Weltschlaganfalltag

Weltschlaganfalltag am 29. Oktober schafft Bewusstsein für Symptome und rasches Handeln

  • Tirol verfügt über eine der engsten Versorgungsketten Österreichs
  • „Schlaganfallpfad Tirol“ als Vorzeigeprojekt der integrierten Versorgung mit INTEGRI-Preis ausgezeichnet
  • Weitere Informationen zum Thema Schlaganfall unter www.schlaganfall-tirol.info

Ein hängender Mundwinkel, plötzlich auftretende Sprachstörungen oder eine einseitige Schwäche von Arm oder Bein: In Tirol ereignen sich rund 1.500 Schlaganfälle pro Jahr. Ein Schlaganfall kann Menschen völlig unerwartet treffen. Dann zählt jede Minute. Anlässlich des Weltschlaganfalltags am 29. Oktober rückt das Land Tirol die Bedeutung der Früherkennung und des raschen Handelns in den Mittelpunkt. Gleichzeitig zeigt der „Schlaganfallpfad Tirol“, wie eine koordinierte Zusammenarbeit aller Beteiligten die Versorgung von PatientInnen nachhaltig verbessern kann. Das integrierte Versorgungsprogramm des Tiroler Gesundheitsfonds (TGF) wurde dafür dieses Jahr als erstes Projekt österreichweit für seine nachhaltige Erfolgsgeschichte mit dem „INTEGRI Evolution“-Preis ausgezeichnet.

„Ein Schlaganfall ist immer ein medizinischer Notfall. Entscheidend ist, dass die Symptome erkannt werden und Betroffene oder Angehörige keine Zeit verlieren. Mit dem ‚Schlaganfallpfad Tirol‘ haben wir eine Versorgung aufgebaut, bei der die verschiedenen Bereiche des Gesundheitswesens eng zusammenarbeiten. Die aktuelle Auszeichnung ist eine Anerkennung für dieses gemeinsame Engagement und zugleich ein Auftrag, die Versorgung kontinuierlich weiterzuentwickeln“, betont Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele.

Engmaschige Versorgung in ganz Tirol

Die Versorgung von SchlaganfallpatientInnen erfolgt in Tirol im Rahmen einer abgestimmten Zusammenarbeit zwischen der Leitstelle Tirol, den Rettungsdiensten, den Krankenhäusern sowie Reha-Einrichtungen. Ein Drittel der PatientInnen ist innerhalb von drei Stunden nach Auftreten des Schlaganfalls im Krankenhaus. Damit verfügt Tirol über eine der engsten Versorgungsketten Österreichs. Die drei spezialisierten „Stroke Units“ – also spezialisierte Abteilungen für Schlaganfälle – in Innsbruck, Kufstein und Lienz bilden dabei zentrale Anlaufstellen für die Akutversorgung. Rund zwei Drittel aller SchlaganfallpatientInnen werden in den „Stroke Units“ behandelt. 

Ergänzt werden diese Spezialeinrichtungen von drei neurologischen Abteilungen (LKH Innsbruck, BKH Kufstein, BKH Lienz) und den internistischen Abteilungen der heimischen Akutkrankenhäuser (BKH Reutte, KH Zams, BKH Schwaz, BKH St. Johann, LKH Hall). Für die Nachsorge gibt es Akutnachbehandlungen am LKH Hochzirl und in den Bezirkskrankenhäusern Kufstein und Lienz sowie das Rehabilitationszentrum Münster. Krankenhäuser ohne eigene „Stroke Units“ sind über den Schlaganfallpfad Tirol an die spezialisierten Häuser angebunden. Neben der medizinischen Versorgung setzt Tirol auch auf Aufklärung und Prävention, um Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Rauchen einzudämmen.

Rasch erkennen, richtig handeln

Neben einer gut abgestimmten medizinischen Versorgung ist das Wissen der Bevölkerung über die Warnsignale eines Schlaganfalls entscheidend. Die wichtigsten Warnsignale sind plötzlich auftretende Lähmungen oder Taubheitsgefühle, insbesondere auf einer Körperseite, ein hängender Mundwinkel, plötzliche Schwierigkeiten beim Sprechen oder Sprachverständnis sowie Sehstörungen. Auch plötzlich einsetzender Schwindel mit Gangunsicherheit oder ungewöhnlich heftige Kopfschmerzen können auf einen Schlaganfall hinweisen. 

