Mehr als 1,5 Millionen jüdische Menschen wurden im Nationalsozialismus unter dem Decknamen „Aktion Reinhardt“ in den Vernichtungslagern Bełżec, Sobibór und Treblinka ermordet. Die abschließende Rahmenveranstaltung zur Ausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus!“ widmete sich gestern, Donnerstag, im Landhaus der Rolle österreichischer Täter bei diesen Massenverbrechen. Im Mittelpunkt stand auch das Schicksal von Menschen wie Leokadia Justman, denen die Flucht gelang.
Der Historiker und Autor Johannes Sachslehner, der eine Biografie über den Leiter der „Aktion Reinhardt“, Odilo Globocnik, verfasst hat, beleuchtete die prominente Rolle österreichischer Nationalsozialisten bei den Massenmorden im Gebiet des heutigen Polen. Gemeinsam mit Kurator Dominik Markl und Historiker Paul Csillag (Justman-Projekt) wurden zudem neue Erkenntnisse aus den Erinnerungen von Leokadia Justman und ihrem späteren Ehemann Józef Wiśnicki diskutiert. Parallel dazu wurde bei der Veranstaltung der neue Konferenzband „Leokadia Justman. Überleben und Erinnerung interdisziplinär analysiert“ vorgestellt. Vorausgegangen war der Publikation eine Konferenz in Kooperation der Universität Innsbruck und des Stadtarchivs/Stadtmuseums Innsbruck im März 2025. Der neue Sammelband ist ab sofort als Open-Access-Beitrag online abrufbar.
Die aktuelle Ausstellung zu Leokadia Justman ist nur noch wenige Tage in ihrer derzeitigen Form zu sehen. Der Tag der offenen Tür am 26. Oktober bietet die letzte Gelegenheit, um an exklusiven Führungen teilzunehmen und einen Blick auf die Ausstellung zu werfen.
Bis 26. Oktober: Sonderausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus!“
Die Ausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus! Als polnische Jüdin auf der Flucht in Tirol“ ergänzt als Sonderpräsentation die Rahmenausstellung „Vom Gauhaus zum Landhaus. Ein Tiroler NS-Bau und seine Geschichte“ und ist von Montag bis Freitag (9 bis 17 Uhr) im Landhaus 1 zu sehen. Die selbstverfassten Gedichte von Leokadia Justman können jeweils freitags (12 bis 17 Uhr) ebenfalls im Landhaus 1 (Festsaal) besichtigt werden.
Das Projekt ist eine Kooperation des Landes Tirol mit der Universität Innsbruck und dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, der Pädagogischen Hochschule Tirol, dem Archiv für Bau.Kunst.Geschichte, dem Programm ERINNERN:AT des OeAD (Österreichs Agentur für Bildung und Internationalisierung) zum Lehren und Lernen über Nationalsozialismus und Holocaust sowie dem Verein Wissenschaft und Verantwortlichkeit. Alle Veranstaltungen zum Thema „Tirol erinnert“ sind unter tirol.gv.at/erinnern zu finden – dort steht auch der virtuelle 360°-Rundgang der Ausstellung „Vom Gauhaus zum Landhaus“ zur Verfügung.


