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Landeshauptmann Anton Mattle

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1. Landeshauptmann-Stellvertreter Philip Wohlgemuth

1. Landeshauptmann-Stellvertreter Philip Wohlgemuth

Zuständig für Wohnbauförderung, Hochbau, Sport, Integration sowie die Liegenschaften des Landes

Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler

Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler

Zuständig für Land- und Forstwirtschaft, Grundverkehr, Raumordnung, Straßenbau, Energie, Traditionswesen

Landesrat Mario Gerber

Landesrat Mario Gerber

Zuständig für Wirtschaft, Tourismus sowie Digitalisierung

Landesrätin Cornelia Hagele

Landesrätin Cornelia Hagele

Zuständig für Gesundheit, Pflege, Bildung sowie Wissenschaft und Forschung

Landesrätin Astrid Mair

Landesrätin Astrid Mair

Zuständig für Sicherheit, ArbeitnehmerInnen, Generationen sowie Zivil- und Katastrophenschutz

Landesrätin Eva Pawlata

Landesrätin Eva Pawlata

Zuständig für Soziales, Inklusion sowie Frauen

Landesrat René Zumtobel

Landesrat René Zumtobel

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  • Podcast „ins Land einihören"
  • Transkripte
  • Podcast mit Markus Federspiel…

Podcast mit Markus Federspiel | Vorstand der Abteilung Wasserwirtschaft

„ins Land einihören“ | Folge 20

Transkript 

Hinweis: Gesprächsbeiträge im Tiroler Dialekt werden inhaltlich in Hochdeutsch übersetzt.

Dénes Széchényi (Moderator): 

„Ins Land einihören“ - Das ist der Podcast des Landes Tirol. Heute moderiert von Dénes Szechenyi. Tirol ist mit bestem Trinkwasser gesegnet. Es entspringt in den Tiroler Bergen, wird dort gereinigt und in hoher Qualität gespeichert. Fast das gesamte Trink- und Nutzwasser wird aus Quellen gedeckt. Mehr als 10.000 Quellen sind bekannt, die Hälfte davon wird für die Wasserversorgung genutzt. Jeder Tiroler braucht täglich 130 Liter Wasser zu Hause. Klimawandel, Trockenheit, Starkregen und Verdunstung fordern allerdings die Wasserversorger. Quellen müssen vor Hochwasser und Muren geschützt werden. Wichtig wird in Zukunft auch die Zusammenarbeit der Gemeinden untereinander, um die Wasserversorgung oder auch den Hochwasserschutz sicher und langfristig zu gewährleisten.

Mein heutiger Gast ist Markus Federspiel, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft. Sie haben eigentlich immer schon mit Wasser zu tun gehabt. Sie sind in die HTL in Innsbruck gegangen und haben dort dann auch ein Praktikum gemacht in der Abteilung, der Sie heute vorstehen. Sie haben dann in Wien Wasserwirtschaft studiert auf der BOKU und leiten eben seit 2017 die Abteilung für Wasserwirtschaft. Herzlich willkommen. Herr Federspiel, mit 16 waren Sie als Ferialpraktikant schon in Ihrer Abteilung?

Markus Federspiel:

Ja, neben der HTL, sozusagen im Sommer, habe ich zweimal ein Praktikum gemacht in dieser Abteilung, die damals natürlich auch anders geheißen hat. Das war das sogenannte Kulturbauamt, das sich ausschließlich um die Siedlungswasserwirtschaft gekümmert hat und die landwirtschaftliche Bewässerung. Da war ich vorwiegend in der Abwasserentsorgung tätig.

Széchényi:

Aber geprägt hat Sie dieser Ferialjob nicht? War dann eher das Studium und nach dem Studium?

Federspiel:

So ist es, ja. Ich habe das Studium auf der BOKU abgeschlossen und bin dann sechs Jahre in der Privatwirtschaft gewesen, drei Jahre in der Steiermark, in Graz. Da habe ich mich dann sehr intensiv mit dem Hochwasserschutz auseinandersetzen dürfen und mit Wasserkraft. Und dann in Wien wieder drei Jahre, beziehungsweise in Krems. Da habe ich für die Stadt Krems den Hochwasserschutz geplant.

