- Klimawandel erhöht die Belastung durch Hitze und Wetterextreme – Land Tirol investiert laufend in Schutz vor Naturgefahren
Muren, Lawinen, Hitzewellen, Hochwasser oder Stürme: Tirol ist aufgrund seiner alpinen Lage seit jeher Naturgefahren ausgesetzt. Gleichzeitig verändern sich die Rahmenbedingungen durch den Klimawandel: Wetterextreme werden intensiver. Umso wichtiger ist vorausschauende Vorsorge. Das Land Tirol investiert kontinuierlich in den Schutz der Bevölkerung, des Siedlungsraums und wichtiger Infrastruktur – unter anderem durch Schutzbauten, Schutzwälder und Hochwasserschutz. Rund 45.000 Schutzbauwerke im Bereich der Wildbach- und Lawinenverbauung gibt es heute in Tirol, rund 200 Millionen Euro wurden in den vergangenen zehn Jahren zusätzlich in vorbeugenden Hochwasserschutz an Gewässern im Talraum investiert. Zudem werden jährlich mehr als 2,5 Millionen junge Forstpflanzen im Land aufgeforstet, um auch den Schutzwald weiter zu stärken.
Der Internationale Tag der Katastrophenvorbeugung am 13. Oktober rückt weltweit die Bedeutung der Katastrophenvorsorge und der Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Gesellschaften in den Mittelpunkt. Denn auch wenn Naturgefahren nicht verhindert werden können, lassen sich ihre Auswirkungen durch gezielte Vorsorge deutlich reduzieren.
„Katastrophenschutz beginnt nicht erst dann, wenn ein Ereignis eintritt. Entscheidend ist, dass wir bereits vorher die notwendigen Vorkehrungen treffen. Das Land Tirol investiert deshalb kontinuierlich in Schutzbauten, Schutzwälder, den Hochwasserschutz und funktionierende Warn- und Einsatzstrukturen. Gemeinsam mit zahlreichen Partnern und Stakeholdern wie Gemeinden und die Wildbach- und Lawinenverbauungen setzen wir alles daran, dass Siedlungsräume und Infrastruktur bestmöglich geschützt sind“, betont LH Anton Mattle. „Die Schlüssel sind Vorsorge und Eigenverantwortung“, ergänzt Sicherheitsreferent LHStv Josef Geisler: „Als Landesregierung nehmen wir unsere Verantwortung wahr und investieren seit Jahren zielgerichtet in Schutzmaßnahmen. Gleichzeitig ist die Eigenverantwortung der Bevölkerung wichtig. Jede und jeder sollte wissen, was im Ernstfall zu tun ist.“
Wetterextreme nehmen aufgrund des Klimawandels zu
Wie deutlich sich die Entwicklung der Wetterextreme bereits zeigt, belegen Daten der GeoSphere Austria vor allem im Hinblick auf die steigenden Temperaturen: In Innsbruck hat die Zahl der Hitzetage seit 1961 langfristig um rund 27 Tage pro Jahr zugenommen. Aber auch andere Extremwetterereignisse – etwa Starkregen und Trockenperioden – werden intensiver: „Hitzewellen, wie wir sie diesen Sommer erlebt haben, werden durch den Klimawandel zur neuen Normalität. Die steigenden Temperaturen wiederum haben sowohl stärkeren Niederschlag bei Schauern und Gewittern als auch lange Trockenperioden dazwischen zur Folge. Kurzzeitiger Starkregen ist heute beispielsweise um 15 Prozent intensiver als früher. Somit steigt durch den Klimawandel einerseits die Unwettergefahr durch Starkregen, Hagel und Sturm, andererseits sorgt der ausgetrocknete Boden für Probleme beim Wasser und für steigende Waldbrandgefahr“, erklärt Manfred Bauer, Leiter der Regionalstelle Tirol und Vorarlberg der GeoSphere Austria.
Investitionen in den Schutz der Bevölkerung
Das Land Tirol setzt gemeinsam mit dem Bund, den Gemeinden und Infrastruktureinrichtungen zahlreiche Maßnahmen um, um die Bevölkerung, den Dauersiedlungsraum und wichtige Infrastruktur vor Naturgefahren zu schützen:
- Schutzwald: Mehr als 70 Prozent des Tiroler Waldes erfüllen vorrangig eine Schutzfunktion – beispielsweise vor Steinschlag oder Lawinen. Damit der Schutzwald diese wichtige Funktion auch künftig erfüllen kann, werden Schutzwälder regelmäßig gepflegt, aufgeforstet und klimafit gemacht. Alleine 2026 werden 18,3 Millionen Euro im Schutzwaldmanagement investiert. Die Maßnahmen reichen von der Pflanzung von mehr als 2,5 Millionen Forstpflanzen, über Waldpflege auf rund 2.000 Hektar bis hin zum notwendigen Abbau älterer Bestände, um den Schutzwald zeitgerecht und zielgerichtet zu verjüngen.
