen wir auch ein breiteres gesellschaftliches Commitment und mehr Akzeptanz für die aus meiner Sicht notwendige Entnahme der großen Beutegreifer.

Lukas:

Danke. Und Sie, Herr Jäger, was ist Ihre Vision für die Zukunft zu diesem Themengebiet?

Jäger:

Also, wenn ich das vergleiche mit den beheimateten Tierarten, also die Abschusspläne, die sind ja nicht aus der Luft gegriffen, die fußen ja auf Zählungen und auf Wildtiermonitoring. Und so stelle ich mir das in Zukunft für das Großraubwild auch vor, dass das wirklich noch professionell aufgestellt wird, das Wildtiermonitoring mit den Zählungen untermauert und dann fußt auf der Basis eine Abschusszahl in Tirol, wo man dann sagen kann, mit dem Zuwachs, wie wir es zuerst gehört haben, die dreifache Bestätigung innerhalb von einem Jahr, dass man da dann dementsprechend 20 Prozent des Bestandes im Jahr entnehmen kann und dass das dann zu einem Regelwerk wird. Und dass man dann, wie gesagt, nicht den ganzen Verfahrensaufwand immer wieder ins Treffen führen muss, sondern dass die Wildtierarten müssen auch noch ganz, ganz viel dazulernen, bei dem Thema Großraubwild und Wolf speziell in der Umsetzung und in der Praxis. Aber ich bin zuversichtlich, weil wir ganz, ganz viele fleißige Jäger haben in Tirol, da wo es vorrangig um die Jäger geht. Es geht jetzt ja nicht immer in erster Linie, wie es so prophezeit wird, um den Abschuss, sondern die Jäger leisten ja ganz, ganz viel Arbeit vor Ort, was auch Naturschutz und Umweltschutz betrifft und insbesondere die Jäger. Das sind ganz, ganz wichtige Partner für die Landwirtschaft. Und da müssen wir versuchen, dass wir zukünftig das Monitoring gezielt professionell aufstellen und darauf dann fußend eine Abschusszahl dann hervorgeht.

Der Spiegelmoment

Lukas:

Fein. Vielen Dank auf jeden Fall Ihnen beiden. Es gibt zum Abschluss immer noch den Spiegelmoment, wo man quasi ein Argument des Gegenüber wertschätzend hervorhebt, um zu zeigen, dass man einander zuhört und die Gesprächskultur hier eine Gute ist im Tiroler Landtag. Herr Dornauer, was ist Ihnen denn hängen geblieben von dem, was der Herr Jäger gesagt hat?

Dornauer:

Ich darf diesen letzten sehr wichtigen und richtigen Satz noch einmal unterstreichen vom Abgeordneten Jäger. Es muss eine Normalität und tatsächlich sozusagen in den künftigen Abschussplänen darstellbar sein, sodass wir einfach selbstverständlich die notwendige Reduktion aufbauend auf den jährlichen Zählungen, so wie wir es beim Rotwild, beim Rehwild, beim Gamswild machen und darauf aufbauend, entscheidet die Behörde sachlich und richtig die notwendigen Abschusszahlen für das neue Jagdjahr. Und genau in dieses Regime, da müssen die großen Beutegreifer künftig Platz haben und es muss eine Selbstverständlichkeit in den nächsten Folgejahren dann darstellen, dass man einfach sagt, das gehört in unserem Revier möglicherweise dazu. Und da ist die Jägerschaft dann angehalten, behördlich angehalten, das eben rechtmäßig und notwendigerweise zu entnehmen. Und ich glaube, wenn wir in diesem Regime münden, dann kann man auch wirklich von einem Erfolg sprechen und von einer sinnstiftenden Politik à la ÖVP und Dornauer.

Lukas:

Und Herr Jäger, was hat Ihnen zugesagt, beziehungsweise was ist Ihnen im Gedächtnis geblieben, was der Herr Dornauer heute im Laufe des Gesprächs gesagt hat?

Jäger:

Ja, wie er seine Ausführungen zum Besten gegeben hat, wie er damals Bürgermeister war in einer Landgemeinde im Sellrain, mit welcher Betroffenheit das auch die Gemeindepolitik trifft. Insbesondere dann auch den Bürgermeister in seiner Wirkung und dass man da dann wirklich auch sachlich fungieren muss und mit einer Ruhe und die Dinge nüchtern betrachten. Und das, glaube ich, hat der Georg damals ganz gut gemacht.

Lukas:

Vielen Dank fürs konstruktive Gespräch. Und bevor sich unsere Runde für heute auflöst, verabschieden wir uns noch vom Publikum, das uns heute zugehört und zugeschaut hat. Vielen Dank fürs Dabeisein. Wenn euch die Folge gefallen hat, dann lasst uns bitte ein Abo da oder schenkt uns eine gute Bewertung. Fünf Sterne finden wir am allerbesten, beziehungsweise vielleicht auch ein Feedback oder ein Themenvorschlag. Da freuen wir uns. Wir bedanken uns fürs Zuhören. Bleibt demokratisch. Bis zur nächsten Folge. Servus. Pfiat euch. Und ja, das war's für heute.

Dornauer:

Wunderbar.

Jäger:

Wunderbar.

Jäger:

So.

Lukas:

Wiedersehen.

Dornauer:

Herzlichen Dank.

Jäger:

Vielen Dank.

Lukas:

Dankeschön.

Dornauer:

Herzlichen Dank, Herr Abgeordneter.

Jäger:

Alles Gute.

Off-Stimme:

Danke fürs Dabeisein! Thema der nächsten Adlerohren-Episode: Wie stehts um die Pflege in Tirol? Bis bald!

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