Széchényi:

Und dann wieder zurück nach Tirol?

Federspiel:

Und dann bin ich wieder zurückgekommen nach Tirol.

Széchényi:

Wir haben jetzt eben gerade nach den letzten Hitzewellen, die wir da erlebt haben, eine, es ist in Tirol gewesen, war dann immer von der Trockenheit die Rede, vom Wassersparen, vom Absinken des Grundwasserpegels. Wie schaut das in Tirol aus? Haben wir genug Wasser?

Federspiel:

Ja, grundsätzlich kann man sagen, dass Tirol privilegiert ist in Sachen Wasser. Wenn man sich zum Beispiel den Jahresniederschlag, den mittleren Jahresniederschlag anschaut, wir haben einen Jahresniederschlag von in etwa 1350 Millimeter, das sozusagen übers ganze Jahr gemittelt natürlich, das gesamte Landesgebiet errechnet wurde. Das schwankt natürlich, je nach Gebiet. Wir haben gewisse Trockengebiete im Oberland, da haben wir in etwa 700 Millimeter, aber es gibt dann auch sehr feuchte Gebiete, wie zum Beispiel Tannheim mit 1800 Millimeter. Und im Vergleich zu anderen Bundesländern, wenn ich...

Széchényi:

Ist das viel, oder?

Federspiel:

Das ist viel, im Vergleich zu Niederösterreich, die haben im Jahresdurchschnitt 600, 700, 800 Millimeter, also fast die Hälfte von dem Tiroler Jahresniederschlag.

Széchényi:

Wir haben hauptsächlich das Wasser aus Quellen.

Federspiel:

Ist korrekt - also für die Trinkwasserversorgung. Ja, richtig. 90 Prozent des Trinkwassers stammt aus Quellen und nur 10 Prozent aus Brunnen, aus dem Bodengrundwasser.

Széchényi:

Also das ist eher im Unterland dann?

Federspiel:

Das ist eigentlich eher im Inntal der Fall, dass man das Grundwasser nimmt. Es ist im Prinzip von der Qualität das gleiche. Unser Grundwasserkörper ist sehr mächtig, muss man sagen, aber vorwiegend werden in Tirol für die Trinkwasserversorgung Quellen herangezogen.

Széchényi:

Wie lange braucht ein Regentropfen, der am Hafelekar in Innsbruck fällt, oben am Gipfel, bis er dann durch meine Wasserleitung kommt in Innsbruck?

Federspiel:

Ja, laut Aussagen der IKB braucht er in etwa zehn Jahre, aber das ist natürlich abhängig vom Speicher im Berg. Man muss sich vorstellen: Das Karwendel ist ein Kalkgebirge und besitzt einige Hohlräume und Klüfte und Spalten, wo dieses Wasser, dieser Niederschlag, der sozusagen auf dieses Gebirge auffällt, versickert und dort gespeichert wird. Das heißt, man muss sich vorstellen, das Gebirge ist ein großer Speicher, der mit Wasser gefüllt wird. Und wenn es jetzt eine längere Trockenphase gibt, wird dieser Speicher natürlich kleiner, beziehungsweise ist der Speicher weniger gefüllt. Und wenn weniger nachkommt, dann wird der Tropfen wahrscheinlich weniger lang brauchen wie zehn Jahre. Aber bei großem oder bei vollem Speicher werden die zehn Jahre sehr plausibel sein.

Széchényi:

Wie wichtig sind denn die Gletscher für die Trinkwasserversorgung?

Federspiel:

Ja, die Gletscher sind gerade im alpinen Bereich natürlich schon sehr wichtig, wenngleich natürlich die Quellen, die zur Trinkwasserversorgung herangezogen werden, natürlich schon so ausgesucht werden, die sozusagen von den äußeren Einflüssen wenig äußere Einflüsse haben.

Széchényi:

Sie haben es gerade erwähnt, Karwendel, sagen wir jetzt mal so hartes Wasser, und es gibt aber auch weiches Wasser, also gerade die Patscherkofelseite oder die südliche Seite des Landes hat eher weiches Wasser. Qualitativ ist da überhaupt kein Unterschied? Oder doch?