„Viele Menschen wissen grundsätzlich, dass Sprachstörungen oder Lähmungen auf einen Schlaganfall hindeuten können. Im Ernstfall ist es aber entscheidend, diese Zeichen richtig einzuordnen und sofort zu handeln. Niemand soll abwarten, ob sich die Beschwerden von selbst bessern, oder selbst mit dem Auto ins Krankenhaus fahren. Bei Anzeichen für einen Schlaganfall gilt es, sofort den Notruf 144 zu wählen. Je schneller man einen Schlaganfall erkennt und behandelt, desto höher sind die Heilungschancen“, erklärt Gesundheitsdirektorin Theresa Geley. 

Erfolgsmodell „Schlaganfallpfad Tirol“

Der im Jahr 2008 gemeinsam vom Land Tirol und der Sozialversicherung ins Leben gerufene integrierte Behandlungspfad „Schlaganfallpfad Tirol“ begleitet Betroffene entlang der gesamten Versorgungskette – von der Alarmierung der Rettung über die Akutbehandlung im Krankenhaus bis zur Rehabilitation und ambulanten Nachsorge. Ziel ist es, die Abläufe zwischen den beteiligten Einrichtungen bestmöglich aufeinander abzustimmen und PatientInnen bedarfsgerecht zu versorgen. Wie wichtig diese Zusammenarbeit ist, zeigt auch die aktuelle Auszeichnung: Nach der erstmaligen Prämierung mit einem INTEGRI-Preis im Jahr 2016 wurde der Schlaganfallpfad Tirol 2026 mit dem neu geschaffenen „INTEGRI Evolution“-Preis geehrt (siehe Pressemitteilung vom 16. Mai 2026). 


Factbox: Schlaganfall erkennen – im Notfall sofort 144 wählen

Ein Schlaganfall ist ein akuter medizinischer Notfall. Dabei wird die Durchblutung eines Teils des Gehirns gestört oder es kommt zu einer Blutung. Dadurch können wichtige Gehirnfunktionen innerhalb kurzer Zeit beeinträchtigt werden.

Auf diese Warnsignale achten:

  • Gesicht: hängender Mundwinkel
  • Arme und Beine: Lähmungen bzw. Taubheitsgefühle einer Körperseite
  • Sprache: Sprachstörungen bzw. Verständnisschwierigkeiten
  • Sehen: plötzlich auftretende Sehstörungen
  • Gleichgewicht: plötzlicher Schwindel oder Gangunsicherheit
  • Kopfschmerzen: ungewöhnlich heftige, plötzlich einsetzende Kopfschmerzen

Was ist im Verdachtsfall zu tun?

  • Sofort 144 wählen. Nicht abwarten, ob die Symptome verschwinden.
  • Den Zeitpunkt merken, zu dem die Beschwerden begonnen haben oder die Person zuletzt ohne Symptome war.
  • Betroffene Person nicht allein lassen und die Anweisungen der Leitstelle befolgen.
  • Keine eigenständige Fahrt ins Krankenhaus und keine eigenmächtige Gabe von Medikamenten.

Auch wenn die Symptome nach kurzer Zeit wieder verschwinden, ist eine sofortige medizinische Abklärung notwendig.

So funktioniert die Versorgungskette Schlaganfallpfad Tirol:

  • Nach dem Absetzen des Notrufes sorgen die MitarbeiterInnen der Leitstelle Tirol und die Rettungskräfte für die Erstversorgung.
  • Nachdem die PatientInnen in eine Krankenanstalt transportiert wurden, finden erste neurologische Untersuchungen statt. Die drei „Stroke Units“ (Innsbruck, Kufstein und Lienz) sorgen in Abstimmung mit allen Tiroler Krankenhäusern für eine rasche und optimale Versorgung der Betroffenen.
  • Anschließend führt der Behandlungspfad entweder
    • in eine Akutnachbehandlungseinheit oder eine Reha-Einrichtung
    • oder direkt in die ambulante Behandlung des Schlaganfallpfades. Dieser ambulante Teil des Pfades arbeitet eng mit HausärztInnen, mobilen Diensten und niedergelassenen TherapeutInnen zusammen. 

Alle Informationen zur Symptomatik von Schlaganfällen und zu Erste-Hilfe-Maßnahmen finden sich auf der Website des Landes.