Historische Karten

Alte Karten sind wichtige Bild- und Schriftquellen. Karten berichten optisch von Räumen und dokumentieren in zeitlicher Dimension Gebiete, Gebiete wie eben das Land Tirol. Siedlungen, Straßen und Wege, Flüsse und Bäche, Wälder und Felder, genutzt und stetig verändert von Menschen, das Gelände bis hin zu den unwirtlichen Bergen, Gebiete, die beherrscht und mit Grenzen umfangen werden, all das ist und kann das Thema von Karten sein. Karten liefern wichtige „topographische Informationen aus der Vergangenheit.

Vorgestellt und veröffentlicht werden in der Anwendung  „Historische Karten Tirols“, aufgeteilt nach Maßstab und inhaltlichen Kriterien in vier Kategorien,an die 320 Karten und Kartenwerke, die rund 2600 Kartenblätter umfassen. Überwiegend stammen die Karten aus den Karten- und Plänesammlungen des Tiroler Landesarchiv, den Rest haben das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, das Österreichische Staatsarchiv, das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen (BEV), die Österreichische Nationalbibliothek, das Stadtarchiv Innsbruck und die Universitätsbibliothek Innsbruck zur Publikation bereitgestellt.Keine wichtige topographische Karte über Tirol wurde ausgelassen. Berücksichtigt sind die bekannten Tirol-Karten von Warmund Ygl (1605) und Mathias Burglechner (1611 und 1629) sowie der Atlas Tyrolensis (1774) von Peter Anich und Blasius Hueber. Alle drei unter der Regie des Militärs im Habsburgerreich durchgeführten Landesaufnahmen sind vertreten, und zwar mit den handgezeichneten und farbigen Aufnahmeblättern im Maßstab 1:28.800 (Erste und Zweite Landesaufnahme) bzw. 1:25.000 (Dritte Landesaufnahme) aus den frühen 1820er bzw. 1870er Jahren. Von der Zweiten und Dritten Landesaufnahme wurden Karten abgeleitet und veröffentlicht: Die 1823 als Kupferstich erscheinende Spezialkarte von Tirol, Vorarlberg und Liechtenstein im Maßstab 1:144.000 und die Spezialkarte Österreich-Ungarns 1:75.000, eine SW-Lithographie. Seit der Zwischenkriegszeit wurde die Spezialkarte sukzessive durch die Österreichkarte 1:50.000 abgelöst.

Dem Wasserbau und dem Straßenbau verdanken wir wertvolles Kartenmaterial, weil zu Bauzwecken die Landesbaudirektion in Innsbruck das Gelände entlang der Hauptflüsse und der Hauptstraßen, als Land- oder Reichsstraßen damals bezeichnet, von ihren Technikern hat mappieren lassen. Unter ihnen war ein so berühmter Mann wie Alois Negrelli. Der Maßstab all dieser Karten aus den ersten zwei, drei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts war ca. 1:3.600. Hervorzuheben ist die Innkarte, die von der Schweizer bis zur deutschen Grenze reicht.

Seit dem 16. Jahrhundert ist die Grafschaft Tirol als ganzes Land in zahlreichen Landkarten dargestellt,kleinmaßstäbigen Karten in handlichem Format. Die erste Landkarte von Tirol geht auf den Wiener Humanisten Wolfgang Lazius zurück und datiert aus dem Jahre 1561. Die vielen Landkarten von Tirol, die im 17. und 18. Jahrhundertbei oberdeutschen, niederländischen und französischen Verlagen erschienen sind, bringen, was die topographischen Informationen betrifft, nichts Neues. Trotzdem wurden der Vollständigkeit halber viele Landkarten zusammengetragen, zumal manche Landkarten durch ihre künstlerische Gestaltung glänzen.

In den Kartensammlungen des Tiroler Landesarchivs gibt viele handgezeichnete Karten, die lediglich einen örtlichen, besten Falls regionalen Bezug haben und/oder einen administrativen Bezug aufweisen, weil Grenzen und Nutzungen umstritten waren, Grund und Boden geteilt, Bergschätze abgebaut, Festungen, Straßen- und Wasserschutzbauten errichtet wurden und so fort. Für diese großmaßstäbigen Grenz-, Forst-, Bergbau-, Festungs- oder wie immer Karten wurde eine eigene Kategorie geschaffen. Hier Vollständigkeit anzustreben wäre vermessen, man muss sich damit begnügen, typische Beispiele zu bringen und die eine oder andere Rarität zu präsentieren. Zu letzteren zählen die Karte des tirolisch-bayerischen Grenzgebiets im Karwendel von Paul Dax (1544) und die Karte des Zillertals von Hilarius Duvivier (ca. 1630).