Federspiel:

Ja, qualitativ ist kein Unterschied. Ich meine, die Härte des Wassers wird bestimmt eben durch den Calcium- und Magnesiumgehalt, der vom Gestein gelöst wird. Im Kalkgebirge wird eben dieses Magnesium und Calcium gelöst und ein hoher Gehalt im Wasser feststellbar. Das ist bei weichem Wasser nicht so und hängt aber natürlich von der Gesteinsart ab, wo die Quelle gefasst wird.

Széchényi:

Sie haben ja am Tag der offenen Tür diese beiden Wasser, wenn man so sagen will, auch blind verkosten lassen. Was war da das Ergebnis?

Federspiel:

Ja, das war ganz interessant, weil man kommt ja nicht oft dazu, sozusagen unterschiedliche Quellwässer zu testen. Wir haben eigentlich getestet, welches Wasser besser schmeckt. Aber das ist natürlich eine sehr subjektive Einschätzung. Also festgestellt haben wir, dass es eigentlich nicht feststellbar ist, ob es ein weiches oder ein hartes Wasser ist. Man schmeckt wenig Unterschied. Da ist viel entscheidender die Temperatur des Wassers. Ein kaltes Wasser schmeckt natürlich viel besser wie ein warmes Wasser.

Széchényi:

Ja, klar. Ihre Abteilung, die ist gerade dabei, ein Trinkwasserversorgungskonzept für Tirol zu erstellen. Also die Trinkwasserversorgung für die Zukunft sicherzustellen. In dem Sinne, was beinhaltet denn dieses Konzept im Kern?

Federspiel:

Ja, das Trinkwasserversorgungskonzept, das was wir vor kurzem fertiggestellt haben, gemeinsam mit der Energieagentur Tirol, beinhaltet einmal im Wesentlichen die Darstellung des Status quo der Trinkwasserversorgung in Tirol. Das heißt, wie schaut die Trinkwasserversorgung aus, wie ist sie aufgestellt? Und man kann sagen, dass die Tiroler Bevölkerung ausreichend qualitativ und quantitativ mit gutem Wasser versorgt wird. Man muss dazu sagen, 96 Prozent der Tiroler Bevölkerung werden über öffentliche Wasserversorgungen versorgt. Und wie zuerst schon erwähnt, 90 Prozent aus Quellen und 10 Prozent aus Grundwasser. Was wir auch festgestellt haben im Rahmen dieses Trinkwasservorsorgekonzeptes, seit 1986, also vor rund 40 Jahren, ist der Wasserverbrauch schon höher geworden, also der gesamte Jahreswasserverbrauch, aber der spezifische pro Kopf ist gesunken. Das heißt, es sind doch sehr viele wassersparende Maßnahmen eingeführt worden. Man ist auch bewusster mit dem Umgang des Wassers.

Széchényi:

Die Bevölkerung ist auch gewachsen.

Federspiel:

So ist es, aber der Anstieg der Bevölkerung spiegelt sozusagen den Gesamtwasserverbrauch dar, aber das spezifische, dass der gesunken ist, ist schon interessant. Und wir haben derzeit einen spezifischen Wasserverbrauch in etwa von 250 Liter pro Tag und Kopf, beziehungsweise Hauptwohnsitz.

Széchényi:

Kommt mir viel vor, ich glaube nicht, dass ich 250 Liter Wasser am Tag brauche.

Federspiel:

Ist so, man geht ja davon aus, dass eine Person im Haushalt 130 Liter pro Tag braucht, eben diese 250 resultieren daraus, dass auch andere Bereiche, die von der öffentlichen Trinkwasserversorgung versorgt werden, wie Dienstleistungsbetriebe, wie der Tourismus, Gewerbe, die da auch natürlich inkludiert sind. Und dieser spezifische Wasserverbrauch eben auch sehr schwanken kann. Wir haben Gemeinden, die haben 100 Liter pro Tag und wir haben Gemeinden mit 700 Liter pro Tag und Kopf.

Széchényi:

Okay, das sind wahrscheinlich vorwiegend Tourismusgemeinden mit Hotelpools und so weiter.

Federspiel:

Wo viel Gewerbe drin ist oder Dienstleistungsbetriebe.

