- Gemeinsame Resolution zur Energiewende: Ausbau erneuerbarer Energien und Speicherkapazitäten im Alpenraum
- Weitere Themen: Resiliente Wasserversorgung, Umgang mit Naturgefahren in der Raumplanung, Berglandwirtschaft und Länderübergreifendes Wolfsmanagement
- Vorsitz geht von Vorarlberg an Bayern über
Der Austausch zwischen den Alpenländern wird fortgesetzt: Nachdem gestern das Jahresforum der EUSALP in Lindau (Bayern) stattfand, haben sich heute die ARGE-ALP-Regierungschefs in Bregenz (Vorarlberg) getroffen. Die 1972 in Mösern gegründete ARGE ALP war es, die einst die EU-Strategie für den Alpenraum angestoßen hat – und aus der schließlich die EUSALP hervorging. Heute ist die ARGE ALP ein regionaler Zusammenschluss von zehn Mitgliedsregionen, der auch Tirol angehört. Heute, Freitag, fand die 57. ARGE-ALP-Regierungschefkonferenz statt. Im Mittelpunkt standen unter anderem die Energiewende im Alpenraum und die von Tirol angestoßene Initiative in Sachen Wolf. Mit einer gemeinsamen Resolution bekräftigten die zehn Mitgliedsregionen das Ziel, die Energieunabhängigkeit zu stärken und den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben. Weitere Schwerpunkte waren die Sicherung der Wasserversorgung sowie der Umgang mit Naturgefahren in der Raumplanung. Im Rahmen der Konferenz wurde zudem der Vorsitz der ARGE ALP von Vorarlberg an Bayern übergeben.
Mehr erneuerbare Energie, weniger fossile Abhängigkeit
„Die fossilen Energieträger sind die wahren Preistreiber. Deshalb ist die eigene, erneuerbare und saubere Energieversorgung die zentrale Frage unserer Unabhängigkeit, unserer Wettbewerbsfähigkeit und unseres Wohlstands. Gerade wir Alpenländer verfügen mit der Wasserkraft über großes Potenzial, das wir nützen müssen. Unsere Pumpspeicherkraftwerke können als grüne Batterien Europas einen wichtigen Beitrag zu einer sicheren Energieversorgung leisten. Tirol geht mit dem Ziel der Energieautonomie bis 2050 konsequent voran. Hier braucht es neue Kompromisse, um die Energieziele zu erreichen: nämlich auch von jenen, die Klimaschutz predigen aber Wasserkraft verhindern“, betont LH Anton Mattle und verweist auf die Herbstklausur der Tiroler Landesregierung im September in Lienz, bei der das aktualisierte Energie-Zielszenario Tirol 2050 vorgestellt wurde. Demnach soll die heimische Erzeugung erneuerbarer Energie bis 2050 um 50 Prozent gesteigert und der Endenergiebedarf gegenüber 2024 um 30 Prozent gesenkt werden (siehe dazu Pressemitteilung vom 8. September 2026).
Mit der Resolution bekennen sich die Alpenländer zu den Klimazielen der EU und der Schweiz und fordern einen rascheren Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung, der Strom- und Wasserstoffnetze sowie zusätzlicher Speicherkapazitäten. Gleichzeitig sprechen sie sich für den schrittweisen Abbau von Anreizen für fossile Energieträger und eine sozial ausgewogene Energiewende aus. Auch das bestehende ARGE-ALP-Energieforum soll als Plattform für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit weiter gestärkt werden.
