Grenzüberschreitender Verkehr und Mobilität
Die Alpen mit ihrer Lage im Herzen Europas sind seit jeher nicht nur ein beliebtes Reiseziel sondern auch ein Durchzugsraum, sowohl für den Personen- als auch für den Güterverkehr. Tirol ist, wie viele andere Regionen im Alpenraum, besonders stark von steigenden Verkehrsströmen und deren negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt betroffen. Aufgrund der natürlichen Barriere, die die Alpen darstellen, konzentriert sich der Verkehr auf einzelne Korridore wie den Brenner. Zudem verstärkt die alpine Topographie die negativen Auswirkungen des Verkehrs wie Schadstoff- und Lärmemissionen, Verkehrsstaus mit mangelnden Ausweichrouten oder infrastrukturellen Eingriffe ins Landschaftsbild.
Neben diesen gemeinsamen Herausforderungen beeinflussen Maßnahmen an einem alpenquerenden Korridor auch die Verkehrssituation auf anderen Korridoren. Deshalb bedarf es im Alpenraum einer koordinierten Vorgehensweise. Ziel ist es, die Mobilität der Bevölkerung sicherzustellen, Warenströme nachhaltig zu gestalten und die empfindliche alpine Umwelt zu schonen. Nur durch dieses ausgewogene Vorgehen kann sich der Alpenraum langfristig auf sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Basis weiterentwickeln.
Das Land Tirol verfolgt das Leitbild der drei V: Vermeiden – Verlagern – Verbessern. Das bedeutet, unnötigen Verkehr zu vermeiden, den Verkehr verstärkt auf die Schiene zu verlagern und den verbleibenden Straßenverkehr zu optimieren. Mit diesem Ansatz setzt sich Tirol dafür ein, die negativen Auswirkungen des Verkehrs wirksam zu reduzieren. Um diese Ziele zu erreichen, engagiert sich Tirol aktiv in mehreren internationalen Kooperationen im Bereich Verkehr und Mobilität, etwa in der Aktionsgruppe 4 für Mobilität der EU-Strategie für den Alpenraum (EUSALP AG4) und iMONITRAF!, einem Netzwerk zur Überwachung und Verbesserung des alpenquerenden Verkehrs. In beiden Netzwerken übernimmt das Land Tirol die Rolle des (Co-)Lead-Partners und leitet somit die Kooperationen.
Darüber hinaus ist Tirol Mitglied in der Aktionsgemeinschaft Brennerbahn, die sich für eine Verbesserung des Schienenverkehrs auf dem Brennerkorridor einsetzt und aus den Wirtschafts- und Handelskammern, den Schieneninfrastrukturbetreibern sowie den Länder und Provinzen auf dem Brennerkorridor besteht. Ebenso wirkt Tirol in der Brenner Corridor Platform (BCP) mit, an der neben den Ländern und Provinzen die BBT SE, die Schieneninfrastrukturbetreiber und die nationalen Verkehrsministerien Deutschlands, Österreichs und Italiens gemeinsam den Schienenverkehr der Zukunft auf dem Brennerkorridor planen und gestalten.
→ AGB
→ BCP
EUSALP & Aktionsgruppe 4 Mobilität
EUSALP, die Europäische Strategie für den Alpenraum, ist eine von vier makroregionalen Strategien der Europäischen Union (EU). Das Gebiet der EUSALP erstreckt sich über insgesamt sieben Alpenländer (Deutschland, Frankreich, Italien, Liechtenstein, Österreich, Schweiz und Slowenien) und umfasst über 80 Mio. Menschen. Der Alpenraum zählt zu den wirtschaftlich dynamischsten, innovativsten und wettbewerbsfähigen Gebieten Europas. Allerdings sieht sich dieser mit großen Herausforderungen konfrontiert, die von der Alpenraumstrategie in Angriff genommen werden. So legt die Alpenraumstrategie den Fokus auf folgende Bereiche:
- Wirtschaftswachstum und Innovation,
- Mobilität und Erreichbarkeit, sowie
- Umwelt und Energie.
Die EUSALP besteht aus insgesamt 9 Aktionsgruppen (AGs). Die AG4 ist für den Bereich Mobilität bzw. Verkehr zuständig. Die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino leitet seit 2016 die Aktionsgruppe 4 Mobilität. Die Abteilung Mobilitätsplanung des Landes Tirol wurde mit der federführenden Abwicklung und strategischen Umsetzung der Leitfunktion betraut. Seit 2019 in Co-Leitung mit der französischen Région Sud Provence-Alpes Côte d´Azur.
Die AG4 ist eine Kooperationsplattform zwischen Regionen, Staaten und Interessensvertretern mit der Aufgabe, ein gemeinsames Verständnis für Verkehrspolitik und Mobilität zu entwickeln und in Projekten und politischen Beschlüssen umzusetzen. Die übergreifenden Themen im laufenden Work Plan lauten folgendermaßen:
- Energiewende und Dekarbonisierung des Straßen- und Schienenverkehrs
- Smarte saubere Logistik und Maßnahmen im Güterverkehr zur Förderung der Verlagerung auf die Schiene
- Smarter und nachhaltige Mobilität (lokal, regional und grenzüberschreitend)
- Förderung der Verbindungen zwischen alpinen Regionen und den TEN-Knoten
- Resilienz: Klimawandelanpassung der Verkehrsinfrastruktur und Schutz vor Naturgefahren ; Koordinierung von Baustellen
iMONITRAF!