Széchényi:

Wir haben in Tirol 10.000 bekannte Quellen. Die Hälfte davon wird eigentlich genutzt. Sie haben gesagt, es gibt gute und es gibt schlechte Quellen. Was ist eine gute Quelle, was ist eine schlechte Quelle?

Federspiel:

Stimmt, 5.000 Quellen von den 10.000 werden für die Trinkwasserversorgung genutzt. Eine gute Quelle zeichnet sich aus, dass sie quantitativ, qualitativ, hygienisch gute Eigenschaften aufweist. Sprich, die Schüttung ist über den Jahresverlauf gleichmäßig. Die äußeren Einflüsse, insbesondere Niederschlagsereignisse, wirken sich nicht direkt auf die Quelle aus. Sie ist mikrobiologisch, bakteriologisch einwandfrei. Sie ist hygienisch einwandfrei. Das zeichnet eine gute Quelle aus. Also im Wesentlichen keine großen Schwankungen aufweist.

Széchényi:

Ein großer Bau war ja vor kurzem die Mühlauer Quelle.

Federspiel:

Das ist eine sehr gute Quelle.

Széchényi:

Schön. Zurück zum Klima. Die großen Herausforderungen in der Zukunft sind Trockenheit und vor allem eine Verdunstung, eine viel stärkere Verdunstung des Wassers. Jetzt haben wir im Oberland zum Beispiel, Sie haben es gerade auch schon erwähnt, eine der trockensten Regionen Österreichs. Wie geht man denn da vor?

Federspiel:

Dieses Gebiet im Oberland, das im oberen Gericht, ist ein inneralpines Trockengebiet, aber schon immer schon gewesen. Man hat da ja schon eigentlich bereits vor Jahrhunderten Vorkehrungen getroffen - bewässert zum Beispiel. Diese Trockenheit hat natürlich Auswirkungen auf Landwirtschaft und die Wasserwirtschaft. Und dort bewässert man eben schon seit Jahrhunderten mit sogenannten Waalen. Das sind Bewässerungskanäle, künstlich angelegte Bewässerungskanäle, die das Wasser von dem hinteren Tal herausführen, sozusagen in diesen Kanälen und dann diese entsprechenden Flächen, landwirtschaftlichen Flächen bewässern. Heutzutage verwendet man natürlich auch Bewässerungssysteme, die sehr ausgerichtet sind auf wassersparende Systeme. Die nehmen Wasser aus dem Grundwasser, aber auch aus den Oberflächengewässern und verteilen das mit sehr wassersparenden Systemen. Wichtig dabei ist immer auch, dass auch Speichermöglichkeiten vorgesehen wird, dass ein entsprechender Ausgleich stattfindet.

Széchényi:

Also das Gebiet ist trocken, aber hat genug Wasser?

Federspiel:

Genau.

Széchényi:

Jetzt haben wir es eben gehört, wir haben eigentlich mehr als genug Wasser in Tirol. Dennoch kommt immer wieder auch der Aufruf Wassersparen. Warum?

Federspiel:

Wir haben natürlich auch Trockenperioden über längere Zeit, wie wir auch in der Vergangenheit festgestellt haben und die auch spürbar war. Diese Trockenperioden werden auch, von dem gehen wir schon aus, zunehmen. Insbesondere diese Trockenperioden werden wahrscheinlich länger anhalten. Und Wassersparen bedeutet ja im Wesentlichen Wassersparen im Rahmen der Trinkwasserversorgung, der Wasserversorgung so muss ich sagen eigentlich. Man sollte jetzt nicht weniger trinken, aber das Wassersparen hat ja Auswirkungen auf die Wasserversorgungsanlage einer Gemeinde, weil eine Wasserversorgungsanlage einer Gemeinde das Wasser bei der Quelle fast und dann in einen Hochbehälter leitet. Und dieser Hochbehälter versucht ja den Tagesbedarf auszugleichen. Die Quelle schüttet normalerweise konstant, aber der Verbrauch ist ja am Tagesverlauf sehr unterschiedlich. Und dieser Hochbehälter wird sozusagen dann gefüllt, teilweise auch natürlich in der Nacht wieder aufgefüllt. Und wenn jetzt weniger nachkommt, dann kann er vielleicht nicht mehr den gesamten Speicher auffüllen. Und dadurch wäre gerade bei diesen längeren Trockenperioden auf gewisse Dinge eben zu verzichten. Da geht es aber nicht darum, um weniger zu trinken oder sich auch weniger zu waschen. Da geht es wirklich eher darum, Auto nicht zu waschen in der Zeit oder den Pool zu befüllen. Ich hoffe, dass der Pool schon vorher gefüllt ist. Oder zum Beispiel auch den Garten mit Regenwasser zu bewässern. Wenn es einmal ab und zu länger trocken ist.

