- Zahl könnte sich bis 2050 verdoppeln: Knapp 13.700 Menschen in Tirol leben mit einer Demenzerkrankung
- Kostenlose „Praxistage Demenz“ im Oktober in St. Johann in Tirol und im November in Hall in Tirol
- Weitere Informationen zur Koordinationsstelle Demenz unter www.demenz-tirol.at
Mehr als 50 Millionen Menschen leben Schätzungen der World Health Organization (WHO) zufolge mit Demenz, allein in Tirol sind es rund 13.700 Männer und Frauen. Ein einheitliches Krankheitsbild gibt es nicht – Demenz kann viele Ausprägungsformen haben und nicht nur die erkrankten Menschen selbst, sondern auch deren Familien und das persönliche Umfeld betreffen. Gleichzeitig zeigen aktuelle Prognosen, dass sich die Krankheitsfälle bis zum Jahr 2050 verdoppeln dürften. „Im Umgang mit Demenz sind frühzeitige Information, Prävention und die Vernetzung der heimischen Unterstützungsmöglichkeiten besonders wichtig. Diese zentrale Rolle übernimmt die Koordinationsstelle Demenz am LIV Tirol“, weist Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele auf das Serviceangebot am Landesinstitut für Integrierte Versorgung hin.
Demenz hat viele Gesichter
„Demenz ist eine Herausforderung, die wir als Gesellschaft gemeinsam bewältigen müssen. Entscheidend ist es, Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen nicht allein zu lassen, sondern ihnen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. In Tirol gibt es bereits zahlreiche Angebote, um den Alltag mit der Diagnose Demenz einfacher zu machen“, erklärt LRin Hagele.
„Es gibt nicht die eine Form von Demenz – und auch nicht den einen Krankheitsverlauf. Für alle Betroffenen kann sich die Krankheit unterschiedlich äußern und einerseits die kognitive Leistung beeinträchtigen, den Alltag massiv verändern, andererseits auch mit psychischen Symptomen wie Depressionen oder Schlafstörungen einhergehen. Zugleich können körperliche Veränderungen wie Gang- und Gleichgewichtsstörungen oder Schwindel auftreten“, informiert Amtsärztin Barbara Schmid. Erste Anzeichen für Demenz zeigen sich etwa darin, dass alltägliche Tätigkeiten zunehmend schwerfallen – beispielsweise beim Anziehen, Kochen, Telefonieren, bei Bankgeschäften oder auf Reisen.
Koordinationsstelle Demenz als Drehscheibe für Vernetzung und Information
Die Koordinationsstelle Demenz Tirol setzt sich intensiv mit der Lebenssituation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen auseinander und fördert den Auf- und Ausbau eines nachhaltigen Netzwerks in der Demenzversorgung. Auf einer interaktiven Tirol-Karte unter www.demenz-tirol.at sind die bestehenden Unterstützungsangebote aufgelistet, um einen möglichst umfassenden Überblick in den jeweiligen Bezirken zu bieten. Das Spektrum reicht von lokalen Selbsthilfegruppen über mobile Betreuung und Pflege, Tagesbetreuung und Tageszentren bis hin zu Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie sowie Angehörigengesprächen. Auch auf digitale Angebote wie Beratung und Austausch per Videokonferenz und ergänzende Freizeit- und Alltagsangebote – etwa gemeinsames Lesen, Musizieren, Kochen oder Museums- und Konzertbesuche – wird hingewiesen. Darüber hinaus informiert die Koordinationsstelle zu unterschiedlichen sozialrechtlichen Themen, die von finanzieller Unterstützung über Pflegeteilzeit bis zu gesetzlicher Erwachsenenvertretung reichen.
„Unser Ziel ist es, den Betroffenen und Angehörigen Orientierung in diesem komplexen Versorgungsbereich anzubieten und damit den niederschwelligen Zugang zu geeigneten Angeboten zu erleichtern. Neben der Informationsvermittlung zählen aber auch die Organisation von Vernetzungstreffen zum fachlichen Austausch aller involvierten Einrichtungen und Personen oder die Stärkung von Kompetenzen durch Fort- und Weiterbildung zu den Aufgaben der Koordinationsstelle“, erklärt LIV-Vorständin Renate Reingruber. Die Finanzierung der Koordinationsstelle sowie des Pilot-Projektes „Integrierte Versorgung Demenz“ erfolgt durch den Tiroler Gesundheitsfonds sowie die Krankenversicherungsträger ÖGK, SVS und BVAEB.
Frühzeitig auf Gesundheit achten
Die sogenannte Alzheimer-Krankheit ist vor der vaskulären Demenz, die sich auf Durchblutungsstörungen im Gehirn zurückführen lässt, die häufigste Form der Demenz. Eine Gemeinsamkeit haben alle Krankheitsbilder, so unterschiedlich sie auch sein mögen: Eine Heilung gibt es aktuell nicht. Eine Rolle spielt allerdings die Gesundheitsförderung, denn rund 30 bis 50 Prozent der Alzheimer-Fälle werden mit beeinflussbaren Risikofaktoren in Verbindung gebracht. „Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass wir insbesondere zwischen dem 30. und 65. Lebensjahr wichtige Weichen stellen sollten. So kann etwa eine Senkung des Blutdrucks das spätere Demenzrisiko verringern. Auch regelmäßige Bewegung, soziale Aktivitäten, mentales Training, eine ausgewogene Ernährung und der Verzicht auf das Rauchen können einen Beitrag leisten. Wichtig sind außerdem regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sowie die Behandlung von Hör- und Sehminderungen“, erklärt Amtsärztin Schmid. Beim Verdacht auf eine Demenzerkrankung sei zudem die Hausärztin bzw. der Hausarzt die erste Anlaufstelle. In weiterer Folge sollte es zu einer diagnostischen Abklärung kommen, die neben einem ärztlichen Gespräch auch neuropsychologische und körperliche Untersuchungen umfasst. „Je früher eine Demenz erkannt wird, desto besser können Behandlung und weitere Begleitung geplant werden“, ergänzt die Neurologin.
Praxistage Demenz im Herbst: Kostenloses Angebot für Betroffene und Angehörige
Wie Menschen mit demenzieller Beeinträchtigung im Alltag gut begleitet werden können, steht bei den nächsten „Praxistagen Demenz“ im Mittelpunkt. Diese Veranstaltungsreihe wurde in Kooperation mit der Initiative „Demenz braucht Kompetenz“ der tirol kliniken entwickelt und tirolweit ausgerollt. Kostenlose Vorträge und Workshops richten sich an Betroffene, Angehörige und Interessierte. ExpertInnen bieten vor Ort außerdem Beratungen an und informieren über Begleitangebote. Der nächste Praxistag findet am 17. Oktober (9 bis 16 Uhr) im Medicubus in St. Johann in Tirol statt. Eine Anmeldung ist bis 9. Oktober unter 05352 606 8026 oder praxistagdemenz@khsj.at möglich. Am 5. November von 9.30 bis 17 Uhr folgt ein weiterer Praxistag an der UMIT Tirol in Hall in Tirol. Weitere Informationen sind auf www.demenz-tirol.at zu finden.