Zahlreiche Regionen entlang der wichtigsten Alpenkorridore sind sehr stark vom täglichen Transitverkehr betroffen. Dies stellt die AnwohnerInnen der entsprechenden Korridore wie auch die Natur vor Ort vor große Herausforderungen, deren Lösung einer abgestimmten grenzüberschreitenden Vorgehensweise bedarf. Aus diesem Grund haben sich die am stärksten betroffenen Alpenregionen seit 2009 im Netzwerk iMONITRAF! zusammengeschlossen.
Seit 2018 leitet das Land Tirol diese Partnerschaft federführend. Das Projekt verfolgt drei Ziele:
- Wirken als politisches Netzwerk zum gegenseitigen Austausch und zur Stärkung der gemeinsamen Stimme der Alpenregionen,
- Datenerfassung und Darstellung von verkehrsrelevanten Indikatoren und von Auswirkungen künftiger Szenarien in der Verkehrsentwicklung, und
- Erarbeitung einer gemeinsamen Strategie zur Harmonisierung bestehender Verkehrslenkungsmaßnahmen und zur Einführung eines Steuerungsinstrumentes.
iMONITRAF! veröffentlich neben dem jährlichen Bericht zur Verkehrsentwicklung auch Factsheets zu ausgewählten Themen und Indikatoren, sowie Stellungnahmen zu Gesetzesvorlagen auf europäischer Ebene. Diese und zahlreiche weitere Dokumente finden Sie auf der Website www.iMONITRAF.org
Aktionsgemeinschaft Brennerbahn (AGB)
Die im Jahr 1991 gegründete Kooperation Aktionsgemeinschaft Brennerbahn (AGB) schließt sich aus den Provinzen und Ländern mit den Handelskammern von Verona, Trient, Bozen, Tirol und Bayern, sowie den nationalen Schieneninfrastrukturbetreibern zusammen. Das Ziel der AGB ist die Verbesserung des Schienenverkehrs auf der bestehenden Eisenbahnstrecke München - Verona sowie die Mitwirkung am Neubau einer Verbindung mit Basistunnel. In den vergangenen Jahren lag der Fokus insbesondere auf der Sicherstellung und Schaffung ausreichender Umschlagskapazitäten in den Terminals nördlich und südlich des Brenners. Nach den Vorsitzen Bayern 2019-2020, Südtirol 2021-2022 und Tirol 2023-2024 hat 2025-2026 die Autonome Provinz Trient den zweijährig rotierenden Vorsitz der AGB inne, 2027-2028 die Provinz Verona.
Brenner Corridor Platform (BCP)
Die Brenner Corridor Platform ist ein Zusammenschluss aus den Provinzen und Ländern des Brennerkorridors (Verona, Trient, Bozen, Tirol und Bayern), den nationalen Schieneninfrastrukturbetreibern sowie der BBT SE und den nationalen Verkehrsministerien. Das Ziel der BCP ist die gemeinsame Abstimmung für die Verbesserung des Schienenverkehrs auf der bestehenden Eisenbahnstrecke München - Verona sowie das Abstimmen der notwendigen Maßnahmen, um bis zur Eröffnung des Brenner Basistunnels samt schrittweisem Ausbau der Zulaufstrecken, die infrastrukturellen und betrieblichen Voraussetzungen zur effektiven Verlagerung des Schwerverkehr von der Straße auf die Schiene zu schaffen.
Dazu hat die BCP verschiedene Arbeitsgruppen eingerichtet. Das Land Tirol leitet die Arbeitsgruppe Umwelt. Auf ihrer Website veröffentlicht die BCP regelmäßig die Ergebnisse ihrer Arbeitsgruppen in Form von Studien: https://www.bcplatform.eu/
ESBM – Verkehrsdaten: Datengrundlage für ein grenzüberschreitendes Verkehrsmanagement
Die Universität Innsbruck, Institut für Infrastruktur, Arbeitsbereich Intelligente Verkehrssysteme und die TU München, Lehrstuhl für Verkehrstechnik, wurden durch die EUREGIO SBM (Schwaz, Bad Tölz – Wolfratshausen, Miesbach) mit dem Projekt „ESBM – Verkehrsdaten“ beauftragt.
Ziele und Ergebnisse:
Ziel des Projekts ist es, mit einem grenzüberschreitenden Ansatz einen Gesamtüberblick (Datenbasis) über Quell-, Ziel- und Durchgangsverkehre im Euregio Gebiet mit Fokus auf den grenzüberschreitenden Verkehr zu schaffen und eine Grundlage für die Ableitungen von Maßnahmen für ein umfassendes Verkehrsmanagement (grenzüberschreitend & regional) herauszuarbeiten.
Partner:
Tourismusverband Achensee, Land Tirol, Landratsamt Bad Tölz – Wolfratshausen, Landratsamt Miesbach, Regionalentwicklung Oberland
Laufzeit: 4/2025 bis 10/2025
Weitere Informationen: Verkehrsdaten | Euregio SBM