Széchényi:

Sie haben nicht nur das Trinkwasser über, sondern in Ihrer Abteilung auch den Hochwasserschutz. Da sind Sie zuständig. 2009, das ist schon eine Weile her, wurde da der Gefahrenzonenplan für das Unterland erstellt, nachdem 2005 ja Wörgl fast überflutet worden ist. Wie schaut es jetzt aus und wie weit sind denn die Planungen für einen umfassenden Hochwasserschutz im Unterland?

Federspiel:

Wir haben 2009 eigentlich für alle großen Gewässer in Tirol Gefahrenzonenpläne erstellen lassen. Gefahrenzonenpläne stellen den aktuellen Zustand in der Hochwassergefährdung dar mit roten und gelben Zonen auf Basis eines hundertjährigen Hochwassers. Und es laufen auch andere Projekte in Tirol zum Hochwasserschutz. Wir investieren jährlich gemeinsam mit Bund, Land und den Gemeinden in etwa 30 Millionen Euro. Und im Unterland war es so, dass diese Planungen nach den Gefahrenzonenplanungen durch das Land beauftragt worden sind und seit 2021 zwei Wasserverbände gegründet wurden: der Wasserverband Mittleres Unterinntal und der Wasserverband Unteres Unterinntal, die jetzt die Planungen weiterführen. Und gerade im Mittleren Unterinntal ist schon ein Teil umgesetzt worden, die Steinbrücke in Schwaz, die ja zu tief war, die verklausungsgefährdet war. Die hat man dann schon jetzt neu errichten können und derzeit ist im Mittleren Unterinntal ein weiteres Projekt, ein Bauabschnitt bei der Behörde eingereicht worden und da sind derzeit die Verfahren laufende Verfahren. Und die restlichen Projekte sind in der Fertigstellung der Einreichplanung und da sollten in den nächsten ein, zwei Jahren auch die behördlichen Verfahren durchgeführt werden.

Széchényi:

Also es geht was weiter.

Federspiel:

Es geht was weiter.

Széchényi:

Wir haben Starkregenereignisse, die werden auch immer öfter und heftiger. Die führen zu Überschwemmungen und zu Muren, aber in kleinen Einzugsgebieten. Sie haben jetzt gerade von hundertjährigen Hochwassern gesprochen. So ein Starkregenereignis macht jetzt nicht wirklich Hochwasser am Inn aus. Was braucht es denn dazu?

Federspiel:

Starkregenereignisse in den kleinen Einzugsgebieten lösen lokale Überflutungen aus, aber auch Muren natürlich. Solche Starkregenereignisse führen natürlich nicht zu Hochwässern am Inn. Das ist korrekt. Hochwässer am Inn, insbesondere große Hochwässer entstehen dadurch, dass langanhaltende Niederschläge niederfallen.

Széchényi:

Also es muss mehrere Tage richtig schütten.

Federspiel:

Es muss richtig schütten. Es ist auch kein Landregen, sondern es ist schon eine höhere Intensität. Es muss sozusagen schon niedergehen auf die gesamte Landesfläche, also nicht in kleinen Bereichen. Und es gibt solche Staulagen, die dafür verantwortlich sind oder die 5B-Wetterlagen, die können solche Ereignisse auslösen. Ganz wesentlich ist aber bei größeren Hochwässern am Inn auch, wie ist die Vorbefeuchtung und Sättigung des Bodens? Kann er überhaupt noch Wasser aufnehmen? Zum Beispiel ein Regen vor einer Woche hat ja den Boden schon gesättigt, kommt der zweite Regen dazu, kann er natürlich nicht mehr viel aufnehmen und fließt dann direkt ab. Aber ganz wesentlich auch für Hochwässer am Inn ist die Schneefallgrenze. Die Schneefallgrenze, wenn die sozusagen sehr tief liegt und sehr viel Schnee fällt, dann wird sehr viel zurückgehalten, flächig sozusagen, ein Niederschlag zurückgehalten und da ist eigentlich das Risiko eines größeren Hochwassers sehr gering. Wenn diese Schneefallgrenze natürlich sich anhebt und steigt und das alles als Regen niederfällt, dann ist natürlich die Gefahr eines Hochwassers am Inn natürlich größer.

