Hochwasserschutz am Villgratenbach schreitet voran

Zweiter Bauabschnitt abgeschlossen

  • Fertigstellungsfeier mit BM Totschnig und LHStv Geisler in Heinfels
  • Großprojekt schafft Sicherheit für rund 32 Hektar Bauland mit 128 Wohn- und Betriebsgebäuden
  • Wildholz- und Geschiebesperre als zentrales Bauteil
  • Investitionen von rund 9,5 Millionen Euro 

Der Hochwasserschutz in Osttirol ist einen entscheidenden Schritt weiter: Der zweite Bauabschnitt des umfangreichen Schutzprojekts am Villgratenbach in Heinfels wurde fertiggestellt – und schafft Sicherheit für rund 32 Hektar Bauland mit insgesamt 128 Wohn- und Betriebsgebäuden. Rund 9,5 Millionen Euro haben das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft, das Land Tirol und die Gemeinde Heinfels dafür gemeinsam investiert. Zu Baubeginn waren dafür Kosten von rund 14 Millionen Euro prognostiziert worden. Diese konnten mit den 9,5 Millionen Euro deutlich unterschritten werden. 

Herzstück des Bauabschnitts ist eine leistungsfähige Wildholz- und Geschiebesperre am Ausgang der Schluchtstrecke des Villgratenbachs. Sie kann bis zu 50.000 Kubikmeter Geschiebe und Gestein zurückhalten und verhindert zugleich, dass angeschwemmtes Holz zu gefährlichen Verklausungen führt. Heute, Freitag, wurde die Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts mit BM Norbert Totschnig, LHStv Josef Geisler, Johann Kraler (Bgm Heinfels), Franz Schneider (Bgm Sillian) und weiteren Partnern gefeiert.

„Der Schutz der Bevölkerung vor Naturgefahren hat für mich oberste Priorität. Gerade angesichts zunehmender Wetterextreme müssen wir vorsorgen und dort investieren, wo Hochwasserschutz Sicherheit schafft. Allein in Tirol stellen wir 2026 rund 18 Millionen Euro an Bundesmitteln für den Hochwasserschutz bereit. In den Hochwasserschutz am Villgratenbach investiert mein Ministerium rund 6,6 Millionen Euro. Damit schützen wir 1.044 Menschen und 128 Objekte zusätzlich vor Hochwasser. Das zeigt: Wenn Bund, Land und Gemeinden gemeinsam anpacken, schaffen wir Sicherheit für die Menschen und stärken gleichzeitig unsere Regionen. Jeder Euro in den Hochwasserschutz ist eine Investition in Sicherheit, Lebensqualität und eine widerstandsfähige Heimat“, so Umweltminister Totschnig anlässlich der Eröffnungsfeier.

Schutz für Siedlungsraum und Infrastruktur

Auch LHStv Geisler betont die Bedeutung des Projekts für die Region: „Wir leben in Tirol seit jeher mit Naturgefahren, und müssen damit rechnen, dass die Zahl der Wetterextreme zunimmt. Deshalb investieren wir laufend in den Schutz vor Naturgefahren. Dieses Projekt hat einen weiteren Meilenstein erreicht. Dadurch steigt der Schutz vor Hochwasser für Mensch und Natur in dieser Gegend enorm. Ich danke allen Beteiligten vor Ort für ihren engagierten Einsatz zum Schutze der Tiroler Bevölkerung.“

Anhebung der Landesstraße, neue Dämme und Mauern

Neben der zentralen Geschiebesperre wurden im Zuge des zweiten Bauabschnitts zahlreiche weitere Maßnahmen umgesetzt: Die Landesstraße wurde im Bereich der Sperre um bis zu sechs Meter angehoben und über das neue Bauwerk geführt. Auf der linken Seite des Villgratenbachs wurden auf einer Länge von rund 500 Metern Dämme und Mauern errichtet bzw. erhöht. Darüber hinaus wurde das Bachbett neugestaltet, Uferbereiche wurden gesichert und wichtige Versorgungseinrichtungen verlegt. Bereits zwischen 2020 und 2023 konnten einzelne Bauteile, darunter eine neue Brücke, realisiert werden.

50.000 Kubikmeter Rückhaltevolumen

Die neue Wildholz- und Geschiebesperre bildet das Herzstück des zweiten Bauabschnittes. Sie hält im Hochwasserfall große Mengen an mitgeführtem Schotter, Gestein und Holz zurück und reduziert damit das Risiko, dass sich das Gerinne weiter flussabwärts gefährlich verlegt. „Damit die Schutzwirkung auch langfristig erhalten bleibt, wurde das Gewässer unterhalb der Geschiebesperre stabilisiert. Insgesamt wurden 15 Querriegel aus schweren Wasserbausteinen errichtet, die verhindern, dass sich das Bachbett eintieft“, erklärt Lukas Umach, Fachbereichsleiter Wasserbau in der Abteilung Wasserwirtschaft des Landes. Gleichzeitig wurde die Sperre nicht nur auf technischer Ebene durchgedacht, auch die ökologische Gestaltung des Wassers war ein wichtiger Aspekt. Neben der umfassenden naturnahen Begrünung des Uferbereichs wurde die Sperre auch so konzipiert, dass sie für Fische weiterhin passierbar bleibt.

Erfolgreicher Abschluss trotz herausfordernder Arbeiten

Johannes Nemmert, Leiter des Baubezirksamts Lienz, verweist auf die besonderen Herausforderungen bei der Umsetzung: „Die Arbeiten fanden in einem topographisch anspruchsvollen Bereich statt und mussten gleichzeitig mit den Anforderungen an Verkehr, Gewässer und bestehende Infrastruktur abgestimmt werden. Die Anhebung der Landesstraße, die umfangreichen Ufersicherungen und die Errichtung der Sperre waren technisch anspruchsvolle Aufgaben. Dass die Maßnahmen nun abgeschlossen werden konnten, ist dem Zusammenspiel aller Beteiligten zu verdanken.“

Hochwasserschutzprojekt entlang Drau und Villgratenbach schreitet voran

Der nun fertiggestellte Abschnitt ist Teil eines umfassenden Maßnahmenpakets für den Hochwasserschutz entlang der Drau und des Villgratenbachs in Sillian und Heinfels. Nach den umfangreichen Arbeiten am Hochwasserschutz der Drau in Sillian, die sich über rund acht Jahre erstreckten, starteten im Oktober 2024 die Arbeiten am zweiten Bauabschnitt des Villgratenbachs in der Schluchtstrecke oberhalb von Heinfels. Für die betroffenen Gemeinden bedeutet die Fertigstellung einen wichtigen Zugewinn an Sicherheit.

So sehen das auch die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden, Kraler (Heinfels) und Schneider (Sillian): „Für Heinfels und Sillian ist die Fertigstellung dieses Bauabschnitts ein wichtiger Meilenstein. Hochwasserschutz ist keine Aufgabe, die man irgendwann abschließt – gerade angesichts zunehmender Wetterextreme müssen wir unsere Schutzmaßnahmen laufend weiterentwickeln. Mit der neuen Geschiebesperre und den zahlreichen begleitenden Maßnahmen haben wir jetzt einen wesentlichen Schritt geschafft, um die Menschen, Gebäude und wichtige Infrastruktur besser zu schützen. Unser Dank gilt allen, die dieses anspruchsvolle Projekt über Jahre vorbereitet, geplant und umgesetzt haben.“

Die Umsetzung der Maßnahmen erfolgte durch die Bundeswasserbauverwaltung, genauer durch das Baubezirksamt Lienz.