- Weitere aktuelle Auswertungen bestätigen Vorsorgemaßnahmen der vergangenen Woche: Erhöhte Keimkonzentration in Ötztaler Ache
- Schifffahrtsverbot auf gesamte Ötztaler Ache erweitert – von Baden/Wassersport in Ache wird abgeraten
- Messergebnisse zeigen weiterhin keine wasserwirtschaftlichen Auffälligkeiten
- Monitoring wird fortgesetzt und Daten werden genau analysiert
Aufgrund der anhaltenden Ausnahmesituation an der Ötztaler Ache – dem Ausfall der Kläranlage in der Gemeinde Sölden nach einer Mure Ende Juli und der notwendigen und vonseiten der Gemeinde beantragten provisorischen Abwassereinleitung in die Ötztaler Ache – wird seitens des Landes ein umfassendes Gewässermonitoring betrieben. Die Ergebnisse sind öffentlich einsehbar: www.tirol.gv.at/monitoringoetztalerache.
Seit heute, Dienstag, liegen die neuesten Ergebnisse vor: Sie zeigen weiterhin keine wasserwirtschaftlichen Auffälligkeiten und kritischen Belastungen, also etwa beim pH-Wert, bei der Sauerstoffsättigung oder bei jenen Parametern die zur Beurteilung einer Nährstoffbelastung herangezogen werden. Aufgrund der anhaltenden Ausnahmesituation wurden – für ein noch detaillierteres Bild – zusätzlich weitere, bei Standarduntersuchungen normalerweise nicht beinhaltete, mikrobiologische Parameter in die Untersuchung mitaufgenommen. Teilergebnisse daraus deuteten bereits letzte Woche darauf hin, nun bestätigt die finale Auswertung den Verdacht auf eine erhöhte Keimkonzentration und damit die getroffenen Vorsorgemaßnahmen der Vorwoche. Deshalb wird auch das Schifffahrtsverbot per Verordnung auf die gesamte Ötztaler Ache erweitert. Weiterhin gilt: Eine Beeinflussung der Trinkwasserversorgung ist nicht zu erwarten. Das Ötztaler Trinkwasser kommt mehrheitlich aus höher gelegenen Quellen. Einzelne Trinkwasserbrunnen in der Region erhalten das Wasser aus dem Grundwasser.
E. Coli-Bakterien können Magen-Darm-Beschwerden auslösen
Konkret wurde in der Ötztaler Achte unterhalb von Sölden eine höhere Konzentration an E. Coli-Bakterien bestätigt. Diese können Magen-Darm-Beschwerden auslösen, weshalb vom Baden und Wassersport in der Ötztaler Ache weiterhin abgeraten wird. Bei offenen Wunden und im Gehörgang sind Entzündungen möglich. Auch Hunde und andere Haustiere sollten nicht ins Gewässer gelassen werden bzw. daraus trinken.
„Die Bakterien können vom Menschen etwa durch Schlucken des Wassers, Einatmen von Wassertropfen aber auch über verunreinigte Hände bei der Nahrungsaufnahme aufgenommen werden. Mögliche Folgen können etwa Magen-Darm-Erkrankungen sein. Gefährdet sind insbesondere vulnerable Gruppen – etwa Kinder, Menschen mit geschwächtem Immunsystem, ältere Menschen und Schwangere“, erklärt Amtsärztin Barbara Schmid. Sie verweist auf die bereits vergangene Woche ausgesprochenen Empfehlungen: Bei Kontakt mit dem Wasser sollen betroffene Körperregionen, Kleidung und Hände sorgfältig gewaschen werden.
Schifffahrtsverbot für gesamte Ache
Bereits nach Vorliegen der ersten Teilergebnisse in der Vorwoche wurde seitens der BH Imst ein Schifffahrtsverbot auf der Ötztaler Ache von der „Brandachbrücke“ talauswärts bis zu deren Mündung angeordnet und von Kontakt mit dem Wasser der Ötztaler Ache abgeraten. Auf Basis der nun vorliegenden endgültigen Untersuchungsergebnisse wird diese Anordnung in eine Verordnung des Landes für die gesamte Ötztaler Ache erweitert.
Wasserwirtschaftlich keine Auffälligkeiten – Fische nicht belastet
Die physikalisch-chemischen Parameter zeigen im Detail nach wie vor folgendes: „Aus wasserwirtschaftlicher Sicht gibt es nach wie vor keinen Hinweis auf eine kritische Belastung. Grund dafür ist unter anderem der derzeit hohe Abfluss der Ache und die damit verbundene starke Verdünnung und Durchmischung – die mit Mündung in den Inn sogar nochmals um ein Vielfaches verstärkt wird. Daher sind am Inn nach derzeitigem Informationsstand und entsprechend der aktuellen Situation keine Maßnahmen notwendig“, erklärt Markus Federspiel, Vorstand der Abteilung Wasserwirtschaft des Landes.
Aufgrund der unauffälligen physikalisch-chemischen Parameter besteht nach derzeitigem Kenntnisstand auch keine Gefahr für Fische, die von den gemessenen Bakterienkonzentrationen nicht belastet werden. Der Verzehr ist entsprechend bei ordentlicher Küchenhygiene – also insbesondere dem Durchgaren der Fische – möglich. Sowohl beim Angeln als auch beim Zubereiten der Fische besteht jedoch für Menschen das erhöhte Risiko, mit Bakterien in Kontakt zu kommen. Es wird daher aktuell vom Fischen in der Ötztaler Ache abgeraten.
Wöchentliches Gewässermonitoring an der Ötztaler Ache und im Inn
„Wir beobachten die Situation weiterhin genau und analysieren die aus engmaschigen Messungen gewonnen Daten und Informationen, sodass auf etwaige Änderungen umgehend reagiert werden kann“, betonen Markus Federspiel und Barbara Schmid. So werden weiterhin wöchentlich an vier unterschiedlichen Stellen oberhalb und unterhalb der Kläranlage Sölden Proben an der Ötztaler Ache sowie zusätzlich aus dem Inn genommen. Hauptaugenmerk liegt auf physikalischen, chemischen und mikrobiologischen Parametern. Alle Testergebnisse des Gewässermonitorings finden sich unter www.tirol.gv.at/monitoringoetztalerache.