Széchényi:

Aber das war in diesem Winter nicht der Fall?

Federspiel:

Ja, in diesem Winter war wenig Niederschlag. Die Schneeschmelze macht uns heuer natürlich kein Problem, aber es kann ja natürlich auch im Sommer Schnee fallen. Wir haben schon solche Ereignisse gehabt, wo sozusagen die Schneefallgrenze auch im Sommer herunterkommt. Aber besonders für Hochwasser am Inn ist, wenn die Schneefallgrenze sehr, sehr hoch ist, beziehungsweise über 3.000 Meter.

Széchényi:

Es war heuer nicht, aber in den letzten Jahren war es gefühlt, dass es ein 50-jähriges Hochwasser jedes Jahr da war.

Federspiel:

Ja, es hat in den vergangenen Jahren am Inn mehrere so 30-jährige Hochwässer gegeben. Das ist korrekt. Hochwässer einer gewissen Jährlichkeit werden auf Basis von statistischen Auswertungen ermittelt. Da gibt es entsprechende Kurven und Auswertungen und die sind im Wesentlichen vorwiegend für hundertjährige Ereignisse ermittelt worden. Das heißt, die Kurve geht natürlich auch für niedrige Ereignisse, Ergebnisse heraus, aber sind nicht plausibel.

Széchényi:

Aber ich wollte nur damit sagen, ein hundertjähriges Hochwasser kann durchaus auch alle zwei, in Abständen von zwei Jahren kommen zum Beispiel.

Federspiel:

Das ist korrekt. Also ein hundertjähriges Hochwasser kommt nicht nur alle hundert Jahre, statistisch gesehen sehr wohl, aber natürlich können die Einflüsse so sein, dass auch innerhalb von 20, 30 Jahren solche Hochwässer auftreten. Muss nicht unbedingt dazu führen, dass es dann eine andere Jährlichkeit bedeutet.

Széchényi:

Geht mit der Klimaerwärmung, der Trockenheit und so weiter die Hochwassergefahr zurück?

Federspiel:

Das Bundesministerium macht jetzt gemeinsam mit allen Bundesländern eine Studie „Wasser im Klimawandel“. Das hat man 2024 gestartet, ist ein Forschungsprojekt, wo genau oder im Rahmen dieses Forschungsprojektes genau diese Dinge angeschaut werden. Welchen Einfluss hat der Klimawandel auf Hochwasserabflüsse, auf die Trockenheit, auf die Abflüsse in den Gewässern, die Niedrigwasserabflüsse? Und davon erwarten wir schon uns wesentliche Erkenntnisse, wie wir dann zukünftig mit diesen Ergebnissen umgehen, insbesondere eben für den Hochwasserschutz, aber auch für andere Themen im Bereich der Wasserwirtschaft. Und diese Studie sollte jetzt heuer im November 2026 abgeschlossen werden. Und da werden wir zum ersten Mal sehen, welche Erkenntnisse daraus ableitbar sind.

Széchényi:

Für mich als Tiroler, als Innsbrucker oder auch als Mensch ist das Wasser einfach selbstverständlich in diesem Land. Für Sie sicher auch, aber Sie beschäftigen sich ja fast ausschließlich mit dem Wasser. Hat man da einen eigenen Zugang, einen besonderen Zugang oder Verhältnis zu Wasser?