- Schutzbauten entlang von Landesstraßen: Allein in den Jahren 2024 bis 2026 wurden rund 44 Millionen Euro in Schutzmaßnahmen wie zuletzt beispielsweise in die Haslachgalerie in Osttirol und die Kanzelgalerie im Bezirk Landeck entlang der Landesstraßen investiert.
- Schutzbauten gegen Wildbäche, Lawinen oder Steinschlag: Wo der Wald allein keinen ausreichenden Schutz bieten kann, kommen zusätzliche technische Schutzmaßnahmen zum Einsatz, etwa Wildbach- oder Lawinenverbauungen. In Tirol gibt es mehr als 45.000 Schutzbauten gegen Lawinen, Muren oder Steinschlag. Für deren Errichtung ist insbesondere die Wildbach- und Lawinenverbauung zuständig. Bund und Land Tirol investieren hier jährlich rund 80 Millionen Euro.
- Hochwasserschutz im Wasserbau: Rund 200 Millionen Euro wurden in Tirol in den vergangenen zehn Jahren in den vorbeugenden Hochwasserschutz an Gewässern im Talraum investiert. Gefährdete Siedlungsgebiete und Infrastruktureinrichtungen werden durch wasserbauliche Maßnahmen wie Rückhalteanlagen, Dämme und Ufersicherungen geschützt.
- Sicherheit endet nicht mit der Errichtung: Die Inspektion und Überwachung dieser Anlagen ist ein zentrales Element zum Erhalt der Schutzbauten. Mehr als 1.800 besonders relevante Schlüsselbauwerke der Wildbach- und Lawinenverbauung werden jährlich einer speziellen Kontrolle unterzogen. Des weiteren wurden allein 2025 mehr als 15.000 Schutzbauwerke im Rahmen einer Begehung überwacht. Dazu kommen rund 600 km Talgewässer mit ihren Schutzbauwerken, die seitens des Wasserbaus jedes Jahr auf ihren Zustand kontrolliert werden.
- Lawinenprognose und Lawinenkommissionen: Im Winter beurteilen die Lawinenkommissionen im ganzen Land laufend die aktuelle Lawinensituation. Auf Basis ihrer Einschätzungen können notwendige Maßnahmen wie Sperren oder kontrollierte Lawinenauslösungen veranlasst werden. Informationen zur Lawinensituation gibt im Winter zudem täglich der Lawinenreport. Alleine in der Wintersaison 2025/26 wurden über neun Millionen Aufrufe der Website www.lawinen.report verzeichnet. Den täglichen Lawinenreport gibt es ab Anfang der Wintersaison – davor gibt es im Anlassfall Blogeinträge.
Vorsorge: Was jeder Haushalt tun kann
Im Krisenfall können Stromversorgung, Einkaufsmöglichkeiten oder Verkehrswege vorübergehend eingeschränkt sein. Deshalb sollte jeder Haushalt so vorbereitet sein, dass er zumindest eine Woche ohne Einkaufen und gegebenenfalls ohne Strom auskommt.
Tipps für die Bevorratung:
- Lebensmittel auswählen, die im Notfall auch ohne Kochen oder Erwärmen gegessen werden können.
- Besonders lang haltbare, hochwertige und leicht verdauliche Lebensmittel bevorraten.
- Lebensmittel möglichst kühl, trocken und lichtgeschützt lagern.
- Haltbarkeitsdaten regelmäßig kontrollieren und Vorräte rechtzeitig verbrauchen bzw. erneuern.
- Auf spezielle Bedürfnisse achten: etwa Säuglingsnahrung, benötigte Lebensmittel für kranke oder ältere Menschen sowie Tierfutter.
- Einen ausreichenden Getränkevorrat anlegen. Wasser und Fruchtsäfte in geeigneten Verbundpackungen eignen sich aufgrund ihrer langen Haltbarkeit gut für die Bevorratung.
„Eine gute Vorbereitung gibt Sicherheit für den Ernstfall. Wenn Behörden, Einsatzorganisationen, Gemeinden, Infrastrukturbetreiber und die Bevölkerung gut vorbereitet sind und zusammenspielen, können die Folgen von Katastrophen deutlich reduziert werden“, so LHStv Geisler abschließend.