Tiroler Initiative: Länderübergreifendes Wolfsmanagement wird fortgesetzt
2022 hat sich die ARGE ALP in Innsbruck zu einem länderübergreifenden Wolfsmanagement bekannt. Es wurde unter anderem der Auftrag für einen jährlichen Datenaustausch und -abgleich auf Ebene der ARGE ALP-Mitgliedsländer erteilt, um einen Überblick über die Entwicklung der Populationen großer Beutegreifer in den Alpen sowie zu den mit der Präsenz von Großraubtieren verbundenen Auswirkungen auf die Berglandwirtschaft und die Almwirtschaft/Alpwirtschaft zu erhalten. Damit verbunden war auch stets die Forderung, den europäischen Schutzstatus des Wolfes zu senken – mittlerweile ist die Europäische Union dem nachgekommen. „Wir haben lange auf die Senkung des Schutzstatus hingearbeitet. Mit vereinten Kräften ist es schließlich gelungen, den Wolf von ‚streng geschützt‘ auf ‚geschützt‘ herabzustufen. Den gewonnenen rechtlichen Spielraum beim Umgang mit Risiko- und Schadwölfen haben wir genützt, um das Tiroler Modell der Entnahme von Schad- und Risikowölfen weiterzuentwickeln. Wir bleiben aber auf europäischer Ebene weiterhin hartnäckig, denn unser langfristiges Ziel ist eine reguläre Bejagung des Wolfes. Für uns geht es um den Schutz der Almtiere und der Almwirtschaft. Der Wolf kennt keine Landesgrenzen. Deshalb darf auch das Management nicht dort enden. Wir brauchen eine gute Datengrundlage auf Landesebene, in ganz Österreich und im internationalen Austausch. Die Zusammenarbeit im Rahmen der ARGE ALP ist dabei eine zentrale Säule: Sie hilft uns, die Bestände großer Beutegreifer im Alpenraum besser zu erfassen und Maßnahmen abgestimmt umzusetzen“, erklärt LH Mattle. Neben der Gefahr für Almtiere warnt der Landeshauptmann auch davor, dass Wölfe in der Nähe von Siedlungsräumen Angst verbreiten und auch dies verhindert werden müsse.
Sorgsamer Umgang mit Wasserressourcen und ExpertInnen-Team für Naturgefahren
Angesichts des steigenden Drucks auf die Wasserressourcen bekennen sich die Alpenländer in einer weiteren Resolution zu Maßnahmen, um eine Wasserversorgung in hoher Qualität, ausreichender Menge und zu angemessenen Preisen auch für kommende Generationen sicherzustellen. Gleichzeitig betonen sie, dass die Entscheidung über die Nutzung und den Schutz der Wasserressourcen weiterhin bei den zuständigen Staaten, Regionen und Gemeinden bleiben muss.
Zum Thema risikoorientierte Raumplanung wurden die Ergebnisse einer Tiroler Erhebung präsentiert, für die Daten aus allen zehn ARGE-ALP-Mitgliedsregionen gesammelt und analysiert wurden. Dabei zeigte sich, dass die Regionen über grundsätzlich vergleichbare Planungsansätze im Umgang mit Hochwasser und anderen wasserbedingten Naturgefahren verfügen. Im Zuge der Zusammenarbeit entstand ein länderübergreifendes Netzwerk aus ExpertInnen – der Austausch sei jedenfalls weiterhin wesentlich, um von den Erfahrungen und dem Wissen der Partnerregionen zu profitieren.
Berglandwirtschaft und Stärkung der Regionalförderung
Auch die Zukunft der Berglandwirtschaft und die EU-Regionalförderung (ELER/EFRE) ab 2028 waren Thema der Konferenz. Die Alpenländer fordern eine ausreichende finanzielle Ausstattung der Agrarförderungen, die langfristige Absicherung der Bergbauernbetriebe und weniger Bürokratie. Bei der künftigen EU-Regionalförderung sprechen sie sich für ein starkes Mitspracherecht der Regionen bei der Gestaltung und Verwendung der Fördermittel aus.
Über die ARGE ALP
Die Arbeitsgemeinschaft Alpenländer (ARGE ALP) umfasst zehn Mitgliedsregionen aus vier Staaten: die österreichischen Bundesländer Tirol, Salzburg und Vorarlberg, den deutschen Freistaat Bayern, die italienische Region Lombardei und die autonomen Provinzen Südtirol und Trentino sowie die Schweizer Kantone Tessin, Graubünden und St. Gallen. Gegründet wurde die ARGE ALP am 12. Oktober 1972 auf Initiative des damaligen Tiroler Landeshauptmannes Eduard Wallnöfer in Mösern in Tirol. Ziel der ARGE ALP ist es, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Alpenraum zu stärken und gemeinsame Herausforderungen etwa in den Bereichen Verkehr, Berglandwirtschaft, Energie und Klimaschutz zu bewältigen. Weitere Informationen finden sich unter www.argealp.org.