Federspiel:

Die Selbstverständlichkeit des Wassers der Bevölkerung finde ich gar nicht so negativ, finde ich sehr positiv eigentlich, weil da die Rückkoppelung da ist, sozusagen, Sie sind mit der Trinkwasserversorgung in Tirol sehr zufrieden und ausreichend Wasser steht eben auch für die Nutzungen zur Verfügung. Natürlich hat man einen anderen Blick, wenn man sich jetzt schon über 30 Jahre mit dem Thema auseinandersetzt und gerade in der Abteilung Wasserwirtschaft, wir decken ja doch sehr viele Aufgaben ab, angefangen von der Hydrographie und Hydrologie, die den Wasserkreislauf erfasst, von Niederschlag über Verdunstung, bis zum Abwasser, bis zu Abflüsse, Grundwasserstände. Dann haben wir sozusagen die ganze Siedlungswasserversorgung in unserer Abteilung angesiedelt, das ist eben die Trinkwasserversorgung und das Abwasserthema, dann der Wasserbau, der sich um den Hochwasserschutz kümmert und aber auch die Gewässerökologie, die den ökologischen Part abdeckt und das ist schon ein sehr abgerundeter Aufgabenbereich und man hat natürlich eine andere Sichtweise auf dieses Thema. Aber ich muss sagen, ich bin da sehr positiv eingestellt, auch für die Zukunft zum Thema Wasser, weil ich glaube, wir haben in Österreich eine sehr gute Regelung, wie mit dem Wasser umgegangen wird im Rahmen des Wasserrechtsgesetzes. Wasserrechtsgesetz ist ja sozusagen eine Planungskompetenz, befindet sich beim Bund, das Wasserrechtsgesetz ist ein Bundesgesetz und da sind Regelungen getroffen worden, wie man unsere Gewässer schützt, wie man sie auch nutzen kann und wie wir uns vom Wasser schützen können.

Széchényi:

Aber es wird Ihnen wahrscheinlich genauso gehen wie uns allen, wenn wir aus dem Urlaub zurückkommen, dann sind wir verdammt froh, dass wir so ein gutes Wasser einfach aus der Leitung trinken können. Nehme ich jetzt einmal an.

Federspiel:

So ist es, ganz richtig.

Széchényi:

Sie haben in Ihrem Büro einen Druck mit einem Fahrradfahrer. Sie radeln viel und vor allem, Sie machen gerne große, mehrtägige Radtouren. Wo war denn die letzte und was war die schönste Radtour, die Sie da gemacht haben?

Federspiel:

Ja, das Radfahren ist schon meine Leidenschaft, auch für den Ausgleich mit unterschiedlichsten Rädern. Ich fahre gerne Rennrad, ich fahre gerne mit dem Mountainbike, ich fahre auch mit dem E-Bike, aber nur ins Büro und habe auch ein Gravelbike, mit dem ich diese Radtouren mache. Schwierige Frage, was war die schönste Radtour? Meine erste große, ich mache Radtouren auch teilweise alleine, die war vor 15 Jahren vom Reschenpass nach Triest und da hat man ja noch sozusagen die Radtouren als Radtouren bezeichnet. Heutzutage werden diese als Bikepacking-Touren bezeichnet und das Gepäck ist viel leichter geworden und auch viel angenehmer zum Fahren. Ja, meine schönste Tour kann ich jetzt gar nicht beantworten. Die letzte war an der Nordsee und an der Ostsee über zehn Tage. Das war schon sehr eindrucksvoll.

Széchényi:

Herr Federspiel, vielen herzlichen Dank für den Besuch im Studio. Danke fürs Gespräch.

Federspiel:

Herzlichen Dank für die Einladung.

Széchényi:

Das war ein Podcast des Landes Tirol mit Markus Federspiel, Abteilungsvorstand der Wasserwirtschaft. Federspiel ist überzeugt, dass auch in Zukunft die Tiroler mit ausreichend Trinkwasser versorgt werden. Dennoch macht Wassersparen Sinn, vor allem in trockenen Phasen. Beim Hochwasserschutz im Unterland geht vieles weiter und in seinen Urlauben radelt er schon mal von Tirol nach Triest. „Ins Land einihören“, den Podcast des Landes Tirol findet ihr auf tirol.gv.at/podcast, auf allen gängigen Podcast-Plattformen und auf YouTube. Danke fürs Zuhören und fürs Zusehen. Bis zum nächsten Mal sagt Dénes Széchényi.

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