- Tirolweit rund 23.000 Personen in Gesundheitsberufen tätig
- Interesse an Ausbildung und vernetzter Zusammenarbeit in Primärversorgungseinheiten steigt
Der demografische Wandel, die steigende Lebenserwartung und zunehmend komplexe Krankheitsbilder stellen immer höhere Anforderungen an das Gesundheitswesen. Eine starke Gesundheitsversorgung braucht daher Fachkräfte mit vielfältigen Kompetenzen und eine optimale Zusammenarbeit aller im Gesundheitswesen tätigen Berufe – von ÄrztInnen über Hebammen bis hin zur Pflege und den verschiedenen Gesundheitsberufen. Für eine gute Vernetzung sind alle Stakeholder im Gesundheitsbereich in der Tiroler Gesundheitsplattform vertreten. Innerhalb dieser Plattform vertritt nun auch das „Netzwerk Gesundheitsberufe Tirol“ rund 23.000 Fachkräfte der Berufsgruppen Psychologie, Psychotherapie, Hebammenwesen, Pflege sowie die gehobenen medizinisch-therapeutisch-diagnostischen Gesundheitsberufe (darunter Biomedizinische Analytik, Diaetologie, Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie, Radiologietechnologie und Orthoptik). Heute, Mittwoch, stellten Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele und die Sprecherin der Gesundheitsberufe Tirol, Daniela Renn, das Netzwerk vor. Sie zeigten auf, welche Chancen in der Vernetzung verschiedener Gesundheitsberufe, beispielsweise durch integrierte Versorgungsprogramme und Primärversorgungszentren, für eine patientenorientierte und ganzheitliche Gesundheitsversorgung liegen.
„Die rund 23.000 Fachkräfte aus der Psychologie und Psychotherapie, dem Hebammenwesen, der Pflege sowie den gehobenen medizinisch-therapeutisch-diagnostischen Gesundheitsberufen leisten einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheitsversorgung der Tiroler Bevölkerung. Um die Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige Versorgung gemeinsam bestmöglich weiterzuentwickeln, fließen die Anliegen aller Gesundheitsberufe verstärkt in die Tiroler Gesundheitsplattform ein – nun auch unter einem neuen Dach die Perspektiven der Tiroler Gesundheitsberufe“, betont LRin Hagele.
Netzwerk vertritt fünf Berufsgruppen in Gesundheitsplattform
Die Tiroler Gesundheitsplattform ist gemeinsam mit der Landes-Zielsteuerungskommission (L-ZK) eines der zentralen Organe des Tiroler Gesundheitsfonds (TGF). Der TGF übernimmt wichtige Aufgaben in der Planung, Steuerung und Finanzierung des Tiroler Gesundheitswesens. Die Gesundheitsplattform schafft einen strukturellen Rahmen für die Vernetzung aller relevanten Stakeholder im Gesundheitswesen: Darin vertreten sind das Land Tirol, VertreterInnen der Sozialversicherung, des Bundes sowie der Tiroler Krankenanstalten, die Ärztekammer Tirol, der Tiroler Gemeindeverband und der Städtebund, die Tiroler PatientInnenvertretung und nun auch das „Netzwerk Gesundheitsberufe Tirol“.
Netzwerksprecherin Daniela Renn erklärt: „Die verschiedenen Gesundheitsberufe bringen unterschiedliche fachliche Perspektiven und wertvolle Expertise in die Versorgung ein. Als ‚Netzwerk Gesundheitsberufe Tirol‘ wollen wir diese Vielfalt in der Tiroler Gesundheitsplattform sichtbar machen, die Anliegen der vertretenen Berufsgruppen aufzeigen und uns aktiv an der Weiterentwicklung des Gesundheitswesens beteiligen. Unser gemeinsames Ziel ist es, die fachliche Vielfalt und Expertise der verschiedenen Berufsgruppen zu nutzen und an einer bedarfsgerechten, zukunftsfähigen Gesundheitsversorgung für die Tiroler Bevölkerung mitzuwirken. Denn eine gute Gesundheitsversorgung orientiert sich an den Bedürfnissen der Menschen und nicht an den Grenzen einzelner Berufsgruppen. Genau das ist der Grundgedanke des Netzwerks Gesundheitsberufe Tirol.“
Zahl der Auszubildenden im Gesundheitsbereich gestiegen
Die Bedeutung der Gesundheitsberufe spiegelt sich auch in der Entwicklung der Ausbildungszahlen wider: Mit aktuell rund 2.600 Personen in der Pflegeausbildung verzeichnet Tirol einen Höchststand. Auch bei der Pflegelehre nimmt Tirol mit derzeit 162 Pflegelehrlingen österreichweit eine Vorreiterrolle ein. Die Zahl der Auszubildenden im Gesundheitsbereich ist in den vergangenen fünf Jahren gestiegen – sowohl an der fh gesundheit als auch am Ausbildungszentrum West für Gesundheitsberufe (AZW).
Im aktuellen Studienjahr 2026/27 sind an der fh gesundheit rund 2.100 Studierende inskribiert, davon rund 1.400 im Bachelorbereich der Gesundheitsberufe. Im Vergleich zum Studienjahr 2021/22, in dem rund 1.300 Bachelor-Studierende in diesen Bereichen verzeichnet wurden, entspricht das einem Anstieg um rund acht Prozent. Auch am AZW ist die Zahl der Auszubildenden in den Pflege- und medizinischen Assistenzberufen gestiegen: von rund 270 im Jahr 2021 auf über 390 im Jahr 2026.
„Die Sicherstellung einer bedarfsgerechten Gesundheitsversorgung beginnt bereits bei der Ausbildung. Gemeinsam leisten die fh gesundheit und das AZW einen wesentlichen Beitrag dazu, qualifizierte Fachkräfte für das Tiroler Gesundheitswesen auszubilden. Durch die Unterstützung des Landes konnten die Ausbildungskapazitäten in den vergangenen Jahren stetig erweitert werden“, erklärt LRin Hagele und ergänzt: „Um noch mehr Menschen für Gesundheitsberufe zu gewinnen und insbesondere dem steigenden Personalbedarf in der Pflege zu begegnen, haben wir zudem den monatlichen Ausbildungsbeitrag für Pflege- und Sozialbetreuungsberufe dieses Jahr auf rund 660 Euro erhöht.“
Daniela Renn ergänzt: „In Österreich besteht ein erheblicher Mangel an praktischen Fachausbildungsplätzen für Klinische und Gesundheitspsychologinnen und -psychologen. Rund 800 Personen befinden sich derzeit in Fachausbildung, österreichweit stehen jedoch nur etwa 200 Ausbildungsplätze zur Verfügung – Tendenz sinkend. Um die psychologische Gesundheitsversorgung langfristig sicherzustellen, braucht es dringend zusätzliche Ausbildungsplätze. Ein gemeinsamer Schulterschluss von allen relevanten Akteuren ist hier von Nöten. Die Psychotherapie geht ganz aktuell neue Wege: Seit diesem Semester wird das Studium Psychotherapie an sieben Standorten in Österreich angeboten – in Innsbruck, Salzburg, Linz, Graz, Wien, Klagenfurt und Krems. Damit erhält die Psychotherapie eine neue akademische Verankerung und eröffnet zukünftige Perspektiven für die Ausbildung und Profession.“
Chancen für eine vernetzte Zusammenarbeit
Die beruflichen Perspektiven für die verschiedenen Gesundheitsberufe gehen dabei weit über klassische Einsatzbereiche wie Krankenanstalten, Alten- und Pflegeheime oder Rehabilitationszentren hinaus. Zunehmend gewinnen multiprofessionelle Teams und vernetzte Versorgungsmodelle an Bedeutung, etwa in Primärversorgungseinheiten (PVE) oder in der integrierten Versorgung im Rahmen von Programmen des Landesinstituts für integrierte Versorgung (LIV Tirol) zum Beispiel HerzMobil Tirol, dem Schlaganfallpfad Tirol oder dem Pilotprojekt Diabetes (mehr dazu: siehe Pressemitteilung vom 1. Mai 2026). Dabei arbeiten unterschiedliche Gesundheitsberufe eng zusammen, stimmen Diagnostik, Therapie, Pflege und Betreuung aufeinander ab und begleiten PatientInnen möglichst durchgängig entlang des gesamten Versorgungsprozesses.
Deshalb wurde auch im Regionalen Strukturplan Gesundheit (RSG) 2030 der Ausbau der Primärversorgung in Tirol als zentraler Schwerpunkt festgehalten. Die derzeit vier PVE-Standorte in Innsbruck, Fulpmes, Telfs und Wörgl sollen bis 2030 auf insgesamt 16 PVEs erweitert werden. Anfang Oktober endete die aktuelle Ausschreibung der ÖGK für sechs weitere PVE-Standorte in Innsbruck – in den Stadtteilen Amras, Wilten und Dreiheiligen – sowie in St. Johann in Tirol, Kufstein und Landeck. „Diese Entwicklung eröffnet vielfältige berufliche Möglichkeiten und stärkt zugleich eine niederschwellige, moderne und interdisziplinäre Gesundheitsversorgung. Sie zeigt, wie entscheidend die Vernetzung der verschiedenen Berufsgruppen für eine ganzheitliche und zukunftsorientierte Versorgung ist. Patientinnen und Patienten profitieren von einem breiteren Leistungsangebot, erweiterten Öffnungszeiten und einer umfassenderen Betreuung aus einer Hand“, so die Gesundheitslandesrätin.



